Marktrückblick und -ausblick 17. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 25. bis 29. April 2022

    - Diese Woche: Solide Wirtschaftsdaten trotz hoher Inflation

    - Aktien: Mehrheitlich gute Unternehmenszahlen stützen

    - Renten: Erste Zinserhöhung im Euroraum rückt näher

    - Ausblick: US-Notenbank wird Leitzins um 50 Basispunkte erhöhen

    Diese Woche: Solide Wirtschaftsdaten trotz hoher Inflation

Die Unsicherheitsfaktoren rund um den Ukraine-Krieg halten an und begleiteten die Marktteilnehmer auch in dieser Woche. Immer mehr Länder sind zu umfangreichen Waffenlieferungen an die Ukraine bereit, nun auch Deutschland. In diesem Zusammenhang nimmt jedoch die Befürchtung zu, Russland könnte die Lieferung von Rohöl und Erdgas reduzieren oder gar gänzlich einstellen. Am Mittwoch setzte die Regierung in Moskau hierzu ein Ausrufezeichen, als der russische Staatskonzern Gazprom die Lieferung von Erdgas an Polen und Bulgarien komplett einstellte. Beide Länder hatten sich geweigert, die Rechnung – wie vom Kreml gefordert – zukünftig in Rubel zu begleichen. Unmittelbar nach Bekanntgabe stieg der europäische Erdgaspreis daraufhin um 20 Prozent an. Sowohl Polen als auch Bulgarien wollten Ende des Jahres ohnehin unabhängig von Lieferungen aus Russland werden. Polen wird dazu im Herbst eine neue Pipeline nach Norwegen in Betrieb nehmen, Bulgarien wird zukünftig verstärkt aus Griechenland beliefert. Bis zum Handelsschluss beruhigte sich die Lage wieder und Erdgas ging lediglich mit einem Plus von vier Prozent aus dem Handel. Großabnehmer wie Deutschland werden noch Jahre brauchen, bis man auf Gaslieferungen aus Russland verzichten kann. Dies sei wohl frühestens 2024 möglich. In Österreich könnte es sogar bis 2027 dauern. Beide Länder bezahlen aber weiterhin in Euro an die Gazprombank, die dann die Zahlungen in Rubel konvertiert. So fand sich eine gesichtswahrende Lösung für beide Parteien.

Die geopolitischen Spannungen zwischen Russland und dem Euroraum sorgten auch für eine weitere Abwertung des Euro. Gegenüber dem US-Dollar nähert sich die Gemeinschaftswährung zunehmend der Parität. Zuletzt kostete ein Euro bereits weniger als 1,05 US-Dollar.

Inflation in Deutschland so hoch wie zuletzt im Herbst 1981

Die Preise für Erdgas dürften also vorerst hoch bleiben. Am Donnerstag wurden die Inflationszahlen für Deutschland im April veröffentlicht. Dabei konnte der Rückgang beim Öl die gestiegenen Preise von Gas und Lebensmitteln nicht kompensieren und die Teuerungsrate stieg, entgegen den Erwartungen der Analysten, nochmals leicht an. Gegenüber dem Vorjahresmonat verteuerte sich der Warenkorb um 7,4 Prozent. Dies ist der größte Anstieg seit mehr als 40 Jahren. Nach EU-harmonisierter Berechnung betrug die Teuerung sogar 7,8 Prozent. Dies war zugleich der Höchstwert während der Ölkrise 1973. Für noch höhere Werte muss man dann schon zurück in die 50er-Jahre gehen. Auch in Frankreich stiegen die Preise stärker als erwartet, während es in Spanien zu einem deutlichen Rückgang kam. Kurz vor dem Wochenende wurden dann auch die Zahlen für den gesamten Euroraum veröffentlicht. Die Verbraucherpreise zogen, wie schon im Vormonat, um 7,5 Prozent im Jahresvergleich an.

