„Bei Smart Data ist Kreativität gefragt“

„Bei Smart Data ist Kreativität gefragt“

Tweets, Posts, Nachrichtenbeiträge, Kommentare, Google-Suchanfragen: Sekündlich entstehen im Netz Milliarden neuer Daten. Diese verändern nicht nur unsere Kommunikation und somit unseren Alltag, sondern liefern auch einen Mehrwert für das Fondsmanagement. Darüber haben wir mit Nikolas Gerlich, bei Union Investment zuständig für Smart Data, gesprochen.

 

Herr Gerlich, wie nutzen Sie die Daten im Netz konkret für das Fondsmanagement?


Wir legen bei unserer Smart Data Initiative zur Zeit einen Schwerpunkt auf die Methode des Textmining. Dadurch können wir Meinungen und Stimmungen aus öffentlichen und sozialen Medien quantifizieren. Beispielsweise können wir so herausfinden, wenn die Meinung zu einem Unternehmen oder einem Land kippt. Und das könnte sich in der Folge auf den Aktienkurs oder die Rendite von Staatsanleihen auswirken.


Wie funktioniert das im Detail?


Wir arbeiten hier mit einem Daten-Dienstleister zusammen. Pro Tag werten Linguisten und Computerwissenschaftler rund zwei Millionen englischsprachige Artikel aus Quellen wie Reuters, Twitter oder Blogs aus. Bei der Kategorisierung und automatisierten Bewertung der Texte helfen Methoden aus der Künstlichen Intelligenz. Sie bringen die Daten in ein strukturiertes Format. So entstehen mehr als 400.000 teilweise minütlich aktualisierte Zeitreihen, die wir für unsere Analyse nutzen können.


Und wie geht es dann weiter?


Auf Basis dieser Daten erstellen wir beispielsweise visualisierende Weltkarten, die Warnhinweise für potenzielle geopolitische Krisenherde liefern. Unsere Analysen schlagen immer dann Alarm, wenn in sozialen Medien oder auf Nachrichtenseiten Wörter wie „Protest“, „Gewalt“ oder „Korruption“ in Verbindung mit einem Land gehäuft auftreten. Diese Informationen helfen den Fondsmanagern einerseits dabei, die Anlagechancen und -risiken in einer bestimmten Region noch umfassender bewerten zu können. Andererseits zeigen sie umgehend an, wenn sich die Stimmung ändert.


Was ist die größte Herausforderung dabei?


Ganz klar: Die Datenrelevanz. Nur weil man etwas erfassen kann, heißt das noch nicht, dass es im Investmentprozess Vorteile bringt. Es ist entscheidend, herauszufinden, welche Daten tatsächlich einen Mehrwert in der Anlageentscheidung liefern. Kreativität ist bei der Smart Data-Analyse gefragt. Was unbestritten ist: Durch Smart Data wird das traditionelle Fondsmanagement um eine Dimension angereichert.