Marktrückblick und -ausblick 41. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 11. Oktober bis 15. Oktober 2021

    Diese Woche: Schwach begonnen, stark geschlossen

Zu Wochenbeginn setzte sich der Trend der Vorwoche zunächst noch fort, bei dem sowohl Aktien als auch Renten unter Druck gerieten. Viele Anleger zeigten sich weiter besorgt über die rasant steigenden Preise. Das Thema Inflation ist dabei längst zu einem globalen Problem geworden. In den USA betrug die Teuerungsrate im September im Jahresvergleich 5,4 Prozent und lag damit den fünften Monat in Folge bei mindestens fünf Prozent. Die Ursachen für den Preisanstieg sind inzwischen vielfältig. Neben den Energiekosten ziehen auch Mieten und die Lebensmittelpreise merklich an. In China erreichten die Erzeugerpreise mit einem Zuwachs von 10,7 Prozent sogar ein 26-Jahreshoch. Aufgrund der zuletzt eher schwachen chinesischen Konjunkturdaten werden die Preissteigerungen bislang noch nicht an den Verbraucher weitergegeben. Zusammen mit sinkenden Lebensmittelpreisen stiegen die Verbraucherpreise in China daher nur um 0,7 Prozent an. Doch auch in Lateinamerika, etwa in Peru, kommt zunehmend Inflationsdruck auf. Aktionäre fürchteten daher einen Mix aus schwachem Wachstum bei zugleich steigenden Preisen. Renteninvestoren wiederum sahen sich möglichen Zinserhöhungen der Notenbanken gegenüber.

Auch wenn es an der Datenfront keine Trendwende gab, so wechselte zur Wochenmitte doch der Blickwinkel. Die Marktteilnehmer begannen sich zu fragen, ob die Notenbanken angesichts der zuletzt schwächeren Wirtschaftsdaten perspektivisch überhaupt größere Zinserhöhungen vornehmen könnten. Darüber hinaus betonten die Zentralbanker, dass der Teuerungsdruck deutlich nachlassen würde, sobald sich die Lieferproblematik auflösen würde. Hoffnung auf eine Trendwende machten in diesem Zusammenhang die leicht fallenden Preise für Container. Prompt änderte sich die Interpretation der Marktteilnehmer und es kam zu einer deutlichen Erholungsbewegung.

Brexit: London und Brüssel verhandeln über Nordirland-Protokoll

Der Konflikt um das Nordirland-Protokoll schwelt bereits länger. Um eine harte Grenze auf der irischen Insel zu vermeiden, gelten in Nordirland weiterhin die Regelungen der Europäischen Zollunion sowie die EU-Standards für landwirtschaftliche und industrielle Güter. Waren, die von den anderen Landesteilen Großbritanniens importiert werden, müssen in Nordirland kontrolliert werden. Das kommt einer Grenze in der Irischen See gleich. Großbritannien weigert sich daher, das Nordirland-Protokoll in seiner jetzigen Form zu implementieren. Stattdessen fordert die Regierung Johnson fundamentale Änderungen, vor allem die Einführung des Vertrauensgrundsatzes bei Warenkontrollen und den Wegfall der Kompetenzen des Europäischen Gerichtshofs bei der Durchsetzung des Protokolls. Die EU lehnt solch weitreichende Änderungen ab und legte in dieser Woche ihrerseits Vorschläge für eine flexiblere Implementierung des Protokolls vor.

Zum einen soll der Hygienecheck für Pflanzen und frisches Fleisch bei der Einfuhr nach Nordirland entfallen. Das würde in der Praxis bedeuten, dass für einen Container mit 100 verschiedenen Produkten nur noch ein Sammelzertifikat notwendig wäre – statt wie bisher 100. Zum anderen sollen Einfuhren von Industriegütern und Arzneimitteln erleichtert werden. Darüber hinaus sollen die Nordiren stärker in die Verhandlungen mit einbezogen werden. Trotz dieses deutlichen Entgegenkommens der Staatengemeinschaft, hat Großbritannien bereits signalisiert, dass die europäischen Zugeständnisse nicht weit genug gehen. Vor allem bleibt die Rolle des Europäischen Gerichtshofs von den Brüsseler Vorschlägen unangetastet. An diesem Freitag beginnen nun die Verhandlungen mit dem Ziel, sich bis zum Jahresende zu einigen.

