Wachstumsabschwächung ja,
Wirtschaftskrise nein

Die fünf wichtigsten Fragen zu Corona

Das Coronavirus bestimmt seit Wochen die Schlagzeilen und bewegt die Märkte. Die Unsicherheit ist groß, auch bei vielen Anlegern.

Was gilt es nun zu beachten? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

1. Droht eine Wirtschaftskrise?

Nein. Wir rechnen zwar mit einer deutlichen Abschwächung der Konjunktur. Das kann unter Umständen sogar dazu führen, dass das Wachstum zwei Quartale hintereinander zurückgeht. Volkswirte sprechen in diesem Fall von einer „technischen Rezession“. Auf das Gesamtjahr bezogen bleibt die Weltwirtschaft aber auf dem Wachstumspfad.

2. Wie stark ist Deutschland betroffen?

Deutschland ist in zweierlei Hinsicht betroffen: Das Coronavirus hat die Bundesrepublik mittlerweile erreicht. Die Sorge um die Gesundheit der Bevölkerung ist ein Aspekt. Hier sind die Voraussetzungen für eine wirkungsvolle Bekämpfung gut, denn das deutsche Gesundheitssystem gilt als eines der leistungsstärksten der Welt. Der andere Aspekt sind die wirtschaftlichen Folgen. Als Exportnation leiden wir besonders unter dem Rückgang der Nachfrage in anderen Weltgegenden, wie zum Beispiel China. Und etwa durch abgesagte Großveranstaltungen oder Quarantänemaßnahmen hierzulande ist auch die Binnenwirtschaft betroffen. Daher hat der Dax, das Börsenbarometer der wichtigsten deutschen Aktiengesellschaften, seit Ausbruch des Virus besonders stark verloren. Der heimische Konsum ist allerdings robust und sollte sich bald wieder erholen. In anderen Ländern dürfte das Wachstum im weiteren Jahresverlauf ebenfalls wieder anziehen. Das hilft dem Export. Insgesamt rechnen die Kapitalmarktexperten bei Union Investment lediglich mit einer vorübergehenden Belastung für die deutsche Wirtschaft. Wir haben daher unsere Konjunkturprognose für 2020 nur leicht von 0,6 auf 0,4 Prozent Wirtschaftswachstum gesenkt. Im Jahr 2021 dürfte es schon wieder stärker aufwärts gehen.

3. Haben sich die Börsenaussichten langfristig verschlechtert?

Nein. Kurzfristig ist das Bild zwar weiter schwierig. Je mehr sich das Virus ausbreitet, umso länger dürfte das auch so bleiben. Hinzu kommen staatliche Gegenmaßnahmen, die zunächst einmal das Wachstum belasten und damit auch die Aussichten eintrüben. Mittel- bis langfristig sind die Perspektiven aber weiter gut. Mit der (Teil-)Einigung im Handelsstreit zwischen China und den USA, einem beginnenden (Wieder-) Aufschwung in der Industrie und den nach wie vor sehr niedrigen Zinsen dürfte das Konjunkturbild wieder aufklaren. Außerdem ist damit zu rechnen, dass auch Zentralbanken und Staaten der Entwicklung nicht tatenlos zusehen werden. Bei Bedarf wird es zu Zinssenkungen und Ausgabenprogrammen kommen, um die Wirtschaft zu stützen.

4. Wie lange werden die wirtschaftlichen Corona-Effekte spürbar sein?

Das kann man im Moment noch nicht absehen. Maßgeblich dafür ist die Mischung aus weiterer Ausbreitung und staatlichen Gegenmaßnahmen. In der Vergangenheit hatten Viruswellen meist einen u-förmigen Verlauf: Einem scharfen Einbruch folgte eine langsame Erholung. Bei Union Investment rechnen wir auch bei Corona mit diesem Muster.

5. Was sollte ich als Anleger jetzt beachten?

Anlageentscheidungen sollten nach Möglichkeit wohldurchdacht und auf einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont ausgerichtet sein. Die aktuelle Lage rund um das Coronavirus ist schwierig, aber sie ist beherrschbar. Das gilt sowohl für die Epidemie als auch für die Entwicklung an den Börsen. Übereilte Entscheidungen sind in dieser Situation für den langfristigen Anlageerfolg nicht hilfreich. Wachsamkeit ist also angesagt, aber keine Panik. Starke Kursrückgänge wie zuletzt sind nämlich nicht nur eine Herausforderung für ein Depot, sondern – je nach Risikoneigung und Anlagehorizont – möglicherweise auch eine Chance.

Wir empfehlen Ihnen daher, im Zweifel das Gespräch mit Ihrer Bankberaterin oder Ihrem Bankberater zu suchen. Die Experten in der genossenschaftlichen Bankengruppe vor Ort helfen Ihnen gerne mit individuellen Lösungen weiter.

Was jetzt wichtig ist:

  • Das weltweite Wachstum schwächt sich ab, aber es droht keine Wirtschaftskrise.
  • Deutschland ist als Exportnation besonders betroffen, aber die Effekte sind überwiegend vorübergehend.
  • Kurzfristig ist an den Börsen weiter mit Turbulenzen zu rechnen. Mittel- bis langfristig bleiben die Aussichten gut.
  • Anleger sollten Ruhe bewahren und im Zweifel das Gespräch mit ihrer Bank suchen.