Nach der Wahl: Fragezeichen an den Börsen

Nach der Wahl: Fragezeichen an den Börsen

 

Merkel bleibt – doch vieles andere ändert sich. Die Union ist nach wie vor die stärkste Kraft im Bundestag (mit 33 Prozent), aber sie musste Stimmen abgeben. Die SPD hat mit 20,5 Prozent ein historisch schlechtes Ergebnis eingefahren – und sogleich der großen Koalition eine Absage erteilt. Stand heute läuft es auf eine Jamaika-Koalition aus Christdemokraten, FDP und Grünen hinaus. Drittstärkste Kraft ist die AfD mit 12,6 Prozent. Was bedeutet das Wahlergebnis für die Börsen?

 

Ein Kommentar von Björn Jesch, Leiter Portfoliomanagement bei Union Investment und Vorsitzender des Union Investment Committee, zur Bundestagswahl:

 

Für die Börsen ist das Ergebnis der Bundestagswahl eine faustdicke Überraschung. Stand heute wird Deutschland künftig weder von einer großen Koalition noch einem schwarz-gelben Bündnis regiert. Stattdessen läuft alles auf eine Jamaika-Koalition hinaus. An den Kapitalmärkten hat damit kaum jemand gerechnet. Politiker und Investoren müssen sich nun gleichermaßen neu sortieren.

 

Für den Moment ist Unsicherheit das wichtigste Ergebnis dieser Wahl aus Kapitalmarktsicht: Kommt die angestrebte Regierung zustande? Wie wird der Koalitionsvertrag aussehen? Wie stabil wird ein Jamaika-Bündnis sein? Die politischen Vorgaben für die Börsen bestehen dieser Tage vor allem aus Fragezeichen.


„Politiker und Investoren müssen sich nun neu sortieren.“


Immerhin: Nach Lage der Dinge wird die alte Bundeskanzlerin auch die neue sein. Das dürfte viele, vor allem ausländische Investoren beruhigen. Die Äußerungen der Entscheidungsträger bei CDU/CSU, FDP und Grünen lassen zudem darauf schließen, dass die etablierten Parteien aus staatsbürgerlicher Verantwortung konstruktiv und mit dem Willen zum Erfolg an einer Regierungsbildung arbeiten werden. Je mehr das Bemühen um eine neue Bundesregierung glaubhaft sichtbar wird, umso kleiner werden die Fragezeichen der Investoren. Das werden die Märkte honorieren.


Aktuell herrscht also Unsicherheit über den künftigen Kurs der größten Volkswirtschaft Europas, ohne dass eine dramatische Richtungsänderung absehbar wäre. Im Gegenteil: Eine Jamaika-Koalition mag vielleicht sogar für ein neues Reform-Momentum stehen. Aber der Beweis hierfür muss erst einmal angetreten werden. Für die Börsen heißt das: erst mal abwarten. Starke Marktbewegungen zeichnen sich zumindest kurzfristig nicht ab.


Für Anleger empfiehlt sich damit zunächst ein vorsichtiger, aber überlegter Investmentansatz. Denn: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – national wie international – sind sehr robust. In der Vergangenheit wurden politische Risikoprämien häufig sehr schnell wieder ausgepreist, sobald sich die Lage entspannte. Klärt sich also die Situation in Berlin, dürften in Frankfurt die Kurse wieder steigen.“

Zurück zur Startseite