Marktrückblick und -ausblick 29. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 19. bis 23. Juli 2021

    Diese Woche: Europäische Zentralbank zementiert Niedrigzinspolitik

Von sommerbedingter Ruhe an den Finanzmärkten konnte in der Berichtswoche keine Rede sein, es waren erhebliche Marktschwankungen zu beobachten. Die Ausbreitung der Corona-Delta-Variante rief Wachstumssorgen bei den Anlegern hervor. Die Unsicherheit über die weitere Erholung des Welthandels führte zum Wochenauftakt zu deutlichen Kursrückgängen an den Aktienbörsen. Im Gegenzug investierten die Anleger in

sichere Staatsanleihen, vor allem in den USA fielen die Renditen infolge starker Zukäufe zunächst deutlich. Im weiteren Wochenverlauf beruhigte sich aber die Lage. Während sich die Aktienmärkte im Rahmen der lockeren Geldpolitik und guter Unternehmensergebnisse deutlich erholten und per Freitagvormittag teils leicht im Plus lagen, gaben die Anleihenotierungen im Gegenzug nach. Die Europäische Zentralbank sorgte nach ihrer Sitzung am Donnerstag für nur wenig Marktbewegung.

Europäische Zentralbank: Zinsen bleiben für lange Zeit auf niedrigem Niveau

Zwei Wochen nach dem Abschluss ihrer Strategieüberprüfung trat die Europäische Zentralbank am Donnerstag zu ihrer Juli-Sitzung zusammen. Die Erwartungen der Finanzmarktakteure waren mit Aussicht auf eine nunmehr klare, straffe Kommunikation zur Geldpolitik nicht gerade gering. Dennoch zeigte sich die EZB in einigen Punkten etwas schmallippiger, als am Markt erwartet worden war. Der Ausblick auf die Zinspolitik (Forward Guidance) sieht vor, die Zinsen für lange Zeit auf ihrem gegenwärtigen Niveau (oder noch niedriger) zu belassen, bis sich die Inflation im Euroraum – vor dem Ende eines von der EZB definierten Projektionszeitraums – bei glatt zwei Prozent eingefunden hat. Dabei wird auch ein temporäres Überschießen der nunmehr klaren Zielmarke in Kauf genommen. Wir haben bislang mit einer ersten Zinserhöhung durch die EZB für 2024 gerechnet. Dem aktuell veröffentlichten Research von Banken und Brokern zufolge reichen die Schätzungen hinsichtlich einer ersten Zinserhöhung nunmehr sogar bis in das Jahr 2025 hinein. Zinserhöhungen rücken somit in weite Ferne. Kaum Hinweise gab es in Hinblick auf die Anleihekaufprogramme. Im Fazit ergab sich wenig Neues, mehr Aufmerksamkeit für die Wertpapierankäufe erwarten wir nun für September. Konkrete Beschlüsse vielleicht sogar erst im kommenden Dezember. Der Ausblick auf die Geldpolitik bleibt somit über die kommenden Monate hinaus unverändert.

Konjunkturdaten

Die Zahl der in der Berichtswoche für den Finanzmarkt relevanten Konjunkturdaten blieb sehr überschaubar. Zum Wochenbeginn gab es gemischte Daten zum US-Immobilienmarkt. Die Baubeginne nahmen im Juni etwas zu, während die Baugenehmigungen rückläufig waren. Der NAHB-Wohnungsmarktindex ging im Juli gegenüber dem Vormonat um einen Punkt auf 80 Zähler leicht zurück. Die Verkäufe bestehender Häuser stiegen leicht an. Insgesamt kann die Entwicklung am US-Häusermarkt als solide bezeichnet werden, allerdings nimmt unter dem Eindruck der kräftigen Preissteigerungen die Dynamik auf hohem Niveau ab.

Etwas eingetrübt zeigte sich die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Anträge auf Arbeitslosenhilfe in der Vorwoche stiegen von 360.000 auf 419.000 an. Hierfür dürfte das Herunterfahren der Automobilproduktion infolge des derzeit vorherrschenden Computerchip-Mangels verantwortlich gewesen sein.

Bei den Markit-Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für die Eurozone lag der Gesamtindex im Juli mit 60,6 Punkten sowohl über dem Vormonat als auch über dem Bloomberg-Konsens. Einem Rückgang im Verarbeitenden Gewerbe stand ein Anstieg bei den Dienstleistungen gegenüber.

Bei den deutschen PMIs waren hingegen beide Sektoren und damit auch der Gesamtindex deutlich im Plus.

