MarktTicker 25. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 15. bis 19. Juni 2020

    Diese Woche: Märkte im Spannungsfeld zwischen Corona und Wirtschaftsdaten

Die Finanzmärkte befanden sich in der Berichtswoche im Spannungsfeld von Sorgen über den Anstieg der Corona-Erkrankungen und besseren Wirtschaftsdaten. Die Anleger folgten letztlich der verbesserten Datenlage. Risikoreiche Anlagen waren gesucht, die Aktienbörsen verzeichneten am Freitagvormittag positive Vorzeichen. Am Rentenmarkt gaben sichere Bundespapiere leicht ab, die Bundrenditen stiegen etwas an. Die Peripherie profitierte von der Risikoneigung der Anleger, leicht nachgebende Renditen prägten dort das Geschehen.

Infrastrukturprogramm in den USA, Notenbanken stocken Hilfen auf

Die Corona-Lage bleibt in einigen Regionen angespannt. Neuinfektionen in Peking mit Schulschließungen und der Aussetzung der Flugverkehrs sowie steigende Infektionszahlen in einigen US-Bundesstatten geben keinen Anlass für Entwarnung. Die Sorgen über die Pandemie rückten wieder stärker in den Vordergrund.

Gleichzeitig lagen jüngst veröffentlichten Konjunktur- und Stimmungsdaten, vor allem in den USA, über den Erwartungen. Die US-amerikanischen Einzelhandelsumsätze legten im Mai nach einem Einbruch im April um 17,7 Prozent und damit so stark wie noch nie in einem Monat zu. Erwartet war im Konsens ein Anstieg um 8,4 Prozent. Die US-Industrieproduktion erhöhte sich um 1,4 Prozent, blieb jedoch unter dem Konsens (plus drei Prozent). Für gute Stimmung unter den Investoren sorgte zudem die Twitter-Nachricht von US-Präsident Trump, ein Infrastrukturprogramm über 1000 Milliarden US-Dollar auflegen zu wollen. Allerdings trifft das Vorhaben im US-Senat auf Bedenken wegen der damit verbundenen Ausweitung der Staatsverschuldung.

Am US-Arbeitsmarkt ging die Zahl der registrierten Personen ohne Arbeitsplatz leicht auf 20,5 Millionen zurück, auch waren die Erstanträge in der Vorwoche auf hohem Niveau etwas rückläufig. Von einer Normalisierung der Verhältnisse am US-Arbeitsmarkt sind wir trotz der jüngst überraschend stark verbesserten Konjunkturindikatoren jedoch noch weit entfernt.

Der ZEW-Index für Deutschland, der die Konjunkturerwartungen der Finanzanalysten misst, lag zu Wochenbeginn mit 63,4 Punkten ebenfalls über den Erwartungen (60 Punkte).

Hinzu kam, dass die japanische Notenbank unerwartet beschloss, ihre Finanzhilfen für Firmen deutlich aufzustocken. Der Liquiditätstopf wird von 75 auf 100 Billionen japanische Yen erhöht. Auch die Bank of England wird ihre Anleiheankäufe um weitere 100 Milliarden britische Pfund erhöhen, so der Beschluss der Zentralbank von Donnerstag.

US-Notenbank kauft Unternehmensanleihen nun direkt an

Aber dabei blieb es nicht. US-Notenbankchef Powell erhöhte im Rahmen der halbjährlichen Anhörung vor dem US-Kongress noch einmal den Einsatz. So beabsichtigt die Fed, nunmehr auf direktem Wege Unternehmensanleihen anzukaufen und die Wirtschaft so mit Liquidität zu unterstützen, wie sie am Montag mitteilte. Bislang hatte die Notenbank nur indirekt über börsengehandelte Fonds (ETFs) am Unternehmensanleihemarkt eingegriffen. Im Nachgang kam es wegen der Aussage, dass die veranschlagte Gesamtsumme der Ankäufe nicht erhöht werde, also nur eine Verlagerung von ETFs hin zu direkten Anleihekäufen erfolgen soll, zu einer leichten Enttäuschung unter den Marktteilnehmern. Der Euro-Unternehmensanleihemarkt konnte aber an der Fed-Entscheidung etwas partizipieren und lag bis Donnerstagabend leicht im Plus. In der Berichtswoche wurden dort wieder zahlreiche Neuemissionen platziert.

    Aktien: Zugewinne im Wochenverlauf, aber Wirecard schockt die Anleger

Märkte im Plus, Technologie in Europa branchenseitig vorne

Die aufgrund der über den Erwartungen liegenden Konjunkturdaten insgesamt positive Risikostimmung führte zu Kursgewinnen an den Aktienbörsen. Der für die Gesamtentwicklung repräsentative MSCI World-Index, der alle großen Aktienmärkte der Welt umfasst, stieg im Wochenvergleich per Freitagvormittag um 2,4 Prozent an. Die Spanne der Zugewinne lag zwischen 0,8 Prozent (Nikkei 225-Index) und 3,9 Prozent (EUROSTOXX 50-Index). Der marktbreite STOXX Europe 600-Index lag mit plus 3,3 Prozent am oberen Ende der Bandbreite. Aktien aus den Sektoren Technologie (plus 5,2 Prozent), Gesundheit (plus 4,7 Prozent) und der Bauwirtschaft (plus 4,8 Prozent) lagen aus Branchensicht vorne. Mit minus 0,8 Prozent bildeten Papiere aus der Grundstoffbranche das Schlusslicht.