    Aktien: Berichtssaison beflügelt

Aktien profitierten ab der Wochenmitte von fallenden Renditen einerseits und dem Beginn der Berichtssaison andererseits. In den USA legten Bankaktien als erste ihre Ergebnisse vor. Diese fielen durchweg über den Erwartungen aus und ließen Anleger auf eine allgemein gute Berichtssaison hoffen. Alle Bankvorstände, die ihr Zahlenwerk kommentierten, gehen davon aus, dass wir uns nur in einer vorrübergehenden Phase mit höheren Teuerungsraten befinden. Sobald sich die Lieferprobleme auflösen würden, kämen die Preise auch deutlich zurück, hieß es. US-Präsident Biden gab bekannt, dass man in den großen US-Häfen nun rund um die Uhr arbeiten würde, um den Lieferstau abzubauen.

Darüber hinaus lagen die wöchentlichen Daten vom US-Arbeitsmarkt über den Erwartungen der Marktteilnehmer und auch die Infektionszahlen mit dem Corona-Virus waren auf globaler Ebene die achte Woche in Folge rückläufig. In den USA verzeichnete der S&P 500 Index am Donnerstag den größten Tagesgewinn seit März. Dabei konnten alle 24 Untersektoren letztlich Zuwächse verzeichnen.

SAP top – MTU flop

Auch die europäischen Aktienmärkte legten im Vergleich zur Vorwoche zu. Die größten Zuwächse verzeichneten der Rohstoff- und der Technologiesektor. Geringere Anstiege gab es bei eher defensiven Werten und bei Banktiteln, die unter den wieder fallenden Zinsen litten. Im DAX führten SAP, Siemens Energy und Porsche die Gewinnerliste mit einem Aufschlag von jeweils rund sieben Prozent an. Schlusslicht mit einem Minus von sechs Prozent war die Aktien von MTU. Der Turbinenhersteller enttäuschte mit seinem Zahlenwerk zum dritten Quartal und leidet noch immer unter den Auswirkungen der Corona-Krise in der Luftfahrtbranche.

    Renten: Trend zu steigenden Renditen pausiert

Zum Wochenschluss kam es an den Rentenmärkten zu einer spürbaren Erholung. Staatsanleihen profitierten von fallenden Renditen, Anleihen mit einem Zinsaufschlag zusätzlich von rückläufigen Risikoaufschlägen. Dabei verbesserte sich auch die Liquidität im Markt und sowohl Staaten als auch Unternehmen konnten wieder problemlos neue Papiere begeben. Aufgrund der hohen Nachfrage mussten sie dabei auch nur geringe Neuemissionsprämien zahlen.

Fed-Protokoll zeigt Einigung auf Beginn des Tapering im November

In dieser Woche wurde das Protokoll der letzten Sitzung der US-Notenbank Fed veröffentlicht. Darin zeigten sich die Währungshüter darüber einig, auf der nächsten Sitzung Anfang November den Startschuss für eine Rückführung der Anleihekäufe (Tapering) geben zu wollen. Die jüngsten Inflationszahlen dürften die Notenbanker in ihrem Vorhaben wohl eher noch bestärkt haben. Ende November oder Anfang Dezember werde man dann vermutlich mit der Reduzierung beginnen. Verfechter einer eher restriktiveren Geldpolitik wollen dabei das Tempo hochhalten, um schon möglichst früh im kommenden Jahr zumindest die Möglichkeit zu haben, die Leitzinsen anzuheben. Mehr und mehr setzte sich in dieser Woche dann aber die Meinung durch, dass die Fed mit ihren Plänen womöglich die Konjunktur abwürgen könnte. Gut ablesbar war dies auch an einer deutlichen Verflachung der Zinsstrukturkurve. Während das vordere Ende auf die Zinserhöhungsfantasien reagierte und es zu steigenden Renditen kam, sorgten Wachstumssorgen bei langlaufenden Papieren für Kursgewinne. Die Rendite für 30-jährige US-Schatzanweisungen gab zwischenzeitlich um rund 15 Basispunkte nach.

