Marktrückblick und -ausblick 18. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 02. bis 06. Mai 2022

    - Diese Woche: US-Notenbank Fed erhöht Leitzins

    - Aktien: Wachstumssorgen belasten

    - Renten: Bundesanleihen überschreiten die Ein-Prozent-Renditemarke

    - Ausblick: US-Inflation im April

    Diese Woche: US-Notenbank Fed erhöht Leitzins

Wie am Markt allgemein erwartet hat die US-Notenbank Fed am Mittwochabend nach Abschluss ihrer zweitägigen Sitzung die Fed Funds Rate um 0,5 Prozent angehoben. Das Zielband liegt nun bei 0,75 bis 1,0 Prozent. Gleichzeitig wurde der baldige Beginn des Bilanzabbaus angekündigt. Die Märkte reagierten zunächst überaus positiv auf die Nachrichten der Zentralbank. Eine wohl nicht unerhebliche Zahl an Marktteilnehmern hatte im Vorfeld wohl schlimmeres befürchtet und dabei größere Zinserhöhungsschritte um 0,75 Prozent nicht ausgeschlossen. Dies dürfte nach den erfolgten Erklärungen aber nunmehr vom Tisch sein. Sowohl an den Renten- als auch den Aktienmärkten kam es zunächst zu einer positiven Kursreaktion, die jedoch nicht lange anhielt. Belastungsfaktoren wie die Inflationsentwicklung und zunehmende Sorgen hinsichtlich einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums behielten in der Berichtswoche an den Märkten die Oberhand. Sowohl die Aktien- als auch die Rentenmärkte verzeichneten aufgrund der geringen Risikobereitschaft der Anleger Verluste.

US-Notenbank Fed signalisiert weitere 0,5 Prozent-Erhöhungsschritte

Da seitens der Fed sowohl ein Zinsschritt um 50 Basispunkte (oder 0,5 Prozent) als auch die Ankündigung des baldigen Bilanzabbaus erwartet wurde, richtete sich das Interesse auf die Pläne der Fed bezüglich einer Konkretisierung ihres angestrebten Zinspfades. Das Statement des Offenmarktausschusses (FOMC) lieferte zwar diesbezüglich wenig Neues, der Fed-Vorsitzende Powell wurde auf der anschließenden Pressekonferenz diesbezüglich etwas deutlicher. Die Fed will den Leitzins zügig auf ein „neutrales Zinsniveau“ (möglicherweise bei 2,5 Prozent?) anheben. Dabei liegen nach Powells Aussagen in den kommenden Fed-Sitzungen weitere 50er-Schritte auf dem Tisch. Umfangreicheren Zinsschritten, etwa um 75 Basispunkte, wurde eine Absage erteilt. Dies signalisierte den Anlegern, dass die Fed ihre bislang restriktivere (hawkishe) Kommunikation nicht weiter verstärkt. Dieser Punkt hat bei den Finanzakteuren für ein – zumindest kurzzeitiges - Aufatmen gesorgt.

Der Fokus der Fed liegt angesichts der aktuell sehr hohen Preissteigerungsraten klar auf der Inflationsbekämpfung. Der Krieg in der Ukraine und die, durch die Lockdowns bedingte, Wachstumsschwäche in China führt zu Risiken sowohl für den Wachstums- als auch für den Inflationsausblick mit sich. Die Hauptsorge der Fed liegt dabei auf der Inflationsseite. Solange negative Rückwirkungen einer globalen Wachstumsschwäche ausbleiben, wird die Fed an ihrem geldpolitischen Normalisierungskurs festhalten. Vom Rückgang der US-Wirtschaftsleistung der USA (Bruttoinlandsprodukt) im ersten Quartal ließ sich die Fed zumindest nicht irritieren. Dazu liegt der amerikanische Arbeitsmarkt derzeit zu robust. Nach zwei weiteren kommenden Zinsschritten um jeweils 50 Basispunkte im Juni und im Juli dürfte die Fed ab September aber auf 25er-Schritte übergehen. Die Zielrichtung sollte sich dann bis Ende des Jahres auf ein Leitzinsniveau von 2,5 bis 2,75 Prozent bewegen. Mit einem weiteren Zinsschritt zu Beginn 2023 in Richtung drei Prozent sollte dann der Gipfel des aktuellen Zinserhöhungszyklus erst einmal erreicht sein.

