Europas Zinswende bleibt in Sicht

Kolumne mit Dr. Jörg Zeuner

Dr. Jörg Zeuner

Dr. Jörg Zeuner ist seit Juni 2019 Chefvolkswirt und leitet den Bereich Research & Investment Strategy des Portfoliomanagements von Union Investment. Seine Einschätzung zu aktuellen Kapitalmarktthemen lesen Sie an dieser Stelle.

7. März 2022 – Seit dem 24. Februar 2022 leben wir in einer anderen Welt. Der Krieg in der Ukraine verursacht zahllose menschliche Tragödien. Auch manche wirtschaftliche Gewissheit stellt er infrage. Bis vor zehn Tagen beschäftigten vor allem die hohen Inflationsraten und die geldpolitische Normalisierung die Märkte. Was bedeutet die Eskalation in Osteuropa nun für die Geldpolitik? Die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag könnte Aufschluss geben.

Absehbar scheint: Die US-Notenbank Fed wird an ihrem geldpolitischen Fahrplan festhalten. Denn die US-Wirtschaft ist mit Russland und der Ukraine deutlich weniger verflochten als Europa. Weil das Wirtschaftswachstum und die Teuerung im Euroraum niedriger ausfielen, agierte die EZB bereits vor dem Krieg verhaltener als die Fed. Die Krise in der Ukraine lastet nun zusätzlich auf der Konjunktur. Gestiegene Energiepreise befeuern die Inflation. Das bedeutet aber auch: Die Teuerung in Deutschland und Europa ist vorrangig importiert.

Sie wird wegen des langsameren Wachstums voraussichtlich nicht durch steigende Löhne im Inland verstärkt.
Sofern der Krieg regional und in seiner Dauer begrenzt bleibt, werden auch die Energiepreise nicht dauerhaft auf den hohen Niveaus verharren und die westliche Wirtschaft nicht in eine Rezession treiben. Deshalb dürfte die EZB zwar vorsichtiger kommunizieren, um sich ihre Flexibilität zu erhalten. An dem Plan einer Zinswende noch in diesem Jahr wird sie aber festhalten.

Urkraine-Krieg

Drittes Sanktionspaket der EU

 

Einschneidende Maßnahmen, aber keine Rohstoffblockade

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