Anleger-Newsletter Juni 2018

Russland: Grund zum Jubeln?

Russland: Grund zum Jubeln?

Großer Jubel: 2010 wurde bekannt gegeben, dass Russland der Austragungsort für die Fußballweltmeisterschaft (WM) 2018 ist. Gefreut haben sich insbesondere die russischen Stahlunternehmen, denn ein solches Großereignis bringt Investitionen in neue Infrastruktur mit sich. Die Tourismusbranche jubelte ebenfalls. Die positiven Effekte auf andere Wirtschaftsbereiche sind dagegen eher begrenzt.

Russland wächst wieder

Russland tritt 2018 erst das vierte Mal bei einer Fußball-WM an. Das Land hat es geschafft, die Rezession hinter sich zu lassen. Der starke Ölpreisverfall, die Ukrainekrise und Wirtschaftssanktionen hatten das Land 2015 in eine schwere Krise gestürzt. Seit 2017 wächst Russland wieder. Das liegt nicht zuletzt an den deutlich erholten Energiepreisen. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent hat sich seit Anfang 2017 um rund 34 Prozent verteuert – das beschert Russland satte Einnahmen. Schließlich ist der Energiesektor von zentraler Bedeutung für das Land. Russland gehört zu den größten Exporteuren von Erdöl und Erdgas weltweit. Gefördert werden auch Nickel, Kohle, Kupfer, Gold und Silber. Die Rohstoffunternehmen werden effizient geführt, und da sie exportorientiert sind, profitieren sie vom schwachen russischen Rubel. Dieser verlor in den vergangenen Jahren kräftig an Wert. Darüber freuen sich die ausländischen Abnehmer der Waren.

Auch im Inland läuft es solide, denn die Verbraucher geben wieder mehr Geld aus. Der steigende Konsum gepaart mit einem weltweit guten Wirtschaftsumfeld sorgt für eine steigende Nachfrage im Einzelhandel. Durch die sich aufhellende konjunkturelle Lage rechnen die Experten bei Union Investment damit, dass das russische Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 1,8 Prozent zulegen dürfte, 2017 waren es noch 1,5 Prozent.

Öl- und Gasexporte bleiben die Achillesferse

Die große Abhängigkeit von Öl- und Gasexporten stellt aber die Achillesferse der Volkswirtschaft dar. Ebenfalls belastend für die Wirtschaft sind die geopolitischen Spannungen etwa im Nahen Osten und die US-Sanktionen. Die USA hatten Anfang April einige russische Oligarchen und Unternehmen, denen enge Verbindungen zum Kreml nachgesagt werden, auf eine schwarze Liste gesetzt und damit die Sanktionen ausgeweitet. Dies führte zu einer kräftigen Währungsabwertung des russischen Rubels.

Auf Präsident Wladimir Putin, der seit der Wahl im März 2018 weiter „auf dem Platz“ bleibt, kommen zusätzliche Herausforderungen zu: Er muss die Lebensqualität der Russen verbessern und die Wirtschaft stärker in Richtung Industrie 4.0 aufstellen. Trotz aller Kritik hat er es zwar geschafft, die Schattenwirtschaft der 90er Jahre ein Stück weit aufzulösen. Der Prozess wird aber noch Jahrzehnte dauern. Hilfreich ist, dass Putin einige Reformen wie die der Landwirtschaft und des Steuersystems angestoßen hat. Die meisten Steuern werden nun automatisch an den Fiskus abgeführt, was gut für die Staatsfinanzen ist.

Für Anleger bietet der russische Aktienmarkt, dessen Leitindex MICEX seit Jahresbeginn etwa um neun Prozent zugelegt hat, trotz aller Herausforderungen als Nische durchaus Chancen. Hier ist es aber entscheidend, die einzelnen Unternehmen genau zu prüfen. Das Fondsmanagement von Union Investment nimmt zum Beispiel für den Aktienfonds UniEM Osteuropa Unternehmen aus Russland, Polen, Tschechien und Ungarn genau unter die Lupe. Interessierte Anleger können sich zu diesem Fonds in einer genossenschaftlichen Bank in ihrer Nähe beraten lassen.