Marktrückblick und -ausblick 21. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 24. bis 28. Mai 2021

    Diese Woche: Gehen US-Fed und EZB in der Geldpolitik getrennte Wege?

Die Inflationssorgen der Anleger haben sich in der Berichtswoche abgemildert. Dafür meldeten sich die Notenbanken zu Wort. Den zuletzt zu vernehmenden Kommentaren einiger Zentralbankmitglieder von US-Fed und EZB zufolge scheinen beide Notenbanken hinsichtlich der Geldpolitik (vorerst) getrennte Wege einzuschlagen. Zumindest wird in den USA vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Erholungsbewegung nun die Diskussion hinsichtlich einer kontraktiveren Geldpolitik immer lauter, während die EZB ihre lockere Linie vorerst beibehalten dürfte.

Die Aktienbörsen tendierten insgesamt leicht ins Plus. Im Euroraum kam es nach einem positiven Wochenauftakt im weiteren Verlauf zu Rücksetzern. In den USA waren die Zugewinne etwas höher. An den Staatsanleihemärkten zeigte sich eine leicht freundliche Stimmung, mit der sowohl in den USA als auch im Euroraum ein leichter Renditerückgang einher ging.

Drosselung der Fed-Anleiheankäufe steht zur Debatte

Nach den umfangreichen Hilfsmaßnahmen amerikanischen Notenbank steht im Rahmen der fortschreitenden Erholung der US-Konjunktur der Einstieg zum Ausstieg aus der Unterstützung zur Debatte. In der Berichtswoche hatte sich Fed-Vize Richard Clarida dahingehend geäußert, dass in einer kommenden Sitzung der Fed der Zeitpunkt für eine Diskussion über das Abschmelzen der Anleihekäufe gekommen sei. Die Fed kauft derzeit Papiere im Gegenwert von 120 Milliarden US-Dollar pro Monat an. Das Statement war im Grunde nichts Neues, da in jüngster Vergangenheit das Thema bereits wiederholt aufgeworfen wurde. Aber mit Clarida hat dieses Ansinnen jedoch einen gewichtigen Fürsprecher erhalten und entsprechende Beachtung an den Märkten gefunden. Wir gehen davon aus, dass im Juni bis September eine rege interne Diskussion innerhalb der Fed zu diesem Thema geführt werden dürfte. Mit dem Statement in dieser Woche dürfte die Thematik zumindest etwas an Schärfe hinzugewonnen haben. Die Befürchtungen hinsichtlich der Inflationsentwicklung haben sich hingegen abgemildert, da Clarida diesbezüglich bei der Fed-Linie blieb und den zuletzt unerwartet hohen Preisanstieg noch einmal als temporär bezeichnete.

Etwas anders sieht es aktuell bei der Europäischen Zentralbank aus. Die Wirtschaft im Euroraum entwickelt sich weniger dynamisch als der US-Pendant, der uns um einiges voraus ist. Dies zeigen auch die laufenden Impffortschritte im Kampf gegen Corona deutlich auf. Die EZB wird also weiter auf eine lockere Geldpolitik setzen (müssen). Gleichzeitig könnten bei einer US-Drosselung von dorther steigende Zinsen drohen. Ein Übergreifen auf den Euroraum würde damit die zuletzt erhöhten EZB-Anleihekäufe, die dem Zinsanstieg entgegenwirken sollen, konterkarieren. Auch haben sich innerhalb des EZB-Gremiums zuletzt Lager für und wider fortgesetzt umfangreicher Anleiheankäufe gebildet. Insgesamt wird die kommende Juni-Sitzung des EZB-Rates, im Vergleich zu den vorgehenden beiden Treffen, marktseitig als recht heikle Mission eingeschätzt.

Konjunkturdaten

Am Dienstag wurde die Mai-Ausgabe des ifo-Geschäftsklimaindex für die deutsche Wirtschaft veröffentlicht. Der Index stieg von 96,8 auf 99,2 Punkte an und lag damit über der Bloomberg-Konsensschätzung (98 Punkte) sowie auf dem höchsten Stand seit Mai 2019. Die Erwartungskomponente erhöhte sich im Rahmen des „reopening“ der Wirtschaft deutlich auf 102,9 (zuvor 99,5) Punkte. Die aktuelle Lagebewertung entsprach mit 95,7 Punkten nahezu den Prognosewerten. Die Lockerungen der Corona-Maßnahmen und die Impffortschritte haben deutlich zur Stimmungsverbesserung beigetragen, vor allem im Dienstleistungssektor besteht eine höhere Zuversicht.

In den USA kam es im April am Immobilienmarkt zu einem weiteren Rückgang beim Verkauf neuer Häuser. Dieser vollzog sich jedoch auf sehr hohem Niveau und lag gegenüber dem Vorjahr noch deutlich im Plus. Die Dynamik ist allerdings rückläufig. Beim vom Forschungsinstitut Conference Board ermittelten Konsumentenvertrauen gab es im Mai einen kleinen Rücksetzer. Die Kaufabsichten der US-Bürger haben sich mittlerweile nach der Ausgabe der Unterstützungen (Schecks) in den Vormonaten zuletzt etwas eingetrübt.

