MarktTicker 49. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 30. November bis 04. Dezember 2020

    Diese Woche: Marktteilnehmer sind verhalten optimistisch

Insgesamt solide Wirtschaftsdaten, die Hoffnung auf ein weiteres US-Fiskalpaket im Wert von rund 900 Milliarden US-Dollar sowie der erwartete baldige Einsatz der Corona-Impfstoffe sorgten in der Berichtswoche für einen optimistischen Unterton. An den Aktienmärkten wurden teils neue Höchststände erreicht (MSCI World-Index, S&P 500-Index). Allerdings war die Entwicklung an den Aktienbörsen uneinheitlich, der Euroraum beispielsweise konsolidierte in der Berichtswoche. An den Euro-Staatsanleihemärkten tat sich per saldo wenig, in der kommenden Handelswoche tagt die Europäische Zentralbank. Viele Handelsteilnehmer warteten daher in dieser Handelswoche ab, zumal das Jahresende näher rückt.

Wirtschaftsdaten

Solide Zahlen in der Berichtswoche

In der Berichtswoche standen zahlreiche Wirtschaften zur Veröffentlichung an. Insgesamt kann die aktuelle Entwicklung als solide bezeichnet werden. In China lagen die vom Wirtschaftsmagazin Caixin veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes für November über den Erwartungen.

In den von der Corona-Ausbreitung derzeit schwer betroffenen USA gaben die ISM-Indizes sowohl für das verarbeitende Gewerbe (57,5 Punkte) als auch die Dienstleistungen (55,9 Punkte) zwar etwas nach. Der Rückgang erfolgte jedoch in beiden Komponenten auf sehr hohen Niveaus und stellt sich angesichts der aktuellen Lage alles andere als dramatisch dar.

Der deutsche Arbeitsmarkt zeigte sich im November etwas besser als erwartet. Der am heutigen Freitag veröffentlichte Auftragseingang in der deutschen Industrie für Oktober lag sowohl gegenüber dem Vormonat als auch dem Vorjahr (plus 2,9/plus 1,8 Prozent) deutlich über den Erwartungen. Dies zeigt, dass die deutsche Wirtschaft vor Verhängung des erneuten Lockdowns auf gutem Wege war. Die Kerninflation im Euroraum lag im November mit plus 0,2 Prozent gegenüber Vormonat und Vorjahr weiter auf niedrigem Niveau.

Euro wertet deutlich zum US-Dollar auf, Notierung kurz vor Marke von 1,22

Der Euro setzte in den vergangenen Tagen seinen Höhenflug zum US-Dollar fort. Die Gemeinschaftswährung wertete in der Berichtswoche 1,7 Prozent auf und näherte sich mit 1,217 US-Dollar je Euro recht schnell der 1,22er-Marke. Damit notierte der Euro so hoch wie zuletzt im März 2018. Steigende Defizite in den USA - ein weiteres umfangreiches US-Konjunkturpaket wird diskutiert -, die erwartete Biden-Politik und die höhere Inflationstoleranz der US-Notenbank drücken auf den Greenback. Darüber hinaus rückt die EU mit dem Wiederaufbaufonds zunehmend zusammen, wovon der Euro profitiert. Presseberichten zufolge soll die EU bereits an einem „Plan B“ arbeiten, um notfalls auch ohne Ungarn und Polen den Fonds vorantreiben zu können.

OPEC-Einigung

Darüber hinaus hat die OPEC Agenturmeldungen zufolge nun doch eine Einigung erreicht, um die Ölfördermengen im kommenden Jahr geringer als geplant zu lockern. Ab Januar werden täglich statt vorgesehener zwei Millionen nur 500.000 Barrel zusätzlich an den Markt gebracht. Es soll zudem eine monatliche Konsultation stattfinden, um über die weitere Vorgehensweise zu beraten. Der Preis für ein Barrel Öl der Sorte Brent stieg auf etwas über 49 US-Dollar. US-Öl der Sorte WTI kletterte über die Marke von 46 US-Dollar.

    Aktien: Atempause im Euroraum

Die Entwicklung an den Aktienbörsen war in der Berichtswoche uneinheitlich. Der MSCI World-Index legte bis Donnerstagabend um 0,8 Prozent zu und erreichte mit 2.621 Punkten einen historischen Höchststand. In den USA erzielten per Donnerstagabend sowohl der S&P 500- (plus 1,0 Prozent) als auch der Nasdaq 100-Index (plus 2,6 Prozent) ebenfalls neue Rekordstände. In den USA beflügelte vor allem die Aussicht auf ein neues Konjunkturpaket – im Gespräch sind Maßnahmen im Umfang von rund 900 Milliarden US-Dollar. Die Verhandlungen zwischen Demokraten und Republikanern scheinen zumindest gut voran zu kommen.

