MarktTicker 47. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 16. bis 20. November 2020

    Diese Woche: Etwas Ernüchterung unter den Anlegern

Corona-Ausbreitung und EU-Haushaltsverhandlungen belasten

Die gute Stimmung an den Finanzmärkten konnte sich im Verlauf der Handelswoche nicht ganz halten. Die Aussichten auf die bevorstehende Einführung der Corona-Impfstoffe sind den bisherigen Veröffentlichungen zufolge weiterhin gut. Dennoch hat die aktuell starke Virus-Ausbreitung und deren möglichen Folgen durch weitere Lockdowns und andere Einschränkungen zu etwas Ernüchterung unter den Anlegern geführt. Nach einem freundlichen Wochenauftakt gaben die Aktienbörsen den Großteil der zunächst erzielten Zugewinne wieder ab. Dennoch verblieben weltweit bis Freitagvormittag leichte Zugewinne. Im Gegenzug befestigten sich im Rahmen der Unsicherheit die Kurse der als sicher geltenden Staatsanleihen aus den USA und Deutschland, sodass dort rückläufige Renditen zu beobachten waren.

Neben dem Dauerthema Corona beschäftigten sich die Finanzmärkte mit weiteren Unsicherheiten. Zum einen die noch immer ungelösten Brexit-Verhandlungen. Darüber hinaus herrscht derzeit einiges Stirnrunzeln bezüglich der EU-Haushaltsverhandlungen. Das am Donnerstag abgehaltenen virtuelle Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs brachte – wie erwartet – keine Fortschritte zur Beilegung des Konflikts. Polen und Ungarn sowie mittlerweile auch Slowenien haben den Rechtsstaatsmechanismus bislang abgelehnt. Somit scheint sich eine Lösung und damit die Auszahlung der Mittel im EU-Wiederaufbaufonds auf das kommende Jahr zu verlagern. Nach aktuellem Stand dürften die Mittel frühestens im Frühjahr 2021 zur Auszahlung kommen. Wir sehen im Rahmen der aufkeimenden Diskussion eine nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass sich der Auszahlungsbeginn sogar in die zweite Jahreshälfte 2021 verschiebt.

EZB bekräftigt weitere Unterstützung

Die Unterstützung der Märkte seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) wird auch weiterhin fortgesetzt werden. In mehreren Stellungnahmen verwiesen Mitglieder des EZB-Rates und auch die Vorsitzende Lagarde in der Berichtswoche nochmals auf die erfolgreiche Implementierung des Anleiheankaufprogramms PEPP sowie der langfristigen Tendergeschäfte (TLTROs). Wir gehen daher davon aus, dass die EZB im Dezember hier nochmals nachlegen und eine Ausweitung beider Instrumente vornehmen wird. Zinsseitig dürften hingegen keine Veränderungen zu erwarten sein.

Wirtschaftsdaten

Die US-Einzelhandelsumsätze im Oktober haben die Anleger eher enttäuscht. Mit einem Plus von 0,3 Prozent zeigten sich diese schwächer als erwartet (0,5 Prozent). Der Konsum lässt somit hinsichtlich der Dynamik nach, bleibt unserer Einschätzung nach aber weiterhin tragender Faktor der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung. Solide zeigten sich die in der Berichtswoche veröffentlichten Daten zum US-Häusermarkt. Mit Blick auf China wurden zu Wochenbeginn gute Daten wie etwa zur Industrieproduktion (Oktober) bekannt gegeben. Vieles deutet dort auf einen starken Start in das vierte Quartal hin. China gilt auch im jüngst abgeschlossenen asiatischen Freihandelsabkommen (RCEP) als großer Gewinner.

