MarktTicker 41. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 5.- 9. Oktober 2020

    Diese Woche: Risk-On - Märkte trotzen steigenden Covid 19-Infektionen

Den weltweit steigenden Corona-Infektionen und dem Hickhack in den USA um weitere US-Hilfsmaßnahmen zum Trotz tendierten die mit Risiko behafteten Anlageklassen in der Berichtswoche freundlich. In den USA scheint wohl zunehmend Joe Biden als nächster US-Präsident eingepreist zu werden. Nichts mag die Börse weniger als Unklarheit. Die Aktienbörsen haben bis Freitagmittag eine freundliche Woche hinter sich. Auch an den Anleihemärkten tendierten Unternehmenspapiere sowie Titel aus den Schwellenländern stabil bis freundlich. An den Staatsanleihemärkten waren einmal mehr die Peripheriemärkte gefragt. Italien und Griechenland verzeichneten Rekord-Renditetiefs.

Deutsche Börse stößt DAX-Reform an

Kurz nach den Turbulenzen um den ehemaligen DAX-Titel Wirecard scheint im größten deutschen Aktienindex eine umfangreiche Reform anzustehen. Die Deutsche Börse plant Presseberichten zufolge wohl eine Vergrößerung von 30 auf 40 Unternehmen vor und scheint gleichzeitig härtere Auflagen für die Mitgliedschaft im deutschen Leitindex anzustreben. Vor allem die Einstiegsvoraussetzungen könnten sich deutlich verschärfen. Neben dem Nachweis der Profitabilität des Aufnahmekandidaten wird künftig auch eine fristgerechte Vorlage der Quartalsberichte als Kriterium angeführt. Eine Verschiebung der Quartalszahlen wie im Falle Wirecard würde den gemachten Vorschlägen zufolge zu einem Ausschluss aus dem Index führen. Weitere Vorschläge sehen einen Prüfungsausschuss im Aufsichtsrat und den Ausschluss im Falle eines Umsatzes von mehr als zehn Prozent mit kontroversen Waffen vor. Die Deutsche Börse erkundet nun die Stimmung unter den Marktteilnehmern und stellt die neuen Qualitätsanforderungen erst einmal zur Diskussion.

Konjunkturdaten: Erholung setzt sich fort

Die Auftragseingänge in der deutschen Industrie überraschten im August positiv und lagen mit plus 4,5 Prozent gegenüber dem Vormonat deutlich über den Schätzungen (2,8 Prozent). In den USA erreichte der vielbeachtete ISM-Dienstleistungsindex im September 57,8 Punkte und damit ebenfalls mehr als erwartet. Die Zahl der neu registrierten Arbeitslosen in den USA lag mit 840.000 Erstanträgen recht hoch.

In China zeigte sich der Caixin Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen mit 54,8 Punkten sehr solide. Deutlich unter den Erwartungen kam dann am Freitag das Bruttoinlandsprodukt aus Großbritannien. Das auf monatlicher Basis veröffentlichte BIP stieg im August mit 2,1 Prozent deutlicher geringer als erwartet an.

    Aktien: Weltweit nahezu komplett im Plus

Vor allem legen Schwellenländer-Indizes deutlich zu

Trotz des Hickhacks in Washington um ein weiteres Corona-Hilfspaket trug die Hoffnung darauf die Aktienmärkte in der Berichtswoche. Die mittlerweile als zweite Welle identifizierte weltweite Corona-Ausbreitung vermochte die Aktienbörsen nicht in die Knie zu zwingen, diese zeigten sich hiervon bislang eher unbeeindruckt. Die großen Aktienbörsen lagen mit Ausnahme des Nasdaq 100 (minus 0,3 Prozent) zwischen rund zwei und drei Prozent im Plus. Deutlich fester tendierten in der Berichtswoche die Aktienmärkte in den Schwellenländern. MSCI EM Asia und MSCI EM LatAm legten um 3,6 beziehungsweise 4,6 Prozent zu.

