Marktrückblick und -ausblick 24. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 13. bis 17. Juni 2022

    - Diese Woche: Märkte von vielen Seiten unter Druck

    - Aktien: Deutliche Kursreaktionen durch geldpolitische Entscheidungen

    - Renten: Zinserhöhungsreigen setzt sich fort (außer in Japan)

    - Ausblick: Täglich neue Wirtschaftsdaten erwartet

    Diese Woche: Märkte von vielen Seiten unter Druck

Eine ereignisreiche Woche geht zu Ende und die Nachrichtenlage ist zurzeit alles andere als erfreulich. Der Start in die Woche war schon turbulent genug, denn die Renditen von Staatsanleihen hatten bereits am Montag (und dem vergangenen Freitag) den stärksten Zwei-Tages-Anstieg seit Jahrzehnten erlebt. Hauptgrund ist die unerwartet hohe US-Inflation, die Ende der vergangenen Woche veröffentlicht wurde. Die Verbraucherpreise in den USA haben sich im Mai gegenüber Vorjahr um 8,6 Prozent verteuert und lagen über den Erwartungen von 8,3 Prozent. Die Anleiherenditen von US-Staatsanleihen stiegen daraufhin sprunghaft an, was auch die Aktienbörsen unter Druck setzte. Die negativen Überraschungen bei den Daten zu Inflation und Inflationserwartungen der privaten Haushalte vom vergangenen Freitag waren dann auch für die Fed ganz offensichtlich zu viel: Die Kapitalmärkte mussten erneut Zinserhöhungen in mehreren Ländern verkraften, allen voran das starke Signal der US-Notenbank Fed, die den US-Leitzins um satte 75 Basispunkte nach oben schraubte und damit den größten Zinsschritt seit 1994 ging. Da die Fed noch weit von ihrem Inflationsziel entfernt ist, kündigte sie weitere Zinsschritte an.

Zur Wochenmitte setzte auch die Europäische Zentralbank zudem überraschend eine Sitzung an, um zu besprechen, wie sie den starken Renditeanstieg italienischer Staatsanleihen bekämpfen kann. Der Renditeabstand zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen, ein wichtiger Indikator für den Euroraum - stieg auf den höchsten Stand seit Mai 2020. Es kamen ungute Erinnerungen an die Eurokrise in den Jahren 2009/2010 auf.

Als ob dies nicht schon genug der schlechten Nachrichten wäre, legte Russland in der zweiten Wochenhälfte noch einmal nach. Der staatliche Gaskonzern Gazprom hat in zwei Schritten seine Gaslieferungen nach Europa (und insbesondere Deutschland) gedrosselt, angeblich wegen technischer Probleme. Da der Gaspreis daraufhin kräftig zulegte, freut sich Russland über stabile Umsätze trotz niedrigeren Gasabsatzes. Leidtragende sind die europäische Industrie und die Verbraucher. Entsprechend deutlich gaben die Aktienkurse der europäischen Versorger und energieintensiven Industrietitel nach.

Gegen Wochenende gab auch noch die Schweizerische Nationalbank überraschend eine Zinserhöhung von 50 Basispunkten bekannt. Am gleichen Tag folgte noch die Bank of England, die einen weiteren Schritt von 0,25 Punkte auf 1,25 Prozent machte. Das Signal, das hiervon ausgeht, ist klar: Die Notenbanken wollen die Inflation beherzt bekämpfen, doch befürchten die Märkte, dass sie übers Ziel hinausschießen und das Wachstum abwürgen könnten.

    Aktien: Deutliche Kursreaktionen durch geldpolitische Entscheidungen

Aufgrund der Zins- und Rezessionssorgen starteten die Aktienmärkte bereits zum Wochenstart negativ in die aktuelle Handelswoche. Besonders der Volatilitätsindex auf den S&P 500 stieg kräftig an. Vor dem Hintergrund anhaltend sinkender Kurse sprachen Experten zunehmend von einem Bärenmarkt.

Nach den deutlichen Zinsschritten der internationalen Notenbanken im Kampf gegen die hohe Inflation konnte sich die Stimmung an den Aktienmärkten auch im weiteren Verlauf der Woche nicht verbessern. Die starke Abwärtsbewegung an den europäischen Börsen, die nur kurz zur Wochenmitte unterbrochen wurde, setzte sich zum Ende der Woche mit Vehemenz fort. Erstmals seit Anfang 2021 fiel der Dow Jones Industrial Average sogar wieder unter die 30.000er Marke. Am stärksten gebeutelt war der technologielastige Nasdaq. Die negative Entwicklung zeigte sich unter anderem auch in Indizes wie beispielsweise dem DAX 40 (minus 4,3 Prozent), EURO STOXX 50 (minus 3,8 Prozent), S&P 500 (minus 8,7) und dem asiatischen Hang Seng (minus 3,3) (Stand Freitagvormittag).

