Konjunkturprognose 2020

Coronavirus verursacht hohe Wachstumseinbußen

1. April 2020: Neue Brettspiele ausprobieren, Videotelefonie mit Freunden oder den Keller ausmisten: Das Leben der meisten Bürger spielt sich derzeit überwiegend in den eigenen vier Wänden ab. Fast alle Freizeitaktivitäten sind untersagt, Shoppen ist sowieso nicht mehr möglich, und den Supermarkt betritt man nur noch, wenn es denn unbedingt sein muss. Die weitreichenden Eindämmungsmaßnahmen aufgrund der Coronakrise verändern nicht nur unseren Alltag und unsere sozialen Kontakte stark. Mit der Lahmlegung des öffentlichen Lebens, dem zeitlich begrenzten „Lockdown“, geht auch ein starker Einbruch der Wirtschaftsaktivität einher – und zwar nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Die Volkswirte von Union Investment haben daher ihre globalen Konjunkturprognosen deutlich gesenkt. Basis ist die Annahme einer länger als ursprünglich erwarteten Lahmlegung des öffentlichen Lebens bis Mitte April in Europa und bis Ende April in weiten Teilen der USA. Die Schätzungen unterstellen dabei, dass mit diesen Maßnahmen das Virus unter Kontrolle gebracht wird. Wichtig: Sollte der Lockdown länger als angenommen dauern, erwarten die Volkswirte von Union Investment für jede zusätzliche Woche Wachstumseinbußen von 0,7 bis 1,0 Prozent.

Die Prognosen im Einzelnen

Beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Europäischen Währungsunion (EWU) ist ein Rückgang von 4,6 Prozent im Jahr 2020 zu erwarten. Besonders betroffen dürfte Italien sein, aber auch für Deutschland gehen die Experten der Fondsgesellschaft von einer Rezession aus. 2020 dürfte das Wachstum um 4,5 Prozent einbrechen. Die Wirtschaft der USA sollte ebenfalls von der Coronakrise deutlich in Mitleidenschaft gezogen werden. Hier rechnen die Fachleute bei Union Investment im weiteren Verlauf mit einer Unternehmensrezession, die mit einer schwachen Investitionstätigkeit und einer steigenden Arbeitslosigkeit einhergeht. Für das Gesamtjahr gehen sie von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 4,2 Prozent aus.

Im ersten und zweiten Quartal 2020 dürfte es also zu einem scharfen Wirtschaftseinbruch kommen, bevor nach und nach eine Stabilisierung einsetzt. Hierfür sorgen insbesondere die umfangreichen wirtschaftspolitischen Stützungsmaßnahmen, sowohl vonseiten der Notenbanken als auch der Staaten. Für eine Verbesserung des Konjunkturbildes sind geld- und fiskalpolitische Hilfen allein aber nicht ausreichend. Vielmehr muss zunächst die Pandemie eingedämmt werden. Erst dann kann nach Einschätzung von Union Investment die Wirtschaft langsam wieder in Gang kommen. Eine nachhaltige Erholung dürfte frühestens ab der Mitte des Jahres 2021 erfolgen. Für das nächste Jahr rechnen die Volkswirte demnach sowohl für die EWU als auch für die USA wieder mit positiven Wachstumsraten.

Mittel- bis langfristig konstruktives Bild

Für die Kapitalmärkte heißt das: Kurzfristig dürfte es schwankungsreich bleiben. Solange das Wachstum der Infektionszahlen nicht zurückgeht, erscheint eine nachhaltige Aufwärtsbewegung an den Börsen unwahrscheinlich. Mittel- bis langfristig bleiben die Perspektiven aber konstruktiv. Nach einer Rückkehr auf den Wachstumspfad dürften die bislang geltenden Anlagetrends – wie zum Beispiel das Niedrigzinsumfeld – weiter Bestand haben. Insofern empfiehlt es sich nach Auffassung der Experten trotz der aktuellen Marktlage nicht, unüberlegte Anpassungen in langfristigen Anlagestrategien vorzunehmen.