Die Kapitalmärkte sollten die Entscheidung gut verkraften können

Am Donnerstag kommen die EZB-Währungshüter zu ihrer Sitzung im lettischen Riga zusammen. Wir haben mit David F. Milleker, Chefvolkswirt bei Union Investment, darüber gesprochen, welche Erwartungen er an das Treffen hat und was das für die Kapitalmärkte bedeutet.
 

Herr Milleker, mit Blick auf die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag – was sind Ihre Erwartungen?

<p>Union Investment Chefvolkswirt David Milleker</p>

Die anstehende Sitzung dürfte spannend werden. Wir gehen davon aus, dass die europäischen Währungshüter das Ende des Anleihekaufprogramms für Herbst ankündigen werden. Momentan erwirbt die Notenbank noch monatlich für 30 Milliarden Euro Staats- und Unternehmensanleihen der Euroländer. Konkret rechnen wir mit einer Reduktion dieses Programms ab September und einem tatsächlichen Ausstieg zum Jahresende. Damit würde eine große Unterstützung für die Kapitalmärkte, vor allem aber für die Anleihemärkte, wegfallen.

Was wären die unmittelbaren Folgen dieser Entscheidung?

Die Kommunikation der Notenbank ist gut gesteuert, die Effekte sind bereits größtenteils in den Kursen der Anleihen eingepreist. Sollten die Notenbanker am Donnerstag aber die Marktteilnehmer überraschen, könnten die Börsen mit stärkeren Schwankungen reagieren. Damit rechnen wir aber nicht. Insgesamt befindet sich die EZB in einer behutsamen geldpolitischen Wende. Weg von der ultraexpansiven Geldpolitik, die sogar zu Negativrenditen geführt hat, hin zu einer „Normalisierung“. In diesem Umfeld gehen wir weiter von moderat steigenden Renditen aus. Ende des Jahres könnte die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bei 0,6 Prozent notieren. Die Kapitalmärkte sollten die Entscheidung insgesamt gut verkraften können.

In den vergangenen Wochen ging es im Zuge der Regierungsbildung am italienischen Kapitalmarkt ganz schön rund. Wird das Auswirkungen auf Draghis Entscheidung haben, schließlich würden ja auch die stabilisierenden Käufe im hoch verschuldeten Stiefelstaat wegbrechen?

Sicherlich werden die Notenbanker die Situation in Italien genau beobachten und diskutieren. Aber wir denken nicht, dass Draghi deswegen seine Entscheidung ändert. Zum einen steht Italien wirtschaftlich derzeit um einiges besser da als noch vor einiger Zeit, zum anderen wird er sich nicht von der neuen populistischen Regierung „vor den Karren spannen lassen“. Außerdem ist mit der nun doch noch erfolgten Regierungsbildung an den italienischen Kapitalmärkten wieder etwas Ruhe eingekehrt, und die Ansteckungsgefahr auf die anderen Staaten ist geringer geworden. Schließlich liefern die jüngsten Inflations- und Konjunkturdaten gute Argumente, um das Ende des Kaufprogramms anzukündigen. Die Eurozone steht insgesamt robust da.