MarktTicker 2. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 11. bis 15. Januar 2021

    Diese Woche: Deutsches BIP 2020, Koalition in Italien zerbricht und die 1,9 Billionen US-Dollar-Hoffnung in den USA

Deutschlands Bruttoinlandsprodukt 2020 ist der vorläufigen Schätzung des Statistikamtes zufolge mit minus fünf Prozent im Gesamtjahr 2020 etwas weniger geschrumpft als erwartet. In Italien ist die Regierungskoalition zerbrochen. In der kommenden Woche sollte sich zeigen, wie es dort weitergeht. Für positive Stimmung sorgte hingegen in den USA die Aussicht auf weitere Konjunkturhilfen. Der künftige US-Präsident Biden hat am Donnerstag weitere Maßnahmen im Umfang von 1,9 Billionen US-Dollar angekündigt. An den Aktienbörsen war in der Berichtswoche eine Konsolidierung zu beobachten. Der MSCI-World-Index lag am Freitag 0,6 Prozent im Minus. Der Handel mit Staatsanleihen aus Deutschland und den USA war von erhöhten Schwankungen geprägt. Letztlich zeigten sich die Renditen im richtungsweisenden Zehnjahresbereich aber gegenüber dem Vorwochenschluss kaum verändert.

Deutsches Bruttoinlandsprodukt etwas geringer als erwartet eingebrochen

2020 ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) der vorläufigen Schätzung des Statistikamtes zufolge um fünf Prozent eingebrochen. Es handelt sich um den kräftigsten Rückgang seit dem Jahr 2009 (Minus von 5,6 Prozent). Gleichwohl fiel der Rückgang weniger stark aus als zunächst befürchtet worden war, die schlimmsten Befürchtungen für den Jahresausklang 2020 sind somit nicht eingetreten. Trotz des neuerlichen Lockdowns hat die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal zwar Schrammen bekommen, aber sich offensichtlich besser geschlagen als erwartet. Den Unterschied macht insbesondere die gute Lage des verarbeitenden Gewerbes aus, auch dank der Erholung in China. Dies bildet ein starkes Gegengewicht zu den Einbußen in Teilen des Dienstleistungssektors. Selbst wenn eine Lockdown-Verlängerung und damit ein schwacher Jahresauftakt absehbar ist: Breit verfügbare Impfstoffe und eine wärmere Witterung werden früher oder später Lockerungen erlauben. Wir gehen von einer kräftigen Wachstumserholung ab dem zweiten Quartal aus. Nachholeffekte im Konsum sorgen dann für zusätzliche Dynamik. Wirtschaftssektoren, welche bis dahin nicht oder nur sehr eingeschränkt aktiv waren (Großveranstaltungen, Messen, Freizeitgestaltung, etc.) werden voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte ihr Angebot wieder sukzessive hochfahren können. Dank des erwarteten dynamischen Konjunkturverlaufs dürfte das BIP dann letztlich bereits Ende 2021 wieder sein Vorkrisenniveau erreicht haben.

Italien: Koalition zerbrochen

Die Mitte-Links-Regierung des parteilosen italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte ist Geschichte – zumindest vorübergehend: Der kleinste Partner des 2019 eingegangenen Regierungsbündnisses, Italia Viva (IV) von Ex-Ministerpräsident Matteo Renzi, hat seine zwei Ministerinnen aus dem Kabinett abgezogen. Damit fehlt Conte nun die nötige Mehrheit im Senat, um die von der Corona-Pandemie gebeutelte Wirtschaft des Landes mit einem großen Konjunkturprogramm zu stärken. Auslöser für den Rückzug von Italia Viva war der Streit über die Verwendung der Mittel aus dem EU-Wiederaufbaufonds. Nunmehr bleibt vorerst offen, wie es weitergehen wird. Neben einer Regierungsumbildung durch Conte stehen auch dessen Rücktritt sowie Neuwahlen zur Debatte. Letztere wären wohl in der augenblicklich durch Corona geprägten Lage der wohl schlechteste Weg. Die kommenden Tage werden mehr Klarheit bringen. Die Finanzmärke reagierten immerhin sehr verhalten auf die Ereignisse.

