Marktrückblick und -ausblick 42. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 18. Oktober bis 22. Oktober 2021

    Diese Woche: Aktien überwiegend freundlich, Anleihen schwächer

Getrieben von guten Unternehmensergebnissen im dritten Quartal konnten vor allem die US-Börsen in der Berichtswoche wieder zulegen. Der große Leitindex Dow Jones Industrial Average erzielte einen neuen Höchststand, andere wie der S&P 500-Index bewegten sich in Richtung ihrer alten Rekordmarken. Nach dem Quartals-Berichtsauftakt diverser Banken in der Vorwoche schlossen sich nun verstärkt die Industrieunternehmen an. Vor allem in den USA lagen die Zahlenwerke über den Erwartungen der Analysten. Weniger harmonisch ging es hingegen auf der Zinsseite zu. Die Bank von England signalisierte eine frühe Zinserhöhung, um der jüngsten Inflationsentwicklung und auch den damit einhergehend gestiegenen Inflationserwartungen entgegenzutreten. Eine kräftige Maßnahme als Signal bzw. Warnschuss für den Finanzmarkt noch vor dem Jahreswechsel scheint damit denkbar. Zumindest nimmt bei Betrachtung verschiedener Inflationsindikatoren der Handlungsdruck für die britische Zentralbank – im Vergleich zur US-Federal Reserve – zu. Wenngleich die jüngsten Inflationsdaten aus Großbritannien für September zwar erhöht, aber leicht unter dem Vormonat und auch unterhalb der Schätzungen lagen. Die Rentenmärkte jedenfalls haben in diesem Umfeld mit weiteren Abschlägen reagiert. Die Renditen legten somit weiter zu.

China: Schwächere BIP-Daten im dritten Quartal

Die chinesische Wirtschaftsentwicklung verliert deutlich an Schwung. Das am Montag veröffentlichte Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr nur noch um 4,9 Prozent. Im zweiten Quartal lag der Anstieg noch bei 7,9 Prozent. Damit wurde die vorsichtige Konsensschätzung (5,0 Prozent) minimal unterboten. Vor allem haben sich die schwache Industrieproduktion und auch die Belastungen im Immobiliensektor entsprechend in der BIP-Entwicklung niedergeschlagen. Insgesamt ergab sich somit ein eingetrübtes Bild. Hohe Rohstoff- und Energiepreise und die Unsicherheit im Immobiliensektor sprechen zudem aktuell nicht für eine schnelle Umkehr dieser Entwicklung. Eine Fünf vor dem Komma im laufenden vierten Quartal dürfte für die Finanzgemeinde ein annehmbares Ergebnis sein. Das Wachstum in diesem Jahr sollte (gegenüber 2020) im Rahmen Corona-bedingter Basiseffekte unserer derzeitigen Schätzung zufolge etwas mehr als acht Prozent betragen.

Die rückläufige Dynamik spiegelte sich denn auch in den jüngsten chinesischen Wirtschaftsdaten wider. So war im September die Industrieproduktion von noch 5,3 Prozent im August auf 3,1 Prozent zurückgegangen. Der Einzelhandel legte hingegen ein wenig zu, was angesichts des schwachen Vormonatswerts aber kaum zu trösten vermochte.

US-Häusermarkt solide, Euro-Einkaufsmanagerindex etwas schwächer

Vom US-Immobilienmarkt kamen uneinheitliche Signale. Der NAHB-Häuserindex stieg im September unerwartet deutlich auf 80 Punkte (Bloomberg-Schätzung 75 Punkte) an. Der Index befindet sich damit auch deutlich über dem langjährigen Durchschnitt (67 Punkte). Außerdem nahmen die Verkäufe bereits bestehender Häuser im September gegenüber August um beachtliche sieben Prozent zu. Die für September veröffentlichten Baugenehmigungen und Baubeginne waren hingen gegenüber dem Vormonat rückläufig und legen dementsprechend eine nachlassende Dynamik am amerikanischen Häusermarkt nahe.

