Goldene Zeiten

Seit Jahresbeginn hat Gold rund 27 Prozent an Wert zugelegt. Über die Ursachen und ob das Edelmetall weiterhin eine attraktive Anlage bleibt, haben wir mit Daniel Bathe, Rohstoffexperte bei Union Investment, gesprochen.

Daniel Bathe, Senior Portfoliomanager im Team Asset Allocation bei Union Investment

Herr Bathe, Gold hat seit Jahresanfang eine gewaltige Rallye hingelegt. Was sind die Gründe dafür?

Es sind mehrere Ursachen. Das gelbe Edelmetall ist immer in Krisenzeiten oder unsicheren Marktphasen gefragt. Konjunktursorgen, die Diskussion rund um das Brexit-Referendum in Großbritannien sowie Trump als möglicher US-Präsident beunruhigen die Marktteilnehmer. Auch der vorübergehend schwächelnde US-Dollar, den wir insbesondere im Frühjahr gesehen haben, hat den Preis beflügelt. Denn Gold wird weltweit in der US-Währung gehandelt. Darüber hinaus spielt das Niedrigzinsumfeld dem Edelmetall in die Karten. Auf dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto erhält der Anleger kaum noch Zinsen – wenn er nicht sogar drauf zahlen muss. Auch Anleihen rentieren überwiegend negativ. Der Nachteil, dass Gold keine Zinsen bringt, wendet sich in diesen Zeiten also zu einem Vorteil. Die Anleger können hier von den Preissteigerungen profitieren.


Wie kann der Anleger denn in Gold investieren?

Eine Möglichkeit ist natürlich Gold direkt zu kaufen. Allerdings muss sich der Anleger dann um Lagerung und möglicherweise die Versicherung der Goldbarren kümmern. Wer sich damit nicht rumschlagen will, trotzdem aber an der Goldpreis-Entwicklung teilnehmen möchte, kann in so genannte Gold-ETFs investieren. Das sind börsengehandelte Wertpapiere, die physisch mit Gold besichert sind. Und diese werden in diesem Jahr rekordverdächtig nachgefragt. Schon 560 Tonnen Gold sind seit Jahresbeginn in diese Anlageform geflossen – der stärkste Zuwachs seit der Finanzkrise in den Jahren 2008/2009.


Lohnt es sich denn jetzt noch, in Gold zu investieren? Wo sehen Sie den Goldpreis Ende des Jahres?

Wir rechnen Ende 2016 mit einem Goldpreis von 1.450 US-Dollar pro Feinunze. Rund acht Prozent Preissteigerung sollte also noch drin sein. Dies dürfte unter anderem mit der anhaltenden ETF-Nachfrage zusammenhängen. Und das sich eintrübende globale Wirtschaftswachstum sollte ebenfalls unterstützen. Auch die Angebotsseite dürfte für Aufwind sorgen. Denn einige Minenbetreiber, die beim vergleichsweise niedrigen Goldpreis 2015 ihre Arbeit einstellen mussten, können ihre Produktion nicht so schnell wieder hochfahren. Gegenwind käme hingegen auf, wenn sich das Konjunkturbild enorm verbessert – und die US-Notenbank dann doch schneller die Zinsen erhöhen würde. Als Folge würden Anleger die Gelder aus Gold abziehen und in alternative Anlageklassen investieren. Druck auf den Goldpreis ausüben könnten auch taktisch handelnde Anleger, die bei diesen Preisen Gewinne mitnehmen wollen.

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