Weitere Wirtschaftshilfen in den USA vorgestellt

Mit einem weiteren fiskalischen Kraftakt in Höhe von 1,9 Billionen Euro will der künftige US-Präsident Joe Biden, der am kommenden Mittwoch um 12.00 amerikanischer Ostküstenzeit als 46. US-Präsident vereidigt werden soll, der amerikanischen Wirtschaft einen Wachstumsschub verleihen. Dabei soll es sich schwerpunktmäßig um Direkthilfen im Rahmen von Einmalzahlungen und Erweiterungen des Arbeitslosengeldes für die Amerikaner handeln. Weitere Transfers sollen für die Bekämpfung des Corona-Virus verwendet werden. Es ist allerdings fraglich, ob der neue US-Präsident angesichts der Mehrheitsverhältnisse sein Vorhaben wird durchsetzen können. Zumindest stehen die Chancen für einen Teil des Paketes nicht schlecht.

Wirtschaftsdaten: China mit guten Außenhandelsdaten

Darüber hinaus kamen in der Berichtswoche ermutigende Außenhandelsdaten aus China. Die Exporte waren im Dezember um 18 Prozent angestiegen. Die Importe legten vor allem durch Autos und HighTech-Produkte um sechs Prozent zu.

Die US-Inflation lag wie erwartet im Dezember bei plus 0,4 Prozent. Vor allem sorgten die Energiepreise für diesen Anstieg. Die um schwankungsreiche energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte Kernrate legte nur minimal um 0,1 Prozent zu. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg im üblichen Ermittlungszeitraum (Vorwoche) um 965.000 an und lag so über den Erwartungen der Analysten (789.000 im Konsens).

    Aktien: Konsolidierung auf hohem Niveau

An den Aktienmärkten war in der Berichtswoche weltweit eine uneinheitliche Entwicklung zu beobachten. Sowohl die asiatischen als auch die lateinamerikanischen Börsen lagen leicht im Plus. Die großen US- und auch die europäischen Aktienmärkte konsolidierten beziehungsweise tendierten hingegen leicht ins Minus. Bis Freitagvormittag verbuchten Frankreich (CAC40) und Großbritannien (FTSE 100) mit minus 1,1 beziehungsweise minus 1,6 Prozent die größten Verluste. DAX 30- und EUROSTOXX 50-Index lagen mit 0,8 und 0,5 Prozent leicht im negativen Terrain. Die US-Börsen zeigten sich vor dem Handelsstart am Freitag kaum verändert. Der MSCI-World-Index verlor 0,6 Prozent an Wert. Die Aussicht auf weitere Konjunkturhilfen in den USA und die Zunahme der Impfungen gegen das Corona-Virus lassen die Investoren weiterhin auf eine globale Konjunkturerholung setzen, trotz aktuell steigender Infektionszahlen und einer möglichen Ausweitung der Lockdowns in Europa.

Technologiewerte gesucht

Im für Europa marktbreiten STOXX Europe 600-Index (minus 0,2 Prozent) konnte in der Berichtswoche die Technologiebranche deutlich zulegen. Der Tech-Index gewann bis Freitagvormittag 2,0 Prozent hinzu. Der Taiwanesische Chip-Produzent TSMC hatte mit den Zahlen zum vierten Quartal die Erwartungen der Anleger übertroffen. Agenturmeldungen zufolge konnte das Unternehmen aufgrund einer hohen iPhone-Nachfrage einen Rekordumsatz vermelden. Darüber hinaus legten Gesundheitswerte (plus 1,9 Prozent) sowie der Automobilsektor (plus 1,5 Prozent nennenswert zu. Versorger (minus 2,5 Prozent) und der Einzelhandel (minus 1,8 Prozent) hatten branchenseitig die höchsten Verluste hinzunehmen.

