Weidmann-Rücktritt: Kein Kurswechsel für die Geldpolitik

Kolumne mit Dr. Jörg Zeuner

Dr. Jörg Zeuner

Dr. Jörg Zeuner ist seit Juni 2019 Chefvolkswirt und leitet den Bereich Research & Investment Strategy des Portfoliomanagements von Union Investment. Seine Einschätzung zu aktuellen Kapitalmarktthemen lesen Sie einmal in der Woche an dieser Stelle.

26. Oktober 2021 – Das wird bei der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag sicher ein Thema sein: der überraschende Rücktritt von Bundesbank-Präsident Weidmann. Für die Bundesbank könnte der Wechsel in die Modernisierung führen. In ihrer Tradition war Weidmann als Skeptiker einer allzu lockeren Geldpolitik gut verankert. Seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger dürfte europäische Interessen stärker in den Blick nehmen. Corona, Klimakrise und Energieversorgung, der amerikanisch-chinesische Konflikt, der Konfrontationskurs Russlands – all dies zwingt die Europäer zu mehr Einheit und einer neuen Wirtschaftspolitik, wenn sie ihre Interessen wahrnehmen wollen.

Die gute Nachricht: Der Politikwechsel ist mit geplanten öffentlichen Investitionen eingeläutet, die Unternehmen folgen. Für die EZB wird es dadurch nicht einfacher, aber sie gewinnt Handlungsfähigkeit zurück. Wir diskutieren angesichts der fortschreitenden Bewältigung der Corona-Krise, die mit Knappheiten im Waren- und Dienstleistungsangebot einhergeht und so die Inflation wiederbelebt, eine mögliche Straffung der Geldpolitik.

Bis zu einer ersten Zinsanhebung wird es aber dauern. Der Führungswechsel in der Bundesbank ändert an der EZB-Geldpolitik wenig; eine Marktreaktion war daher kaum auszumachen. Spannend wird vor allem die Dezember-Sitzung des EZB-Rates, wenn es um das Ende des Notfallankaufprogramms PEPP geht. Alles andere als eine Reduzierung wäre eine Überraschung.

Dr. Jörg Zeuner

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