Investmentsteuerreform 2018

2009 wurde die Abgeltungssteuer eingeführt. Seitdem gab es hinsichtlich der Besteuerung von Kapitalanlagen keine größeren Änderungen. 2018 haben sich allerdings für die Anlage von Privatanlegern in Investmentfonds einige Änderungen ergeben. Hierüber möchten wir Sie informieren.

Warum hat der Gesetzgeber überhaupt die Investmentbesteuerung geändert?
Vorrangiges Ziel ist die Sicherstellung der Europarechtskonformität gewesen: bisher wurden ausländische Fonds hinsichtlich deutscher Erträge steuerlich schlechter gestellt als deutsche Fonds. Dies entsprach nicht dem Europarecht und musste daher geändert werden.
Daneben wollte der Gesetzgeber ein Steuersystem schaffen, das einfacher und verständlicher sein soll.

Welche Neuerungen hat es gegeben?
Bisher waren inländische Erträge, die der inländische Fonds vereinnahmt, auf der Fondsebene grundsätzlich steuerfrei. Erst auf Anlegerebene wurde besteuert.
Nun werden bestimmte Erträge aus inländischen Quellen (insbesondere Dividenden, Mieterträge und Veräußerungsgewinne aus deutschen Immobilien) bereits im Fonds mit einer Körperschaftsteuer in Höhe von 15% (bei Immobilienerträgen zzgl. Solidaritätszuschlag) belastet. Auch ausländische Quellensteuern sind nun nicht mehr anrechenbar.
Der Gesetzgeber möchte allerdings insgesamt Steuererhöhungen vermeiden, daher wurden gleichzeitig sogenannte „Teilfreistellungen“ eingeführt. Dies bedeutet, dass ein gewisser Prozentsatz des Zahlungsstroms auf Anlegerebene steuerfrei bleibt und zwar

• 15% für Mischfonds
• 30% für Aktienfonds
• 60% bei Immobilienfonds
• 80% bei Immobilienfonds mit überwiegend ausländischen Immobilien

Diese „Teilfreistellungen“ gelten nicht nur für Ausschüttungen, sondern auch für den Veräußerungsgewinn sowie die Vorabpauschale.
Neu ist auch, dass die Fondsbesteuerung auf ein „cash flow“(Zufluss)-Prinzip umgestellt wurde. Das bedeutet, dass Ausschüttungen – vorbehaltlich einer Teilfreistellung -  stets in voller Höhe steuerpflichtig sind, es findet also keine Unterteilung der Ausschüttung nach steuerfreien und steuerpflichtigen Bestandteilen mehr statt.

Im Zuge der Vereinfachung wurden auch steuerliche Kennzahlen wie Zwischengewinn und Immobiliengewinn abgeschafft.
Sofern keine oder eine zu geringe Ausschüttung erfolgt, soll dennoch – analog zu den derzeitigen thesaurierten Erträgen – eine Besteuerung erfolgen. Hierfür  wird es eine sogenannte „Vorabpauschale“ geben. Die Vorabpauschale beträgt 70% des sogenannten „Basiszinses“ (Basiszins für 2016 1,1%; für 2017: 0,59%), der offiziell von der Deutschen Bundesbank veröffentlicht wird. Die Vorabpauschale ist aber auf den Wertzuwachs im Kalenderjahr begrenzt – es wird also nicht etwas besteuert, was nicht erwirtschaftet wurde. Auf die Vorabpauschale wird am ersten Werktag des folgenden Kalenderjahres von der depotführenden Stelle Abgeltungsteuer einbehalten.
Der eigentlich unbegrenzt geltende Bestandsschutz für Kursgewinne aus Fondsanteilen, die vor 2009 gekauft wurden, wurde per 31.12.2017 gekappt. Dies wurde durch eine fiktive Veräußerung und Neuanschaffung erreicht. Die bis 31.12.2017 angefallenen unrealisierten Kursgewinne bleiben aber auch weiterhin steuerfrei. Außerdem wurde für diese Altveräußerungsgewinne ein sehr hoher einmaliger persönlicher Freibetrag von 100.000 € pro Person (das heißt 200.000 EUR für gemeinsam veranlagte Eheleute und einem Gemeinschaftsdepot) eingeführt, der sich nur auf die Wertentwicklung ab 2018 bezieht. Dieser kann nur im Rahmen der Steuerveranlagung geltend gemacht werden.

