Marktrückblick und -ausblick 15. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 11. bis 14. April 2022

    - Diese Woche: US-Inflation im März auf Rekordhoch

    - Aktien: Überwiegend leicht rückläufige Notierungen

    - Renten: Konsolidierung in den USA

    - Ausblick: Einkaufsmanagerindizes aus dem Euroraum

    Diese Woche: US-Inflation im März auf Rekordhoch

Die US-Inflation ist im März um 8,5 Prozent angestiegen. Dies war letztlich alles andere als überraschend, aber etwas mehr als von den Analysten erwartet (Bloomberg-Konsens 8,4 Prozent). Damit dürfte sich die US-Notenbank in ihrer restriktiven Geldpolitik bestätigt sehen. An den Staatsanleihemärkten, vor allem in den USA, kam es in der um den Karfreitag verkürzten Handelswoche zu einer Konsolidierung. Der ansteigende Renditetrend setzte sich, zumindest in den USA, nicht weiter fort. Die Aktienmärkte verzeichneten in der verkürzten Handelswoche überwiegend leicht rückläufige Notierungen. Die Inflationsentwicklung belastete, zudem drückte die Lage in der Ukraine auf die Stimmung. In der Berichtswoche nahm zudem die Bilanzberichtssaison zum 1. Quartal an Fahrt auf. Die Europäische Zentralbank hielt am Donnerstag auf ihrer Sitzung am bislang skizzierten Weg zur Normalisierung ihrer Geldpolitik fest. Wie erwartet blieben die maßgeblichen Zinssätze unverändert. Die Juni-Sitzung mit den dann neuen wirtschaftlichen Projektionen wird dann entscheidend sein.

US-Inflation im März so hoch wie zuletzt Anfang der 1980er Jahre

Die Inflationsrate in den Vereinigten Staaten hat im März rekordverdächtige Höhen erreicht. Mit 8,5 Prozent wurde eine Zuwachsrate erzielt, wie sie zuletzt zu Beginn der 1980er Jahre zu beobachten war. Der Anstieg war wie bereits in den Vormonaten in erster Linie den Energiepreisen, vor allem beim Heizöl, geschuldet. Die um die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise bereinigte Kernrate nahm aber mit 6,5 Prozent ebenfalls deutlich ab, wenngleich diese leicht unter dem Marktkonsens lag. Neben Lebensmitteln wurden Bekleidung und Neufahrzeuge teurer, die Gebrauchtwagenpreise waren gegenüber dem Vormonat hingegen rückläufig. Wir gehen davon aus, dass wir im März noch nicht den Höhepunkt der Preissteigerung in den USA gesehen haben. Im April dürfte die Inflationsrate nochmal zulegen, aktuell rechnen wir mit einem Plus von 8,7 Prozent. Einen starken Anstieg verbuchten zudem die US-Produzentenpreise. Mit plus 11,2 Prozent im März lagen diese über den Erwartungen (plus 10,6 Prozent) und erreichten beim seit 2010 errechneten Index ein Rekordhoch. Unter Berücksichtigung der alten Berechnungsweise lag der Preisanstieg mit 15,2 Prozent so hoch wie zuletzt 1975.

Die Federal Reserve sieht sich bestätigt

Der rekordverdächtige Preisanstieg im März liefert jedenfalls der US-Notenbank Fed weitere Munition für eine restriktivere Geldpolitik. Ein Zinsschritt um 50 Basispunkte in der kommenden Sitzung Anfang Mai ist sehr wahrscheinlich. Die Fed hat letztlich die Preisdynamik unterschätzt und steht nun unter Druck, entsprechend deutlich entgegenzuwirken. Die jüngsten Kommentare einiger Fed-Mitglieder im Zuge der Inflationsdaten weisen klar darauf hin. Allerdings hatte der Ausbruch des Krieges in der Ukraine die amerikanischen Notenbanker im März davon abgehalten, den Leitzins stärker als 25 Basispunkte zu erhöhen. Weitere Zinsanhebungen und ein rascher Beginn des Bilanzabbaus dürften damit nun folgen. Ende des Jahres könnte das Zielband der Fed Funds Rate bei 2,0 bis 2,25 Prozent (aktuell 0,25 bis 0,50 Prozent) liegen.

