MarktTicker 24. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 08. bis 12. Juni 2020

    Diese Woche: Fed hält Zinsen zwar niedrig, aber Konjunkturbild verunsichert

Zunächst setzte sich der freundliche Trend der Vorwochen noch fort, am Donnerstag drehten die Finanzmärkte dann aber deutlich. Die in den USA aufkommende Furcht vor einer zweiten Corona-Welle – einige US-Bundesstaaten vermeldeten erhöhte Neuinfektionen, und eine verhaltene Konjunktureinschätzung durch die US-Notenbank Fed haben die Anleger verunsichert. Risiko war nicht mehr gefragt. Nach der starken Erholungsbewegung in den Vorwochen kam es an den Aktienbörsen zu einem merklichen Rückschlag. Hiervon profitierten die als sichere Anlagehäfen geltenden deutschen und US-amerikanischen Staatsanleihen. Steigende Anleihenotierungen respektive fallende Renditen prägten das Geschehen an den dortigen Anleihemärkten.

US-Notenbank Fed sieht keine Zinsanhebungen bis Ende 2022

Die Fed beschloss auf ihrer Sitzung am Mittwoch keine Änderung bezüglich ihrer Leitzinsen. Zur Förderung der günstigen Refinanzierungsbedingungen für Haushalte und Unternehmen wird die Fed in den kommenden Monaten weiterhin Wertpapiere erwerben. Im Hinblick auf das monatliche Ankaufvolumen zog sie dabei eine Untergrenze ein, die in etwa dem aktuellen Ankaufvolumen entspricht. Bei US-Staatsanleihen liegt die Untergrenze bei monatlich etwa 80, bei hypothekenbesicherten Wertpapieren (MBS) etwa 40 Milliarden US-Dollar. Powell unterstrich in der Pressekonferenz, dass das Fed-Board zudem bereitstünde, jederzeit zu reagieren und im Bedarfsfall alle Instrumente nutzen würde, um eine nachhaltige Erholung sicherzustellen.

Entsprechend der verheerenden Auswirkungen der Corona-Pandemie sieht die Fed dramatische wirtschaftliche Bremsspuren und beziffert den Wachstumseinbruch in 2020 auf 6,5 Prozent (Q4 2020 gegen Q4 2019). Für die Folgejahre wird eine Erholung von 5,0 Prozent in 2021 und 3,5 Prozent in 2022 erwartet. Analog sieht die Fed die Arbeitslosenquote im vierten Quartal 2020 bei 9,3 Prozent, bevor diese in den Folgejahren wieder deutlich sinken sollte. Auch wenn die aktuelle wirtschaftliche Lage düster erscheint, erwartet die US-Notenbank eine vergleichsweise schnelle Erholung und demgemäß einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Die große Mehrheit der Board-Mitglieder sieht aber keine Spielräume für Zinsanhebungen im Jahr 2021 und 2022. Aufgrund der moderaten Inflationsentwicklung sowie der großen Unsicherheiten, mit denen der wirtschaftliche Ausblick verbunden ist, schloss Powell somit die Möglichkeit von Zinserhöhungen in den nächsten Jahren weitestgehend aus.

Konjunktur: US-Arbeitsmarkt macht Hoffnung

Die schlechte Datenlage hält nach wie vor an. Die deutsche Industrieproduktion verminderte sich beispielsweise im April gegenüber dem März um rund 18 Prozent, gegenüber dem Vorjahr sogar um 25 Prozent. Auch bei den deutschen Import- und Exportzahlen ging es im April im Vergleich zum Vormonat weiter deutlich abwärts. Es wird aber weiterhin davon ausgegangen, dass mit den desaströsen Konjunkturzahlen im April die Talsohle durchschritten wurde.

In den USA hat sich die Lage am Arbeitsmarkt etwas verbessert. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge (1,54 Millionen) ist zwar weiterhin sehr hoch, doch hat sich die Beschäftigung im Mai mit plus 2,5 Millionen und einer rückläufigen Arbeitslosenquote auf „nur“ noch 13,3 Prozent (nach 14,7 Prozent) leicht entspannt. Die Anzahl der registrierten Arbeitslosen lag per Ende Mai mit knapp 21 Millionen unter dem bislang zu beobachtenden Höchststand (25 Millionen). Insgesamt ergibt sich ein gemischtes Bild: Die US-Konjunktur zeigt erste Anzeichen der Stabilisierung, und das hilft auch dem Arbeitsmarkt, wie die Zahl der Erstanträge aufzeigt. Aber: Von einer echten Erholung sind die USA noch weit entfernt, trotz des positiven Arbeitsmarktberichts sind gerade einmal etwas mehr als zehn Prozent der im März und April verloren gegangenen Arbeitsplätze wieder geschaffen worden.

