MarktTicker 43. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 19. bis 23. September 2020

    Diese Woche: Zahl der Corona-Neuinfektionen auf Rekordhoch

Lange Zeit zeigten sich die Kapitalmärkte nahezu unbeeindruckt von der stetig wachsenden Zahl an Corona-Neuinfektionen. Doch inzwischen haben nun auch in Deutschland die täglichen Fallzahlen die Werte aus dem Frühjahr überschritten. Aktuell scheint die Entwicklung eher noch an Dynamik zu gewinnen. So überschritt Spanien als erstes EU-Land die Marke von einer Million Infizierten. Die mit Blick auf die hohen Infektionszahlen dann doch eher gemäßigte Reaktion des Aktienmarkts ist auf eine geringere Sterblichkeitsrate als noch im Frühjahr, bessere Behandlungsmöglichkeiten und vor allem auf lokale Lockdowns zurückzuführen. Mitunter reicht dies zur Eindämmung des Virus jedoch nicht aus. Als erstes EU-Land sah sich deshalb Irland in dieser Woche gezwungen, einen zweiten Lockdown zu verkünden, wenn auch nicht komplett. Später folgte auch Tschechien. Viele Geschäfte sind geschlossen und Treffen mit anderen Haushalten untersagt, Schulen und Kindergärten blieben jedoch offen. Die weitere Pandemieentwicklung dürfte somit für größere Schwankungen am Kapitalmarkt sorgen. Flächendeckende Lockdowns würden die wirtschaftlichen Perspektiven wohl wieder verschlechtern.

London und Brüssel setzen Brexit-Verhandlungen fort

Die britische Regierung will die Gespräche mit der Europäischen Union wieder aufnehmen. Noch in der vergangenen Woche erklärte Boris Johnson die Verhandlungen für beendet. Dabei dürfte es sich wohl nur um eine spieltheoretische Taktik des britischen Premiers gehandelt haben, um den Druck auf die EU zu erhöhen. Chefunterhändler Barnier zeigte sich in dieser Woche auch tatsächlich kompromissbereiter, sodass dies als kleiner Sieg Johnsons zu werten ist. Ein No-Deal-Brexit wäre auch für Europa eine bittere Pille. Vorerst ist die Gefahr letztlich ohne Abkommen dazustehen etwas gesunken. Auch wenn die Übergangsfrist erst Ende des Jahres abläuft, bleibt nicht mehr viel Zeit für die Verhandlungen. Die Rede ist von rund zwei Wochen, denn anschließend muss der Vertrag noch von den nationalen EU-Parlamenten ratifiziert werden.

Vergebliches Warten auf ein US-Konjunkturpaket

Seit Wochen wechseln sich die Nachrichten bezüglich eines möglichen weiteren US-Konjunkturpakets ab. Immer wieder wird von einer Annäherung gesprochen, nur um kurze Zeit später wieder zu verdeutlichen, wie weit man doch in einigen Punkten voneinander entfernt sei. Wir rechnen nicht damit, dass vor der US-Wahl noch eine Einigung erzielt werden kann. Derzeit arbeiten die Demokraten und das Weiße Haus an einem Vorschlag. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Vorschlag dann seine Zustimmung im republikanisch geprägten Senat findet, ist jedoch äußerst gering. Sollte die Demokraten den aktuell prognostizierten Sieg nach Hause fahren, ist mit einem größeren Paket zu rechnen. Dies dürfte wohl aber erst nach der Amtseinführung des neuen Präsidenten – Ende Januar 2020 – verabschiedet werden.