In Großbritannien zeigte sich die jüngste Preisentwicklung zwar nicht so stark wie in den USA. Mit sieben Prozent insgesamt und 5,7 Prozent in der Kernrate war die Inflation aber höher als erwartet. Dort sollte es unserer Einschätzung nach demnächst mit einer acht vor dem Komma ebenfalls noch nach oben gehen. Die Bank of England wird höchstwahrscheinlich im Mai mit einer Zinserhöhung von 25 Basispunkten folgen.

Auf die Inflationsentwicklung haben in dieser Woche sowohl die kanadische als auch die neuseeländische Zentralbank (RBNZ) reagiert. Mit einem unerwartet kräftigen Zinsschritt der RBNZ von 50 Basispunkten auf 1,5 Prozent hatte keiner der Marktteilnehmer gerechnet. Diese will mit der stärksten Zinserhöhung seit 22 Jahren das Risiko steigender Inflationserwartungen reduzieren und steuert gleich zu Anbeginn der Entwicklung deutlich entgegen. In die gleiche Kerbe schlug die kanadische Zentralbank (Bank of Canada). Mit 50 Basispunkten auf nun 1,0 Prozent wurde ebenfalls ein größerer Zinsschritt vorgenommen.

ZEW-Index schwach, aber besser als erwartet

Der Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung tendierte für April deutlich schwächer, aber weitaus nicht so negativ wie erwartet. Die Erwartungskomponente der befragten Finanzmarktexperten fiel um zwei auf minus 41 Punkte, die Einschätzung war mit minus 48,5 Punkten deutlich pessimistischer. Die Lagebeurteilung gab um 9 auf minus 30,8 Punkte nach, der Konsens lag hingegen bei minus 35 Punkten. Im ersten Halbjahr scheint sich aktuell alles in Richtung Stagnation zu bewegen, auf eine Rezession deutet derzeit weniger hin.

    Aktien: Überwiegend leicht rückläufige Notierungen

Die weiterhin anziehende Inflation, schwächere Wirtschaftsdaten aus Großbritannien und der andauernde Ukrainekrieg belasteten in der vergangenen Handelswoche den Aktienmarkt und verursachten rückläufige Kursnotierungen. Die Stimmungsindikatoren habe sich aus markttechnischer Sicht zuletzt etwas eingetrübt. Im Blickpunkt standen zudem die Verbraucher- und Erzeugerpreisdaten aus den USA, die jeweils im Vergleich zum Vormonat weiter zulegten. Auch das geringere BIP-Wachstum in Großbritannien, welches im März nur 0,1 Prozent betrug und am Montag veröffentlicht wurde, verstärkte die Sorgen vor einer Rezession bei gleichzeitig hohen Inflationsniveaus und einer restriktiven Geldpolitik der Notenbanken. Dies führte direkt zum Wochenauftakt zu Kursverlusten am Aktienmarkt, wobei sich zum Ende der feiertagsbedingt verkürzten Woche die Kurse etwas stabilisierten und eine Kurserholung einsetzte. Stand Donnerstagmittag hatten die Börsen aber auf Wochensicht größtenteils leichte Verluste hinzunehmen.

Der EURO-STOXX 50-Index, der Dax 40 und auch der britische FTSE 100 gaben letztlich zwischen einem halben und anderthalb Prozent ab. Der CAC 40 hingegen konnte, bedingt durch den Wahlsieg Macrons in der ersten Runde, einen Wochenplus von knapp 0,4 Prozent verzeichnen. In Asien lag der Nikkei 225-Index circa 0,7 Prozent im Plus. Die US-Märkte (Nasdaq, S&P 500, Dow Jones Industrial Average) notierten hingegen vor dem Handelsstart am Donnerstag mit 0,5 bis 0,8 Prozent knapp im Minus.

Airbus gesucht, Deutsche Bank stark im Minus

Im Dax 40-Index führten die Aktien von Airbus die Gewinnerliste an. Positive Auslieferungszahlen vom Konkurrent Boeing verhalfen den Airbus-Papieren in dieser Woche zu einem Kursplus von rund zwei Prozent. Weitere gute Nachrichten aus der Luftfahrtbranche verkündete zudem Fraport. Der Flughafenbetreiber verzeichnete im März an seinen Terminals ein um mehr als 200 Prozent höheres Passagieraufkommen gegenüber dem Vorjahresmonat. So verwundert es auch nicht, dass der Reisesektor in dieser Woche die Gewinnerliste im STOXX Europe 600 mit einem Zuwachs von 2,8 Prozent anführt. Schlusslichter mit Einbußen von mehr als zwei Prozent waren Versorger und Immobilienwerte. Die steigenden Renditen erhöhen die Finanzierungskosten, wodurch die Nachfrage nach Immobilien abnehmen könnte.