US-BIP schwächer, aber nur auf den ersten Blick

In dieser Woche wurden auch die ersten BIP-Daten veröffentlicht. In den USA kam es dabei zu einem überraschenden Rückgang im ersten Quartal von annualisierten -1,4 Prozent. Was auf den ersten Blick wie ein Vorbote einer drohenden Rezession erscheint, stellt sich bei näherer Betrachtung als ein doch recht robuster Datenpunkt heraus. Für den Rückgang ist vor allem ein negativer Außenbeitrag verantwortlich. Die Vereinigten Staaten haben also deutlich mehr Waren importiert als in andere Länder exportiert. Dafür ist insbesondere die hohe inländische Nachfrage des ausgabefreudigen US-Konsumenten verantwortlich. Viele Firmen stocken daher ihr Lager auf. Der Datenpunkt dürfte daher die US-Notenbank in ihrem Vorhaben, die Leitzinsen in diesem Jahr noch deutlich zu erhöhen, eher bestärkt haben.

Technische Rezession in Deutschland wurde vermieden

Die deutsche Wirtschaft startete mit einem leichten Plus in das Jahr 2022. Gegenüber dem Vorquartal betrug das Wachstum 0,2 Prozent, wofür vor allem höhere Investitionen verantwortlich waren. Trotz der erneuten Corona-Welle und des Kriegsausbruchs in der Ukraine kam es nicht zu einem zweiten Rückgang in Folge. Eine „technische Rezession“ blieb damit also aus. Hiervon sprechen Ökonomen, wenn die Wirtschaftsleistung in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen rückläufig ist. Der Krieg in der Ukraine und die hohen Preise lassen aber nicht auf eine kräftige Erholung im Rest des Jahres hoffen.

    Aktien: Mehrheitlich gute Unternehmenszahlen stützen

Im Mittelpunkt des Marktgeschehens stand die laufende Berichtssaison. Der Großteil der Unternehmen konnte dabei mit seinem Zahlenwerk überzeugen. Im Vorfeld waren so manche Anleger angesichts der aktuellen Störfaktoren aber verunsichert. Die Aktie von Meta Platforms (facebook) kam daher schon im Vorfeld unter Druck. Letztlich konnte das Unternehmen aber überzeugen, sodass die Papiere nach Bekanntgabe der Quartalsergebnisse um rund 18 Prozent in die Höhe schnellten. Nach den deutlich schlechteren Zahlen des vergangenen vierten Quartals, handelt es sich nun bei den aktuellen Zahlen um einen Befreiungsschlag. Ein wesentlicher Teil des Erfolgs betraf die wachsende Zahl an aktiven Nutzern. Hier schaffte Meta ein Nutzerwachstum von sechs Prozent. Darüber hinaus konnte der Umsatz um sieben Prozent auf 27,9 Milliarden US-Dollar gesteigert werden.

Amazon mit erstem Verlust seit sieben Jahren

Die Geschäftszahlen von Amazon lösten hingegen keine Begeisterungsstürme bei den Investoren aus. Diese reagierten eher geschockt auf den ersten Quartalsverlust Amazons seit sieben Jahren. Die Aktie verlor daraufhin nachbörslich rund zehn Prozent an Wert. Im ersten Quartal des Jahres verzeichnete Amazon demnach einen Verlust von 3,8 Milliarden US-Dollar, während im Vorjahr noch ein Gewinn von 8,1 Milliarden US-Dollar erreicht wurde. Dies ist zum einen auf den Einbruch des Online-Shopping zurückzuführen. Zudem belasteten auch die Lieferkettenproblematik sowie die Inflation. Schließlich kommt noch die Abschreibung auf die Beteiligung an Rivian hinzu. Neben den enttäuschenden Zahlen ist es für die Investoren weiterhin problematisch, dass auch der Ausblick in die Zukunft mit großer Unsicherheit behaftet ist. Dies liegt auch daran, dass der Inflationsdruck nicht so schnell abnehmen wird und sich nicht abschätzen lässt, ob höhere Kosten an die Verbraucher weitergegeben werden können.

