MarktTicker 20. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 17. bis 21. Mai 2021

    Diese Woche: Das Thema Inflation beschäftigt weiter die Märkte

Die aufwärtsgerichtete Inflationsentwicklung und die damit einhergehende Spekulation über mögliche Reaktionen der Zentralbanken blieben beherrschende Themen an den Märkten. Der Ausblick auf die US-Geldpolitik und die als „Tapering“ bezeichnete Rückführung der Anleiheankäufe der Zentralbanken sorgte, im Zusammenhang mit dem am Mittwoch veröffentlichen Protokoll der letzten Fed-Sitzung vom April, für Verunsicherung. Die Stimmung der Anleger war gedrückt, die Aktienbörsen befanden sich in der Berichtswoche zunächst im Rückwärtsgang. In Richtung Wochenschluss konnten im Rahmen zunehmender Zuversicht aber die Verluste wieder zumeist aufgeholt werden. Zuletzt hatte sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich die Zentralbanken derzeit noch weit weg von einem Schwenk zu einer restriktiveren Geldpolitik befinden. An den als sicher geltenden Staatsanleihemärkten (US-Schatzanweisungen und deutsche Bundesanleihen) gaben die Notierungen zunächst ebenfalls nach, ehe auch dort zum Wochenschluss eine Erholung einsetzte.

Protokoll der US-Notenbank

Das Protokoll der April-Sitzung der US-Notenbank Fed sorgte in der Berichtswoche für einigen Wirbel. Angesichts der wirtschaftlichen Erholung stellt sich am Markt die Frage hinsichtlich eines allmählichen Kurswechsels der Fed hin zu einer restriktiveren Geldpolitik. Die mit „Tapering“ umschrieben Verringerung der monatlichen Anleiheankäufe (derzeit 120 Milliarden US-Dollar monatlich) steht dabei hinsichtlich der Maßnahmen an erster Stelle. Mit fortschreitender Erfüllung des dualen Mandats aus Vollbeschäftigung und Preisstabilität könnte laut Fed-Vorsitzenden Powell bald der Zeitpunkt gekommen sein, über Anpassungen innerhalb der Fed zu diskutieren. Analysten und auch wir gehen nun davon aus, dass die Fed damit im Juni beginnen dürfte. Diese wird dann wohl über einen längeren Zeitraum, vermutlich bis September, erfolgen.

Es bestehen aber Unsicherheitsfaktoren wie die zwischenzeitlich überraschend hohen Inflationsdaten, durch die die Fed aber hindurchzuschauen gedenkt. Auch der zuletzt sehr schwache Arbeitsmarktbericht mit einer nicht erwarteten sehr geringen Anzahl neuer Stellen (non farm payrolls) war zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Protokoll der Fed berücksichtigt. Der Entwicklung am Arbeitsmarkt dürfte die wichtigste Rolle als Kriterium hinsichtlich einer Fed-Entscheidung zukommen. Angesichts der jüngsten Entwicklung und der Interpretation der Daten wird es sich die Fed nicht allzu leicht machen können. Letztlich hat sich der Markt wohl mittlerweile mit dem Beginn der Diskussionsrunde angefreundet. Eine geldpolitisch restriktivere Vorgehensweise liegt den Einschätzungen der Marktteilnehmern zufolge, sowohl die Fed als auch die Europäische Zentralbank betreffend, derzeit aber noch in weiter Zukunft.

Konjunkturdaten

Bei den in der Berichtswoche veröffentlichen Konjunkturdaten setzte sich der positive Trend der Vorwochen im Wesentlichen fort. Am US-Immobilienmarkt zeigten sich zwar die Baubeginne um einiges schwächer und lagen unter den Erwartungen, blieben aber auf einem immer noch vergleichsweise hohen Niveau. Die Zahl der Baugenehmigungen zeigte sich hingegen stabil. Auch der NAHB-Wohnungsmarkt-Index lag im Mai - im Vergleich zum Vormonat - auf unverändertem Niveau. Der US-Empire State-Manufacturing-Index (Mai) fiel hingegen etwas zurück, konnte mit 24,3 Punkten die Schätzungen aber leicht übertreffen. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe aus der Vorwoche lagen mit 444.000 etwas unter den Erwartungen der auf Bloomberg befragten Analysten.

Die britischen Inflationsdaten stiegen im April im Rahmen der Erwartungen (1,5 Prozent gegen Vorjahr/Kernrate plus 1,3 Prozent), negative Überraschungen wie zuletzt in den USA blieben somit aus. Sehr stark zeigte sich der britische Einzelhandel, der im April gegenüber dem Vormonat um 9,3 und zum Vorjahr um 42,4 Prozent deutlich über Erwartung zulegte.

