MarktTicker 44. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 26. bis 30. Oktober 2020

    Diese Woche: Lockdown lässt Anleger vorsichtig werden

Vor gut zwei Wochen sprach Kanzlerin Merkel von 19.000 möglichen Neuinfektion zu Weihnachten, nun vermeldet das RKI bereits für gestern mehr als 18.000 neue Fälle. Was Mathematiker schon längst wussten, exponentielles Wachstum ist für viele Menschen schwer vorstellbar. Die schnelle Zunahme hat, wie schon im Frühjahr, auch viele Marktteilnehmer überrascht. Schon zu Wochenbeginn zeichnete sich daher ab – was sich später auch bewahrheitete – ein zweiter Lockdown ist unumgänglich. In vielen Ländern Europas wurden daher die Eindämmungsmaßnahmen verschärft. In Frankreich etwa dürfen die Bürger nur noch eine Stunde am Tag das Haus verlassen. Neben den persönlichen Einschränkungen hat sich dadurch aber auch der wirtschaftliche Ausblick eingetrübt. Der Herbst hat gerade erst Fahrt aufgenommen und schon stehen viele Unternehmen vor großen Herausforderungen. Etlichen Kleinunternehmen droht sogar das Aus.

Neue Hilfen in Aussicht – Umfang aber geringer als im Frühjahr

Sowohl von geld- als auch fiskalpolitischer Seite darf mit weiterer Unterstützung gerechnet werden. Das Ausmaß der neuen Maßnahmenpakete dürfte kleiner ausfallen als im Frühjahr. Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Altmaier traten Donnerstag vor die Presse und kündigten Hilfen in Höhe von zehn Milliarden Euro an. Sie betonten, man wolle klotzen und nicht kleckern. Das Paket wird insbesondere die Sorgen der kleinen Unternehmen und Selbstständigen etwas mildern können, doch was folgt im Dezember? Auch in anderen europäischen Ländern wurden/werden weitere Maßnahmen verabschiedet.

EZB wartet noch ab, wird aber wohl im Dezember Anpassungen vornehmen

Wie von vielen Marktteilnehmern erwartet, hat die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer Sitzung am Donnerstag zunächst noch keine Änderungen an ihrer geldpolitischen Ausrichtung vorgenommen. Der Blick richtet sich vielmehr auf die Dezember-Sitzung. Dann werden dem Gremium die neuen Inflation- und Wachstumsprojektionen vorliegen, die schon in der Vergangenheit Basis für wichtige Entscheidungen waren. Kommunikativ – und das dürfte für die Finanzmärkte maßgeblich sein – wurde in dieser Woche aber bereits sehr deutlich die Basis für weitere geldpolitische Schritte auf der letzten Sitzung des Jahres gelegt. Im Zentrum der Maßnahmen dürfte das Ankaufprogramm (PEPP) stehen. Wir rechnen mit einer Verlängerung bis Ende 2021 und einer Erhöhung um 300 bis 500 Milliarden Euro. Denkbar sind auch Unterstützungsmaßnahmen für die Banken, beispielsweise mittels Anpassungen an den Tender-Konditionen (TLTRO), mit denen sich die Kreditinstitute Geld von der Zentralbank beschaffen können.

    Aktien: Europa führt die Verliererliste an

Die Reaktion an den Aktienmärkten auf das Infektionsgeschehen und neuerliche Lockdown-Maßnahmen fiel (per Stand Freitagmittag) deutlich aus. Anleger befürchten ein „Double Dip“, also ein zweites Abgleiten in eine Rezession innerhalb kürzester Zeit, und trennten sich von ihren Positionen. Während es in den Wochen zuvor nur langsam abwärts ging, kam in dieser Woche eine erhebliche Dynamik auf. Teilweise betrugen die täglichen Kursverluste des DAX mehr als vier Prozent. Auf Wochensicht summierten sich die Einbußen im deutschen Leitindex auf knapp neun Prozent. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass vor allem die europäischen Märkte Federn haben lassen müssen. Der breit diversifizierte STOXX Europe 600 Index verlor rund sechs Prozent an Wert. Aktien aus den USA gaben, gemessen am S&P 500 Index, nur vier Prozent nach. Titel aus Asien beendeten den Handel fast unverändert und verloren zur Vorwoche nur 0,2 Prozent. In Teilen Asiens, etwa in China oder Südkorea, blieb eine zweite Infektionswelle bislang aus. Aufgrund der stärkeren Überwachung der Bevölkerung lassen sich die Infektionsketten dort sehr gut nachvollziehen.

Aus Branchensicht war die Kurstafel in Europa ähnlich rot gefärbt wie die Corona-Inzidenzübersicht nach Landkreisen in weiten Teilen Deutschlands. Die größten Einbußen mussten Technologiewerte und Autoaktien hinnehmen. Gewinner gab es in dieser Woche keine. Etwas moderater fielen die Verluste bei Gesundheitswerten und Versorgern aus, lagen aber selbst dort noch bei knapp fünf Prozent.