Der Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter im April brachte einen Rückschlag mit sich. Statt einem geschätzten Zuwachs in Höhe von 0,8 Prozent stand ein unerwartet dickes Minus von 1,3 Prozent zu Buche. Der Rückgang war aber in erster Linie auf die Computerchip-bedingten Produktionsausfälle im Automobilsektor zurückzuführen. Wir sehen in der jüngsten Entwicklung kein Grund zur Panik. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen in der Vorwoche auf 406.000. Der graduelle Rückgang im Rahmen der Konjunkturerholung setzt sich somit fort.

    Aktien: DAX 30 und STOXX Europe 600-Index mit Rekordständen

An den Aktienbörsen setzte sich in der Berichtswoche ein positiver Grundton durch. In Europa konnten der DAX 30 und der STOXX Europe 600-Index einen neuen Rekordstand erzielen. Im Wochenverlauf konsolidierten die Märkte dann aber ein wenig, hielten aber bis Freitagvormittag leichte Zugewinne von bis zu einem Prozent bei. Die US-Aktienmärkte konnten bis zur Freitagseröffnung mit jeweils mehr als einem Prozent etwas mehr zulegen. Fester tendierten die Märkte in Fernost, der Nikkei 225 stieg mit knapp drei Prozent deutlich an. Der MSCI Word-Index verbuchte ein Plus von 0,9 Prozent.

Bei der Branchenentwicklung im STOXX Europe 600-Index verbuchten Reise- und Freizeittitel im Rahmen der Corona-bedingten Lockerungsmaßnahmen die höchsten Zugewinne. Der Index stieg um 4,5 Prozent an, gefolgt vom Immobiliensektor (plus 2,8 Prozent) und der Autobranche (plus 2,7 Prozent). Darüber hinaus tendierten Technologieaktien (plus 2,6 Prozent) freundlich. Abgeschlagen zeigten sich die defensiveren Versorger und Gesundheitsaktien, die mit einem bzw. 0,8 Prozent im Minus lagen.

Mit Blick auf die Einzeltitel im DAX 30 konnte die Aktie des Unternehmens Deutsche Wohnen im Rahmen der angestrebten Fusion mit Vonovia rund 16 Prozent zulegen. Damit war die Aktie der klare Wochengewinner. Die Vonovia-Aktie tendierte hingegen mit 1,3 Prozent ins Minus. Bei einem Zusammenschluss der beiden Unternehmen entstünde mit mehr als 500. 000 Mietwohnungen der mit Abstand größte Vermieter in der Bundesrepublik. 

Mit einem Minus von 6,2 Prozent stand hingegen die Bayer-Aktie unter Abgabedruck. Der Konzern musste im Zusammenhang mit den Glyphosatklagen eine Schlappe vor dem zuständigen US-Gericht einstecken. Der von Bayer vorgeschlagene Vergleichsmechanismus ist nach abschlägiger Entscheidung vom Tisch, Nachbesserungen lagen Presseberichten zufolge nicht im Interesse des Konzerns. Dieser erarbeitet nun Alternativen bzw. Maßnahmen zum Umgang mit künftigen Klagen.

    Renten: Rückläufige Risikoprämien in der Euro-Peripherie

An den Staatsanleihenmärkten in den USA und in Deutschland waren in der Berichtswoche leicht rückläufige Renditen zu beobachten. Die Zinsstrukturkurven in beiden Ländern verflachten sich ein wenig über die langen Laufzeiten. Etwas verstimmt zeigte sich zur Wochenmitte der Markt für Bundesanleihen. Bei der Platzierung 15-jähriger Titel konnten von den angebotenen 2,5 Milliarden Euro nur 1,3 Milliarden Euro platziert werden, es gab eine sogenannte Unterdeckung. Erfolgreicher war hingegen am Donnerstag die Auktion siebenjähriger US-Schatzanweisungen, die eine hohe Nachfrage verzeichneten.

Dem rückläufigen Renditetrend folgten auch die südeuropäischen Peripheriemärkte. Die Einengung der Risikoprämien gegenüber Bundesanleihen setzte sich fort. Damit haben sich die Renditen in den Südländern mittlerweile wieder deutlich von ihren jüngsten Höchstständen aus Mitte Mai entfernt. Der iBoxx Euro Sovereigns-Index legte bis Donnerstagabend ein knappes halbes Prozent zu.

Stabil bis freundlich zeigten sich auch Anleihen aus den Schwellenländern sowie der Markt für Euro-Unternehmensanleihen. Bei Letzteren gibt es derzeit am Primärmarkt preislich nur wenig Zugeständnisse für die Anleger, dennoch sind die neuen Anleihen unvermindert nachgefragt. Die Firmen konnten ihre ambitionierte Preisgestaltung weitestgehend durchsetzen.

    Ausblick auf die kommende Woche

In der neuen Berichtswoche steht zweifellos der US-Arbeitsmarkt im Mittelpunkt. Nachdem im April die hochgesteckten Erwartungen weit verfehlt wurden, wird am Freitagmittag für den Mai mit einer deutlichen Verbesserung gerechnet. Nach dem enttäuschenden Plus von nur 266.000 Stellen rechnet der Konsens (Bloomberg) mit einem Zuwachs von 663.000 neuen Jobs. Am Montag geben die deutschen Konsumentenpreise, die am Dienstag auch für den gesamten Euroraum veröffentlicht werden, weiteren Aufschluss zum Thema Inflationsentwicklung. Die Kernrate im Euroraum dürfte gemäß Konsens, wenn sie denn so käme, mit knapp einem Prozent keine größeren Kopfschmerzen bereiten.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 28. Mai 2021, soweit nicht anders angegeben.

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