Marktrückblick und -ausblick 49. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 6. bis 10. Dezember 2021

      Diese Woche: Risikofreude nimmt wieder zu

Im Vorfeld der für den 16. Dezember anberaumten EZB-Sitzung zeigten sich die Anleger zuletzt etwas optimistischer. Die Risikofreude nahm zu und spiegelte sich in steigenden Aktienkursen wider. Bezüglich der Corona-Omikron-Variante gab es im Wochenverlauf widersprüchliche Pressemeldungen hinsichtlich der Wirksamkeit der Impfstoffe. Darüber hinaus scheinen mittlerweile weltweit erneute Restriktionen zur Bekämpfung der Ausbreitung die Oberhand zu gewinnen. Letztlich hat sich in der Berichtswoche aber eine positive Sichtweise durchgesetzt. Die Anleger gingen wieder ins Risiko und setzten auf die Aktienmärkte. Die Börsen lagen weltweit im Plus. Auch Anleihen mit Renditeaufschlag wie Unternehmenstitel und Papiere aus den Schwellenländern erholten sich wieder von den Verlusten der Vorwoche. Die als sicher geltenden Bundesanleihen und US-Schatzanweisungen tendierten hingegen ins Minus. Deren Renditen stiegen, vor allem in den USA, damit einhergehend an.

Deutsche Industrieproduktion im Plus

Mit Blick auf die Wirtschaftsdaten konnte die deutsche Industrieproduktion im Oktober ein erfreuliches Plus verzeichnen. Die Fertigung in der Industrie, beim Bau und den Energieversorgern lag um 2,8 Prozent über dem Vormonat. Erwartet wurde lediglich ein Plus in Höhe von 0,9 Prozent. Für etwas Ernüchterung sorgte aber der gleichzeitig veröffentlichte ZEW-Index. Die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung befragten Finanzmarktexperten waren sowohl die Lage als auch die Erwartungen betreffend eher in Moll gestimmt. Die entsprechenden Indizes fielen um 19,9 auf minus 7,4 und um 1,8 auf 29,9 Punkte. Zum ersten Mal seit Juni 2021 befindet sich der Lageindikator wieder im negativen Bereich. Bestehende Lieferengpässe und die Entwicklung der Corona-Pandemie belasten Produktion und Einzelhandel.

Der deutsche Auftragseingang in der Industrie zeigte sich im Oktober mit minus 6,9 Prozent gegenüber dem Vormonat eher überraschend rückläufig. Hierzu haben deutlich geringere Großaufträge und auch eine schwächere Auslandsnachfrage beigetragen. Ein nach wie vor hoher Auftragsbestand in der Industrie relativiert immerhin den Rückgang der neuen Bestellungen.

US-Verbraucherpreise über Erwartung

Die US-Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung bewegten sich mit 184.000 in der Vorwoche zum 4. Dezember auf einem (niedrigen) Niveau, wie es zuletzt 1969 zu beobachten war. Die verringerten Erstanträge deuten auf eine weitere Erholung hin, obwohl der in der Vorwoche veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht mit nur 210.000 neu geschaffenen Stellen eher enttäuschend ausfiel.

Die mit Spannung erwarteten US-Verbraucherpreise stiegen im November um 0,8 Prozent gegenüber dem Vormonat. Die Konsensschätzung über Bloomberg lag bei plus 0,7 Prozent. Die Kernrate (ohne Lebensmittel und Energie) nahm wie erwartet um 0,5 Prozent zu. Im Jahresvergleich stieg die Teuerung wie geschätzt um 6,8 Prozent an. Dies gilt auch für die Kernrate (plus 4,9 Prozent).

      Aktien: Erholung auf breiter Front

An den Aktienmärkten setzte sich in der Breite eine deutliche Erholungsbewegung durch. Auf Gesamtmarktebene stieg der MSCI World-Index um 2,8 Prozent an. Die Dynamik ließ zwar im Wochenverlauf aufgrund der Omikron-Ausbreitung etwas nach. An den US-Börsen lagen die großen Indizes bis Donnerstagabend aber mit durchschnittlich drei Prozent im Plus. In Asien konnten sowohl der japanische Nikkei 225 als auch der chinesische Hang Seng-Index jeweils 1,5 Prozent hinzugewinnen. In Europa legten sowohl DAX 40 als auch EURO STOXX 50-Index um jeweils 2,8 Prozent zu.

Der für europäische Aktientitel repräsentative STOXX Europe 600-Index lag mit 2,7 Prozent im Plus. Alle Branchen konnten in der Berichtswoche hinzugewinnen. Der Reise- und Unterhaltungssektor lag mit plus 5,5 Prozent an der Spitze. Automobile sowie Grundstoffe folgten mit 5,2 Prozent. Immobilien-Aktien lagen mit plus 0,7 Prozent an letzter Stelle.

DAX 40: Automobile vorne, Hellofresh nach Prognose unter Druck

Im DAX 40 gewannen in der Berichtswoche die Vorzugsaktien der Porsche Automobil Holding rund 16 Prozent und Volkswagen (ebenfalls die Vorzüge) elf Prozent hinzu. Presseberichten zufolge arbeitet der Wolfburger Volkswagen-Konzern an einem Börsengang der Sportwagentochter Porsche AG. Darüber hinaus waren Aktien von Airbus mit einem Zugewinn von knapp acht Prozent stark gesucht.

