Marktrückblick und -ausblick 22. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 31. Mai bis 04. Juni 2021

    Diese Woche: Inflation in Deutschland legt weiter zu

Die Preissteigerung sowohl in Deutschland als auch im gesamten Euroraum setzt sich fort. Die Anstiege basieren auf vorübergehenden Effekten: So hatten Sonderfaktoren wie Corona-bedingte Verzerrungen oder die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung entsprechenden Einfluss auf die Preisentwicklung. Deshalb rechnen wir nach einem weiteren erwarteten höheren Anstieg ab 2022 mit rückläufigen Raten knapp unterhalb des Zielwertes der EZB von um die zwei Prozent.

Die Aktienbörsen zeigten sich entsprechend unbeeindruckt, DAX 30, MDAX und Co. erreichten in der Berichtswoche zwischenzeitlich neue Hochs. Die Staatsanleihemärkte entwickelten sich verhalten, die US-Renditen stiegen ein wenig an. Der Konjunkturoptimismus ließ die Notierung für das Barrel Öl der Sorte Brent auf 72 US-Dollar und damit auf ein Dreimonatshoch steigen.

Deutsche Teuerung bei Jahresrate von 2,4 Prozent (EU-harmonisiert)

Die Inflation in Deutschland legte im Mai weiter zu und zog im Monatsvergleich um 0,3 Prozent an. Dies entspricht einer Jahresrate von 2,4 Prozent (EU-harmonisiert). Doch übergroße Sorge ist fehl am Platz. Die höheren Preise zeigen nur, dass das Geld bei den Konsumenten wieder locker sitzt und sich die Nachfrage derzeit schneller als das Angebot belebt.
Auch sollten die monatlichen Wasserstandsmeldungen nicht überinterpretiert werden. Die Inflation wird durch die Corona-Folgen wohl noch länger verzerrt bleiben. Im Herbst dürfte bei knapp vier Prozent der Höhepunkt der Teuerung erreicht sein. Die Ursache dafür sind einerseits die gestiegenen Energiepreise. Andererseits fällt dann zudem der Effekt der reduzierten Mehrwertsteuer aus dem zweiten Halbjahr 2020 ins Gewicht. Diese und weitere Faktoren laufen aber in der ersten Hälfte 2022 aus. Wir erwarten dann eine deutlich niedrigere Inflationsrate, die sich dann auf dem Niveau unterhalb des Ziels der Europäischen Zentralbank (EZB), das bei knapp zwei Prozent liegt, dann befinden dürfte.

Somit kann die EZB auf ihrer nächsten Ratssitzung am 10. Juni gelassen bleiben. Wir erwarten, dass diese den mittelfristigen Inflationsausblick weitgehend unverändert lässt, aber nach wie vor auf Konjunkturrisiken hinweist.

Die Zentralbank wird daher darauf hinwirken, die Finanzierungsbedingungen weiterhin günstig zu gestalten. Ob dies mit einem etwas langsameren – oder einem unwahrscheinlich schnelleren – Tempo bei den Anleihekäufen einhergeht als bisher, wird die EZB von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung und dem Inflationsausblick abhängig machen. Damit hält sie sich alle Möglichkeiten für die kommenden Monate offen. Darüber hinaus kann sie deutlich machen, dass ein eventuell gedrosseltes Tempo der Anleihekäufe in den nächsten Monaten nicht mit einem sogenannten „Tapering“ – der schrittweisen Drosselung der Anleihekäufe auf null – misszuverstehen ist. Im Euroraum stieg die Inflationsrate im Mai von 1,6 auf 2,0 Prozent und lag damit etwas über dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (unter bzw. nahe 2,0 Prozent).

Konjunkturdaten

In den USA schloss sich am Freitagnachmittag der Vorwoche der PCE-Deflator, der für die US-Notenbank Fed eine wichtige Rolle bei der Inflationseinschätzung spielt, im April mit erhöhten Werten dem zuletzt ansteigenden Inflationstrend an. Mit 3,6 Prozent gegenüber Vorjahreswert lag der Anstieg deutlich über den Erwartungen (2,3 Prozent). Allerdings ändert dies nichts an unserer derzeitigen Einschätzung: Die US-Notenbank wird auch hier großzügig „hindurchsehen“ und die Entwicklung als vorübergehend betrachten, zumal keine mahnenden Stimmen aus der Fed zu vernehmen waren.

Die deutschen Einzelhandelsumsätze zeigten sich im April gegenüber dem Vormonat mit minus 5,5 Prozent deutlich schwächer als erwartet (minus 2,5 Prozent). Die „Bundesnotbremse“ im Kampf gegen Corona hat hier ihre Spuren hinterlassen.

Die in der Berichtswoche veröffentlichten chinesischen Einkaufsmanagerindizes lagen insgesamt soweit im Plan.

Stabil zeigte sich der amerikanische ISM-Index für das produzierende Gewerbe. Lieferprobleme und der Mangel an Arbeitskräften zeigen aber in den Subkomponenten auf, dass sich die Lage derzeit etwas differenzierter darstellt, als es der eigentliche Punktestand (61,2 Punkte) darlegt. Das Pendant für die Dienstleistungen stieg hingegen unerwartet von 62,7 auf 64 Punkte (erwartet 63,2) an und erzielte dabei einen Höchststand.