    Aktien: Starker Einbruch am Donnerstag

Nasdaq 100-Index erzielt zunächst historisches Hoch

Mit dem Stimmungsumschwung der Anleger ging ein deutlicher Rückgang an den Börsen einher. Die Aktienmärkte insgesamt hatten in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt, eine wirtschaftliche Erholung war schon in größerem Umfang an den Märkten eingepreist. Somit bot sich einiger Spielraum für Gewinnmitnahmen. Am Freitagvormittag konnte im Euroraum zwar ein Teil der Vortagsverluste aufgeholt werden, dennoch lagen die Märkte auf Wochensicht im Minus. Im Euroraum gaben DAX-30, CAC40-Index, EUROSTOXX 50-Index sowie STOXX Europe 600-Index zwischen fünf und sechs Prozent ab. Der japanische Nikkei 225-Index kam mit minus 2,4 Prozent etwas glimpflicher davon. In den USA lagen S&P 500-Index sowie Dow Jonas Industrial Average vor der Freitagseröffnung mit 3,5 sowie 4,4 Prozent im negativen Terrain. Der Nasdaq 100-Index, der in der Berichtswoche mit mehr als 10.000 Punkten sogar zunächst ein historisches Hoch erzielte, lag nach der Korrektur nahezu unverändert. Der für die Gesamtentwicklung repräsentative MSCI World-Index gab fünf Prozent ab.

Branchen: Reisetitel, Autos und Banken deutlich im Minus

Im STOXX Europe 600-Index hat es in der laufenden Woche neben den zyklischen Branchen wie Reisen, Automobilbau und Zulieferer auch die Banken erwischt. Die Verluste in diesen Sektoren lagen zwischen acht (Banken) und zehn Prozent (Reisesektor). Selbst die als defensiv einzuordnenden Versorgertitel oder Telekommunikationswerte erlitten auf Branchenebene Rückgänge von drei bzw. vier Prozent.

    Renten: Sichere Anlagehäfen gesucht

Zinskurven flacher, Rendite fallen

Die erhöhte Risikoaversion lässt sich in der Berichtswoche auch deutlich an den Zinsstrukturkurven ablesen. Bei den bundesdeutschen Anleihen tendierte die Kurve über den Renditerückgang in längeren Laufzeiten – 30-jährige Papiere gaben um 20 Renditestellen (Verzinsung aktuell 0,05 Prozent) nach. Bei nahezu allen Laufzeiten war ein rückläufiger Renditetrend zu verzeichnen, im Zehnjahresbereich fiel die Verzinsung um 15 Basispunkte. Parallel vollzog sich die Entwicklung am US-Staatsanleihemarkt. Der Renditerückgang im Laufzeitbereich von fünf bis 30 Jahren lag zwischen 13 und 30 Basispunkten.

Sehr hohe Überzeichnung bei neuem Irland-Bond

An den Euro-Peripheriemärkten führte die Risikoaversion der Anleger zu Kursverlusten und damit steigenden Renditen. In Spanien und Italien stieg die Verzinsung um acht bzw. zehn Basispunkte an. Dies auch vor dem Hintergrund umfangreicher Neuemissionen, die in der Berichtswoche etwa aus Spanien, Italien, Griechenland und Portugal anstanden. Auch Irland platzierte Bonds. Die Nachfrage war insgesamt gut, vor allem nach den irischen Papieren. Es standen sechs Milliarden Euro zur Platzierung an. Das Orderbuch lag zuletzt bei 70 Milliarden Euro. Spanien hat sich mit den zuletzt platzierten Anleihen bereits zu zwei Dritteln für laufende Jahr am Kapitalmarkt refinanziert, was positiv bewertet wird. Griechenland konnte trotz der drei Milliarden Euro schweren Neuemission in der Berichtswoche das Renditeniveau im Zehnjahresbereich halten und tendierte unverändert. Mit der Entwicklung an den Kern- und den Peripheriemärkten ging eine deutliche Ausweitung der Renditeaufschläge einher.

Euro-Unternehmensanleihen und auch Staatstitel aus den Schwellenländern wiesen im Rahmen der allgemeinen Risikoaversion leichte Spreadausweitungen auf.

    Ausblick auf die kommende Woche

Nach den desastösen Wirtschaftsdaten aus dem April wird nun mit einer Erholung der Konjunktur gerechnet. Der jüngste US-Arbeitsmarkt gab hierauf erste Hinweise. Die in der neuen Handelswoche anstehenden Daten aus dem Mai sollten dies bestätigen. In Deutschland wird am Dienstag der ZEW-Konjunkturindex bekanntgegeben. Die unter Finanzmarktteilnehmern erhobene Umfrage sieht dem Konsens zufolge bei der Erwartungskomponente einen Anstieg von 51 auf 60 Punkte vor. Darüber hinaus stehen zahlreiche US-Daten wie die Einzelhandelsumsätze, zum Wohnungsmarkt, zur Industrieproduktion und natürlich auch wieder zum Arbeitsmarkt auf der Agenda.

Am kommenden Freitag treffen sich zudem die EU-Staats- und Regierungschefs zum ersten Mal, um sich mit dem 750 Milliarden Euro schweren Corona-Wiederaufbaufonds zu befassen.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 12. Juni 2020, soweit nicht anders angegeben.

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