Das Coronavirus und die Kapitalmärkte

Ist die Krise schon ausgestanden?

Ist die Krise schon ausgestanden?

20. Mai 2020: An den Kapitalmärkten ging es in diesem Jahr schwankungsreich zu. Nach einem beispiellosen Abverkauf bis Mitte März startete eine kräftige Erholungsbewegung – so konnte immerhin ein Teil der Kursverluste wieder aufgeholt werden. Doch es kommt immer mal wieder zu kleineren Rücksetzern, in der Folge aber auch wieder zu Kursanstiegen.

Ein Grund für die Erholungsbewegung sind die sinkenden Neuinfektionszahlen insbesondere in den entwickelten Ländern Europas und auch die seit Anfang beziehungsweise Mitte Mai in vielen Ländern umgesetzten Lockerungen der Virus-Eindämmungsmaßnahmen. Zusätzlich sorgten die umfangreichen Unterstützungspakete von Notenbanken und Regierungen für steigende Kurse. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat beispielsweise ihr Anleihekaufprogramm um 750 Milliarden Euro drastisch ausgeweitet. Dieses Programm stützt die Anleihekurse entsprechend, die zuvor stark in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Zudem haben die Notenbanker Maßnahmen beschlossen, um die Kreditvergabe an die Wirtschaft zu verbessern. Damit hilft die EZB den europäischen Unternehmen, die wegen der Eindämmungsmaßnahmen und Kontaktsperren stark unter Druck gekommen sind.

Die Regierungen haben ebenfalls weitreichende Hilfen beschlossen, um die Folgen der Ausbreitung des Virus abzufedern. In Deutschland verabschiedete die Bundesregierung ein Paket von historischem Ausmaß, darunter Kredite und Garantien, um die Gesundheit der Bürger zu schützen und Arbeitsplätze und Unternehmen abzusichern. Auch in den USA stehen als Krisenhilfen Mittel in Billionenhöhe zur Verfügung.

Beispiellose Rettungspakete reichen nicht aus

Die Hilfspakete sind gewaltig und mildern die negativen Effekte der Corona-Pandemie ab – allerdings reichen sie nicht aus, um die Krise nachhaltig zu überwinden. Zu groß sind die wirtschaftlichen Folgen. Da in vielen Ländern der Welt das öffentliche Leben lange Zeit brachlag und wir von einem „normalen“ Alltag trotz Lockerungen immer noch entfernt sind, sind die Einbußen für die Unternehmen enorm. Die Arbeitslosigkeit steigt bereits vielerorts an, was sich negativ auf den Konsum auswirkt. Auch die Investitionstätigkeit der Unternehmen dürfte aufgrund der wegbrechenden Nachfrage spürbar zurückgehen. Die Volkswirte von Union Investment haben ihre Wachstumsprognosen für das laufende Jahr deutlich gesenkt, denn schon für das erste Quartal 2020 sind bereits erhebliche konjunkturelle Bremsspuren sichtbar. Es dürfte 2020 zu einer tiefen Rezession kommen. Und die Erholung wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Ab Mitte des Jahres 2021 gehen die Experten bei Union Investment von einer nachhaltigen Verbesserung der konjunkturellen Lage aus.

Was bedeutet dieses Umfeld für Anleger?

Die Kapitalmärkte zeigten sich zuletzt von den wirtschaftlichen Auswirkungen unbeeindruckt. Sie fokussierten sich darauf, dass die Neuinfektionszahlen insbesondere in den entwickelten Ländern Europas sinken und nach und nach vielerorts Lockerungsmaßnahmen umgesetzt werden. Außerdem gab es positive Nachrichten hinsichtlich der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs, was die Kurse weiter antrieb. Kurzfristig kann es durchaus weitere Kursgewinne am Aktienmarkt geben. Auch wenn Fortschritte im weltweiten Kampf gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie erkennbar sind, bleibt die Lage aber fragil und die Börsen bleiben anfällig. Auf mittlere und längere Sicht sind die Perspektiven am Kapitalmarkt weiter aussichtsreich. Für mittel- bis langfristig orientierte Anleger bieten sich also durchaus Chancen, die niedrigeren Kursniveaus zum Einstieg oder Aufstocken von Positionen zu nutzen.

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