Marktrückblick und -ausblick 2. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 10. bis 14. Januar 2022

    Diese Woche: Märkte trotzen globalen Konjunkturdaten

Dass die Omikron-Mutation wesentlich ansteckender als andere Corona-Varianten ist, spiegelte sich in dieser Handelswoche einmal mehr in den Inzidenzen wider. So meldete das Robert Koch-Institut einen neuen Höchstwert der Infektionen. Trotz der verschärften Maßnahmen von Bund und Ländern zieht der Wert der Corona-Neuinfektionen in Deutschland weiter an und kennt nur eine Richtung: nach oben. Gesundheitsminister Lauterbach geht davon aus, dass weitere Schritte notwendig sein werden, um Omikron in Schach zu halten. Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat der Impfstoffhersteller Biontech gemeinsam mit der Firma InstaDeep ein Frühwarnsystem entwickelt. Damit verfolgen die Unternehmen das Ziel bei der Entdeckung zukünftiger Virusvarianten einen Schritt voraus zu sein. Bereits bei der Virusvariante Omikron habe das System, welches auf künstlicher Intelligenz basiert, im Test funktioniert.

Im Hinblick auf die Konjunkturdaten wurde die zweite Handelswoche des Jahres 2022 insbesondere von Wirtschaftszahlen aus dem Euroraum, den USA und China beeinflusst. Die Märkte reagierten gelassen.

Arbeitslosigkeit in der Eurozone geht zurück

Zum Wochenbeginn wurde die Arbeitslosenquote in der Eurozone für November veröffentlicht. Jene sank gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 7,2 Prozent und erfüllte damit die Erwartungen der Volkswirte. Im Vergleich dazu ist die Arbeitslosenquote in der Europäischen Union (EU) im Oktober auf 6,5 Prozent gefallen.

Weiterhin teilte in dieser Woche das Münchner Ifo-Institut mit, dass sich knapp jedes siebte Unternehmen in Deutschland durch die Folgen der Corona-Pandemie in seiner Existenz bedroht fühle. Besonders gefährdet fühlen sich demnach Reisebüros und -veranstalter sowie Unternehmen aus der Veranstaltungswirtschaft. Mit 14 Prozent ist der Anteil der Unternehmen, die sich im Dezember in ihrer Existenz bedroht sehen genauso hoch wie bei der vergangenen Erhebung im Juni 2021. Bislang ist die befürchtete Pleitewelle in Deutschland allerdings ausgeblieben.

US-Inflation erreicht neuen Höchstwert

Die Verbraucherpreise in den USA stiegen auf den höchsten Stand seit 1982. Waren und Dienstleistungen legten im Dezember gegenüber dem Vorjahr um 7 Prozent zu, teilte das US-Arbeitsministerium mit. Marktteilnehmer und Analysten hatten im Vorfeld allerdings bereits mit einer derartigen Entwicklung gerechnet. Zuletzt verlangsamte sich der Anstieg etwas, da die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vormonat um 0,5 Prozent stiegen. Im November waren es noch 0,8 Prozent gewesen. Neben den Energie- trugen abermals die Gebrauchtwagenpreise und höhere Mieten zum Preisanstieg bei. Die Rate liegt damit nun noch deutlicher als zuvor über dem von der US-Notenbank gesetzten Inflationsziel von zwei Prozent.

Chinesische Erzeugerpreise steigen weiter an

Nachdem die chinesische Regierung zuletzt mit einigen Maßnahmen versucht hatte, den Anstieg der Erzeugerpreise einzudämmen, wurden in dieser Woche erste Erfolge sichtbar. Nach einem 26-Jahres-Hoch im Oktober verlangsamten sich diese erstmals. Ebenfalls das Plus der Verbraucherpreise fiel im Vergleich zum Vormonat geringer aus. So legte im Dezember der Preisindex für Hersteller im Vergleich zum Vorjahr um 10,3 Prozent zu. Im Gegenzug stiegen die Verbraucherpreise laut dem Statistikamt in Peking um 1,5 Prozent.

    Aktien: DAX umkämpft 16.000-Punkte-Marke

Zum Wochenauftakt belasteten der Ausverkauf bei amerikanischen Technologiewerten und steigenden Renditen am amerikanischen Bondmarkt, den Aktienmarkt. Die globalen Inflationsraten standen ebenfalls im Fokus der Anleger. Allerdings unterstützte der innerhalb der Markterwartungen liegende Inflationsbericht aus den USA den deutschen Aktienmarkt. So kehrte der deutsche Leitindex, DAX 40, zur Wochenmitte sogar zwischenzeitlich über die Marke von 16.000 Punkten zurück. Gegen Ende der Woche bewegte sich der DAX kaum und stagnierte um die 16.000 Punkte. Auch auf gesamter Wochenbasis entwickelte sich der Index lediglich mit einem Plus von unter einem Prozent.

Zu den Wochengewinnern am Frankfurter Parkett gehörten, stand Freitagvormittag, die Aktien des Konsumgüterherstellers Henkel (plus 8 Prozent) sowie die Deutsche Börse (plus 5 Prozent). Das Schlusslicht des deutschen Leitindex bildeten der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius (minus 12 Prozent) und der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers (minus 7 Prozent).

