Marktrückblick und -ausblick 8. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 21. bis 25 Februar 2022

    Diese Woche: Dunkles Kapitel in der Geschichte – Russland greift Ukraine an

In der Nacht zum Donnerstag ist wahr geworden, was viele wohl kaum für möglich gehalten haben. Erstmals seit 1939 hat ein europäisches Land einen Nachbarstaat angegriffen. Der russische Präsident Wladimir Putin gab in einer Rede bekannt, eine militärische Aktion auf die Donbass-Region befohlen zu haben. Darüber hinaus soll landesweit die militärische Infrastruktur der Ukraine zerstört werden, auch wenn das Land nach Aussage Putins wohl nicht vollständig besetzt werden soll. Ob sich diese Ankündigung bestätigt bzw. wie weit der russische Vormarsch gehen wird, bleibt derzeit abzuwarten. Die ukrainische Regierung wie auch die westlichen Staaten haben den Entschluss Moskaus scharf kritisiert.

Heftige Marktreaktionen, vor allem bei Energierohstoffen

Der Einmarsch Russlands in der Ukraine hat am Kapitalmarkt zu heftigen Marktreaktionen geführt. Anleger trennten sich von risikobehafteten Anlagen und schickten damit Aktien auf Talfahrt. Der DAX eröffnete am Donnerstagmorgen mit einem Abschlag von rund vier Prozent. Deutlich größere Implikationen hatte die Invasion für den Energiemarkt und weitere Rohstoffe. Russland ist weltweit einer der wichtigsten Exporteure von Öl und Gas und pflegt vor allem zu den europäischen Nachbarn umfangreiche Geschäftsbeziehungen. Insbesondere bei Erdgas besteht eine hohe Abhängigkeit. Einige Länder wie Finnland beziehen ihr Erdgas zu 100 Prozent aus Russland. Prozentual liegt der Wert in Deutschland zwar nur bei etwa 40 Prozent, aufgrund des deutlich höheren Verbrauchs ist der monetäre Gegenwert jedoch ungleich höher. Der Preis für europäisches Erdgas verteuerte sich in der Spitze um mehr als 50 Prozent. Auch Öl wurde teurer. Da hier eine weniger hohe Abhängigkeit in den Lieferbeziehungen zu Russland besteht, stieg der Ölpreis nur um rund zehn Prozent. Das einstige Zarenreich ist aber auch ein großer Exporteuer von vielen Industriemetallen. Auch hier kam es zu großen Preisaufschlägen, so etwa bei Palladium. Vor dem Wochenende beruhigte sich die Lage etwas und ein Teil der Verluste konnte wieder aufgeholt werden. Auch der Preisanstieg bei Rohstoffen wurde gestoppt.

Der Westen reagiert mit Sanktionen – Kapitalmärkte verunsichert

Sowohl die USA als auch die EU haben politische, wirtschaftliche und diplomatische Gegenmaßnahmen verabschiedet, nachdem bereits in den Tagen zuvor erste Sanktionen verhängt worden waren. Die Maßnahmen richteten sich gegen einige russische Banken und Unternehmen. Ferner wurden Einreisebeschränkungen gegen Politiker und Oligarchen verhängt und deren Zugang zu möglichen Konten innerhalb der Europäischen Union geblockt. Darüber hinaus wurden Landeverbote für russische Fluglinien ausgesprochen. Von Seiten der USA wurde dem Großteil der russischen Unternehmen der Zugang zu US-Technologie verwehrt.

Im Gespräch war auch, Russland vom internationalen Zahlungsverkehrssystem SWIFT auszuschließen. Das Land und seine Unternehmen könnten dann mit keinem Geschäftspartner mehr Zahlungen abwickeln und die Regierung in Moskau dürfte große Probleme bekommen, überhaupt noch Rohstoffe zu exportieren. Damit würde die wichtigste Einnahmequelle des Staates wegfallen. Doch die Folgen wären weitreichend, nicht nur für die russische Bevölkerung, sondern auch für den Westen, weshalb diese Karte noch nicht ausgespielt wurde. Womöglich möchte man sich aber auch noch weitere Möglichkeiten in der Hinterhand lassen. Deutschland hat zudem die Inbetriebnahme der Gas-Pipeline Nordstream 2 vorerst auf Eis gelegt.

