MarktTicker 37. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 7. bis 11. September 2020

    Diese Woche: EZB bleibt unverändert im Krisenmodus

Nach den von den Technologieaktien in der Vorwoche ausgelösten Gewinnmitnahmen hat sich die Lage an den Aktienmärkten etwas beruhigt. Dennoch gaben in der Berichtswoche vor allem die US-Aktienbörsen etwas nach. An den Rentenmärkten bewegten sich die Anleihenotierungen in engen Spannen. Von der Europäischen Zentralbank, die am Donnerstag tagte, gab es wie erwartet keine neuen geldpolitischen Beschlüsse.

EZB-Sitzung: Wie erwartet keine Änderung am Krisenmodus

Wie erwartet nahm die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag keine Änderungen an ihrem Corona-bedingten Krisenmodus vor: Das Volumen des Pandemic Emergency Purchase Programms (PEPP) verbleibt bei 1.350 Milliarden Euro. Es wird bis mindestens Juni 2021 durchgeführt beziehungsweise so lange, bis der EZB-Rat zu der Einschätzung gelangt, dass die Corona-Krise überwunden ist. Die Leitzinsen bleiben ebenfalls unverändert (Einlagenzins bei -0,5 Prozent, Hauptrefinanzierungssatz bei 0,0 Prozent und Spitzenrefinanzierungssatz bei 0,25 Prozent).

Auf der Pressekonferenz verwies Lagarde auf die kräftige Erholung der Wirtschaftsaktivität, auch wenn deren Niveau noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau läge. Dabei ging Lagarde auch auf die zuletzt unterschiedliche Dynamik im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor ein; letzterer habe zuletzt etwas an Schwung verloren. In den neuen Prognosen des EZB-Mitarbeiterstabs kommt der etwas günstigere kurzfristige Wirtschaftsausblick zum Ausdruck. Die EZB rechnet für das laufende Jahr „nur“ noch mit einem Konjunktureinbruch von acht Prozent.

Die EZB sieht die Stärke der Wirtschaftserholung grundsätzlich weiterhin mit hoher Unsicherheit behaftet, da der Erholungspfad in hohem Maße vom Pandemieverlauf abhängig sei. Dies erfordere eine Fortsetzung des großzügigen geldpolitischen Stimulus, um die wirtschaftliche Erholung zu begleiten und um mittelfristig das Ziel der Preisstabilität zu gewährleisten. Bezüglich der Überprüfung der eigenen geldpolitischen Strategie brachte die Pressekonferenz wenig Neuigkeiten. Man habe die Strategieanpassung seitens der Fed zur Kenntnis genommen und werde mit der Überprüfung der eigenen Strategie weiter fortfahren und dabei „jeden Stein umdrehen“. Darüber hinaus hat die EZB die Euro-Stärke ins Visier genommen beobachtet und deren mögliche Implikationen auf die Inflation genau. Es ist davon auszugehen, dass die Währungspolitik künftig generell verstärkt im Blickpunkt der Zentralbanken stehen wird.

Konjunkturdaten: Erholung intakt, Dynamik schwächt sich allerdings ab

Bezüglich der Konjunkturdaten wurden in der Berichtswoche nur wenige relevante Zahlen veröffentlicht. Die deutsche Industrieproduktion etwa stieg im Juli um 1,2 Prozent und damit um einiges weniger als erwartet an. In den USA lag die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe mit 884.000 nahezu auf Vorwochenniveau. Mit den in der Vorwoche veröffentlichten neu geschaffenen Stellen wurden in jüngster Vergangenheit rund 50 Prozent der verlorenen US-Arbeitsplätze zurückgeholt. Insgesamt bleibt angesichts der in der Berichtswoche veröffentlichten Daten das Resümee, dass die wirtschaftliche Erholung weiterhin intakt ist, die Dynamik im Erholungsprozess sich allerdings abschwächt.

    Aktien: Uneinheitliche Entwicklung

US-Aktien im Minus, Europa leicht freundlich

Die Entwicklung an den Aktienbörsen zeigte sich in der Berichtswoche uneinheitlich. Der MSCI-World lag bis Freitagvormittag mit 1,3 Prozent im Minus.

Am US-Markt setzte sich der Abschwung aus der Vorwoche zunächst fort. Große spekulative Positionen in Tech-Aktien und in deren Derivaten führten zum Ende der Vorwoche und in die neue Berichtswoche (nach dem US-Feiertag am Montag) hinein zu einem Kursrutsch. Zur Wochenmitte schien dann das schlimmste ausgestanden. Eine Erholungsbewegung setzte ein, dennoch lagen bis Freitagvormittag vor allem die US-Märkte im Minus. So verlor der Nasdaq 100-Index per Handelsschluss Donnerstag weitere 5,2 Prozent. Kräftig Federn ließ dort in der jüngsten Marktbewegung beispielsweise die Tesla-Aktie. Nach Notierungen von in der Spitze 500 US-Dollar je Aktie zu Anfang September führte die Korrektur bis auf 330 US-Dollar und damit auf das Niveau vor dem letzten Kursausbruch Mitte August. In der aktuellen Erholung ging es zwischenzeitlich aber wieder in Richtung 400-Dollarmarke. Beim Dow Jones Industrial-Index und beim marktbreiten S&P 500-Index war der Rückgang mit minus 2,7 bzw. 3,4 Prozent etwas weniger stark ausgeprägt.