Die Bank of England erhöht ebenfalls

Die Bank of England (BoE) folgte am Donnerstag mit einem Zinsschritt von 0,25 auf nunmehr ein Prozent der US-Fed. Mit sechs zu drei Stimmen erfolgte ein klares Votum der Zentralbankmitglieder, wobei die drei Gegenstimmen innerhalb der BoE sogar für eine Anhebung um 0,5 Prozent votierten. Letztlich handelte es sich hierbei um eine geldpolitisch sehr restriktive (hawkishe) Sitzung. Der BoE macht wie den anderen Zentralbanken vor allem die Inflationsentwicklung zu schaffen. Weitere nach oben gerichtete Zinsschritte der BoE dürften folgen.

Hohe Euro-Inflation im April bestätigt

Die Inflation im Euroraum überraschte im April mit 7,5 Prozent wohl niemanden. Was negativ zu Buche schlug war aber die Erkenntnis, dass sich der Preisschub mittlerweile in der Breite durchsetzt. Die Kernrate stieg anstatt erwarteter 3,2 um 3,5 Prozent an. Für die Marktakteure ist die Entwicklung ein klares Indiz, dass die Europäische Zentralbank eher früher als später zum Handeln gezwungen sein wird. Ein Zinsschritt im Juli ist wahrscheinlicher geworden, zumal in offiziellen EZB-Statements zuletzt kein Widerspruch gegen baldige restriktivere geldpolitische Maßnahmen zu vernehmen war. Selbst die bislang größten Befürworter einer lockeren geldpolitischen Ausrichtung scheinen nun das Lager zu wechseln.

Am heutigen Freitag wurden die Daten zur deutsche Industrieproduktion im März veröffentlicht. Mit minus 3,9 Prozent lag diese deutlich unter den Erwartungen der Analysten (minus 1,3 Prozent). Lediglich der Bausektor verzeichnete, wohl aufgrund des guten Wetters, positive Daten.

Der US-Arbeitsmarkt zeigte sich auch im April von seiner robusten Seite. Die 428.000 neu geschaffenen Stellen lagen über dem Bloomberg-Konsens (380.000). Die Arbeitslosenquote betrug unverändert 3,6 Prozent.

China-Einkaufmanagerindizes stark rückläufig

Unerwartet deutlich schwächer tendierte im April offizielle Einkaufsmanagerindex der chinesischen Wirtschaft. Der Composite lag mit 42,7 deutlich unter dem Vormonat (48,8). Besonders stark fiel der Dienstleistungssektor von 48,4 auf 41,9 Punkte und damit deutlich unter die Expansionsschwelle von 50 Zählern. Angesichts der zu beobachtenden Corona-bedingten Lockdowns waren dies keine guten Nachrichten und nähren derzeit aufkommenden Wachstumsbefürchten. Den deutlichen Rückgang bestätigte im weiteren Wochenverlauf dann noch der Caixin-Einkaufsmanagerindex (Composite). Dieser fiel im April gegenüber März deutlich von 43,9 auf 37,2. Im Dienstleistungssektor ging es dabei von 42 auf 36,2 Punkte herab.