Mit Blick auf Europa und die Welt fiel der EURO STOXX 50 in dieser Woche leicht ab und startete den letzten Handelstag in dieser Woche mit einem Wochenergebnis von minus 0,5 Prozent. Der marktbreite STOXX Europe 600-Index verhielt sich nahezu identisch. Der Dow Jones verhielt sich ebenfalls eher verhalten und bewegte sich um die null Prozent. Im Vergleich dazu entwickelte sich der japanische Leitindex Nikkei etwas schlechter und fiel in dieser Woche rund ein Prozent ab.

Philips Aktie fällt nach Gewinnwarnung

Die Geschäftszahlen des niederländischen Medizintechnik-Konzern Philips waren deutlich rückläufig. Ursache sind die Folgen des Rückrufs von Millionen defekte Beatmungsgeräte. Darüber hinaus hat das Unternehmen mit Beschaffungsproblemen zu kämpfen, weshalb der Umsatz von Philips im vierten Quartal 2021 um zehn Prozent auf 4,9 Milliarden Euro eingebrochen ist. Selbst die zuletzt gesenkte Jahresprognose kann der Konzern nach einem schwachen Schlussquartal 2021 nicht mehr erfüllen. Dies führte auch dazu, dass die Erholungsansätze der Philips-Papiere aus den vergangenen Wochen zunichte gemacht wurden. Die Aktien hatten sich nach einer enttäuschenden Entwicklung im letzten Jahr im Dezember etwas erholt. Nun aber ist der Kurs wieder auf die Tiefs der vergangenen Jahre gefallen. Die Anleger reagierten mit Verkäufen, woraufhin die Aktie um 14 Prozent einbrach und zur Wochenmitte das Schlusslicht im europäischen Stoxx-600-Index bildete.

Delivery Hero kündigt schwarze Zahlen an

Positive Nachrichten veröffentlichte in dieser Woche unter anderem der Essenslieferant Delivery Hero. Der Lieferdienst investiert viel, schreibt aber seit Jahren Verluste. Nach Jahren des aggressiven Wachstums und tiefroter Zahlen, um Marktführer zu werden, versprach Konzernchef Östberg in dieser Woche eine zukünftige Wende. Laut dem Unternehmen möchte der im DAX vertretene Konzern im Bereich der Essenslieferungen auf operativer Ebene die Gewinnschwelle erreichen. Für das vierte Quartal 2022 erwartet Delivery Hero einen adjustierten Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibung (ber. Ebitda) zwischen 0 und 111 Millionen Euro. Zugleich kündigte Delivery Hero an, die Investitionen in den Bereichen rund um Zustellungen binnen Minuten (Quick Commerce) ab April schrittweise zurückzufahren. Zuvor sollten Beteiligungen und anderen strategischen Maßnahmen im ersten Quartal ihren Höhepunkt erreichen. Die Aktie reagierte auf die Meldung mit einem Kursplus von fünf Prozent.

About You stellt Quartalszahlen vor

Ebenso wie Delivery Hero macht auch About You im dritten Quartal weiter Verluste, da das Wachstum die Marge belastete. Allerdings konnte die digitale Modeplattform den Konzernumsatz im dritten Quartal um 48 Prozent auf mehr als 512 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal steigern. In Summe bedeutet das einen Anstieg des Neun-Monats-Umsatzes um fast 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr und auf mehr als 1,33 Milliarden Euro. Nach der Ankündigung am vergangenen Dienstag reagierte der Aktienkurs mit einem Auf und Ab. Nachdem der Titel zunächst zur Erholung ansetzte, sank dieser anschließend um knapp 3,6 auf rund 18 Euro.

    Renten: Causa Russland bremst vorerst den Renditeanstieg aus

An den US-Staatsanleihemärkten setzte sich der Renditeanstieg der vergangenen Wochen trotz der rekordhohen Inflation von sieben Prozent nicht weiter fort. Die Rendite von zehnjährigen US-Schatzanweisungen tendierte vielmehr seitwärts, was vor allem den Kommentaren der US-Notenbank Fed zu verdanken war. Die Währungshüter hatten die Marktteilnehmer bereits im Vorfeld auf eine weiterhin hohe Teuerungsrate vorbereitet. Zudem betonten Sie erneut ihre Bereitschaft, sich dem Inflationsdruck entgegenzustellen. Fed-Chef Jerome Powell hatte dabei zur Wochenmitte bei einer Anhörung vor dem Senats-Bankenausschuss beteuert, die Teuerung bekämpfen zu wollen, ohne dabei die Konjunktur abzuwürgen. Die explizite Betonung der Wirtschaft wurde von den Marktteilnehmern mit Erleichterung aufgenommen. Angesichts der jüngsten Erwartungen von vier Zinserhöhungen in diesem Jahr schwingt die Sorge mit, dass wir vor einer Art „Turbo-Zyklus“ stehen könnten. In diesem Szenario würden die kurzfristigen US-Zinsen schnell höher ausfallen als die langfristigen. Eine solch inverse Zinskurve hatte bislang fast immer eine Rezession zur Folge. Die Aussage von Powell lässt daher auf ein gesundes Augenmaß hoffen. Damit ist aber auch einmal mehr klar geworden, vor welch großen Herausforderungen die US-Währungshüter derzeit stehen.

