Rente und Steuern

Was ändert sich steuerlich beim Eintritt in den Ruhestand? Das Wichtigste zu diesem Thema im Überblick.

Rentenfreibetrag: der steuerfreie Teil der Rente

Ein Teil der Rente bleibt steuerfrei – der „Rentenfreibetrag“. Die Höhe des Freibetrags hängt davon ab, in welchem Jahr man in Rente geht. Er ändert sich danach nicht mehr. Senioren, die bereits seit 2005 im Ruhestand sind, versteuern zum Beispiel nur die Hälfte ihrer Rente. Bei einem späteren Eintritt verringert sich der „Rentenfreibetrag“ um zwei Prozent pro Jahr. Rentner, die ihren Ruhestand 2018 begonnen haben, zahlen somit auf 76 Prozent ihrer Rente Steuern. Steuerfrei bleiben damit beim Rentenbeginn im Jahr 2018 für die gesamte Rentenbezugszeit 24 Prozent des ersten Jahresbetrags der Rente; zukünftige Rentenerhöhungen sind damit in voller Höhe grundsätzlich steuerpflichtig. Ab 2040 muss jeder neue Rentner seine Rentenbezüge zu 100 Prozent versteuern.

Zusätzlich wird bei Renten ein Werbungskostenpauschbetrag in Höhe von 102 Euro berücksichtigt, sofern keine höheren Werbungskosten nachgewiesen werden.

Grundfreibetrag: das steuerfreie Existenzminimum

Es gibt noch einen weiteren Freibetrag, auf den keine Steuern anfallen – den Grundfreibetrag. Er sichert das Existenzminimum und erhöht sich für jeden Steuerzahler jährlich. Ein Rentner zahlt erst dann Steuern, wenn die Rente nach Abzug des „Rentenfreibetrags“ den Grundfreibetrag überschreitet. Für das Jahr 2019 beträgt der Grundfreibetrag 9.168 Euro für Alleinstehende und 18.336 Euro für Verheiratete. Zum Vergleich: 2018 betrug der Grundfreibetrag noch 9.000 Euro jährlich für Alleinstehende und 18.000 Euro für Verheiratete.

Beispiel zu den Freibeträgen:
Ein alleinstehender Mann ist 2010 in Rente gegangen. Er bekommt seitdem 18.000 Euro Rente jährlich und hat einen Rentenfreibetrag von 40 Prozent.

18.000 Euro Rente
- 7.200 Euro Rentenfreibetrag
= 10.800 Euro steuerpflichtiger Teil der Rente
- 9.168 Euro Grundfreibetrag
- 102 Euro Werbungskostenpauschbetrag
= 1.530 Euro steuerpflichtiger Teil der Rente

In dem Beispiel muss der Betrag von 1.530 Euro versteuert werden.

Was ist die Nichtveranlagungs-Bescheinigung?

Kapitalerträge sind grundsätzlich steuerpflichtig. Doch auch für Rentner gilt der Sparerpauschbetrag von 801 Euro für Einzelpersonen oder 1.602 Euro für zusammen veranlagte Verheiratete. Das bedeutet, dass nur Erträge über diesem Betrag versteuert werden. Es sei denn, Rente und Kapitalerträge sowie eventuelle andere Einkünfte überschreiten zusammen nicht den Grundfreibetrag. In diesem Fall können Rentner beim Finanzamt eine sogenannte Nichtveranlagungs-Bescheinigung beantragen und sie der Bank vorlegen. Die Bescheinigung gilt für drei Jahre und sorgt dafür, dass von Kapitalerträgen keine Abgeltungsteuer einbehalten wird.

Beispiel zur Nichtveranlagungs-Bescheinigung
Erhält der alleinstehende Mann aus dem Beispiel neben seiner Rente in diesem Jahr auch noch Kapitalerträge in Höhe von 2.000 Euro, sieht die Rechnung wie folgt aus:

18.000 Euro Rente
+ 2.000 Euro Kapitalerträge
- 7.200 Euro Rentenfreibetrag
- 102 Euro Werbungskostenpauschbetrag
= 12.698 Euro steuerpflichtiger Teil der Rente und Kapitalerträge

Das zu versteuernde Einkommen liegt somit über dem Grundfreibetrag von 9.168 Euro. Eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung kommt hier deshalb nicht infrage.

Altersentlastungsbetrag bei Nebeneinkünften

Auch der Altersentlastungsbetrag ist ein Steuerfreibetrag. Ihn erhalten alle, die das 64. Lebensjahr vollendet haben, und zwar ab dem Jahr, das auf die Vollendung des 64. Lebensjahres folgt. Wie auch beim „Rentenfreibetrag“ hängt die Höhe des Altersentlastungsbetrags von dem Jahr ab, in dem man ihn das erste Mal erhält. Danach bleibt er lebenslang gleich.

2018 betrug er zum Beispiel 19,2 Prozent des Lohnes und der positiven Summe der anderen Einkünfte (ohne Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit), höchstens jedoch 912 Euro. 2019 sind es noch 17,6 Prozent, maximal 836 Euro. Und 2040 wird es den Altersentlastungsbetrag nicht mehr geben.

Hilfreich ist er für ältere Menschen, die zum Beispiel Einkünfte aus Vermietung, selbstständiger Tätigkeit, privaten Veräußerungsgeschäften oder Riester-Renten beziehen. Denn mit dem Altersentlastungsbetrag verringert sich der steuerpflichtige Teil dieser Einkünfte.

Wie kann sich eine Rentenerhöhung auf die Steuer auswirken?

Der „Rentenfreibetrag“ bleibt als absoluter Betrag ein Leben lang gleich. Die Rente wird jedoch immer wieder angehoben. Deshalb kann es sein, dass Ruheständler auch Jahre nach dem Renteneintritt noch in die Steuerpflicht rutschen. Für einige kann das schon in diesem Jahr der Fall sein: Für Juli 2019 ist eine Rentenerhöhung von rund 3,2 Prozent in Westdeutschland und 3,9 Prozent in Ostdeutschland angekündigt. Laut Bundesfinanzministerium werden damit voraussichtlich weitere 48.000 Rentner steuerpflichtig. Insgesamt sind es dann fast fünf Millionen Senioren, die Steuern zahlen.

Steuererklärung: Ausgaben geltend machen

Fällt auf die Rente Steuer an, reichen Rentner beim Finanzamt eine Steuererklärung ein. Für Rente braucht man die Anlage R, Pensionäre nutzen die Anlage N. Und wie für jeden Steuerpflichtigen gilt natürlich auch für Rentner: Viele Ausgaben können – über den Werbungskostenpauschbetrag von 102 Euro hinaus – in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Zum Beispiel: Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, Krankheitskosten oder Handwerkerkosten und Spenden. Mitunter reduzieren diese Ausgaben dann sogar den Steuerbetrag so weit, dass doch keine Zahlung anfällt.

Steuerbescheinigung für Erträge aus Investmentfonds

Erträge aus Investmentfonds zählen zu den Kapitalerträgen und unterliegen daher der Steuerpflicht. Wurden steuerrelevante Umsätze im Depot verbucht, erhalten Anleger von Union Investment eine Steuerbescheinigung. Diese wird mit den Jahresunterlagen versandt und zeigt, wo die Umsätze in der „Anlage KAP“ eingetragen werden. Hinweistexte geben zusätzliche Informationen zu möglichen Besonderheiten und helfen so beim Ausfüllen der Steuererklärung.