Corona-Turbulenzen am Kapitalmarkt

Wie verhalte ich mich als Anleger in dieser Situation?

Wie verhalte ich mich als Anleger in dieser Situation?

23.3.2020: Das Coronavirus führt zu heftigen Turbulenzen an den Kapitalmärkten. Nahezu alle Assetklassen verbuchen deutliche Verluste. Stand der deutsche Leitindex DAX vor vier Wochen noch bei knapp 13.800 Punkten, so notiert er derzeit gerade mal bei 8.600 Punkten. Und auch die einst „sicheren Häfen“ wie deutsche Bundesanleihen oder US-Staatspapiere stehen auf der Verliererseite. Selbst die weitreichenden Unterstützungspakete von Staaten und Notenbanken konnten die Märkte nicht beruhigen. Auch zum Start der neuen Woche gaben die Kurse weiter nach.

Die starke weltweite Ausbreitung des Coronavirus, geschlossene Grenzen und immense Eindämmungsmaßnahmen seitens der Regierungen nähren bei Investoren die Sorge vor einer Rezession der Weltwirtschaft. Die Nachrichten von Unternehmen, die aufgrund der ausgefallenen Umsätze in Bedrängnis kommen, nehmen zu. Es ist eine Abwärtsspirale: Je mehr Bürger aus Vorsicht oder unter Quarantäne zu Hause bleiben (müssen) und je mehr Lieferketten unterbrochen werden, desto größer sind die negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft. Auch der Bankensektor könnte in der Folge in Schwierigkeiten geraten, da manche Firmen ihre Kredite nicht mehr bedienen können.

Regierungen und Notenbanken ergreifen umfassende Maßnahmen

Die Regierungen und Notenbanken haben deshalb insbesondere in der der zurückliegenden Woche drastische Maßnahmen beschlossen, um diese Spirale umzukehren:

  • Europäische Zentralbank (EZB): Die EZB lieferte ein umfangreiches Maßnahmenpaket, um den europäischen Unternehmen in der schwierigen Situation zu helfen. Die Notenbank hat in der Nacht zum 19. März das schon aufgestockte Anleihekaufprogramm vom vergangenen Donnerstag drastisch ausgeweitet: So sieht das neu geschaffene „Pandemic Emergency Purchase Programme“ (PEPP) ein zusätzliches Anleihe-Ankaufvolumen von 750 Milliarden Euro vor. Zum in Umfang und Breite noch einmal deutlich größeren Maßnahmenpaket kommt eine viel stärkere verbale Untermauerung der Entschlossenheit der Zentralbank hinzu. Die Schritte erinnern an den ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghis „Whatever it takes“-Rückversicherung in der Eurokrise. Zudem beschloss die Zentralbank neue Liquiditätshilfen für Banken. Sie will damit die Kreditvergabe an die Wirtschaft unterstützen. Insbesondere kleinere und mittlere Firmen hat sie dabei im Blick, denn diese leiden besonders unter der Corona-Krise.
  • Federal Reserve (Fed): Neben weiteren Notenbanken legte auch die US-Notenbank Fed, die schon vor zwei Wochen mit einer Zinssenkung reagiert hatte, nach: Am Sonntagabend, 15. März, haben die Notenbanker entschlossen gehandelt und ein umfangreiches Paket verabschiedet: Unter anderem wurden die Leitzinsen um einen Prozentpunkt gesenkt und das Ankaufprogramm um 700 Milliarden US-Dollar erhöht. Darüber hinaus beschlossen die Notenbanker Maßnahmen, um die Kreditinstitute zu unterstützen. Auf der regulären Sitzung am Mittwoch, 18. März, wurde zudem ein drittes Notkreditprogramm beschlossen.
  • Regierungen/Staaten: Doch nicht nur die Notenbanken, auch die Staaten reagierten umfassend: Bereits am Freitag, 13. März, hatte die deutsche Bundesregierung beispielsweise unbegrenzte Kreditlinien für hiesige Unternehmen angekündigt und im Bedarfsfall ein Konjunkturprogramm in Aussicht gestellt. In nahezu allen großen Volkswirtschaften werden ähnliche Schritte diskutiert oder wurden schon beschlossen. In den USA etwa hat Präsident Donald Trump  den nationalen Notstand ausgerufen. Allein dadurch werden Bundesmittel in Höhe von bis zu 50 Milliarden US-Dollar zur Bekämpfung des Coronavirus auf Ebene der Bundesstaaten freigesetzt. Zudem wurde Mitte der Woche ein umfassendes Hilfspaket im Umfang von 100 Milliarden US-Dollar beschlossen. Die US-Regierung arbeitet währenddessen bereits an einem größeren Konjunkturpaket, mit dem bis zu eine Billion US-Dollar in die Wirtschaft gepumpt werden soll.

Unsere Einschätzung

Diese umfangreichen Schritte bewerten die Experten von Union Investment als richtig und wichtig. Sie konnten bisher aber den Abverkauf am Kapitalmarkt nicht stoppen. Für eine Verbesserung des Konjunkturbildes sind geld- und fiskalpolitische Hilfen allein nicht ausreichend. Vielmehr müssen zunächst die Infektionszahlen zurückgehen und die Pandemie somit eingedämmt werden. Erst dann kann nach Einschätzung der Spezialisten die Wirtschaft langsam wieder in Gang kommen. Ab diesem Stadium dürften die staatlichen Maßnahmen dann auch voll wirksam werden und den Erholungsprozess unterstützen.

Es dürfte also erst einmal zu konjunkturellen Bremsspuren kommen. Die Volkswirte von Union Investment haben ihre Wachstumsprognosen für 2020 deutlich gesenkt. Wegen der jüngsten Entwicklungen rund um das Coronavirus erwarten sie einen scharfen Wirtschaftseinbruch im Frühjahr 2020, gefolgt von einer Rezession aufgrund von schwachen Investitionen und steigender Arbeitslosigkeit. Die staatlichen Stützungsmaßnahmen dürften die negativen Effekte jedoch abmildern. Ab dem Jahr 2021 sollte dann eine Erholung einsetzen.

Was bedeutet das für Anleger?

Daher dürfte es kurzfristig weiter turbulent an den Kapitalmärkten bleiben, mittel- bis langfristig bleiben die Spezialisten aber bei ihrem konstruktiven Ausblick. Wenn die Märkte turbulent sind, gilt es für Anleger umso mehr, Ruhe zu bewahren. Übereilte Entscheidungen sind in diesem schwankungsreichen Marktumfeld für den langfristigen Anlageerfolg nicht hilfreich und können kontraproduktiv sein. Anlageentscheidungen sollten gut durchdacht und auf einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont ausgerichtet sein. Denn die Vergangenheit am Kapitalmarkt zeigt: Auch nach einer Phase des Abverkaufs bieten sich irgendwann wieder Einstiegsgelegenheiten. Wenn Sie Fragen zu Ihrer Geldanlage haben, zögern Sie nicht und sprechen Sie darüber mit Ihrem Bankberater aus der genossenschaftlichen Bankengruppe vor Ort.