    Aktien: Zugewinn zum Wochenauftakt folgt Konsolidierung

Tesla mit Kurssprung

Trotz Konsolidierung hielten sich die Aktienmärkte gegenüber dem Vorfreitagsschluss im Plus. Weltweit war über den MSCI World-Index ein Plus in Höhe von 0,7 Prozent zu verzeichnen. In den USA wurden zwischenzeitlich teils neue historische Höchststände erzielt. Der Dow Industrial Average kratzte per Endstand am Montag knapp an der 30.000-Marke. Der S&P 500-Index erzielte zumindest auf Schlusskurs-Basis einen neuen Höchststand. Vor der Freitagseröffnung lagen die großen US-Indizes inklusive Nasdaq mit knapp 1,5 Prozent im Plus. Zudem stand die Tesla-Aktie im Blickpunkt, die ab 21. Dezember in den S&P 500-Index aufgenommen wird. Noch nie wies ein Unternehmen, das den Sprung in den S&P 500-Index schaffte, eine so hohe Marktkapitalisierung auf. Der Aktienkurs sprang um 22 Prozent auf knapp 500 US-Dollar je Anteilsschein.

STOXX Europe 600: Healthcare-Aktien im Minus

Im Euroraum bzw. Europa betrugen die Zugewinne gut ein Prozent. Im repräsentativen marktbreiten STOXX Europe 600-Index lagen branchenseitig Öl&Gas (plus 5,0 Prozent) sowie Autos und Teile (plus 4,4 Prozent) vorne, gefolgt von Banken (plus 3,6 Prozent). Im Gesundheitssektor überwogen nach dem starken Aufschwung seit Anfang November zuletzt die roten Vorzeichen. Der Healthcare-Index lag in der Berichtswoche mit 1,5 Prozent im Minus.

Automobilwerte im DAX 30 vorn

Mit Blick auf den Deutschen Aktienindex waren Automobilwerte wie Daimler, BMW und auch Continental unter den ersten fünf Gewinnern. Die Kursgewinne bewegten sich zwischen sechs und knapp vier Prozent. Die Bayer-Aktie, die in der Berichtswoche angesichts der Unternehmensentwicklung eine schlechte Presse bekam, verlor 1,7 Prozent. Wochenverlierer war jedoch Beiersdorf, der Aktienkurs gab auf Wochensicht um 3,7 Prozent nach.

    Renten: Freundliche Woche

Zinskurven etwas flacher

Die Staatsanleihemärkte tendierten in der Berichtswoche angesichts der zunehmenden Verunsicherung der Anleger freundlich. Am US-Markt verflachte sich die Zinskurve über die Renditerückgänge bei den Langläufern (30 Jahre minus neun Basispunkte) ein wenig. Die bundesdeutsche Zinskurve tendierte ähnlich. Der Renditerückgang war mit zwei bis vier Basispunkten jedoch weniger deutlich ausgeprägt als in den USA.

Peripherieanleihen von EU-Haushaltsstreit bislang unbeeindruckt

Mit Blick auf die Peripherie markierte der Renditeaufschlag (Spread) italienischer Zehnjahrespapiere gegenüber laufzeitgleichen Bundesanleihen mit 120 Basispunkten einen neuen Tiefpunkt. Auch in Spanien und Griechenland lagen die Risikoaufschläge auf Rekord-Tiefständen. Griechische Zehnjahrespapiere rentieren mittlerweile mit rund 65 Basispunkten in etwa auf dem Niveau laufzeitgleicher italienischer Anleihen. Die Verzögerung der Auszahlung des EU-Wiederaufbaufonds wurde zumindest anleiheseitig bislang nicht als belastend gewertet. Der Renditerückgang in der Peripherie hielt somit unverändert an. Der Euro-Staatsanleihemarkt (iBoxx € Sovereigns-Index) hat somit eine leicht freundliche Woche hinter sich. Dies galt auch für Euro-Unternehmensanleihen und Schuldverschreibungen aus den Schwellenländern.

      Ausblick auf die kommende Woche

Zum Auftakt der neuen Handelswoche stehen zunächst die Einkaufsmanager-Indizes in Deutschland, dem Euroraum und den USA für November im Blickpunkt. Es zeichnet sich ab, dass die erneuten Lockdowns belastend auf den Dienstleistungssektor wirken. Bei der Produktion dürfte sich die Lage zumindest stabilisieren. Darüber hinaus werden die deutschen Einzelhandelsumsätze im Oktober und das Protokoll der US-Notenbank am Mittwoch von Interesse sein.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 20. November 2020, soweit nicht anders angegeben.

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