    Aktien: Berichtssaison sendet ermutigende Signale

In dieser Woche legten eine Reihe an US-Unternehmen ihr Zahlenwerk für das dritte Quartal vor. Die „üblichen Verdächtigen“ glänzten erneut mit ihren Ergebnissen. So verbuchte Tesla abermals einen Quartalsgewinn und dürfte somit erstmals in seiner Firmengeschichte auch im Jahresbericht ein Plus ausweisen. Die Erwartungen der Marktteilnehmer waren aber noch höher, sodass die Aktie auf Wochensicht sogar leicht verlor. Doch auch Bankentitel überzeugten bislang durchweg, ebenso wie Werte aus dem Gesundheitssektor oder der Telekommunikationsbranche. Die Erholung auf der Gewinnseite der US-Unternehmen steht somit auf deutlich breiteren Füßen als bisher, was durchaus optimistisch stimmen darf. Von den bisher 133 Unternehmen des S&P 500, die bereits ihr Zahlenwerk präsentiert haben, konnten 84,2 Prozent die Gewinnerwartungen der Analysten übertreffen.

Europa fällt hinter die USA zurück

Mit diesen guten Zahlen im Rücken verwundert es nicht, dass sich der US-Aktienmarkt in der letzten Handelswoche besser entwickelte, als der von steigenden Corona-Neuinfektionen belastete europäische Markt. Auf Wochensicht verlor der Dow Jones 0,5 Prozent, der breiter gefasste S&P 500 0,9 Prozent an Wert. Der DAX gab hingegen etwas mehr als zwei Prozent ab. Zu den schwächsten Sektoren in Europa gehörten mit Technologie- und Gesundheitswerten jene Titel, die in der Gunst der Anleger lange vorn lagen. Aufwärts ging es für den Bankensektor und Werte aus der Telekommunikationsbranche.

    Renten: US-Schatzanweisungen auf höchstem Stand seit vier Monaten

Die Hoffnungen auf einen wie auch immer gearteten Stimulus für die US-Wirtschaft erhöhten leicht die Risikobereitschaft der US-Renteninvestoren. Staatsanleihen waren dementsprechend weniger gefragt. Die Rendite zehnjähriger US-Schatzanweisungen erhöhte sich auf 0,86 Prozent. Das ist der höchste Stand seit rund vier Monaten. In deren Schlepptau erhöhten sich auch die Renditen von Bundesanleihen. In der Vorwoche waren die Renditen der deutschen Papiere jedoch erst auf den niedrigsten Stand seit März gefallen.

Italien und Griechenland mit Neuemission

Anleihen aus den Peripherieländern blieben gefragt. Die Wertentwicklung von Papieren aus Italien und Griechenland war jedoch leicht negativ. Grund hierfür war die Ausgabe von jeweils einer langen Staatsanleihe. Bei kleinen Emittenten wie Griechenland war in den letzten Monaten schon des Öfteren zu beobachten, dass die bloße Ankündigung einer neuer Anleihe im Vorfeld zu Druck auf den Notierungen der umlaufenden Papiere führte. Für die griechische Anleihe im Umfang von zwei Milliarden Euro summierten sich die Zeichnungsaufträge auf 17 Milliarden. Im späteren Handel konnte aufgrund der hohen Nachfrage somit ein Großteil der Verluste schnell wieder aufgeholt werden.

Italien kam überraschend außerhalb des eigentlichen Turnus an den Markt. Das römische Schatzamt nutzte das gute Marktumfeld und sicherte sich das niedrige Zinsniveau. Auf Wochensicht kam es zu einem leichten Renditeanstieg.

      Ausblick auf die kommende Woche

In der kommenden Woche tagt die Europäische Zentralbank. Die zunehmenden konjunkturellen Abwärtsrisiken beginnen die Währungshüter unter Druck zu setzen. Zuletzt äußerten sich die einzelnen Mitglieder aber recht verhalten bezüglich weiterer Maßnahmen. Auf dem Treffen im Dezember werden die neuen wirtschaftlichen Projektionen veröffentlicht. Erfahrungsgemäß ist dann eher mit Maßnahmen zu rechnen.

Donnerstag wird die erste Prognose für das US-Wirtschaftswachstum im dritten Quartal vorgelegt. Hier wird mit einem kräftigen Anstieg gerechnet. Analysten rechnen mit einem annualisierten Wachstum von mehr als sieben Prozent. Freitag folgen dann die Zahlen aus Deutschland, die sich mindestens auf einem ähnlichen Niveau befinden sollten.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 23. Oktober 2020, soweit nicht anders angegeben.

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