    Aktien: Aufkommende Wachstumssorgen belasten

Auch die Aktienmärkte standen in dieser Woche ganz im Zeichen der US-Notenbank. Im Vorfeld des Treffens konnten die US-Märkte leichte Gewinne erzielen. Direkt nach dem Zinsschritt ging es dann sogar deutlich aufwärts. Anleger reagierten zunächst erleichtert, dass die Währungshüter den Leitzins nur um 50 Basispunkte erhöhten und nicht wie zwischenzeitlich von einigen Marktteilnehmern kolportiert sogar um 75 Basispunkte. Die Erholung währte aber nur kurz, denn bereits am Donnerstag gingen sämtliche Wochengewinne wieder verloren. Der Abverkauf fand dabei in der Breite statt. Im S&P 500-Index handelten nur noch vier Prozent der Titel mit einem positiven Vorzeichen. Im Dow Jones befand sich vorrübergehend kein einziger Titel im Plus. Ein ähnliches Bild zeichnete sich beim Technologieindex Nasdaq ab. Dieser rutschte um fünf Prozent nach unten. Schnell kehrten die Ängste der Anleger bezüglich weiterer größerer Zinsanhebungen zurück. Dabei besteht vor allem die Sorge, dass zur Bekämpfung der hohen Inflation derart viele Zinsschritte nötig sein könnten, dass sich dies dämpfend auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirkt. Höhere Zinsen stellen vor allem für Wachstumsaktien eine Belastung dar. Aufgrund der zu Wochenbeginn größeren Zuwächse ginge der Nasdaq-Index letztlich unverändert aus der Handelswoche, während der S&P 500-Index knapp vier Prozent einbüßte. Darüber hinaus belasteten weiterhin die anhaltenden Lockdowns in China und der Russland-Ukraine-Konflikt. In Europa verlor der DAX-Index per Freitagmittag 2,5 Prozent an Wert, für den STOXX Europe 600-Index ging es 3,6 Prozent abwärts.

Einziger Branchengewinner waren einmal mehr Öl- und Gaswerte, die 3,4 Prozent zulegten und seit Jahresbeginn bereits ein Fünftel zulegen konnten. Zu den Verlierern zählten erneut Titel aus dem Einzelhandel, dem Reise- und Freizeitsektor und dem Bausektor, die jeweils rund fünf Prozent auf Wochensicht verloren. Die hohen Energiepreise mindern das verfügbare Einkommen der Verbraucher. So verwundert es nicht, dass Einzelhandelswerte mit einem Verlust von fast 34 Prozent die Verliererliste seit Jahresbeginn anführen.

E-Commerce-Aktien unter Druck – Airbus Aktie „fliegt“ wieder

Nachdem E-Commerce-Aktien bedingt durch die Corona-Pandemie einen deutlichen Aufschwung erfahren haben, zählen sie nun zu den Werten mit der schlechtesten Wertentwicklung im laufenden Jahr. Dies war auch in der aktuellen Kalenderwoche im Rahmen der anhaltenden Berichtssaison deutlich zu erkennen. Während die Amazon-Aktie in der vergangenen Woche bereits deutliche Einbußen hinnehmen musste, konnten auch in dieser Woche E-Commerce-Titel nicht überzeugen und standen erneut unter Druck. Es haben beispielsweise Etsy und Ebay ihre Quartalszahlen präsentiert, allerdings fielen die Prognosen beider Unternehmen enttäuschend aus. Bei Ebay gingen die Erlöse gegenüber dem Vorjahreswert um sechs Prozent zurück und der Gewinn sank sogar um 16 Prozent. Bei Etsy fiel das Umsatzwachstum erstmals seit Beginn der Pandemie nur einstellig aus.

Gute Unternehmensdaten waren hingegen aus dem Reisesektor zu vernehmen. Nach diversen Corona-Lockerungen nimmt die Reiselust der Bevölkerung wieder deutlich zu, was vor allem den Online-Reiseanbietern einen großen Auftrieb des Geschäfts bringt. So präsentierte etwa Booking Holdings in der aktuellen Kalenderwoche seine Quartalszahlen, welche die Erwartungen deutlich übertrafen. Die große Nachfrage nach Sommerreisen gilt momentan als großer Treiber. Hinzu kommt, dass Booking weiter Marktanteile gewinnt. Dennoch ist die Kursentwicklung vieler Unternehmen negativ.

Im DAX-Index gehörte der Flugzeugbauer Airbus zu den wenigen Gewinnern und legte rund drei Prozent auf Wochensicht zu. Das Unternehmen präsentierte ein starkes Zahlenwerk mit einem Gewinnsprung von 82 Prozent. Zudem gab das Unternehmen bekannt, im Jahr 2025 monatlich 75 Flugzeuge der A320-Familie bauen zu wollen. Nachdem viele Fluggesellschaften im Rahmen von Corona Maschinen ausmustern oder einlagern mussten, wird perspektivisch wieder mit größeren Investitionen seitens der Airlines gerechnet.