H&M setzt Erholungskurs von der Corona-Pandemie fort

Gute Nachrichten lieferte in dieser Woche der Modekonzern Hennes & Mauritz (H&M). Das Unternehmen hatte sein Wachstum zwischenzeitlich wegen der Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und der Lockdowns in China verlangsamt. Im zweiten Geschäftsquartal (bis Ende Mai) kletterte der Umsatz im Jahresvergleich jedoch um 17 Prozent auf 54,5 Milliarden Schwedische Kronen (5,1 Mrd. Euro), wie das Unternehmen am Mittwoch in Stockholm mitteilte. Damit übertraf es die Erwartungen der Analysten. Seine vollständigen Halbjahreszahlen will der Konzern am 29. Juni vorlegen.

Online-Modehändler unter Druck

Während H&M sein Wachstum fortsetzen konnte, bewegten sich unter anderem die Onlinemodehändler Zalando und ASOS deutlich im Minus. Letztere verloren nach einer Gewinnwarnung zeitweise 28 Prozent und fielen auf den tiefsten Stand seit August 2010. Während der Corona-Pandemie waren es besonders jene Online-Modehändler, die von den Lockdowns profitierten und Kursgewinne erzielten. Laut Experten sind die negativen Entwicklungen dieser Firmen auf die steigenden Preise für Nahrungsmittel und Energie zurückzuführen. Aufgrund der hohen Inflation geben die Verbraucher in der Regel weniger Geld für Mode- und Luxusartikel aus.

Windturbinenhersteller Nordex verliert seine Position im SDax

Nach einem Hackerangriff musste Nordex seinen Platz im Kleinwerte-Index SDax vorübergehend aufgeben. Aufgrund der Cyberattacke konnte der Konzern seine Quartalszahlen nicht rechtzeitig publizieren und verschob diese auf kommenden Dienstag. Da die Deutsche Börse aber eine Mitteilung der Ergebnisse innerhalb von 75 Tagen nach Quartalsende vorsieht, wird der Windturbinenhersteller am kommenden Montag aus dem SDax als auch aus dem TecDax ausgeschlossen. Für Nordex besteht nach Veröffentlichung der Quartalszahlen aber wieder die Chance, in die Indizes zurückzukehren.

    Renten: Zinserhöhungsreigen setzt sich fort (außer in Japan)

In der Berichtswoche kam es an den Staatsanleihemärkten erneut zu Verlusten. In Europa stieg die richtungsweisende zehnjährige Bundrendite zeitweise bis auf 1,75 Prozent und lag Freitagmittag mit 1,64 Prozent um 14 Basispunkte höher als zum Vorwochenschluss. Die deutsche Zinsstrukturkurve verschob sich über sämtliche Laufzeiten nach oben. Der Renditeanstieg fiel am deutlichsten im Bereich zwischen drei Monaten und einem Jahr aus, da sich die restriktivere Geldpolitik in erster Linie am kurzen Ende der Kurve auswirkt. Dort stiegen die Renditen um bis zu 27 Basispunkte und damit fast doppelt so stark wie am langen Ende.

Nachdem der Rentenmarkt den Zinsschritt der Europäischen Zentralbank vom Ende der vergangenen Woche verdaut hatte, stieg in den letzten Tagen die Anspannung bis zum Zinsentscheid der US-Notenbank Fed wieder an. Dabei waren die Erwartungen in Bezug auf die Höhe des Zinsschritts bereits hoch. Angesichts der hartnäckigen US-Inflation von 8,6 Prozent im Mai war klar, dass die Fed auf ihrer Offenmarkt-Sitzung Nägel mit Köpfen machen würde. Am Mittwochabend hob sie dann das Zielband für die Fed Funds Rate deutlich um 75 Basispunkte auf 1,50 bis 1,75 Prozent an. An der anhaltend hohen US-Inflation sollte dieser Zinsschritt nach unserer Ansicht erst einmal nichts ändern. Doch dürfte es der Fed argumentativ schwer fallen, bereits bei ihrer nächsten Sitzung im Juli wieder einen gemäßigteren Schritt von 50 Basispunkten zu machen. Die Unsicherheit über den weiteren Zinspfad – sowohl bezüglich des Ausmaßes der Schritte, als auch bezüglich des Höhepunktes im Zinszyklus – ist spürbar gestiegen. Vor diesem Hintergrund und unserer Prognose einer noch länger anhaltenden hohen Inflation sehen wir ein Risiko, dass die Fed mit ihrer Zinspolitik überschießt und das US-Wachstum zu stark belastet.