    Aktien: Aufholjagd nach starker Korrektur

Dem starken Rückgang zum Wochenauftakt folgte an den weiteren Handelstagen der Berichtswoche eine ebenso deutliche Erholung. Viele Aktienbörsen lagen am Freitagvormittag sogar wieder im Plus. Die fortgesetzt lockere Geldpolitik der EZB mit Aussicht auf noch lang fortbestehende Niedrigzinsen sowie insgesamt positive Quartalsdaten der Unternehmen fungierten als unterstützende Faktoren. So wiesen etwa der DAX 30 (plus 0,4 Prozent) und der EURO STOXX 50-Index (plus 1,2 Prozent) positive Vorzeichen auf. Der marktbreite STOXX Europe 600-Index gewann ein Prozent hinzu. Dies galt in den USA auch für den Nasdaq-Index. S&P 500-Index sowie Dow Jones Industrial Average lagen bis zur Freitagseröffnung leicht im Minus. Etwas schlechter sah es in Asien aus, in Japan (Nikkei 225 minus 3,7 Prozent) und in China (HSCEI minus 3,1 Prozent) tendierten die Leitindizes deutlich ins Minus. Was auch für den MSCI World-Index galt, der 1,0 Prozent verlor.

Finanzdienstleister vorne

Bei den im STOXX Europe 600-Index vertretenen Branchen lagen die Finanzdienstleister mit plus 3,9 Prozent weit vorne. Es folgte der Reise- und Freizeitsektor, der sich von den Corona-bedingten Abgaben zu Wochenbeginn erholen und um 2,9 Prozent zulegen konnte. Defensive Branchen wie Versorger oder Telekommunikations-Aktien lagen leicht im Minus.

SAP fällt in Ungnade

Bei den Einzeltiteln lag im DAX 30 die Aktie von Delivery Hero im Zusammenhang mit dem Verkauf einer Tochtergesellschaft mit einem Plus von 6,2 Prozent vorne. Es folgte die Deutsche Bank mit vier Prozent Zugewinn. Am Markt bestehen hohe Erwartungen hinsichtlich der Zahlen zum zweiten Quartal, die in der kommenden Woche veröffentlicht werden. Am Ende der Wertentwicklung lag die SAP-Aktie mit einem Wochenminus in Höhe von 5,2 Prozent. Trotz guter Q2-Daten und einer Anhebung der unteren Bandbreite bei der Prognose zur weiteren Geschäftsentwicklung fiel die Aktie bei den Anlegern etwas in Ungnade.

    Renten: Schwankungsreich, aber per saldo wenig verändert

Spiegelbildlich zu den Aktienbörsen verlief die Entwicklung an den Staatsanleihemärkten. Ein großes Kaufinteresse im Rahmen der allgemeinen Risikoscheu brachte die Renditen sicherer Staatsanleihen zum Wochenbeginn zunächst unter Druck. Am US-Markt fiel die Zehnjahresrendite der richtungsweisenden US-Treasuries zwischenzeitlich bis auf 1,12 Prozent. Am Freitagmorgen rentierten im Rahmen der Entspannung an den Märkten entsprechende Papiere aber bereits wieder mit 1,29 Prozent. Mit Blick auf die US-Zinskurve tat sich per saldo wenig. Im kurzen Laufzeitbereich gab die Verzinsung ein wenig nach, ansonsten blieben die Renditen im Wochenvergleich unverändert.

Die deutsche Zinsstrukturkurve verschob sich ab der Laufzeit von zwei Jahren an parallel um maximal vier Basispunkte nach unten. Die Zehnjahresrendite lag zuletzt bei minus 40 Basispunkten, der Wochentiefstand lag bei minus 44 Basispunkten. Die Peripherie folgte weitgehend der Bewegung bei den Bundesanleihen. Der Euro-Gesamtmarkt (iBoxx Euro Sovereigns-Index) verbuchte bis Donnerstagabend leichte Zugewinne. Auch Euro-Unternehmensanleihen tendierten freundlich, die Risikoprämien engten sich vor dem Hintergrund geringer Neuemissionstätigkeiten weiter ein und erreichten auf Gesamtmarktebene (ICE BofA Euro Corp.-Index) einen Jahrestiefstand.

    Ausblick auf die kommende Woche

Am Mittwoch tritt die US-Notenbank Fed zu ihrer Juli-Sitzung zusammen. Gravierende Änderungen in der Geldpolitik sind trotz zuletzt hoher Inflationsdaten nicht zu erwarten, da die Fed diese als vorübergehend ansieht. Die Fed ist nach eigenen Aussagen noch einiges von ihren Zielen, die eine Straffung der Geldpolitik begründen könnten, entfernt. Allerdings könnten erste Gedankengänge bzw. Überlegungen zur Rückführung der Anleiheankäufe kommuniziert werden.

Darüber hinaus stehen zahlreiche Konjunkturdaten aus den USA zur Veröffentlichung an. So am Donnerstag das Bruttoinlandsprodukt zum zweiten Quartal. Am Freitag kommen zudem mit dem PCE Core Deflator für Juni wieder wichtige Daten hinsichtlich der Inflationsentwicklung. Hierauf schaut auch die US-Notenbank. Ebenfalls am Freitag werden die Konsumentenpreise im Euroraum für den Juli bekanntgegeben.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 23. Juli 2021, soweit nicht anders angegeben.

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