Im Gegenzug stand die Aktie des Lieferdienstes Hellofresh unter Druck. Der Titel verlor im Wochenverlauf elf Prozent. Der Markt reagierte auf die vom Unternehmen in dieser Woche vorgelegten Prognose für das kommende Geschäftsjahr. Laut Presseberichten liegt dabei das bereinigte operative Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) unter den Erwartungen der Anleger. Zudem plane man höhere Investitionen, die aber auch mit einem geringeren Gewinn einhergehen dürften.

Unterdessen hat sich die Aktie des US-Unternehmens Apple auf den Weg in neue Dimensionen aufgemacht. Im Zuge weiterer Kursgewinne (plus 7,8 Prozent auf 174,5 US-Dollar) hat das Unternehmen hinsichtlich der Börsenbewertung den kompletten deutschen Markt von Platz neun auf der Skala der weltweit größten Aktienmärkte verdrängt.

    Renten: Sichere Staatsanleihen im Minus

Als sicher geltende Staatsanleihen wie deutsche Bundespapiere oder US-Schatzanweisungen waren in der Berichtswoche angesichts der Risikobereitschaft unter den Anlegern weitaus weniger gefragt. Somit kam es an den dortigen Märkten zu Kursverlusten und damit einhergehend zu entsprechend steigenden Renditen. In den USA legte die Zehnjahresrendite im Wochenverlauf (bis Freitagvormittag) vor den wichtigen US-Inflationsdaten von 1,34 auf 1,51 Prozent zu. Die US-Zinskurve verschob sich in der Berichtswoche im Laufzeitband von einem bis zu 30 Jahren Laufzeit zwischen 13 und 20 Basispunkten nach oben.

Deutsche Zinskurve weiter komplett im Minus

Ein ähnliches Bild ergab sich am deutschen Rentenmarkt. Der dortige Renditeanstieg fiel aber mit maximal sechs Basispunkten um einiges geringer aus als bei den amerikanischen Pendants. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten mit knapp minus 0,35 Prozent. Die deutsche Zinskurve blieb in der Berichtswoche aber weiter komplett im negativen Renditebereich.

Mit Blick auf die Spreadentwicklung in der Euro-Peripherie fiel Griechenland auf. Eine seit Wochen zu beobachtende Ausweitung der Risikoaufschläge gegen Bundesanleihen setzte sich fort. Dies dürfte in erster Linie auf die Unsicherheit der Anleger bezüglich der weiteren Gestaltung der Anleiheankäufe der europäischen Zentralbank zurückzuführen sein. Der Renditeaufschlag (Spread) im Zehnjahresbereich hat sich seitdem auf mittlerweile 170 Basispunkte erhöht. Zum Vergleich: Mitte Oktober lag der Spread noch bei 100 Basispunkten.

Euro-Unternehmenspapiere und in US-Dollar oder Euro begebene Hartwährungsanleihen aus den Schwellenländern (Emerging Market) konnten sich im Zuge der erhöhten Risikobereitschaft erholen. Die Risikoprämien engten sich in beiden Anleihesegmenten nach der deutlichen Ausweitung gegen Ende November in den vergangenen Handelstagen wieder etwas ein.

      Ausblick auf die kommende Woche

Vor uns liegt die Woche der Zentralbanken. Wie werden die Währungshüter mit den zuletzt stark gestiegenen Inflationsraten umgehen? In erster Linie dürften die Anleiheankaufprogramme im Blickpunkt stehen. Den Auftakt gibt am Mittwoch die US-Notenbank Fed. Ein schnelleres Ende der Ankäufe zu Anfang 2022 ist wahrscheinlich, dem dann eine erste Zinserhöhung folgen könnte.

Am Donnerstag tagt die Europäischen Zentralbank. Ähnlich wie die anderen Zentralbanken dürfte die EZB ihren Fuß etwas mehr vom Gaspedal nehmen, als in den letzten Wochen vom Markt erwartet wurde. Allerdings kann die EZB deutlich länger als die US-Fed oder auch die Bank of England davon absehen, geldpolitisch auf die Bremse zu treten. Wir gehen davon aus, dass die EZB darauf bedacht ist, auf kurze Sicht zu fahren und sich hinsichtlich ihrer geldpolitischen Maßnahmen größtmöglichen Spielraum einzuräumen. Es ist auch gut möglich, dass erwartete Entscheidungen in den Februar oder gar März vertagt werden. Letzteres würde die Unsicherheit am Markt, je nach Kommunikation, erhöhen.

Ebenfalls am Donnertag trifft sich die Bank von England (BoE). Bislang wurde dort mit einer Zinserhöhung gerechnet, die aber aufgrund der Omikron-Variante nicht mehr als ausgemacht gilt. Darüber hinaus tagt am Freitag noch die Bank of Japan.

Bei den Konjunkturdaten dürften neben einer ganzen Reihe neuer Daten am Mittwoch die US-Einzelhandelsumsätze und am Donnerstag die Einkaufsmanagerindizes sowohl im Euroraum/Deutschland als auch aus den USA von übergeordnetem Interesse ein. Am Freitag steht dann noch der ifo-Index für Deutschland auf der Agenda.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 10. Dezember 2021, soweit nicht anders angegeben.

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