US-Technologieaktien wieder gesucht

Die Unsicherheit rund um den Ukraine-Konflikt, hohe Inflationsraten und eine restriktivere Geldpolitik belasteten erneut den Aktienmarkt. Aufgrund der mehrheitlich guten Unternehmensergebnisse hielten sich die Verluste jedoch in Grenzen. Trotz der Nähe zu Russland verloren die europäischen Märkte etwas weniger. Der DAX-Index gab um 0,5 Prozent nach, der breit gefasste europäische STOXX Europe 600 verlor per Freitagmittag 0,8 Prozent. In den USA gaben Dow Jones und der S&P 500-Index rund 2,5 Prozent ab. US-Technologiewerte waren wieder gesucht. So fiel das Minus im Nasdaq-Index geringer aus. Im Wochenvergleich konnte der FAANG-Index, der die Wertentwicklung der zehn größten und prominentesten Vertreter abbildet, sogar leicht zulegen.

Mit Blick auf die einzelnen Branchen in Europa gehörten der Reisesektor (+1,6 Prozent) und Versorger (+1,4 Prozent) zu den Gewinnern. Das Schlusslicht bildeten zyklische Konsumtitel mit einem Minus von mehr als drei Prozent. Hier belastete die Sorge, dass die hohen Preise die Kauflust negativ beeinflussen könnten.

    Renten: Erste Zinserhöhung im Euroraum rückt näher

Die Entwicklung der europäischen Staatsanleihemärkte war in dieser Woche zweigeteilt. Zunächst kamen Wachstumssorgen auf, die für rückläufige Renditen sorgten. Zwischenzeitlich rutschte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen wieder unter die Marke von 0,8 Prozent, nachdem vergangenen Freitag noch die Ein-Prozent-Marke angetestet wurde. Nach dem starken Renditeanstieg nahmen einige Marktteilnehmer zudem Gewinne mit. Am Donnerstag endete die Konsolidierung jedoch abrupt. Neben den höher als erwartet ausgefallenen Inflationsdaten aus Deutschland war auch ein Kommentar von EZB-Chefin Lagarde für den Abverkauf verantwortlich. Die Notenbankerin sprach davon, dass ein Ende des Ankaufprogramms APP schon früh im dritten Quartal denkbar sei. Marktteilnehmer gingen daher von Juli aus. Da eine erste Zinserhöhung der EZB bereits kurz nach dem Einstellen der Käufe erfolgen könnte, stieg die Wahrscheinlichkeit für einen ersten Zinsschritt auf dem Treffen im Juli. Zudem kündigten einige Länder noch die Ausgabe neuer Anleihen an und kurz vor dem Wochenende standen auch noch diverse Ratingüberprüfungen an, etwa für Deutschland, Schweden, Polen und Belarus.

Im Rahmen der Bewegung am Donnerstag mussten Anleihen aus den Peripherieländern die größten Kursverluste hinnehmen. Hier machte sich vor allem das mögliche Ende des Ankaufprogramms und die damit dann wegfallende Unterstützung bemerkbar. Die Renditedifferenz von italienischen Papieren zu Bundesanleihen überstieg erstmals seit Mitte 2020 wieder die Marke von 180 Basispunkten.

    Ausblick auf die kommende Woche: US-Notenbank wird Leitzins um 50 Basispunkte erhöhen

Die neue Woche startet mit Feiertagen in einigen Ländern. Zunächst ist daher mit einem ruhigen Handel zu rechnen. Konjunkturseitig stehen zudem eher wenig relevante Datenpunkte auf der Agenda. Das wichtigste Marktereignis dürfte daher die Sitzung der US-Notenbank Fed am Mittwoch sein. Marktteilnehmer erwarten einen Zinsschritt von 50 Basispunkten und die verbale Bekräftigung einer restriktiveren Geldpolitik. Kurz vor dem Wochenende werden dann noch die Daten vom US-Arbeitsmarkt veröffentlicht. Dieser sollte sich weiterhin in einer sehr robusten Verfassung befinden. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft dürften aber wohl etwas geringer ausfallen als im Vormonat.

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 29. April 2022, soweit nicht anders angegeben.

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