Der am Freitagvormittag veröffentlichte Markit-Einkaufsmanagerindex für die Eurozone lag im Oktober leicht unter dem Vormonatswert, aber über der deutlich reduzierten Schätzung der Analysten. Während der Dienstleistungssektor mit knapp zwei Punkten auf 54,7 etwas stärker nachgab, konnte sich das Verarbeitende Gewerbe gut halten. Alle Komponenten lagen noch deutlich über der Expansionsschwelle von 50 Punkten. Diese Entwicklung traf parallel auch für die deutschen Einkaufsmanagerindizes zu.

Bundesbank-Chef Weidmann tritt vorzeitig zurück

Für die Finanzmärkte überraschend gab Bundesbank-Chef und EZB-Ratsmitglied Jens Weidmann Mitte der Woche seinen vorzeitigen Rücktritt zum Jahresende bekannt. Mit Weidmann, dessen Vertrag bei der Bundesbank erst Mitte 2027 ausgelaufen wäre, verlässt ein geldpolitisch eher restriktiv eingestelltes und damit als „Falke“ geltendes Ratsmitglied die Zentralbankbühne. Die Nachfolge soll nach aktuellem Stand von der neuen Bundesregierung geregelt werden. Die Finanzmärkte haben auf Weidmanns Rückzug kaum reagiert, da sich die derzeit bestehenden Machtverhältnisse innerhalb des EZB-Rats mit dieser Entscheidung nicht verändern werden. Dennoch lichten sich mit dem Rückzug Weidmanns die Reihen derjenigen, die gegenüber einer zu engen Verschränkung von Geld- und Finanzpolitik immer wieder ihre Bedenken zu formulieren vermochten.

    Aktien: Erfreuliche Berichtssaison, Dow Jones mit Rekordstand

An den Aktienbörsen konnten vor allem die US-Indizes bis Donnerstagabend weitere Zugewinne verbuchen. Im Rahmen der Berichtssaison zum dritten Quartal setzte sich ein freundlicher Trend durch. Nach den Banken waren nun die ersten Zahlenwerke aus dem Industriesektor an der Reihe, die überwiegend erfreulich ausfielen. Beim S&P 500-Index konnten beim ersten Fünftel der Unternehmen, die bereits berichtet haben, rund 75 Prozent beim Umsatz und 89 Prozent beim Gewinn positiv überraschen. Der Dow Jones Industrial Average erzielte am Mittwoch im Handelsverlauf einen neuen Höchststand. Die Index-Zuwächse betrugen bis zu 2,9 Prozent (Nasdaq 100-Index). In Asien war die Entwicklung uneinheitlich. Während der chinesische Hang Seng China Enterprises-Index 4,4 Prozent zulegte, gab der japanische Nikkei 225-Index 0,9 Prozent nach.

Die europäischen Börsen blieben in der Entwicklung in der Berichtswoche etwas zurück. Der DAX-Index lag nahezu unverändert. Der STOXX Europe 600-Index lag mit 0,6 Prozent leicht im Plus. Während die Berichtssaison zu den unterstützenden Faktoren zählte, wirkten sich die anhaltend hohen Energiepreise, die Zinsentwicklung sowie die Unsicherheit um den chinesischen Immobilienentwickler Evergrande auf der anderen Seite belastend auf die europäischen Märkte aus. Global betrachtet liegt aber mit einem Plus von 1,4 Prozent beim MSCI World-Index (Stand Freitagvormittag) eine positive Woche hinter uns.

Sartorius vorne, MTU verliert weiter

Bei der Branchenentwicklung hatten – im STOXX Europe 600-Index – Versorgeraktien mit plus 2,5 Prozent die Nase vorn. Der überwiegende Teil der Branchen lag leicht im Plus. Die größten Abschläge hatten Basisstoffe (minus 3,4 Prozent) sowie Reise- und Freizeitaktien (minus 2,2 Prozent) hinzunehmen. Bei den Einzelaktien im DAX-Index führte nach guten Unternehmensnachrichten Sartorius (plus 7,5 Prozent) die Gewinnerliste an. Merck lag mit plus sechs Prozent an zweiter Stelle. Covestro (minus fünf Prozent) und MTU (minus 4,5 Prozent) waren hingegen die Werte mit den deutlichsten Verlusten. MTU hatte aufgrund enttäuschender Geschäftsdaten bereits in der Vorwoche das Nachsehen und erlitt in den vergangenen Handelstagen weitere Verluste.