Die Anzahl der in der Vorwoche gestellten Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe blieb mit 377.000 weiter unter der 400.000er-Marke. Um einiges unter der Konsensschätzung lag die Zahl der im Mai neu geschaffenen Arbeitsplätze (non farm payrolls). 559.000 neue Jobs wurden in den USA registriert, die Erwartungen lagen bei 675.000.

    Aktien: Neue Höchststände bei DAX 30 und Co.

An den Aktienbörsen hielt in der Berichtswoche der positive Grundton an. DAX 30, MDAX, STOXX Europe 600-Index sowie der MSCI-World-Index konnten zwischenzeitlich Höchststände erklimmen. Der DAX 30 beispielsweise erzielte am 1. Juni mit 15.685 Punkten ein neues Allzeithoch. Im weiteren Verlauf der Woche legten die Märkte dann aber eine Verschnaufpause ein, die im Wesentlichen auf die Unsicherheit hinsichtlich des weiteren Kurses in der US-Geldpolitik zurückzuführen war. Im Vergleich zum Vorwochenschluss hielten sich die weltweiten Indexveränderungen bis Freitagvormittag und damit vor den am Nachmittag erwarteten richtungsweisenden US-Arbeitsmarktdaten, in recht engen Grenzen und schwankten um die Nulllinie. Der MSCI-World-Index verlor 0,2 Prozent. Fester tendierten die Aktien aus den Schwellenländern Lateinamerikas, der entsprechende Index legte um 4,4 Prozent zu. Mit minus 0,9 Prozent tendierten hingegen US-Technologieaktien (Nasdaq-Index) etwas schwächer. Zuletzt waren hauptsächlich zyklische Papiere bei den Anlegern gefragt.

Automobilwerte gesucht

Dies zeigte sich vor allem in der Branchenentwicklung, bei der der Automobilsektor mit Abstand die größten Zugewinne verbuchen konnte. Der Sektor Auto und Parts gewann in der Berichtswoche 5,2 Prozent hinzu. Es folgten Papiere aus der Öl- und Gasbranche. Einhergehend mit dem Anstieg des Ölpreises stieg dieser Bereich um 2,8 Prozent an. Weit abgeschlagen mit einem Minus von 2,7 Prozent lagen die als defensiv eingestuften Versorgerpapiere in der Berichtswoche an letzter Stelle.

Der Branchenentwicklung entsprechend lagen im DAX 30 gleich vier Automobiltitel vorne. Die Aktien von BMW, Continental, Volkswagen und Daimler gewannen zwischen neun und vier Prozent hinzu.

    Renten: Leichter Anstieg der US-Renditen

Insgesamt fortgesetzt gute Konjunkturdaten haben in den USA zu leicht steigenden Renditen geführt. Auf der US-Zinskurve stiegen vor allem die Fünfjahresrenditen (plus vier Basispunkte) im Wochenverlauf am stärksten an. Ansonsten blieben die Zinsveränderungen sehr überschaubar.

Dies galt auch für den Euroraum. Die richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihen traten auf der Stelle. Die deutsche Zinskurve lag nahezu unverändert. Die Risikoprämien der Peripherieländer tendierten weitestgehend seitwärts. Letztlich sahen wir eine vergleichsweise ruhige Woche an den Rentenmärkten.

Neuigkeiten gab es hinsichtlich der bevorstehenden Neuemissionstätigkeit im Rahmen der Next Generation EU (NGEU). So will die EU noch im laufenden Jahr neue Anleihen im Gegenwert von 80 Milliarden Euro am Markt platzieren. Dazu kommen noch T-Bills im Umfang von bis zu 20 Milliarden Euro, sodass der Markt bis Jahresende zusätzliche Neuemissionen für rund 100Milliarden Euro verkraften muss. Die erste gemeinsame EU-Anleihe soll im Juni an den Markt kommen und zehn Milliarden Euro umfassen.

    Ausblick auf die kommende Woche

Die mit Spannung erwartete Sitzung der Europäischen Zentralbank dürfte am Donnerstag keine neuen Aufschlüsse über einen bevorstehenden Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik geben. Somit sind keine konkreten Ausstiegssignale zu erwarten. Aktuell befassen sich weltweit die Zentralbanken angesichts der wirtschaftlichen Erholung mit dieser Thematik. Der Fokus der EZB wird wohl auf der Ausgestaltung der zuletzt erhöhten Anleiheankäufe liegen.

Bezüglich der Konjunkturdaten wird am Montag der Auftragseingang der deutschen Industrie bekanntgegeben. Angesichts des Mangels an Vorprodukten, die Lieferketten machen weiterhin Probleme, ergibt sich bezüglich der Schätzungen ein erheblicher Rückgang im Vergleich zum Vormonat.

Am Donnerstag werden in den USA die Verbraucherpreise bekanntgegeben. Nach dem starken Anstieg im April wird auch für Mai mit einer kräftigen Preissteigerung gerechnet. Neben Hotelübernachtungen und Flugpreise im Rahmen der Corona-bedingten Lockerungen dürften auch Produktionsengpässe hierfür in erster Linie verantwortlich gewesen sein.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 4. Juni 2021, soweit nicht anders angegeben.

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