    Renten: Bundesanleihen überschreiten die Ein-Prozent-Renditemarke

An den schwächeren Staatsanleihemärkten fiel in der Berichtswoche die eine oder andere Renditemarke. In den USA setzte sich nach der kurzen, Fed-bedingten, Reaktion der aufwärtsgerichtete Zinstrend weiter fort. Dabei überschritten zehnjährige US-Schatzanweisungen die Drei-Prozent-Renditemarke (Freitagvormittag 3,06 Prozent). Mit Blick auf die US-Zinskurve hat sich der Renditeabstand zwischen zwei- und zehnjährigen Staatspapieren etwas vergrößert.

Am deutschen Rentenmarkt ging es renditeseitig ebenfalls weiter aufwärts. Schon am Mittwoch überschritt die zehnjährige Bundrendite erstmals seit 2014 die Ein-Prozentmarke (Freitagvormittag 1,06 Prozent). Auf der deutschen Zinskurve wies der mittlere Laufzeitbereich zwischen fünf und zehn Jahren die höchsten Renditeanstiege auf. Ab zwei Jahren Laufzeit aufwärts sind aktuell ausschließlich positive Renditen zu beobachten. Die Europäische Zentralbank wird jüngsten Kommentaren aus dem Rat zufolge wohl geldpolitisch aufs Tempo drücken und bald restriktiver handeln, was belastete. Eine Zinserhöhung im kommenden Juli wird immer wahrscheinlicher. In der Euro-Peripherie ging es renditeseitig ebenfalls weiter aufwärts. Italienische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit überschritten ebenfalls die Drei-Prozentmarke. Der Renditeaufschlag zu Bundesanleihen hat sich auf rund 200 Basispunkte erhöht. Auf Indexebene fielen am Euro-Staatsanleihemarkt (iBoxx Euro-Sovereigns) bis Donnerstagabend Verluste in Höhe von 0,8 Prozent an.

Euro-Unternehmensanleihen verbuchten im Fahrwasser der Staatsanleihemärkte ebenfalls Verluste. Mit den steigenden Zinsen erhöhten sich dort auch die Risikoaufschläge. Der seit geraumer Zeit ansteigende Zinstrend hat dazu geführt, dass mittlerweile nahezu alle Euro-Unternehmensanleihen eine positive Rendite aufweisen. Die Zeit negativer Renditen am Markt für Euro-Corporates scheint nunmehr vorüber.

Angesichts der US-Treasury-Entwicklung gerieten auch die Anleihen aus den Schwellenländern (Emerging Markets, EM) unter Druck. Auf Indexebene gab es auch dort Verluste. Es erfolgten in der Berichtswoche weitere Leitzinserhöhungen einiger EM-Zentralbanken wie etwa in Chile, Indien oder auch in Osteuropa (Polen, Tschechien). Teils wurden die Leitsätze deutlich heraufgenommen. Der gesamte EM-Anleihesektor verzeichnete in der Berichtswoche angesichts einer rückläufigen Risikoneigung weltweit Mittelabflüsse in Höhe von rund einer Milliarde US-Dollar.

Der Euro hat den Abwertungstrend zum US-Dollar in der Berichtwoche nicht fortgesetzt. 1,05 US-Dollar je Euro scheinen – auf dem Weg zur Parität - derzeit eine gute Unterstützung darzustellen. Der Ölpreis stieg angesichts der Ankündigung des geplanten Embargos der EU und der Beibehaltung der OPEC-Quoten auf aktuell 113,5 US-Dollar je Barrel wieder an.

    Ausblick auf die kommende Woche: US-Inflation im April

In der neuen Woche stehen nur wenige Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an. Die US-Inflationsdaten für April werden am Mittwoch von übergeordnetem Interesse sein. Dem Konsens zufolge dürfte der Zenit im vergangenen März erreicht worden sein. Mit einem leichten Rückgang auf aber immer noch sehr hohem Niveau wird gerechnet. Am Donnerstag folgen dann die US-Erzeugerpreise. Am Freitag wird zudem das von der Universität Michigan ermittelte US-Verbrauchervertrauen bekanntgegeben.

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 6. Mai 2022, soweit nicht anders angegeben.

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