    Renten: Verluste an den Staatsanleihemärkten

An den Zinsmärkten waren in der Berichtswoche Verluste zu verzeichnen. Die Inflationserwartungen stiegen, nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der Bank of England, zuletzt wieder an. In den USA tendierte die Zinskurve etwas steiler. US-Schatzanweisungen mit zehn Jahren Laufzeit rentierten am Donnerstag in der Spitze zeitweise mit 1,7 Prozent. Zum Vergleich: Noch im Juli lag deren Verzinsung bei etwas weniger als 1,2 Prozent. Per Freitagvormittag ergab sich aus Wochensicht ein Renditeanstieg um zehn Basispunkte auf 1,67 Prozent.

Parallel hierzu verlief die Entwicklung im Euroraum. Deutsche Bundesanleihen tendierten mit rund minus acht Basispunkten (Vorwoche minus 17 Basispunkte) in Richtung Null-Prozentmarke. Langläufer (30 Jahre) verzinsen sich ohnehin schont seit Ende August wieder positiv, derzeit liegt deren Rendite bei knapp 0,3 Prozent.

Damit einhergehend waren auch an den Peripheriemärkten steigende Zinsen zu beobachten. Auffällig war, dass sich die Renditedifferenz (Spread) italienischer Staatsanleihen gegenüber Bundespapieren am Freitag um sieben auf 110 Basispunkte merklich ausgeweitet hat, ohne dass fundamentale Gründe hierfür ersichtlich waren. Der Euro-Gesamtmarkt (iBoxx Euro Sovereigns) verlor bis Donnerstagabend rund 0,5 Prozent.

Emissionswelle bei Green Bonds rollt weiter

Am Primärmarkt rollt die Emissionswelle bei den Green Bonds weiter. Großbritannien emittierte unter hoher Nachfrage ein zweites Papier aus diesem Marktsegment. Auch begab die Industrial and Commercial Bank of China in der Berichtswoche einen derartigen Titel. Der Markt für Grüne Anleihen wächst weiterhin rasant und erfreut sich zunehmender Beliebtheit unter den Anlegern.

Türkische Zentralbank senkt Zinsen überraschend deutlich, Lira fällt weiter

Die Türkische Zentralbank hat überraschend deutlich die Zinsen gesenkt. Angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten steht die Politik unter Handlungsdruck, sodass entgegen den Erwartungen ein deutlicher Zinsschritt erfolgte. Statt der erwarteten 0,5 bis 1,0 Prozentpunkte wurde der Leitzins überraschend um zwei Prozentpunkte auf 16 Prozent gesenkt. Die Türkische Lira reagierte fortgesetzt mit Schwäche und wertete zum Euro bis auf 11,2 Lira je Euro (minus 4,1 Prozent) ab.

    Ausblick auf die kommende Woche

Am Donnerstag tagt die EZB. Nach der durch die Bank of England induzierten Unruhe und der folgenden Zinsentwicklung erhoffen sich einige Teilnehmer von EZB-Präsidentin Lagarde das eine oder andere Zeichen, um die Lage wieder etwas zu beruhigen. Darüber hinaus tagt auch die Japanische Zentralbank.

Bezüglich der Wirtschaftsdaten werden in der zweiten Wochenhälfte die BIP-Daten für das dritte Quartal aus den USA und dem Euroraum bzw. Deutschland bekanntgegeben. In den USA wird mit rückläufiger Dynamik gerechnet. Für den Euroraum dürfte sich die Rechnung positiver gestalten. Am Montag steht zudem der Ifo-Index für Deutschland zur Veröffentlichung an. Am Donnerstag und Freitag werden dann die Teuerungsraten für Deutschland und den Euroraum bekanntgegeben.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 22. Oktober 2021, soweit nicht anders angegeben.

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