Einseitige Positionierung und Russland bremsen Renditeanstieg auch im Euroraum

Im Euroraum setzte sich der Aufwärtstrend ebenfalls nicht weiter fort und es kam zu einer Art Konsolidierung. Wie auch in den USA sind die Marktteilnehmer sehr einseitig positioniert und setzten nahezu alle auf weiter steigende Renditen. In solch einem Umfeld reichen schon kleine Enttäuschungen bei eigentlich weniger wichtigen Konjunkturdaten aus, um Gewinnmitnahmen auszulösen. Der Angriff auf die Null-Prozentmarke bei zehnjährigen Bundesanleihen scheiterte damit zunächst. In der Spitze betrug die Rendite minus 0,02 Prozent.

Für eine gewisse Unterstützung sorgten auch die geopolitischen Spannungen mit Russland. Diverse Gesprächsrunden auf den unterschiedlichsten politischen Ebenen brachten keine Lösung. Putin wünscht sich eine Zusicherung der NATO, dass diese die Ukraine nicht in ihr Bündnis aufnehmen werden. Dazu war man jedoch auf Seiten der NATO nicht bereit. Unklar ist, wie nun die nächste Eskalationsstufe von beiden Seiten aussehen wird. Ein Angriff auf die Ukraine würde ein Ende der Gespräche bedeuten und wäre erst der letzte Schritt. Größere Marktimplikationen waren im Rohstoffsektor festzustellen. Die europäischen Gaspreise handelten in Abhängigkeit der Nachrichtenlage sehr volatil. Darüber hinaus stieg die Prämie für Ausfallversicherungen russischer Anleihen weiter an. Seit November hat sich der Wert inzwischen verdoppelt und ist somit Ausdruck einer steigenden Verunsicherung.

Ratingüberprüfungen von Spanien und Griechenland

Nach Handelsschluss stehen heute die ersten Ratingüberprüfungen des Jahres an. Dabei dürfte das Augenmerk auf Spanien und Griechenland liegen. Gerade für die Regierung in Athen wäre eine bessere Bonitätseinschätzung wichtig. Aktuell ist das Rating zu schlecht, um ab März vom EZB Ankaufprogramm APP zu profitieren.

Staaten und Unternehmen saugen sich mit Liquidität voll

Zum Jahresstart ist es üblich, dass sowohl Staaten als auch Unternehmen neue Anleihen emittieren. Aktuell werden aber ungewöhnlich viele neue Papiere begeben. Die Ratio dahinter ist jedoch verständlich. Angesichts einer perspektivisch immer geringeren Unterstützung der Währungshüter aufgrund eines abnehmenden Ankaufvolumens und der Gefahr weiterhin leicht steigender Renditen, ziehen viele Emittenten ihre Platzierungen vor. Bislang wurden die Neuemissionen gut aufgenommen. Vielfach waren die neuen Anleihen sogar deutlich überzeichnet. Bei der Emission einer zehnjährigen spanischen Staatsanleihe über zehn Milliarden Euro belief sich das Zeichnungsvolumen im Orderbuch auf 63 Milliarden Euro.

Boom am Immobilienmarkt verunsichert die Bankenaufsicht

Die Eigenkapitalausstattung der europäischen Banken ist in den letzten Jahren sukzessive angestiegen. Darüber hinaus hat sich die Kreditqualität stark verbessert. Somit befindet sich der europäische Bankensektor aktuell in einer guten Verfassung. Damit dies so bleibt, mahnt die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wegen der steigenden Immobilienpreise nun zur Vorsicht. Banken sollen bei der Kreditvergabe „vorsichtig“ agieren und sich mit zusätzlichen Rückstellungen gegen mögliche Ausfälle absichern. Allein im dritten Quartal 2021 sind die Hauspreise im Jahresvergleich um mehr als zwölf Prozent gestiegen. Bankanleihen reagierten hierauf gelassen.

    Ausblick auf die kommende Woche: EZB und deutsche Konjunkturdaten im Fokus

In der kommenden Handelswoche stehen eine Vielzahl konjunktureller Daten zur Veröffentlichung an. Die Woche startet mit einigen Zahlen aus China, unter anderem zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Zur Mitte der Woche tagt die Bank of Japan (BoJ). Außerdem erwarten wir vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Einschätzungen zur konjunkturellen Lage in Deutschland. Am Donnerstag liegt der Fokus dann auf dem Protokoll der jüngsten EZB-Sitzung („Minutes“). Beendet wird die dritte Woche des Jahres 2022 mit Einzelhandelsumsätzen aus dem Vereinigten Königreich (UK).

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 14. Januar 2022, soweit nicht anders angegeben.

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