MarktTicker 46. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 09. bis 13. November 2020

    Diese Woche: Aussicht auf Corona-Impfstoff

BioNTech/Pfizer und auch Moderna geben Hoffnung

Die zweite Welle der Corona-Pandemie rollt mit Wucht, stark steigende Infektionszahlen sind zu verzeichnen. Zahlreiche Staaten haben bereits wieder strenge Eindämmungsmaßnahmen verhängt. Diese treffen auf eine konjunkturelle Erholung, deren Dynamik bereits vor der zweiten Welle wieder nachgelassen hatte. Die Hoffnungen, die an vielversprechende Impfstoffe geknüpft werden, sind groß. Einer hiervon könnte möglicherweise noch in diesem Jahr zugelassen werden. Der Impfstoff von BioNTech und dessen US-Partner Pfizer zeigt in Studien eine Wirksamkeit von 90 Prozent, bislang ohne schwere Nebenwirkungen. Es stimmt optimistisch, dass der Impfstoff sowohl in den USA als auch in Europa um den Jahreswechsel zugelassen werden kann. Die Zulassung in Europa wurde im Rahmen des rollierenden Verfahrens bereits beantragt, in den USA soll der Antrag Ende November gestellt werden. Im Fall von positiven Daten hat auch das US-Unternehmen Moderna angekündigt, noch zum Jahresende mit einem sehr ähnlichen Impfstoff an den Markt gehen zu können. Der Biotechnologiekonzern verfügt über eigene Produktionskapazitäten, wodurch die verfügbare Impfstoffmenge insgesamt nochmal deutlich steigen würde.

Unklar ist, wie lange dieser Impfschutz anhält. Und auch wenn bislang keine gravierenden Nebenwirkungen in den Studien zu beobachten waren, sind Langzeitnebenwirkungen natürlich noch nicht bekannt. Auch wenn noch Fragen offen sind, ist die bevorstehende Zulassung der Impfstoffe ein großer Schritt in Richtung „Normalität“.

Trotz der guten Nachrichten: Die konjunkturelle Erholung wird Zeit brauchen. Für die kommenden Monate dürfte noch nicht von einer maßgeblichen Entspannung beim Infektionsgeschehen auszugehen sein. Die Hoffnung auf eine Lockerung der Maßnahmen gegen Jahresende dürfte nach der letzten Stellungnahme der Bundesregierung einen Dämpfer erhalten haben. Erst die breite Verfügbarkeit eines Impfstoffes – mit der frühestens im Sommer 2021 zu rechnen ist – dürfte als Triebfeder für die konjunkturelle Entwicklung wirken. Bis zu diesem Zeitpunkt ist von moderaten kontaktreduzierenden Maßnahmen auszugehen. Zwar dürften die negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft weniger gravierend ausfallen als im Frühjahr, weil beispielsweise in Deutschland der Einzelhandel und das Verarbeitende Gewerbe komplett geöffnet bleiben. Dennoch ist erst im Laufe des kommenden Jahres mit einer deutlichen konjunkturellen Belebung zu rechnen.

Wirtschaftsdaten

Bei dem am Dienstag für Deutschland veröffentlichten ZEW-Index hat sich die aktuelle Corona-Ausbreitung in der Beurteilung der befragten 400 Analysten und institutionellen Anleger deutlich widergespiegelt. Sowohl die Einschätzung zur aktuellen Lage als auch die Erwartungen waren den November betreffend im Vergleich zum Vormonat deutlich gefallen.

Die chinesischen Außenhandelsdaten zeigten sich sehr solide und untermauerten die dortige V-förmige Erholung der Wirtschaft. Etwas rückläufig zeigten sich die chinesischen Daten zur Kreditvergabe, diese geben aber keinen Anlass zur Sorge.

Der am vergangenen Freitag spätnachmittags veröffentlichte US-Arbeitsmarkt zeigte sich mit 638.000 neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft ebenfalls sehr solide, die Arbeitslosenquote fiel von 7,9 auf 6,9 Prozent. Die für die Vorwoche registrierten Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe lagen bei 709.000 und damit sowohl unter dem Vorwochenwert (751.000) als auch den Schätzungen (731.000). Die US-Verbraucherpreise für Oktober waren im Vergleich zum Vormonat unverändert. Im Jahresvergleich verringerte sich die Preissteigerung um 0,2 auf 1,2 Prozent. Die um Lebensmittel und Energiepreise bereinigte Kernrate war ebenfalls gegenüber Oktober 2019 mit 1,6 (Vorjahr 1,7) Prozent leicht rückläufig. Preisdruck ist somit in den USA derzeit nicht zu erkennen. Dies trifft auch für die deutsche Inflation zu, die im Oktober gegenüber Vorjahr mit minus 0,2 Prozent ebenso rückläufig war.

    Aktien: Starken Zugewinnen zum Wochenauftakt folgt Konsolidierung

Zunächst reagierten die Anleger euphorisch auf die Ankündigung zum Fortschritt bei den Corona-Impfstoffen. An den Aktienbörsen kam es weltweit zunächst zu deutlichen Zugewinnen. Aber die aktuell rasante Ausbreitung des Corona-Virus und die Folgen der damit verbundenen Einschränkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung hat dann recht schnell zur Ernüchterung unter den Marktteilnehmern geführt. Ein Teil der zu Wochenbeginn erzielten Gewinne wurde wieder abgegeben. Insgesamt verblieben an den Aktienmärkten aber bis Freitagmittag überwiegend Zugewinne. In den USA wurden vorübergehend Rekord-Indexstände erzielt. Der S&P 500-Index etwa überschritt zeitweise die Marke von 3.600 Punkten, der Dow Jones Industrial Average lag am Montag vorübergehend bei 30.000 Zählern. Mit letztlich 0,8 und 2,4 Prozent lagen beide Indizes aber bis Freitagmorgen noch im Plus. Der in den vergangenen Wochen so starke Nasdaq-Index konnte hingegen kein neues Hoch erreichen und ging per Donnerstagabend auf Wochensicht sogar mit einem Verlust von 2,1 Prozent aus dem Handel. In Euroraum blieben sowohl der DAX 30-Index als auch der EURO STOXX 50-Index von ihren Höchstständen entfernt, gewannen aber mit 5,1 und 7,5 Prozent deutlich hinzu.