Türkische Lira auf Rekordtief

Die Türkische Lira geriet in dieser Woche weiter unter Druck und erreichte ein Allzeittief zu gleich mehreren Währungen. Präsident Erdogan hatte jene drei Mitglieder der Türkischen Notenbank entlassen, die auf der letzten Sitzung gegen die erst kürzlich erfolgte Zinssenkung gestimmt hatten. Es ist nicht der erste Personalwechsel. Seit 2019 wurde auch der Chefposten der Zentralbank viermal neu besetzt. Erdogan möchte die Leitzinsen niedrig und das Wachstum somit hoch halten. Die Währungshüter sorgen sich indes um die galoppierende Inflation, die inzwischen bei knapp 20 Prozent im Jahresvergleich liegt. Ein Euro kostete Freitagmittag 10,7 Lira. Anfang 2018 waren es noch weniger als fünf Lira. Dadurch werden Importe deutlich teurer, was die Preise weiter steigen lassen dürfte.

    Ausblick auf die kommende Woche

Zu Wochenbeginn richtet sich der Blick der Markteilnehmer nach China. Die dortige Wirtschaft kämpft derzeit mit vielfältigen Herausforderungen. Zur Immobilien- und Energiekrise kommen steigende Rohstoffpreise und ein zurückhaltender Verbraucher. Die Zahlen werden darüber Aufschluss geben, ob sich der konjunkturelle Abwärtstrend im September noch weiter fortgesetzt hat.

Zum Wochenabschluss werden die vielbeachteten Einkaufsmanagerindizes für gleich mehrere Regionen veröffentlichen. Diese sind ein wichtiger Frühindikator.

Ihr Portfoliomanagement

Union Investment Privatkunden

Disclaimer

Die Inhalte in diesem Dokument wurden von der Union Investment Privatfonds GmbH nach bestem Urteilsvermögen erstellt und herausgegeben. Eigene Darstellungen und Erläuterungen beruhen auf der jeweiligen Einschätzung des Verfassers zum Zeitpunkt ihrer Erstellung, auch im Hinblick auf die gegenwärtige Rechts- und Steuerlage, die sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern kann.

Als Grundlage dienen Informationen aus eigenen oder öffentlich zugänglichen Quellen, die für zuverlässig gehalten werden. Für deren Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit steht der jeweilige Verfasser jedoch nicht ein. Alle Index- bzw. Produktbezeichnungen anderer Unternehmen als Union Investment werden lediglich beispielhaft genannt und können urheber- und markenrechtlich geschützte Produkte und Marken dieser Unternehmen sein.

Alle Inhalte dieses Dokuments dienen ausschließlich Informationszwecken. Sie dürfen daher weder ganz noch teilweise verändert oder zusammengefasst werden. Sie stellen keine individuelle Anlageempfehlung dar und ersetzen weder die individuelle Anlageberatung durch die Bank noch die individuelle, qualifizierte Steuerberatung. Für die Eignung von Empfehlungen zu Fondsanteilen oder Einzeltiteln für bestimmte Kunden oder Kundengruppen übernimmt Union Investment daher keine Haftung.

Dieses Dokument wurde mit Sorgfalt entworfen und hergestellt, dennoch übernimmt Union Investment keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit. Es wird keinerlei Haftung für Nachteile, die direkt oder indirekt aus der Verteilung, der Verwendung oder Veränderung und Zusammenfassung dieses Dokuments oder seinen Inhalt entstehen, übernommen.

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 15. Oktober 2021, soweit nicht anders angegeben.

Ihre Kontaktmöglichkeiten

Union Investment Service Bank AG, Weißfrauenstraße 7, 60311 Frankfurt am Main

Telefon 069 58998-6060, Telefax 069 58998-9000, www.union-investment.de