Marktrückblick und -ausblick 30. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 26. bis 30. Juli 2021

    Diese Woche: US-Notenbank behält lockere Geldpolitik bei

Die US-Notenbank Fed setzt ihren lockeren geldpolitischen Kurs fort. Die Leitzinsen bleiben auf dem aktuell niedrigen Niveau. Die Diskussion über die Anpassung beziehungsweise Rückführung des Anleihekaufprogramms (Tapering) ist hingegen nun in Gang gekommen.

Am chinesischen Aktienmarkt sorgten weitere staatliche Regulierungsaktivitäten, diesmal gegenüber Unternehmen aus dem Bildungssektor, für Kursverluste. In den USA gab es hingegen weitere Rekordstände, während in Europa leichte Verluste überwogen. Staatsanleihen waren gesucht, leichte Renditerückgänge prägten dort das Geschehen.

US-Notenbank Fed setzt lockeren geldpolitischen Kurs unbeirrt fort

Die Fed hat am Mittwoch an ihrem grundsätzlichen geldpolitischen Kurs keine Änderung vorgenommen. Die FOMC-Mitglieder betrachten es nach wie vor als angemessen, die Leitzinsen auf dem aktuell niedrigen Niveau zu belassen. Die Notenbank wird auch so lange US-Staatsanleihen und Hypothekenpapiere in Höhe von monatlich mindestens 80 respektive 40 Milliarden US-Dollar ankaufen, bis ein weiterer substanzieller Fortschritt hinsichtlich des dualen Fed-Mandats von Vollbeschäftigung und Preisstabilität erzielt worden ist. 

Wie erwartet lag der Fokus der Sitzung auf der Planung zum Tapering. Der Fed-Vorsitzende Powell betonte aber mehrfach, dass diesbezüglich noch keinerlei Entscheidungen getroffen worden seien und wies erneut auf die Datenabhängigkeit hinsichtlich der Umsetzung hin. Letztendlich hat sich die Fed damit ins Planungsstadium begeben, mehr noch nicht. Mit der im Ausschuss geführten Diskussion über verschiedene Vorgehensweisen ist die Basis für die nächsten Schritte, insbesondere für die kommunikativen Maßnahmen, geschaffen worden. Wir erwarten den Beginn im Januar 2022 und einen ersten Zinsschritt der Fed im ersten Halbjahr 2023. Inhaltlich brachte die Fed-Sitzung keine Überraschungen, was auch an der überschaubaren Marktreaktion abzulesen war. Zumindest der Euro konnte von der Zurückhaltung der Fed profitieren und zum US-Dollar in der Berichtswoche in Richtung 1,19 (US-Dollar je Euro) aufwerten.

Konjunkturdaten

Die deutsche Wirtschaft ist auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im zweiten Quartal um 1,5 Prozent gewachsen. Allerdings lag die Latte nach dem herben Rücksetzer im ersten Quartal ohnehin tief. Bemerkenswert ist gleichwohl, dass sich der wirtschaftliche Impuls verlagert hat: War es in den Vorquartalen eher die Industrie, die den Ton angab, sollte es nun der Dienstleistungsbereich gewesen sein.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex hat sich im Juli hingegen unerwartet eingetrübt. Gegenüber dem Vormonat fiel das Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft im Gesamtindex um einen Punkt auf 100,8 Zähler. Der Rückgang, der mit Ausnahme der Bauwirtschaft nahezu alle Sektoren umfasste, war von den über Bloomberg befragten Analysten (Konsens 102,5 Punkte) so nicht erwartet worden. Im Dienstleistungssektor machte die Ausbreitung der Delta-Variante des Corona-Virus zu schaffen. Und im Verarbeitenden Gewerbe hält die Unsicherheit bezüglich der Lieferengpässe an. Dies schlug sich in erster Linie in der Erwartungskomponente nieder, die fast drei Punkte nachgab. Die Bewertung der aktuellen Lage wurde von den 9.000 befragten Unternehmen hingegen etwas besser eingestuft. Insgesamt ist zu konstatieren, dass der Rückgang des Gesamtindex von hohem Niveau erfolgte und die jüngste Entwicklung keinen Anlass zur Sorge geben dürfte.