Die Einkaufsmanagerindizes im Euroraum entwickelten sich im Mai erfreulich. Der Gesamtindex stieg von 53,8 auf 56,9 Punkte an. Erwartet wurden 55,1 Punkte. Erwartungsgemäß haben sich nun die Dienstleistungen deutlich erhöht und stiegen von 50,5 auf 55,1 Punkte an. Das Verarbeitende Gewerbe stagnierte mit 62,8 Punkten auf sehr hohem Niveau.

Die Außenhandelsdaten aus Japan (Import/Export) zeigten sich im April recht ordentlich. Und China scheint angesichts steigender Rohstoffpreise an einer eher stärkeren denn schwächeren heimischen Währung interessiert zu sein. Südkorea, das gerne als Vorlaufindikator für die wirtschaftlichen Entwicklung herangezogen wird, konnte am Freitag mit starken Export-Daten im Mai (plus 53,3 Prozent gegen Vorjahresmonat) aufwarten.

    Aktien: Börsen konsolidieren

Auf den zunächst zu beobachtenden Kursrückgängen folgte zum Wochenschluss hin die Erholung. Der MSCI Word-Index lag per Freitag mit 0,1 Prozent leicht im Plus. Die US-Aktienbörsen befanden sich vor dem Freitagsstart noch leicht im Minus. Im Euroraum notierte der repräsentative deutsche DAX 30-Index unverändert. Dies traf auch für den marktbreiten STOXX Europe 600-Index zu. Branchenseitig hielten sich die Veränderungen im Wochenvergleich zumeist im Rahmen. Größere Verluste gab es in den Bereichen Rohstoffe (minus 3,6 Prozent) sowie dem Freizeit- und Reisesektor (minus 2,5 Prozent). Spekulationen über eine Rückkehr iranischen Öls auf den Weltmarkt im Zusammenhang mit dem Ausgang der Atomverhandlungen brachten den Ölpreis unter Druck. Der Autosektor hatte hingegen mit einem Plus von 1,7 Prozent die Nase vorn in der Berichtswoche.

      Renten: Staatsanleihe-Renditen unverändert

Zinskurven zur Vorwoche nahezu identisch

An den als sicher geltenden Staatsanleihenmärkten in Deutschland und in den USA erfolgte in der Berichtswoche eine parallele Bewegung zu den Aktienbörsen. Auf Kursverluste folgte eine Erholung. Sowohl die US- als auch die deutsche Zinsstrukturkurve waren gegenüber dem Vorwochenschluss letztlich nahezu unverändert. In der Euro-Peripherie setzte sich im Verlauf der Berichtswoche eine freundliche Stimmung durch, sodass die Renditeaufschläge (Spreads) gegenüber deutschen Bundesanleihen zusammenliefen. Somit konnten die aufgelaufenen Verluste auf Gesamtmarktebene (iBoxx Euro Sovereign-Index) bis Freitagmorgen zumindest egalisiert werden.

Nicht alle Neuemissionen gut nachgefragt

Aber es gab auch Moll-Töne am Anleihemarkt. Dass dieser derzeit alles andere als euphorisch einzuschätzen ist, bekam in der Berichtswoche das Land Nordrhein-Westfalen zu spüren. Die angekündigte nachhaltige Doppeltranche mit zehn und 20 Jahren Laufzeit wurde kurz nach ihrer Ankündigung verschoben. Neue Anleihen sind daher zurzeit mitnichten Selbstläufer. Die EU platzierte zuvor aber recht erfolgreich in der Berichtswoche zwei Sure-Anleihen zur Finanzierung von Covid-19 bedingten Kurzarbeiterprogrammen mit Laufzeiten über acht sowie 25 Jahren. Die Papiere im Gesamtumfang von 14 Milliarden Euro riefen eine Nachfrage von knapp 90 Milliarden hervor. Darüber hinaus emittierten von Staatsseite her Spanien und Frankreich neue Anleihen.

      Ausblick auf die kommende Woche

In der neuen Handelswoche ist die Anzahl der Konjunkturdaten sehr überschaubar. Neben dem ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland, der im Mai etwas höher erwartet wird, ist am Freitag der US-Preisindex für Konsumausgaben von größerer Bedeutung. Auf letzteren wird vor allem die US-Notenbank Fed schauen, da dieser das von ihr bevorzugte Inflationsmaß darstellt. Nach den vor kurzem veröffentlichten CPI-Daten dürfte auch hier ein starker Anstieg nicht überraschen. Die Fed dürfte auch hier geldpolitisch stillhalten, das Marktvertrauen hinsichtlich der Preisentwicklung sich aber weiterhin auf eher dünnem Eis bewegen.

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