Was sind die Verlustverrechnungstöpfe?

Vor Einführung der Abgeltungsteuer stellte der Stückzinstopf eine zeitanteilige Verrechnung von Zinsen, Stückzinsen und Zwischengewinnen sicher. Dieser Topf wurde im Rahmen der Abgeltungsteuer in einen Verlustverrechnungstopf umgewandelt. Dabei wurde sein Umfang deutlich erweitert. Dies Verlustverrechnungstopf beinhaltet seit 2009 auch Veräußerungsverluste.

Gewinne verrechnen

Für die Ermittlung der abzuführenden Abgeltungsteuer sind der allgemeine Verlustverrechnungstopf, der Freistellungsauftrag und die anrechenbare ausländische Quellensteuer zu berücksichtigen. Dabei hat die Verlustverrechnung Vorrang vor der Berücksichtigung des Freistellungsauftrages. Das bedeutet:
- Bei Gewinnen wird zunächst ein bereits bestehender Verlustverrechnungstopf zu verwenden.
- Verbleiben nach Verrechnung sämtlicher positiver und negativer Einkünfte noch positive Einkünfte, kann der Freistellungsauftrag berücksichtigt werden.
- Auf die sich dann ergebende Abgeltungsteuer (also nach Verlustverrechnung und Berücksichtigung des Freistellungsauftrages) kann die ausländische Quellensteuer angerechnet werden. Eine Anrechnung erfolgt jedoch nur in dem Umfang, in dem auch deutsche Abgeltungsteuer anfallen würde.

Ausländische anrechenbare Quellensteuer

Aufgrund der Reform der Investmentbesteuerung zum 1. Januar 2018 weisen Investmentfonds seitdem grundsätzlich keine auf Fondsebene gezahlte ausländische anrechenbare Quellensteuer mehr aus. Eine Anrechnung der auf der Fondsebene gezahlten ausländischen Quellensteuer auf die Abgeltungsteuer eines Privatanlegers ist daher seitdem auch im UnionDepot nicht mehr möglich. Eine Anrechnung ausländischer Quellensteuer kann im Hinblick auf Fonds nur noch in denjenigen Fällen erfolgen, in denen auf der Fondsausgangsseite eine Quellensteuer anfällt; dies kann bspw. bei belgischen Fonds der Fall sein. Als Ausgleich auch für den Wegfall der anrechenbaren ausländischen Quellensteuer hat der Gesetzgeber sog. Teilfreistellungen für Aktien-, Misch- und Immobilienfonds eingeführt.
 

Verluste verrechnen

- Fallen Verluste an, erfolgt zunächst eine Rückrechnung bereits gezahlter Abgeltungsteuer, d.h. eine Verrechnung mit bereits erzielten Gewinnen.
- Sofern die Verluste diesen Betrag übersteigen, kommt anschließend eine Rückrechnung des Freistellungsauftrages in Betracht.
- Das heißt, ein bereits verbrauchter Freibetrag kann durch nachträglich erzielte Verluste wieder aufleben.
- Ist auch dieser Betrag ausgeschöpft, werden die übersteigenden Verluste in den allgemeinen Verlustverrechnungstopf eingestellt.
Für Aktienverluste ist zusätzlich zu dem allgemeinen Verlustverrechnungstopf ein separater  Verlustverrechnungstopf zu führen, der für das UnionDepot jedoch nicht relevant ist, da er nur auf Aktien, nicht aber auf Aktienfonds Anwendung findet. Sofern ein derartiger Verlusttopf durch Depotübertrag mitgeliefert wird, erfolgt ein Ausweis gegenüber dem Anleger, da dieser Verlustvortrag auf Ebene des UnionDepots im Rahmen von Fondsanteilen nicht nutzbar ist. Durch die Bescheinigung kann der Anleger den Verlust zur Verrechnung mit Gewinnen aus Aktien im Rahmen seiner Veranlagung nutzen.
 

Die Regelungen im Überblick

Verlustverrechnungstopf 

Aufbau / Erhöhung mit:
- Mitgekauften Stückzinsen
- Mitgekauften Zwischengewinnen (nur bis 31. Dezember 2017 aufgelaufene Zwischengewinne)
- Veräußerungsverlusten aus allen Wertpapieren außer Aktien
Abbau mit:
- Zins- und Dividendenerträgen (Zinsen / Dividenden), Ausschüttungen von Investmentfonds, Vorabpauschale von Investmentfonds
- Stückzinsen bei Verkauf
- Zwischengewinn bei Verkauf (nur bis 31. Dezember 2017 aufgelaufene Zwischengewinne)
- Veräußerungsgewinne aus allen Wertpapieren (inkl. Aktien)
Der Verlustverrechnungstopf wird am Ende eines Kalenderjahres grundsätzlich nicht auf Null gestellt, sondern unbegrenzt auf die Folgejahre vorgetragen. Damit können die Gewinne des Folgejahres mit den Verlusten der Vorjahre verrechnet werden.
Ausnahme: der Anleger beantragt bis 15. Dezember eines Jahres eine „Verlustbescheinigung“. In diesem Fall wird der Verlustverrechnungstopf auf Null gestellt und der Anleger kann die bescheinigten Verluste im Rahmen der Veranlagung mit anderen Gewinnen bzw. Erträgen verrechnen.
 

Häufige Fragen, klar beantwortet

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