SAP blickt skeptisch in die Zukunft

Im Rahmen der Berichtssaison zum dritten Quartal legten nun auch zahlreiche europäische Schwergewichte ihr Zahlenwerk vor. Angesichts der Infektionslage und des sich eintrübenden Ausblicks konnten viele Unternehmen mit ihren guten Zahlen für das Sommerquartal kaum punkten. Anleger legen viel größeren Wert auf die Weissagungen für die zukünftige Entwicklung. In dem ohnehin schon schwierigen Fahrwasser steuern viele Kapitäne auf Sicht. Corona vernebelt derzeit den Blick, sodass viele Firmenchefs vage bleiben. Konkret wurde SAP: Der Softwarehersteller gab eine Umsatz- und Gewinnwarnung heraus. Die Belebung der Nachfrage sei nach erneuten Einschränkungen des öffentlichen Lebens in einigen Ländern verhaltener ausgefallen als erwartet, hieß es in einer Ad-hoc-Mitteilung. Auch die mittelfristigen Ziele korrigierte das Management nach unten. Aktionäre reagierten verschnupft und schickten die Aktien auf Talfahrt. Montagmorgen fielen die Anteilsscheine um mehr als 21 Prozent unter die Marke von 100 Euro je Aktie. Dies war der größte Kursrutsch in den vergangenen 22 Jahren. Im Wochenverlauf gab die Aktie dann noch weiter nach und büßte in Summe gut 26 Prozent ein.

In den USA lag der Fokus auf den Zahlen der großen Technologie-Schwergewichte. Diese legten eigentlich ein sehr gutes Zahlenwerk für das Sommerquartal vor und konnten die Erwartungen der Analysten abermals übertreffen. Doch viele Marktteilnehmer preisen solche Überraschungen inzwischen ein. Während Alphabet nachbörslich noch zulegen konnte, gaben die Kurse von Amazon, Apple und Facebook trotz guter Zahlen sogar nach.

    Renten: Sichere Staatsanleihen dienen kaum als Absicherung

Gemessen an dem, was an den Aktienmärkten zu beobachten war, fielen die Kursveränderungen im Rentenbereich eher gering aus. Zwar war auch hier eine gewisse Risikoaversion erkennbar, die Ausschläge waren aber weitaus geringer. Sichere Staatsanleihen wie Bundesanleihen oder US-Schatzanweisungen handeln bereits auf derart niedrigen Renditeniveaus, dass das Interesse der Anleger gering war und sie nur bedingt eine Fluchtmöglichkeit für gebeutelte Aktionäre boten. Bei Bundesanleihen gingen die Renditen nur minimal zurück. Auf einem Niveau von -0,6 Prozent für zehnjährige Papiere mangelte es Anlegern schlichtweg an weiterer Kursfantasie, zumal auch die Notenbank nicht gewillt sein wird, den Leitzins noch weiter ins negative Terrain zu drücken. In den USA tat sich auf Wochensicht kaum etwas. US-Staatsanleihen waren zwar auch als Absicherung gesucht, doch gleichzeitig deutete sich ein möglicher Sieg von Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl an. Die Ratio dahinter: Biden hat ein umfangreiches Konjunkturprogramm versprochen, das die Wirtschaft ankurbeln sollte. Gleichzeitig will die US-Notenbank höhere Inflationsraten zulassen. Ein Umfeld, in dem die Renditen vermutlich steigen würden.

Peripherie- und Unternehmensanleihen halten sich gut

Im Rahmen eines solchen Marktumfeldes kamen Anleihen aus den Peripherieländern und von Unternehmen unter Druck. Dieses Mal fiel die Marktreaktion aber sehr moderat aus. Die Käufe der EZB stützen hier weiterhin. Papiere aus den Schwellenländern verbuchten im Wochenvergleich sogar Zuflüsse. Auch hier verlief die Kursentwicklung in Asien positiv.

      Ausblick auf die kommende Woche

Das Großergebnis der kommenden Woche ist zweifelsohne die Wahl zum nächsten US-Präsidenten am kommenden Dienstag. Ab etwa 1 Uhr nachts unserer Zeit wird es die ersten Ergebnisse geben. Spannend wird es gegen 2 Uhr, wenn das Wahlergebnis für Florida verkündet wird. Der Bundesstaat gilt als Schlüsselstaat um die Wahl zu gewinnen.

Donnerstag folgt dann noch die Sitzung der Bank of England. Analysten erwarten eine Ausweitung des Ankaufprogramms.

Zum Wochenabschluss folgt der wichtige US-Arbeitsmarktbericht. Da die US-Wirtschaft an Dynamik verliert, dürfte sich auch der Beschäftigungsaufbau leicht abschwächen.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 30. Oktober 2020, soweit nicht anders angegeben.

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