Blick nach Afrika

Ekaterina Iliouchenko, Portfoliomanagerin und Länderspezialistin Südafrika, berichtet aus Pretoria
Ekaterina Iliouchenko, Portfoliomanagerin und Länderspezialistin Südafrika

„Nicht gesund, aber auch nicht todkrank – eher mit einem schlechten Immunsystem ausgestattet. So würde ich Südafrika beschreiben. Die größte Volkswirtschaft Afrikas leidet unter einem anhaltend schwachen Wachstum, einer chronisch hohen Arbeitslosigkeit von rund 27 Prozent und Strukturproblemen. Zwar hat das Land gerade in den Bereichen Bildung und Gesundheitswesen einige Reformen angestoßen, doch bis sie Wirkung zeigen, wird noch einige Zeit vergehen.
Hinzu kommt die politische Instabilität des Landes. Staatspräsident Zuma, der erst vor wenigen Tagen das achte Misstrauensvotum gegen seine Person im Parlament überstanden hat, hatte im Frühjahr überraschenderweise Finanzminister Gordhan entlassen. Ein schlechtes Signal an die internationalen Investoren, denn dieser galt als Garant der wirtschaftlichen Stabilität. Das sehen auch die großen Ratingagenturen so. Sie haben das Land auf Ramschniveau herabgestuft. Gordhans Nachfolger ist der frühere Innenminister

Südafrika

Gigaba. Das Problem ist: Dieser ist nur leider überhaupt kein Finanzexperte. Dennoch dürfte wirtschaftlich der Tiefpunkt überwunden sein. Nach dem starken Wachstumsrückgang 2016 kamen im ersten Quartal positive Zahlen – insbesondere aus dem wichtigen Minensektor, denn das Land ist ein großer Rohstoffexporteur. Wir rechnen im laufenden Jahr mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von rund einem Prozent. Die Vertrauenskrise um den Präsidenten und die sozial angespannte Situation sprechen aber eher nicht für einen nachhaltigen, kräftigen Aufschwung.“