STOXX Europe 600 Index-Banken im Fokus

Der für Europa marktbreite STOXX Europe 600-Index für europäische Aktien steig um 5,3 Prozent an. Branchenseitig ragten in der Berichtswoche die Banken heraus. Der Branchenindex gewann mit plus 16,5 Prozent deutlich hinzu. Presseberichten zufolge könnte die EZB im Dezember möglicherweise ihr De-Facto-Verbot für Bankdividenden im Dezember aufheben. Dies sollte voraussichtlich mit einer Aufforderung verbunden sein, bei den Ausschüttungen sehr konservativ vorzugehen.

Darüber hinaus ragten mit 13,8 und 11,3 Prozent der Öl&Gas-Sektor sowie die Versicherungsbranche heraus. Kurzzeitig standen als Value-Werte wieder im Fokus.

Bezüglich der sich langsam dem Ende zuneigenden Berichtssaison zum dritten Quartal kann weiterhin angeführt werden, dass sich die Mehrheit der veröffentlichten Unternehmensergebnisse über den Schätzungen der Analysten bewegt.

    Renten: Renditesprung zum Wochenauftakt

Renditedifferenz zwischen Italien und Deutschland engt sich weiter ein

Entgegengesetzt zum Handel an den Aktienbörsen gestaltete sich die Entwicklung an den Staatsanleihemärkten. Zum Wochenauftakt kam es dort zunächst zu einem deutlichen Renditeanstieg. Die Zehnjahresrendite deutscher Bundesanleihen und auch der US-Schatzanweisungen mit zehn Jahren Laufzeit stiegen anfänglich um bis zu 15 Basispunkte an. Auch in den europäischen Peripheriemärkten war aufgrund der rückläufigen Anleihenotierungen eine höhere Verzinsung zu erzielen. Im weiteren Wochenverlauf konnten die Verluste dann aber im Rahmen der Konsolidierung an den Aktienmärkten wieder etwas aufgeholt werden. Per saldo haben sich bis Freitagvormittag sowohl die Zinskurven in den USA als auch in Deutschland um je nach Laufzeit bis zu sechs bzw. acht Basispunkte nach oben verschoben. Die Bundkurve tendierte dabei etwas steiler. Mit Blick auf die Peripherie war eine fortgesetzte Einengung der Renditedifferenz (Spread) zwischen deutschen und italienischen Staatspapieren im Zehnjahresbereich zu beobachten. Diese lag im Freitagshandel bei 120 Basispunkten und markierte den Tiefstand im laufenden Jahr.

EZB steht mit weiteren Maßnahmen parat

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht nach eigenen Angaben weiter parat, um vor dem Hintergrund der Corona-Folgen marktunterstützend einzugreifen. Eine Erhöhung bzw. Verlängerung des Kaufprogramms PEPP sowie Maßnahmen im Bankensektor wie etwa fortgesetzt großzügige Langfristtender (TLTRO) sollen einer Stellungnahme von EZB-Präsidentin Lagarde zufolge die dabei weiterhin präferierten geldpolitischen Werkzeuge der Zentralbank sein.

EM-Anleihen – und Euro-Unternehmenspapiere: Weiter rückläufige Risikoaufschläge

Bei den Anleihen mit Renditeaufschlag wie Unternehmensanleihen und EM-Rentenpapieren war ebenfalls eine freundliche Entwicklung zu beobachten. Die zuvor teils starke Neuemissionstätigkeit hat nachgelassen und nahm somit etwas Last von den Sekundärmarkten. Die Entwicklung der Risikoaufschläge war abwärtsgerichtet. Bei Euro-Unternehmensanleihen mit Rating Investment Grade lag die Spreadeinengung im Gesamtmarkt bis Donnerstagabend bei sieben Basispunkten. Bei den EM-Titeln tendierten die Aufschläge mit zuletzt 380 Basispunkten weiter unterhalb der psychologisch wichtigen Marke von 400 Basispunkten.

      Ausblick auf die kommende Woche

Am Dienstag werden in die USA die Daten zu den Einzelhandelsumsätzen und zur Industrieproduktion im Oktober von größerem Interesse sein. Es wird sich zeigen, wie die US-Wirtschaft im vergangenen Monat auf die deutlich ansteigenden Corona-Infektionszahlen reagierte. Bezüglich der Einzelhandelsumsätze geht der Konsens von einer merklichen Verringerung, aber noch leichten Zuwächsen aus. Die Konjunkturerholung dürfte somit weiter anhalten. Die chinesische Industrieproduktion soll im Oktober um 6,7 Prozent deutlich zugelegt haben. Neben einer guten Auslandsnachfrage, vor allem nach medizinischen Produkten, dürfte die Eindämmung der Pandemie für eine gute Inlandsnachfrage gesorgt haben. Die chinesische Wirtschaft steuert somit weiter auf solidem Wachstumskurs.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 13. November 2020, soweit nicht anders angegeben.

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