Wirecard-Aktie mit fast beispiellosem Kurssturz

Der DAX-30 gewann 3,6 Prozent hinzu. Ohne den starken Kurseinbruch des DAX-30-Mitglieds Wirecard, das am Donnerstag in den Blickpunkt der Anleger und Medien geriet, wäre das Plus noch etliche Punkte höher ausgefallen. Der Zahlungsabwickler musste quasi in letzter Minute die Vorlage seiner Bilanz 2019 abermals verschieben. Der Abschlussprüfer Ernst & Young hat das Testat fürs Erste verweigert. Unternehmensmeldungen zufolge und nach in der Presse veröffentlichten Berichten sind offenbar sich auf Treuhandkonten befindende Beträge über insgesamt 1,9 Milliarden Euro, wohl bei zwei Banken aus Asien, nicht auffindbar. Am Freitag erklärten zwei asiatische Banken, Wirecard sei gar kein Kunde, es handle sich um Betrug. Seitens des Unternehmens wurde Strafanzeige gegen unbekannt erstattet. Die Marktreaktion auf die Ereignisse bei Wirecard war dramatisch. Die Aktie verlor im Wochenverlauf knapp 75 Prozent an Wert. Allein am Donnerstag ergab sich ein Tagesverlust von knapp 62 Prozent. Nur die Aktie der Hypo Real Estate verlor im September 2008 mit minus 74 Prozent an einem Tag mehr an Wert. Nun droht Wirecard angesichts der stark rückläufigen Kapitalisierung die Entfernung im Eilverfahren aus dem deutschen Leitindex. Am Freitagmittag gab dann Wirecard-Chef Braun seinen sofortigen Rücktritt bekannt.

Darüber hinaus lag im DAX 30 die Aktie der Deutschen Lufthansa mit vier Prozent im Minus. Die Zustimmung der Anteilseigner zum geplanten Rettungspaket der Bundesregierung steht in Frage. Der Großaktionär Heinz Hermann Thiele, der seinen Anteil an Lufthansa zuletzt auf knapp 15 Prozent aufstockte, hat seinen Unmut zum Rettungsplan bekundet. Die Nervosität vor der Abstimmung in der kommenden Woche ist deutlich gestiegen.

    Renten: Euro-Peripherie mit Kursgewinnen

Kernmärkte: Zinskurven kaum verändert

An den Staatsanleihemärkten hat sich in der Berichtswoche recht wenig getan. Die US-amerikanische Zinsstrukturkurve versteilte sich leicht über das lange Laufzeitenende (30 Jahre plus vier Basispunkte). Am deutschen Rentenmarkt hielten sich die Renditeveränderungen ebenfalls sehr im Rahmen. Die Laufzeiten bis einschließlich zehn Jahre wiesen minimale Renditeanstiege auf, bei Langläufern waren hingegen Zinsrückgänge von zwei Basispunkten zu beobachten. In der Peripherie war der Handel von rückläufigen Renditen begleitet. Der Zehnjahres-Spread italienischer und spanischer Staatspapiere zu deutschen Bundesanleihen fiel in der Berichtswoche um zehn Basispunkte. Der Gesamtmarkt (iBoxx € Sovereigns) tendierte durch die Peripherie bis Donnerstagabend mit plus 0,4 Prozent recht freundlich.

Sehr hohe Zuteilung bei TLTROs

Darüber hinaus waren die Langfristrefinanzierungsgeschäfte der Europäischen Zentralbank ein paar Schlagzeilen Wert. Die als TLTRO III (Targeted Longer-Term Refinancing Operations) bezeichneten Liquiditätshilfen erreichten mit ihrer Zuteilung am Donnerstag eine Rekordsumme. 742 Banken hatten insgesamt 1,31 Billionen Euro nachgefragt und zugeteilt bekommen. Diese Finanzierungsgeschäfte sind Teil des EZB-Maßnahmenpakets und sollen im Rahmen der für die Banken hierbei sehr günstigen Konditionen die Kreditvergabe an Firmen und Haushalte ankurbeln.

    Ausblick auf die kommende Woche

Am Dienstag stehen mit den Einkaufsmanagerindizes aus dem Euroraum wichtige Daten an. Der Konsens der befragten Analysten erwartet bei den Daten sowohl für das Verarbeitende Gewerbe als auch für Dienstleistungen einen deutlichen Zuwachs für den Juni. Dies dürfte mit den Lockerungen der Corona-bedingten Beschränkungen zu begründen sein. Am Mittwoch wird der Ifo-Geschäftsklimaindex Aufschluss über die aktuelle Stimmung und über die Geschäftserwartungen in der deutschen Wirtschaft geben. Am Donnerstag dürften zudem neben den wöchentlich üblichen US-Arbeitsmarktdaten die Daten zu den Einkommen und Ausgaben der US-Haushalte von Interesse sein.

Der am heutigen Freitag startende EU-Gipfel zum europäischen Wiederaufbaufonds dürfte unserer Meinung nach keine schnellen Ergebnisse bringen. Es dürften mehrere Sitzungen erforderlich sein, um dort einen Durchbruch zu erzielen. Alles andere wäre eher eine Überraschung.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 19. Juni 2020, soweit nicht anders angegeben.

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