Die Konsumneigung der Bundesbürger hat in Juli etwas gelitten. Der Nürnberger Marktforscher GfK gab für Juli eine Stagnation seines Klimabarometers (minus 0,3 Punkte) bekannt. Der private Konsum wird nach Überzeugung des Instituts im zweiten Halbjahr aber einen positiven Beitrag zum Gesamtwachstum beitragen.

Die deutschen Verbraucherpreise zogen im Juli gegenüber dem Vorjahr um 3,8 Prozent an. Energie- und Lebensmittelpreise sowie Basiseffekte aus der Mehrwertsteuer waren hierfür verantwortlich.

In den USA enttäuschte das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal mit annualisiert 6,5 Prozent deutlich (Bloomberg-Schätzung 8,4 Prozent). Die Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe lagen mit 400.000 über den Erwartungen (385.000). Am US-Immobilienmarkt ging die Anzahl der im Juni verkauften Neubauten gegenüber dem Vormonat um 6,6 Prozent zurück. Ein weiteres Indiz für die zu beobachtende nachlassende Dynamik am US-Häusermarkt. Auch lag der Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter im Juni mit plus 0,8 Prozent sowohl unter Vormonat als auch unter den Erwartungen (2,3 bzw. 2,2 Prozent). Allerdings wurden die Vormonatsdaten zuvor etwas nach oben revidiert. Nach wie vor solide, aber mit nachlassender Dynamik bleibt so das Fazit. Positiv überrascht hat das US-Konsumentenvertrauen im Juli, der Konsum bleibt eine wichtige Stütze der US-Wirtschaft.

    Aktien: Rekordstände in den USA, chinesischer Markt unter Druck

Diverse Restriktionen gegenüber chinesischen Unternehmen aus dem Bildungssektor brachte die dortigen Aktienmärkte unter Druck. Die politisch motivierten Eingriffe machten in jüngster Vergangenheit auch vor großen Unternehmen wie etwa Alibaba nicht halt. Letztlich wurde der chinesische Markt in der ganzen Breite getroffen. Der HSCEI-Index etwa verlor auf Wochensicht weitere 6,2 Prozent an Wert und liegt seit Jahresanfang nun mit 14 Prozent im Minus. Der MSCI EM-Asia gab um 2,3 Prozent nach. Mit minus einem Prozent schloss auch der japanische Nikkei 225, die Unsicherheit der Anleger erstreckte sich somit auf Gesamt-Asien. In Richtung Wochenschluss hat sich die Lage dort aber nunmehr wieder etwas beruhigt.

Die US-Börsen zeigten sich nur vorübergehend von den asiatischen Börsen tangiert. Der positive Grundton setzte sich fort. Die US-Indizes kletterten zwischenzeitlich auf neue Rekordmarken und lagen vor dem Handelsstart am Freitag leicht im Plus. Ein leichtes Minus verbuchten hingegen DAX 30 EURO STOXX 50-Index. Der MDAX erreichte einen neuen Höchststand. Der MSCI World-Index lag per Freitagvormittag leicht im Plus.

Bankensektor nach EZB-Dividendenentscheidung freundlich

Bei der Branchenentwicklung im marktbreiten STOXX Europe 600-Index (per Freitagmittag unverändert) standen die Banken im Blickpunkt. Die Europäische Zentralbank hat am Freitagabend der Vorwoche verlauten lassen, dass sie ihre Empfehlung, auf Dividendenzahlungen sowie auf Aktienrückkäufe zu verzichten, ab Ende September ad acta legen wird. Die EZB folgt damit den Bankenaufsichtsbehörden aus den USA und aus Großbritannien, die schon vor einiger Zeit den Dividendenbann für deren Institute kippten. Der Index für den europäischen Bankensektor legte um 2,2 Prozent zu. Am heutigen Freitagabend steht auch ein Stresstest zur Veröffentlichung an, von dem sich die Anleger positive Nachrichten versprechen.