Im Euroraum war hingegen eher Konsolidierung angesagt. Nach den starken Kurszuwächsen kam dies nicht überraschend. Im November verbuchten viele europäische Indizes den stärksten Monatsgewinn ihrer Geschichte. Der EUROSTOXX 50-Index lag in dieser Woche mit 0,3 Prozent im Plus, der DAX 30-Index verlor 0,2 Prozent. Mit plus 2,8 Prozent beim FTSE 100-Index zeigte sich der britische Aktienmarkt von seiner freundlichen Seite. Der nun angekündigte Start der Corona-Impfungen in Großbritannien dürfte für Unterstützung gesorgt haben. Mit Blick auf die Entwicklung der mit der Impfstoff- Forschung und Entwicklung beteiligten Unternehmen setzte sich der Kursanstieg fort. BioNTech und Pfizer-Aktien legten nach dem starken Anstieg in den vergangenen Wochen „nur“ einstellig zu. Das US-Unternehmen Moderna setzte seine Kursrallye hingegen weiter fort (plus 24 Prozent bis Donnerstagabend). Die Aktie nähert sich der Marke von 160 US-Dollar.

STOXX Europe 600: Grundstoffe, Banken sowie Reise- und Freizeitwerte gesucht

Im marktbreiten STOXX Europe 600-Index waren in der Berichtswoche vor allem Aktien der Grundstoffindustrien gesucht. Der Basic-Resources-Index legte mit 5,5 Prozent deutlich zu, gefolgt von den Aktien der Reise- und Freizeitunternehmen (plus 4,1 Prozent). Der Bankensektor tendierte ebenfalls weiter fest und gewann knapp drei Prozent hinzu. Dennoch war die Tendenz uneinheitlich, denn es gab mit Chemietiteln (minus 2,4 Prozent), Versorgern (minus 2,1 Prozent) sowie Haushaltsgütern, Gesundheitsaktien, Nahrungsmittel und Getränken sowie Telekommunikation einen nicht unerheblichen Teil an Branchen, die ins Minus tendierten.

    Renten: Leichter Renditeanstieg in den Kernmärkten

Zehnjahresrendite: Griechenland zeitweise unter Italien

An den Euro-Staatsanleihemärkten war in der ersten Wochenhälfte zunächst ein leichter Renditeanstieg zu beobachten. Die entsprechenden Kursverluste bei den Anleihen umfassten sowohl die Kern- als auch die Peripherieländer. Im weiteren Handelsverlauf tendierten die Anleihekurse dann wieder freundlicher, sodass letztlich nur sehr geringe Renditeveränderungen zum Vorwochenschluss zu beobachten waren. Die deutsche Zinsstrukturkurve verschob sich komplett um maximal drei Renditestellen nach oben. Mit Blick auf die Peripheriespreads erreichte der Renditeabstand im Zehnjahresbereich zwischen Deutschland und Italien zur Wochenmitte mit 115 Basispunkten einen neuen Tiefstand. Dies traf ebenfalls auf Spanien zu, dort engte sich die Risikoprämie auf 62 Basispunkte ein. Auffällig war zudem, dass sich griechische Zehnjahrespapiere in der Berichtswoche erstmals zeitweise geringer verzinsten als ihre italienischen Pendants. Insgesamt sahen wir Zurückhaltung im europäischen Staatsanleihesektor, bis Donnerstagabend resultierten auf Indexebene (iBoxx Euro Sovereigns-Index) leichte Verluste in Höhe von 0,2 Prozent.

Auch am US-Staatsanleihemarkt prägten rückläufige Anleihekurse das Geschehen. Die pro-Risiko-Ausrichtung der Anleger sorgte im Segment für wenig Stimulus. Im Zehnjahresbereich erhöhte sich die Verzinsung um acht Basispunkte. Mit 0,92 Basispunkten Rendite nähern sich US-Treasuries der Ein-Prozent-Marke. Die US-Zinskurve tendierte etwas steiler über die langen Laufzeiten, wobei die Rendite 30-jähriger Papiere um 10 Basispunkte anstieg.

EM-Risikoaufschläge seit Krise im März mittlerweile halbiert

Euro-Unternehmensanleihen tendierten stabil, die in der Berichtswoche emittierten Neuemissionen kamen für die Anleger zu teils hohen Preisen, waren aber weiterhin am Markt gut zu platzieren. Freundlich zeigten sich in Euro und US-Dollar begebene Anleihen aus den Schwellenländern. Die Risikoaufschläge fielen weiter und erreichten auf Indexebene (JP Morgan EMBI Global Diversified Sovereign Spread) 365 Basispunkte. Damit haben sich Risikoprämien für EM-Staatsanleihen seit dem Krisenhöchststand im März (720 Basispunkte) mittlerweile halbiert. Als unterstützend erwies sich diese Woche der schwache US-Dollar und die Einigung der OPEC.

      Ausblick auf die kommende Woche

Die Europäische Zentralbank tagt am Donnerstag zum letzten Mal in diesem Jahr. Marktseitig werden seit geraumer Zeit weitere geldpolitische Maßnahmen erwartet. Die von Bloomberg befragten Volkswirte erwarten im Schnitt eine Anhebung des Anleiheankaufprogramms PEPP um 500 Milliarden Euro und eine Verlängerung der Laufzeit bis Ende 2021. Darüber hinaus wird mit weiteren Langfristtendern (TLTROs) sowie neuen langfristige Kredite zu sehr günstigen Konditionen gerechnet.

Bei den Konjunkturdaten stehen am Dienstag der ZEW-Index für Deutschland im Dezember auf der Agenda. In den USA liegt der Fokus am Donnerstag auf den Konsumentenpreisen im November.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 4. Dezember 2020, soweit nicht anders angegeben.

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