Gute Konjunkturdaten, doch was sind diese aktuell noch wert?

Zu Wochenbeginn wurde eine Reihe an guten Konjunkturdaten vorgelegt. Die Aussicht darauf, dass der Hochpunkt der Omikron-Welle bereits überschritten ist und demnächst viele Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie fallen werden, ließ die Einkaufsmanager optimistischer in die Zukunft blicken. Allen voran im viel gebeutelten Dienstleistungssektor hellte sich die Stimmung merklich auf. Dies betraf sowohl die europäischen Indizes als auch die Umfragewerte in den USA. Der ifo-Geschäftsklimaindex bestätigte dann noch die positive Grundhaltung in den Unternehmen. Welchen Wert diese Einschätzung mit den Geschehnissen in der Ukraine noch hat, bleibt abzuwarten.

    Aktien: Leichte Erholung nach zunächst deutlichen Verlusten

Aktien gingen am Donnerstag zunächst auf Talfahrt, erholten sich dann aber im Tagesverlauf wieder von ihren Tiefständen. Am heutigen Freitag waren leichte Zugewinne zu beobachten. Die großen Leitindizes verloren letzten auf Wochensicht zwischen drei und fünf Prozent. Größere Verluste waren in den Indizes der Schwellenländer festzustellen. Hier drückten jedoch die Einbußen am russischen Aktienmarkt die Börsenbarometer nach unten. Der RTS-Index handelte am Donnerstagmorgen mit einem Abschlag von 50 Prozent, obwohl die Werte schon in den Wochen zuvor stark unter Druck geraten waren.

Befürchtungen um SWIFT-Sanktionen lasten auf Bankaktien

Branchenseitig führten Bankaktien die Verliererlisten an. Dies zeigt sich auch beim Blick auf die einzelnen Sektoren des breit diversifizierten STOXX Europe 600 Index. Hier summieren sich die Einbußen der Kreditinstitute auf knapp zehn Prozent. Ursache hierfür war die Befürchtung, der Westen würde Russland von SWIFT ausschließen. Viele europäische Banken haben Kredite an russische Unternehmen vergeben, die dann ausfallgefährdet wären. Dies ist auch ein wichtiger Grund, warum man dieses Mittel bislang nicht eingesetzt hat, schadet man damit doch auch sich selbst und nicht nur Russland. Im DAX 40-Index verlor die Aktie der Deutschen Bank auf Wochensicht rund 17 Prozent an Wert. Leichte Zugewinne vollzogen die europäischen Versorger, die von den höheren Energiepreisen profitieren. So verbuchte RWE aus dem DAX ein Plus von fast vier Prozent.