Darüber hinaus tendierten Grundstoffe (plus 3,9 Prozent) sowie der Öl-&Gassektor fester (plus 2,8 Prozent). Die meisten Sektoren lagen jedoch leicht im Minus.

Berichtssaison verläuft weiter stark

Im Zuge der laufenden Berichtssaison gab es wieder positive Überraschungen. So hat beispielsweise etwas mehr als die Hälfte aller im S&P 500 gelisteten Unternehmen berichtet. Dabei übertrafen 84 Prozent die schon hohen Umsatz- und sogar 88 Prozent die Gewinnerwartungen. In der Berichtswoche berichteten große US-Firmen wie Apple, Microsoft, Alphabet/Google sowie Tesla und übertrafen ebenfalls die Erwartungen der Anleger. Mit Enttäuschung wurden hingegen Umsatz und Prognosen von Amazon aufgenommen, woraufhin die Aktie am Donnerstagabend nachbörslich unter Druck geriet. In Deutschland stand die Deutsche Bank im Blickpunkt, die sehr gute Zahlen für das zweite Quartal und hinsichtlich ihres Konzern-Umbaus vorweisen konnte. Die Aktie stieg in der Berichtswoche um 1,3 Prozent.

    Renten: Staatsanleihen mit weiteren Zugewinnen

An den Staatsanleihemärkten waren in der Berichtswoche weitere Zugewinne und damit einhergehend leicht rückläufige Renditen zu beobachten. Deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit verzinsten sich am Freitag mit minus 0,45 Prozent. Ein leichter Renditerückgang über alle Laufzeiten hinweg prägte das Bild auf der Zinskurve, wobei sich der mittlere Laufzeitbereich etwas besser entwickelte als das lange Ende der Zinskurve. Parallel hierzu verlief die Entwicklung am US-Markt. Auch dort gaben die Renditen, vor allem bei den mittleren Laufzeiten, um einige wenige Basispunkte nach.

Die großen Peripheriemärkte in Italien und Spanien tendierten seitwärts. Aufgrund der Entwicklung bei den Bundesanleihen war letztlich eine leichte Ausweitung der Renditeaufschläge zu beobachten. Weiter freundlich tendierten griechische Staatspapiere. Fünfjährige Titel fielen Anfang Juli renditeseitig in den negativen Bereich und verzinsten sich zum Wochenschluss mit mittlerweile minus 0,19 Prozent.

Unterdessen hat Spanien aktuell ein Rahmenwerk für die Emission von grünen Anleihen (Green-Bonds) zur Finanzierung vom Umwelt- und Klimaprojekten geschaffen. Damit gesellt sich ein weiterer staatlicher Emittent dem stark aufstrebenden Markt für grüne Anleihen hinzu.

Leicht freundlich tendierten auch die Euro-Unternehmensanleihen, die am Donnerstag mit einem Renditeaufschlag von 49 Basispunkten (Asset Swap Spreads) einen Jahrestiefstand verbuchten.

    Ausblick auf die kommende Woche

Der US-Arbeitsmarkt steht am Freitag im Blickpunkt. Dem über Bloomberg aktuell vorliegenden Konsens zufolge wird für Juli ein Aufbau von 925.000 neuen Stellen erwartet. Die US-Notenbank Fed wird die Entwicklung vor dem Hintergrund der Überprüfung ihrer aktuellen Geldpolitik (Stichwort Tapering) genau beobachten. Zumal der dortige Arbeitsmarkt eine gewichtige Rolle bei der Ausfüllung des Fed-Mandats (Vollbeschäftigung) innehat.

Darüber hinaus stehen die Einkaufsmanagerindizes aus China, ebenfalls für Juli, auf der Agenda. Den Vorab-Einschätzungen zufolge dürften sich die Daten im Vergleich zum Vormonat gerade so gehalten haben. Eine Abschwächung der Stimmung auf breiter Front sollte nicht überraschen.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 30. Juli 2021, soweit nicht anders angegeben.

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