Konjunkturprognose 2020

Coronavirus verursacht hohe Wachstumseinbußen

20. Mai 2020: Die eigenen vier Wände haben die meisten von uns in den vergangenen Wochen noch etwas näher kennengelernt. Viele haben aus dem Homeoffice gearbeitet, Freizeitaktivitäten waren sowieso weitgehend nicht möglich, und Videotelefonie stand hoch im Kurs. Seit ein paar Wochen werden die Eindämmungsmaßnahmen aufgrund der Coronakrise ein wenig gelockert. Es gibt etwas mehr Freiheiten, doch von einem „normalen“ Alltag, wie wir ihn vor der Coronakrise hatten, sind wir nach wie vor entfernt. Das spürt die Wirtschaft deutlich. Mit der Lahmlegung („Lockdown“) beziehungsweise der Einschränkung des öffentlichen Lebens geht in diesem Jahr ein starker Einbruch der Wirtschaftsaktivität einher – und zwar nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Die Volkswirte von Union Investment analysieren ständig die aktuelle Lage und leiten davon Prognosen für das Wirtschaftswachstum ab. Die Wachstumsprognose für 2020 haben sie deutlich gesenkt. Schon im ersten Quartal 2020 fielen die Wertschöpfungsverluste im Euroraum wegen der Eindämmungsmaßnahmen größer aus als bisher angenommen. Da auch der gesamte April und Teile des Mai in der Eurozone in die Phase des Lockdowns fallen, ist für das zweite Quartal nichts Gutes zu erwarten. In den USA steigt die Arbeitslosigkeit noch drastischer an als bislang erwartet. In den Sommermonaten dürfte sie ihren Höhepunkt erreichen. Je mehr Menschen ohne Arbeit sind, desto weniger können sie konsumieren. Das wirkt sich deutlich auf das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus, daher wurde auch die US-Prognose weiter gesenkt.

Lichtblicke erlauben die Lockerungsmaßnahmen, die seit Anfang beziehungsweise Mitte Mai in viele Ländern Europas eingeführt wurden. Auch in den USA dürfte es in den kommenden Wochen zu weiteren schrittweisen Lockerungen kommen. Doch auch in dieser Phase ist noch mit Wirtschaftseinbußen im Vergleich zur Vor-Coronazeit zu rechnen.

Die Prognosen im Einzelnen

Beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Europäischen Währungsunion (EWU) ist ein Rückgang von 8,5 Prozent im Jahr 2020 zu erwarten. In Deutschland dürfte das Wachstum um 6,7 Prozent einbrechen. Die stärksten wirtschaftlichen Belastungen werden im Euroraum nach wie vor in den besonders von der Pandemie betroffenen Ländern Italien und Spanien erwartet. Auch in den USA dürfte die Wirtschaft im aktuellen Quartal deutlich nachgeben. In der Gesamtschau rechnen die Volkswirte von Union Investment in den USA für 2020 mit einem BIP-Rückgang von 7,0 Prozent. Im Jahr 2021 erwarten sie auf beiden Seiten des Atlantiks wieder positive Wachstumsraten.

Durch den scharfen Wirtschaftseinbruch dürfte die Arbeitslosigkeit spürbar ansteigen und die Investitionstätigkeit der Unternehmen weiter zurückgehen. Die umfangreichen wirtschaftspolitischen Stützungsmaßnahmen, sowohl vonseiten der Notenbanken als auch der Staaten, mildern die negativen Effekte zwar etwas ab – allerdings reichen sie nicht aus, um die Krise nachhaltig zu überwinden. Die Maßnahmen verbessern aber die mittelfristige Perspektive. Eine nachhaltige konjunkturelle Erholung dürfte ab Mitte des Jahres 2021 einsetzen. Eine Rückkehr der Wirtschaftsleistung auf das Vorkrisenniveau erwarten die Experten aber bis Ende 2021 nicht.

Mittel- bis langfristig konstruktives Bild

Kein leichtes Umfeld für die Kapitalmärkte, die sich zuletzt von den wirtschaftlichen Entwicklungen unbeeindruckt zeigten. Sie fokussierten sich darauf, dass die Neuinfektionszahlen insbesondere in den entwickelten Ländern Europas sinken und nach und nach vielerorts Lockerungsmaßnahmen umgesetzt werden. Dies dürfte die Märkte weiter stützen. Auch wenn Fortschritte im weltweiten Kampf gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie erkennbar sind, bleibt die Lage fragil und die Börsen bleiben anfällig. Mittel- bis langfristig sind die Perspektiven am Kapitalmarkt aber weiter aussichtsreich. Insofern empfiehlt es sich nach Auffassung der Experten nicht, unüberlegte Anpassungen in langfristigen Anlagestrategien vorzunehmen.

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