    Renten: Nach Schwankungen kaum verändert

Zinskurven in Deutschland und den USA nahezu auf Vorwochenniveau

Der in der Vorwoche eingeläutete Renditeanstieg an den Staatsanleihemärkten setzte sich zunächst noch fort. Im weiteren Handelsverlauf haben sich dann die Ängste der Anleger hinsichtlich ansteigender Inflation etwas abgemildert. Geholfen hat auch, dass seitens der Fed derzeit keine Bestrebungen erkennbar sind, ein vorläufiges Ende der großzügigen Liquidität einzuleiten. Ein Ende der Anleiheankäufe (Tapering) scheint unwahrscheinlich. Dennoch bleibt genau zu beobachten, wie sich die geplanten Investitionsprogramme der US-Regierung sowohl auf das Wirtschaftswachstum als auch auf das Inflationsgeschehen und damit letztlich auf die US-Staatsanleihen auswirken werden. Zuletzt ließen die Inflationssorgen wieder etwas nach, da die Anleger davon ausgehen, dass sich die umfangreichen Hilfspakete nicht gänzlich werden durchsetzen lassen.

Am US-Markt kam die Zehnjahresrendite nach zunächst in der Spitze 1,15 Prozent im Wochenverlauf wieder zurück. Die US-Zinskurve war letztlich nahezu unverändert. Dies galt auch für Bundesanleihen beziehungsweise die deutsche Zinsstrukturkurve.

Nur geringer Renditeanstieg in Italien

In der Euro-Peripherie zeigte sich die Reaktion der Anleger in Bezug auf die italienische Regierungskrise sehr besonnen. Italienische Staatsanleihen kamen zwar etwas unter Druck, der Renditeanstieg blieb mit bis zu zehn Basispunkten Anstieg überschaubar. Wohl auch mit Blick auf die Anleiheankäufe der Europäischen Zentralbank zeigte sich der Markt somit eher gelassen. Die Anleger dürften auch eher damit rechnen, dass es dem italienischen Ministerpräsidenten gelingen wird, eine neue Regierung zu bilden und damit Neuwahlen zu verhindern. Auch in Spanien und Portugal blieben die Renditeanstiege sehr überschaubar. Eine neue spanische Staatsanleihe konnte in der Berichtswoche ordentlich bei den Investoren platziert werden. Auf Gesamtmarktebene (iBoxx Euro Sovereigns-Index) waren im Staatsanleihesektor in der Berichtswoche insgesamt leichte Verluste zu verzeichnen.

Im Unternehmensanleihesektor und im Bereich der Anleihen aus den Schwellenländern (EM) gab es wieder zahlreiche Neuemissionen. Bei Letzteren vor allem aus Lateinamerika. Der EM-Sektor gab in der Berichtswoche von den US-Treasuries ausgehend auf Indexebene leicht ab. Euro-Unternehmensanleihen mit Rating Investment Grade zeigten sich stabil.

      Ausblick auf die kommende Woche

In der neuen Berichtswoche findet die erste Sitzung der Europäischen Zentralbank im neuen Jahr statt. Nach dem umfangreichen Maßnahmenpaket im Dezember dürfte der EZB-Rat am Donnerstag eine eher abwartende Haltung einnehmen. Im Euroraum stehen zudem am Freitag die Markit-Einkaufsmanagerindizes zur Veröffentlichung an. Dem Dienstleistungssektor dürfte der Corona-Lockdown zusetzen. Darüber hinaus stehen zum Wochenauftakt weitere China-Daten an. Am Dienstag kommt zudem der ZEW-Index für Januar mit der aktuellen Lage und den Erwartungen in Deutschland. Und in den USA stehen einige Daten zum dortigen Häusermarkt an.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 15. Januar 2021, soweit nicht anders angegeben.

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