Erfolgsfaktor für die Geldanlage

Warum Nachhaltigkeit auch ein wichtiger Aspekt für die Finanzen ist.

17. August 2020 – Mit Hans Joachim Reinke, dem Vorstandsvorsitzenden von Union Investment, sprachen wir über diese Entwicklung und die Rolle der Finanzbranche beim nachhaltigen Wandel der Wirtschaft.

Herr Reinke, das Thema Nachhaltigkeit hat sich in den vergangenen Jahren über alle Lebensbereiche hinweg dynamisch entwickelt. Auch in der Finanzbranche hat es die Nische verlassen. Wie ist Ihre Sicht dazu?

Aus meiner Sicht stehen wir am Anfang eines langfristigen Wandels mit tiefgreifenden Veränderungen. Nachhaltigkeit hat dabei viele Facetten und ist eng verwoben mit den größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit wie dem Klimawandel, den sozialen Ungleichgewichten oder der wachsenden Weltbevölkerung. Klar ist: Wir müssen in unserer Gesellschaft zukünftig Ökologie und Ökonomie stärker verzahnen. Der damit verbundene Wandel ist aufgrund seiner Komplexität und Bedeutung ein Dauerprojekt nicht nur für die Real-, sondern auch für die Finanzwirtschaft.

Warum hat das Thema in den letzten Monaten so eine Dynamik entwickelt?

Für uns ist das Thema nicht neu. Wir befassen uns schon über 30 Jahre damit, Gelder unserer Kunden nachhaltig anzulegen. Aber durch die intensive Diskussion um den Klimawandel hat das Thema auch für unsere Kunden an Bedeutung gewonnen. Dazu wirkt die Coronakrise wie ein Turbo, weil sie Herausforderungen unserer Gesellschaft verstärkt. Getrieben wird das Thema aber auch von politischer Seite: So hat zum Beispiel die EU-Kommission in Brüssel zahlreiche Initiativen und Gesetze auf den Weg gebracht, mit denen sie das Ziel verfolgt, die Wirtschaft nachhaltiger auszurichten.

Welche Rolle spielt die Fondsbranche dabei?

Wir können einen wertvollen Beitrag liefern als Mittler zwischen unseren Kunden, die ertragreiche Anlagen suchen, und Staaten oder Unternehmen, die auf Kapital zur Finanzierung nachhaltiger Projekte angewiesen sind. Als Asset Manager sind wir das Scharnier zwischen diesen beiden Bewegungen. Denn eines steht fest: Für die Transformation brauchen wir  zusätzlich private Investitionen. Hier können wir über die Fondsanlage einen Beitrag leisten, um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, und dadurch gleichzeitig eine attraktive Geldanlage im zementierten Nullzinsumfeld bieten.

Wie kann sich die genossenschaftliche FinanzGruppe von anderen Anbietern absetzen?

Zum einen durch die Nähe zum Kunden, denn es geht am Ende darum, dessen Bedürfnisse in adäquate Lösungen zu übersetzen. Zum anderen aufgrund der langjährigen Expertise innerhalb der FinanzGruppe. Union Investment gehört zu den Pionieren der nachhaltigen Geldanlage. Neben diesen fachlichen Kompetenzen haben wir aber auch unsere genossenschaftliche DNA, die uns für dieses Thema prädestiniert. Darin ist Nachhaltigkeit fest verankert.

„Die Coronakrise wirkt wie ein Turbo, weil sie die Herausforderungen unserer Gesellschaft noch verstärkt.“

Woran lässt sich dies festmachen?

An der über 170 Jahre alten genossenschaftlichen Idee von Friedrich Wilhelm Raiffeisen: Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele. Dieser genossenschaftliche Leitspruch deckt wesentliche Nachhaltigkeitsaspekte ab. Im Kern geht es um die Förderung wirtschaftlicher und sozialer Belange der Mitglieder. Aspekte wie Langfristigkeit, Kundenorientierung, Partnerschaftlichkeit und regionale Verankerung sind Grundlagen der Nachhaltigkeit und auch der genossenschaftlichen Idee. Daher schauen wir weniger auf kurzfristige Gewinne, sondern mehr auf langfristige Erträge. Aus dieser Ausrichtung heraus ist Nachhaltigkeit seit jeher ein wichtiger Teil unseres Denkens und Handelns.

Wo liegt der konkrete Nutzen nachhaltigen Sparens für die Kunden?

Wir wissen aus zahlreichen Untersuchungen: Wenn wir bei unserer Wertpapierselektion nachhaltige Kriterien wie Ökologie, Soziales und gute Unternehmensführung berücksichtigen, verbessert sich die Qualität unserer Anlageentscheidung. Es ermöglicht uns, für unsere Kunden unterm Strich eine bessere Performance zu erzielen. Das gelingt, weil wir kursrelevante Klage-, Regulierungs- oder Reputationsrisiken frühzeitig erkennen und so Schaden abwenden können. Darüber hinaus können wir Anlagechancen nutzen, etwa indem wir treffsicher Zukunftstechnologien identifizieren. Noch deutlicher wird der Nutzen von Nachhaltigkeit bei Immobilien. Über eine bessere Energieeffizienz lassen sich die laufenden Kosten senken und damit der Ertrag sowie die langfristige Werthaltigkeit steigern.

Was ist Ihr Fazit mit Blick auf die Geldanlage?

Es gilt den angestoßenen Wandel hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft zu nutzen. Nachhaltigkeit ist ein Zukunftsthema und wird zunehmend zum Erfolgsfaktor im Depot. Nachhaltigkeit ergänzt damit die drei klassischen Säulen der Geldanlage: Sicherheit, Verfügbarkeit und Ertrag. Wir werden unsere Bemühungen hier weiter intensivieren, um so auch dem unterschiedlichen Nachhaltigkeitsverständnis unserer Kunden gerecht zu werden. Denn am Ende entscheidet der Kunde selbst, welches Gewicht er dem Aspekt Nachhaltigkeit bei seiner Geldanlage geben will.

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