 

Die Darstellungen entsprechen dem Stand zum Zeitpunkt der Erstellung der Information im Hinblick auf die gegenwärtige Rechts- und Steuerlage, die sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern kann.
Stand 23.11.2017


Der Gewinn ist steuerfrei, wenn der Anleger seinen Freibetrag von 100.000 EUR in der Steuererklärung geltend macht. Der durchschnittliche Privatanleger dürfte daher von der Kappung des Bestandsschutzes nicht betroffen sein.
 

Umstellung auf das neue Steuersystem zum Jahreswechsel

Zum 31. Dezember 2017 wurden die bislang aufgelaufenen Steuerdaten in allen Kundendepots festgeschrieben. Dazu wurden zu diesem Zeitpunkt alle Fondsanteile rein technisch veräußert und wieder neu angeschafft – da dieser Vorgang nur „fiktiv“ erfolgt, haben Sie grundsätzlich keine Abrechnung darüber bekommen. Durch diese fiktive Veräußerung sollte lediglich der vollständige Wechsel für alle Anteile auf die neue Besteuerungssystematik sichergestellt werden. Zudem erfolgte für alle deutschen und Luxemburger Fonds, auch die ausschüttenden, zum Jahresende 2017 eine Thesaurierung.
 

Die steuerlichen Größen wurden durch die fiktive Veräußerung „festgeschrieben“. Besteuert wurden sie aber – mit Ausnahme der Thesaurierung – nicht sofort, sondern erst bei Veräußerung der betroffenen Anteile. Es hat also durch die fiktive Veräußerung am Jahresende keine Steuerbelastung gegeben.
 

Details zur Thesaurierung zum Jahresende

Am 31. Dezember 2017 wurden die seit dem letzten Fondsgeschäftsjahresende angefallenen ordentlichen Erträge, die unter das alte Investmentsteuergesetz fallen, steuerpflichtig. Das betrifft die ausschüttenden und auch die thesaurierenden Fonds. Bei den deutschen und ausländischen Fonds ist Folgendes zu beachten:
 

Bei deutschen Fonds erfolgte auf den ermittelten steuerpflichtigen Ertrag der Abzug von Kapitalertragsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
 

Bei ausländischen Fonds erfolgte lediglich die Ermittlung des steuerpflichtigen Ertrags. Der steuerpflichtige Betrag wird in der Steuerbescheinigung 2017 ausgewiesen und ist in der Steuererklärung für das Jahr 2017 anzugeben, sofern der Sparerpauschbetrag zusammen mit anderen Erträgen überschritten wird. Dies betrifft einmalig auch ausländische Fonds, die ansonsten ihre Erträge ausgeschüttet haben.
 

Zwischenausschüttung bei Immobilienfonds
Für die beiden Offenen Immobilienfonds UniImmo: Deutschland und UniImmo: Global, die ihr Geschäftsjahresende jeweils im März haben, nutzten wir die Möglichkeit, die Erträge der ersten sieben Monate des Geschäftsjahres in Form einer Zwischenausschüttung Mitte Dezember 2017 den Anlegern auszuzahlen. Somit konnten letztmalig vor der Umstellung der Investmentbesteuerung steuerfreie Erträge ausgeschüttet werden. Die Details zur jeweiligen Ausschüttungshöhe dieser Zwischenausschüttung haben Sie in der dazugehörigen Abrechnung erhalten, die im Dezember 2017 verschickt wurde.
 

Die wesentlichen Neuerungen für Privatanleger ab 2018 auf einen Blick:

• inländische Dividenden und Immobilienerträge werden bereits auf Fondsebene mit einer Körperschaftsteuer von 15% (bei Immobilienerträgen. zzgl. SolZ) belastet.
• Eine Entlastung gibt es durch „Teilfreistellungen“ auf Anlegerebene – unterschiedlich nach Fondsart
• Fondsbesteuerung wird auf Besteuerung des Zahlungsstroms („cash flow“-Besteuerung) umgestellt.
• Wegfall steuerlicher Kennzahlen wie Zwischengewinn, Immobiliengewinn etc. und der steuerlichen Hinweise
• Einführung einer Mindestbesteuerung durch „Vorabpauschale“
• Kappung des steuerlichen Bestandsschutzes für Altanleger – aber neuer Freibetrag von 100.000 Euro/Person