Zinsängste schwinden – Heftige Gegenbewegung im US-Technologiesektor

Auch in den USA gingen die Börsen zunächst auf Talfahrt. Im Tagesverlauf des Handels am Donnerstag kam es aber zu einer eindrucksvollen Gegenbewegung bei Technologietiteln. Das Branchenbarometer des S&P 500-Index schloss letztlich rund 3,5 Prozent im Plus. Seit Jahresbeginn war der Sektor stark unter Druck geraten. Als belastend erwiesen sich vor allem die Pläne der US-Notenbank, die Leitzinsen in diesem Jahr mehrfach anzuheben. Unter den Technologiewerten befinden sich viele Wachstumswerte, die aktuell wenig oder gar nichts verdienen. Je niedriger die Zinsen, desto höhere Kurse sind gerechtfertigt. Mit den Erwartungen an steigende Leitzinsen erschienen die Werte nun zu teuer bewertet und wurden dementsprechend veräußert. Die Krise in der Ukraine könnte die Pläne der US-Notenbank Fed jedoch ausbremsen. Wenn die Energiepreise weiter hoch bleiben, dürfte das die Inflation weiter anheizen. Eine länger andauernde Phase mit Preisen über 100 US-Dollar pro Barrel könnte die Teuerungsrate in diesem Jahr noch einmal um 1,5 Prozentpunkte nach oben treiben. Dies würde zwar erst recht einen Zinsschritt erfordern, es steigt aber auch die Gefahr, dass der hohe Ölpreis zu einer Belastung der Wirtschaft werden könnte. Anleger erwarteten daher, dass die Zentralbanker etwas behutsamer vorgehen könnten.

    Renten: „Sichere Häfen“ waren zunächst gesucht

Am Rentenmarkt war die übliche negative Korrelation von Aktien und Renten in der Krise festzustellen. Fallende Aktienkurse bedeuteten steigende Kurse bei den als sicher geltenden Staatsanleihen aus Deutschland und den USA. Der Trend zu höheren Renditen wurde daher vorerst gestoppt. Die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen, die nach den guten Konjunkturzahlen zu Wochenbeginn zunächst bis auf 0,28 Prozent gestiegen war, kam zum Wochenende auf 0,18 Prozent zurück.

Peripherieanleihen hielten sich stabil – Italien mit rückläufigen Risikoaufschlägen

Anleihen aus den Peripherieländern leiden aufgrund ihrer schlechteren Bonität üblicherweise stärker unter einem solchen Marktumfeld. Diesmal waren die Risikoaufschläge zum Teil jedoch sogar rückläufig. Hiervon profitierten insbesondere italienische Staatsanleihen. Ursache war auch hier die Erwartung, dass die Ukrainekrise einen Effekt auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank haben könnte. Für März haben die Währungshüter angekündigt, das Ankaufprogramm PEPP beenden zu wollen. Erste Marktteilnehmer können sich nun eine Verlängerung vorstellen. Von Seiten der EZB gab es hierzu aber noch keine Aussagen. Die Notenbanker dürften die weitere Entwicklung sicherlich erst abwarten wollen und vielmehr in Abhängigkeit von den kommenden Konjunkturdaten und der Nachrichtenlage entscheiden wollen.

Schwellenländeranleihen mit deutlich höheren Risikoaufschlägen

Titel aus den Schwellenländern gerieten in dieser Woche deutlich unter Druck. Wie so oft, reduzieren Anleger im Krisenfall zunächst ihre Positionen in den risikoreicheren Märkten. So verbuchte die Anlageklasse letztlich auch einige Abflüsse. Gemessen am J.P. Morgan EMBI Global Diversified Sovereign Index stiegen die Risikoaufschläge von EM-Anleihen von 397 Basispunkten in der Vorwoche auf 453 Basispunkte an.

    Ausblick auf die kommende Woche: Weitere Erholung am US-Arbeitsmarkt zu erwarten

Am Montag dürfte der Kapitalmarkt wohl zunächst die Entwicklungen vom Wochenende verdauen. Hier ist völlig unklar, wie sich die Lage in der Ukraine weiter entwickeln wird und welche Reaktionen des Westens noch folgen werden. Von konjunktureller Seite stehen die Einkaufsmanagerindizes aus China auf der Agenda. Zuletzt kämpfte das Reich der Mitte mit einer leichten wirtschaftlichen Abkühlung. Am Freitag wird dann der vielbeachtete US-Arbeitsmarktbericht erwartet. Nach den guten Zahlen aus dem Vormonat und den Öffnungsperspektiven rechnen Marktteilnehmer erneut mit einem hohen Stellenaufbau von rund 400.000.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 25. Februar 2022, soweit nicht anders angegeben.

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