Reisesektor gesucht

Beim STOXX Europe 600-Index, der per Freitagmittag mit 1,7 Prozent im Plus lag, waren branchenseitig vor allem trotz aktueller Corona-Ausbreitung der Reisesektor (plus 7,5 Prozent), Banken (5,5 Prozent) sowie Öl&Gaswerte (plus 4,7 Prozent) gesucht. Insgesamt lagen sämtliche Sektoren im Plus.

Bei den DAX30-Einzeltiteln lagen die Aktien von MTU, HeidelbergCement sowie der Deutschen Bank jeweils etwas mehr als zehn Prozent im Plus. Die in der Vorwoche stark unter Druck geratenen Bayer-Aktie erholte sich um etwas mehr als vier Prozent. Mit Delivery Hero (minus 2,7 Prozent) und der Deutschen Telekom (minus 1,6 Prozent) gab es aber auch Verlierer im deutschen Leitindex.

    Renten: Peripherie gesucht

Rendite-Rekordtiefstände in Italien und Griechenland

Von der erhöhten Risikoneigung der Anleger profitierten auf der Rentenseite vor allem die südeuropäischen Peripheriemärkte. Allen voran wieder einmal der italienische Markt, Die Renditen fielen dort über die gesamte Zinskurve hinweg um vier bis sechs Basispunkte. Zehnjährige italienische Staatspapiere erreichten dabei am Freitag ein historisches Renditetief bei knapp 0,73 Prozent. Ende Oktober und Anfang November stehen Ratingentscheidungen großer Agenturen zu Italiens Kreditwürdigkeit an. Wir rechnen nicht mit einer Verschlechterung, der Markt scheint dies angesichts der jüngsten Kursanstiege ebenfalls so einzuschätzen. Damit fiel auch der Renditespread Italiens zu deutschen Bundesanleihen auf ein Rekordtief. Aber auch in Spanien und Griechenland kam es zu einem deutlichen Renditerückgang. Die griechische Zehnjahresrendite lag am Freitagvormittag bei 0,85 Prozent und damit ebenfalls auf einem Rekord-Tiefstand. Der kommende EU-Wiederaufbaufonds und die Hoffnung der Anleger auf eine Erhöhung des EZB-Ankaufprogramms - denkbar wäre eine baldige Verlängerung bis Ende 2021 - stützen die südeuropäischen Anleihemärkte. Denn die Tür für weitere geldpolitische Maßnahmen bleibt dem jüngsten EZB-Tagungsbericht zufolge weiter offen.

Am US-Staatsanleihemarkt stieg die Verzinsung bei den richtungsweisenden Zehnjahrespapieren hingegen leicht an. Die amerikanische Zinsstrukturkurve tendierte in der Berichtswoche über das lange Ende etwas steiler. Deutsche Bundesanleihen zeigten sich gegenüber vergangenem Freitag nur wenig verändert.

Euro-Unternehmenspapiere und EM-Anleihen gefragt

Europäische Unternehmensanleihen handelten in der Berichtswoche freundlich. Sowohl bei Papieren mit Rating Investment Grade als auch im hochverzinslichen Sektor (High Yield) engten sich die Risikoaufschläge (Asset Swap Spreads) ein. Dies traf auch für die in US-Dollar oder Euro denominierten Hartwährungsanleihen aus den Schwellenländern (EM) zu, die ebenfalls sehr gefragt waren. In beiden Segmenten wurden zudem am Primärmarkt neue Papiere gut von den Anlegern aufgenommen. Dem EM-Anleihesegment flossen in der vergangenen Woche mit zwei Milliarden US-Dollar weltweit massive Anlagegelder zu.

      Ausblick auf die kommende Woche

Sowohl aus Deutschland als auch den USA stehen in der neuen Handelswoche die Daten zur Industrieproduktion auf der Agenda. Darüber hinaus dürften die US-Einzelhandelsumsätze wichtige Informationen über den Verlauf der aktuellen Erholung geben. Die Einschätzungen der Analysten sind mit positiven Vorzeichen versehen, wenngleich mit einer Fortsetzung der abflauenden Dynamik zu rechnen ist.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 9. Oktober 2020, soweit nicht anders angegeben.

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