Im Euroraum überwogen per Freitagvormittag hingegen die positiven Vorzeichen. Der DAX 30-Index lag 1,2 Prozent vorne, der STOXX Europe 600-Index tendierte mit 0,4 Prozent leicht ins Plus. Sehr erfreulich entwickelte sich dabei der Automobilsektor, der 4,6 Prozent zulegte. Auch die Grundstoffe sowie die Chemiebranche bewegten sich mit 1,5 sowie 1,8 Prozent im positiven Terrain. Die Sektoren Freizeit, Technologie, Öl & Gas sowie Versorger hatten hingegen Verluste zwischen 1,8 und 1,3 Prozent zu verzeichnen.

Der aktuelle Streit zwischen Großbritannien und EU bezüglich der Brexit-Modalitäten und dem durch die Briten drohenden Vertragsbruch haben dem britischen Aktienmarkt zumindest in der Berichtswoche nicht geschadet. Der FTSE 100-Index lag per Freitagvormittag mit 2,6 Prozent im Plus. Größere Auswirkungen waren hingegen am Devisenmarkt festzustellen. Dort wertete das Britische Pfund zum Euro merklich ab.

    Renten: Zinskurven kaum verändert

Italien platziert mühelos zehn Milliarden Euro

Die Renditeveränderungen an den Anleihemärkten hielten sich in der Berichtswoche in Grenzen. Mit Blick auf die US-Zinskurve war in den langen Laufzeiten ein Renditerückgang um maximal vier Basispunkte zu beobachten (30 Jahre). Die deutsche Zinsstrukturkurve lag mit minimalen Renditeveränderungen am kurzen Ende (ein Basispunkt Anstieg) nahezu unverändert. In der Peripherie platzierte Italien sehr erfolgreich eine neue Staatsanleihe (20 Jahren Laufzeit) bei den Anlegern. Die Zeichnungswünsche der Anleger im Orderbuch beliefen sich auf 80 Milliarden Euro, letztlich wurden Papiere im Gegenwert von zehn Milliarden Euro zugeteilt. Der italienische Rentenmarkt tendierte in der Berichtswoche unisono über alle Laufzeiten hinweg leicht freundlich, die Renditen fielen um bis zu vier Basispunkte. Zudem zeigten sich italienische Staatsanleihen zuletzt in Phasen erhöhter Risikoaversion stressresistent und lagen hiervon unbeeindruckt sehr stabil.

      Ausblick auf die kommende Woche

Am Mittwoch tagt die US-Notenbank. Geld- bzw. zinspolitische Beschlüsse dürften nicht zu erwarten sein. Allerdings ist eine Korrektur der bislang pessimistischen Projektionen für das Bruttoinlandsprodukt und die Arbeitslosenquote vor dem Hintergrund der bislang zu beobachtenden Erholung nicht unwahrscheinlich. Darüber hinaus sind ebenfalls zur Wochenmitte die US-Einzelhandelsumsätze von Relevanz. Der Konsens rechnet für August mit einem weiteren Anstieg, nicht zuletzt auch aufgrund gestiegener Automobilverkäufe. Darüber hinaus dürften die Daten zur Industrieproduktion im Euroraum, in China und in den USA von übergeordnetem Interesse sein. Sowohl im Euroraum als auch den USA wird angesichts der nachlassenden Dynamik bei der Erholung ein deutlich geringeres Plus erwartet.

Ihr Portfoliomanagement

Union Investment Privatkunden

Disclaimer

Die Inhalte in diesem Dokument wurden von der Union Investment Privatfonds GmbH nach bestem Urteilsvermögen erstellt und herausgegeben. Eigene Darstellungen und Erläuterungen beruhen auf der jeweiligen Einschätzung des Verfassers zum Zeitpunkt ihrer Erstellung, auch im Hinblick auf die gegenwärtige Rechts- und Steuerlage, die sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern kann.

Als Grundlage dienen Informationen aus eigenen oder öffentlich zugänglichen Quellen, die für zuverlässig gehalten werden. Für deren Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit steht der jeweilige Verfasser jedoch nicht ein. Alle Index- bzw. Produktbezeichnungen anderer Unternehmen als Union Investment werden lediglich beispielhaft genannt und können urheber- und markenrechtlich geschützte Produkte und Marken dieser Unternehmen sein.

Alle Inhalte dieses Dokuments dienen ausschließlich Informationszwecken. Sie dürfen daher weder ganz noch teilweise verändert oder zusammengefasst werden. Sie stellen keine individuelle Anlageempfehlung dar und ersetzen weder die individuelle Anlageberatung durch die Bank noch die individuelle, qualifizierte Steuerberatung. Für die Eignung von Empfehlungen zu Fondsanteilen oder Einzeltiteln für bestimmte Kunden oder Kundengruppen übernimmt Union Investment daher keine Haftung.

Dieses Dokument wurde mit Sorgfalt entworfen und hergestellt, dennoch übernimmt Union Investment keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit. Es wird keinerlei Haftung für Nachteile, die direkt oder indirekt aus der Verteilung, der Verwendung oder Veränderung und Zusammenfassung dieses Dokuments oder seinen Inhalt entstehen, übernommen.

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 11. September 2020, soweit nicht anders angegeben.

Ihre Kontaktmöglichkeiten

Union Investment Service Bank AG, Weißfrauenstraße 7, 60311 Frankfurt am Main

Telefon 069 58998-6060, Telefax 069 58998-9000, www.union-investment.de