Außerordentliche Kursschwäche zeigten hingegen die Aktien der Deutschen Bank, da hier die US-Investmentgesellschaft Capital Group ein größeres Aktienpaket veräußert hatte. Dabei sank der Stimmrechtsanteil von zuvor 5,2 Prozent auf nur noch 0,01 Prozent. Das Wochenminus der Deutschen Bank- Aktie belief sich somit Stand Donnerstagmittag auf knapp acht Prozent.

US-Berichtssaison gestartet

Diese Woche hat die Berichtssaison in den USA begonnen. Den Auftakt für das erste Quartal gab traditionell der Finanzsektor in den USA. Hier meldete die größte amerikanische Bank JP Morgan Chase&Co. einen Rückgang des Nettogewinns um 42 Prozent im Vorjahresvergleich auf 8,3 Milliarden US-Dollar, da höhere Rückstellungen für Kreditausfälle getätigt werden mussten und die Aktivitäten im Investmentbanking um 28 Prozent sanken. Am Donnerstag, dem letzten Handelstag der verkürzten Handelswoche, werden auch die Citigroup, Goldman Sachs, U.S. Bancorp und Wells Fargo ihre Quartalszahlen vorlegen. Hier bleibt abzuwarten, inwiefern die von JP Morgan ausgewiesenen Belastungen auch bei den Quartalszahlen der übrigen US-Banken erkennbar sein werden. Nächste Woche wird die Berichtssaison in den USA, mit unter anderem den Zahlen von Netflix am Dienstag und Tesla am Mittwoch, weiterhin an Fahrt aufnehmen und für mögliche Impulse sorgen.

    Renten: Konsolidierung in den USA

Der in den vergangenen Wochen zu beobachtende steile Renditeanstieg an den Staatsanleihemärkten hatte wohl bereits einiges hinsichtlich des Inflationsentwicklung eingepreist. Mit der Bekanntgabe der hohen US-Preissteigerung im März war zumindest in den USA kein weiterer Renditeanstieg zu beobachten, es folgte eine Konsolidierung. Vor allem konnte der vordere Teil der US-Zinskurve ab einem Jahr Laufzeit aufwärts Zugewinne verbuchen. Die Renditen zwei- und dreijähriger US-Papiere fielen um jeweils 20 Basispunkte. Die US-Zinskurve tendierte damit etwas steiler und war gleichzeitig nicht mehr invers.

Im Euroraum stiegen die Bundrenditen nochmals etwas an, die großen Peripheriemärkte wie Italien und Spanien lagen hingegen stabil. Deren Risikoaufschläge (Spreads) gegenüber Bundespapieren engten sich leicht ein. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg auf zunächst rund 0,87 Prozent weiter an. Am Donnerstagvormittag gab es dann im Zuge der US-Entwicklung einen Rücksetzer. Die Verzinsung lag mit 0,76 Prozent aber dennoch etwas über dem Niveau des Vorwochenschlusses. Die deutsche Zinskurve verschob sich komplett ein wenig nach oben und tendierte etwas steiler.

Der Euro konnte zum US-Dollar mit dem Überschreiten der Marke von 1,09 US-Dollar je Euro leicht aufwerten. Am Ölmarkt fiel das Barrel der Sorte Brent in der Berichtswoche zeitweise unter 100 US-Dollar je Barrel. Allerdings ging es im Anschluss auf aktuell wieder 108 US-Dollar.

    Ausblick auf die kommende Woche: Euro-Einkaufsmanager

Die Einkaufsmanagerindizes aus dem Euroraum sowie verschiedene chinesische Konjunkturdaten wie etwa das Bruttoinlandsprodukt umfassen die wichtigsten Konjunkturdaten in der neuen Woche. Im Euroraum dürften sich der Ukraine-Krieg vor allem belastend auf das verarbeitende Gewerbe ausgewirkt haben und entsprechend in den Daten widerspiegeln. In China nimmt der Schwung ab, Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze für März werden rückläufig erwartet. Darüber hinaus werden zahlreiche Unternehmen ihre Quartalsergebnisse berichten.

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern schöne Osterfeiertage!

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 14. April 2022, soweit nicht anders angegeben.

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