Am US-Staatsanleihemarkt kam es in der Berichtswoche zu Einbußen, jedoch hielt sich der Renditeanstieg am langen Ende in Grenzen. US-Schatzanweisungen mit Fälligkeit in zehn Jahren rentierten am Freitagmittag bei 3,2 Prozent und damit nur rund sechs Basispunkte über der Vorwoche. Die Zinskurve versteilerte sich aber über die kurzen Laufzeiten bis drei Jahre. Der stärkste Renditeanstieg fand im Einjahres-Bereich statt, hier zog die Rendite um rund 43 Basispunkte auf 2,95 Prozent an. Im Segment zwischen drei und zehn Jahren ist die US-Zinskurve zurzeit sogar invers.

Überraschende EZB-Krisensitzung

In Europa setzte die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch überraschend eine Sondersitzung an, nachdem die Renditen italienischer Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit zum ersten Mal seit 2014 die vier-Prozent-Marke überschritten hatten. Der Renditeaufschlag gegenüber den laufzeitgleichen Bundesanleihen war bis Anfang dieser Woche auf etwas mehr als 220 Basispunkte geklettert, so stark wie seit April 2020 nicht mehr. Die EZB gab nach der Sitzung bekannt, dass sie in Zukunft die Mittel aus fälligen Anleihen ihres PEPP-Anleihe-Ankaufprogramms flexibel reinvestieren wird, um die Peripherieländer zu unterstützen. Zudem sei ein neues geldpolitisches Instrument in Planung. Hierdurch soll die sogenannte Fragmentierung des Euro-Rentenmarktes verhindert oder zumindest abgemildert werden. Daraufhin erholten sich Anleihen aus den Peripherieländern zumindest zeitweise. Immerhin sind die Renditen von italienischen Staatsanleihen in den längeren Laufzeiten im Wochenvergleich gefallen, beispielsweise im zehnjährigen Bereich von 3,95 auf 3,65 Prozent.

Japan tanzt aus der Reihe

Japans Zentralbank hält trotz steigender Inflation und Yen-Schwäche an ihrer lockeren Geldpolitik fest. Während fast alle anderen Zentralbanken weltweit auf Straffungskurs sind, gab die Bank of Japan (BoJ) wie erwartet heute nach ihrer turnusmäßigen Sitzung bekannt, ihre geldpolitischen Instrumente vorerst unverändert zu lassen. Der kurzfristige Zinssatz bleibt bei minus 0,1 Prozent und der langfristige bei etwa null. Die BoJ führt zudem ihre Käufe von Staatsanleihen und Aktien fort. Damit will sie die wachstumsschwache Wirtschaft unterstützen. Die Inflation in Japan ist zwar auch gestiegen, aber vor allem aufgrund der hohen Energiepreise. Ansonsten fällt der Preisdruck in Japan immer noch niedrig aus.

Euro-Unternehmensanleihen sowie Schuldverschreibungen aus den Schwellenländern konnten sich dem Abwärtstrend auch in dieser Woche nicht entziehen. Das inflationäre Umfeld und das Gegensteuern der Notenbanken führten in der Berichtswoche in beiden Marktsegmenten zu Verlusten, die Risikoprämien (Spreads) weiteten sich dabei etwas aus.

Der Euro fiel im Wochenverlauf zum US-Dollar um einen Cent auf 1,05 US-Dollar je Euro. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung in der Euro-Peripherie insbesondere mit Blick auf Italien und die geplanten EZB-Maßnahmen im Kampf gegen die Fragmentierung dürften weiter für Zurückhaltung gegenüber Euro-Anlagen sorgen. Ganz zu schweigen von dem beherzten Zinsschritt, den die Fed am Mittwoch gegangen ist.

    Ausblick auf die kommende Woche: Täglich neue Wirtschaftsdaten erwartet

In der kommenden Woche erwarten uns eine Vielzahl von Wirtschaftskennzahlen. Die Woche startet mit den aus Deutschland veröffentlichten Produzentenpreisen. Am Mittwoch wird dann mit Spannung der Verbraucherpreisindex aus dem Vereinigten Königreich erwartet. Gegen Ende der Woche steht der ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland im Fokus. Aufgrund der anhaltenden Probleme infolge der hohen Inflationszahlen und Energiepreise sowie gestörten Lieferketten, Materialengpässen, Arbeitskräftemangel und zunehmenden Zinsbelastungen wird es im zweiten Quartal nicht einfacher für die deutsche Wirtschaft werden. Vor diesem Hintergrund dürfte der ifo-Index auch im Juni auf einem niedrigen Niveau verharren.

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 17. Juni 2022, soweit nicht anders angegeben.

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