MarktTicker 36. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 2.- 6. September 2019

    Was diese Woche wichtig war:

Kritische Töne aus der EZB

Die Märkte warten mit großer Spannung auf die Sitzung der Europäische Zentralbank (EZB) am 12. September. Die Erwartungen der Anleger bezüglich weiterer geldpolitischer Lockerungen (Quantitative Easing, QE) sind hoch. Im Vorfeld der Sitzung gab es jedoch kritische Kommentare einiger EZB-Ratsmitglieder. Vor allem nehmen die Zweifel an der Sinnhaftigkeit erneuter Anleiheankäufe, die Präsident Draghi in Aussicht gestellt hat, zu. Zu den eher als geldpolitisch restriktiv geltenden Ratsmitgliedern Weidmann und Lautenschläger hat sich neben Rehn auch der Präsident der Bance de France, Villeroy de Galhau hinzugesellt. Diese haben sich ebenfalls kritisch gegenüber weitere Maßnahmen geäußert, was die Erwartungen der Anleger an die EZB letztlich etwas dämpfte.

Kommende Woche wird jedenfalls mit einer kontrovers geführten Debatte innerhalb der EZB zu rechnen sein. Wir gehen bislang davon aus, dass sich innerhalb des Rats aber eine Mehrheit für ein umfangreiches Maßnahmenpaket finden lassen wird.

Zumal der expansive geldpolitische Kurs der EZB auch nach dem Führungswechsel zum 1. November seine Fortsetzung finden dürfte. Die designierte EZB-Chefin Christine Lagarde äußerte sich in der Woche vor dem Wirtschafts- und Währungssauschuss des EU-Parlaments zur Geldpolitik der Notenbank. Frau Lagarde hält ein sehr expansives Vorgehen – aufgrund externer Risiken und geringer Inflation – über einen längeren Zeitraum hinweg für gerechtfertigt.

Brexit zieht sich weiter hin

Mit Blick auf Großbritannien haben sich am Markt die Sorgen über einen EU-Austritt ohne Abkommen zuletzt deutlich verringert. Nach heftigen Parlamentsdebatten hatte Premierminister Boris Johnson in der Berichtswoche bei sämtlichen Abstimmungen Niederlagen erlitten. Dem Antrag, am 15. Oktober Neuwahlen abzuhalten wurde eine Absage erteilt. Die Hängepartie im Brexit wird unvermindert andauern. Das Britische Pfund konnte angesichts der Vermeidung eines ungeordneten EU-Austritts sowohl zum Euro als auch zum US-Dollar etwas aufwerten. Der britische Aktienmarkt (FTSE 100) legte bis Freitagmittag ein knappes Prozent zu. Bei den britischen Anleihen (Gilts) gab es Verluste. Dort zog die Zehnjahresrendite parallel zur Entwicklung an weiteren Staatsanleihemärkten zum Wochenschluss um 20 Basispunkte an.

Makrodaten in den USA uneinheitlich

Bei den Wirtschaftsdaten zeigte sich eine uneinheitliche Tendenz, vor allem in den USA. Zunächst tendierte der vielbeachtete ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe deutlich schwächer und fiel mit 49,1 Punkten unter die Expansionsschwelle von 50 Zählern. Dies rief nun auch in der US-Wirtschaft Rezessionsängste hervor. Mit dem ISM-Index für Dienstleistungen drehte dann am Donnerstag das Bild. Mit 56,4 Punkten lag dieser deutlich oberhalb der Erwartungen (54 Punkte). Zusammen mit einem starken US-Arbeitsmarkt (ADP-Report), der Aussicht auf weitere chinesische Konjunkturmaßnahmen und sich einer abzeichnenden Wiederaufnahme der Handelsgespräche zwischen den USA und China setzte sich dann eine positive Stimmung an den Finanzmärkten durch. Wenngleich die jüngsten deutschen Wirtschaftsdaten wie die Industrieproduktion (minus 0,6 Prozent) und auch die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe für Juli die aktuelle Schwächephase im Inland bestätigten. Die Aussichten für die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik im dritten Quartal sind derzeit alles andere als rosig.

    Aktien: Märkte durchweg im Plus

Indizes legen zu

Nachlassende Brexit-Sorgen, die Aussicht auf wirtschaftliche Impulse aus China sowie die für Anfang Oktober in Washington geplante Wiederaufnahme der Handelsgespräche zwischen den USA und China ließen die Risikostimmung der Anleger steigen. Hierzu trug auch die politische Entspannung in Hongkong bei. Die dortige Regierung hat den umstrittenen Gesetzesentwurf zur Auslieferung Hongkonger Bürger an Festlandchina zurückgezogen, man hofft auf ein Ende der Proteste.

Der MSCI-World-Index lag am Freitagmittag 1,7 Prozent höher als zum Vorwochenschluss. Sehr erfreulich zeigten sich die asiatischen Märkte, der Nikkei 225-Index legte um 2,4 Prozent zu. Am US-Aktienmarkt gingen der S&P 500-Index und der Dow Jones Industrial Average um 1,8 beziehungsweise 1,2 Prozent fester.

Im Euroraum gewannen sowohl der EURO STOXX 50-Index als auch der marktbreite STOXX Europe 600-Index jeweils 1,8 Prozent hinzu. Der DAX30-Index legte um 2,0 Prozent zu. In Italien stieg der MIB-Index vor dem Hintergrund der Regierungsbildung sogar um 3,1 Prozent an (alle per Freitagmittag, Stand 16.00).

Branchen

Die Branchenentwicklung im STOXX Europe 600-Index war – bis auf den Immobiliensektor – durchweg positiv. Vorneweg tendierten zyklische Branchen wie Auto & Parts mit plus 5, Prozent sehr freundlich. Dies galt auch für die Banken, die um 3,5 Prozent zulegten. Mit 1,6 Prozent im Minus lag hingegen der Immobiliensektor, der weiter unter der Berliner Thematik Mietendeckel und Enteignung zu leiden hatte.

DAX30-Index: Thyssenkrupp fliegt raus, MTU Aero Engines kommt rein

Zum 23. September wird im DAX30-Index die Aktie von Thyssenkrupp durch die MTU Aero Engines ersetzt. MTU erreichte zwischenzeitlich mit 257,00 Euro je Aktie einen Rekordstand, gab am Freitag aber wieder etwas ab. Dem Aktienkurs von Thyssenkrupp tat der Abstieg aus dem deutschen Leitindex in der Berichtswoche keinen Abbruch, mit plus sieben Prozent gehörte der Titel im DAX zu den Wochengewinnern. Thyssenkrupp will sich von seiner Aufzugssparte trennen und befindet sich Presseberichten zufolge hierrüber im Gespräch mit dem finnischen Konkurrenten Kone. Mit einem Zugewinn von knapp 8,5 Prozent im Wochenvergleich führte aber Wirecard die DAX-Gewinnerliste an. Die Aktie wurde zuletzt von verschiedenen Analysten zum Kauf empfohlen. Einen neuen Höchststand erreichte in der Berichtswoche zudem die Aktie der Deutschen Börse, die zeitweise bei knapp 139 Euro notierte.

    Renten: Anleihemärkte drehen, die Renditen ziehen an

Zinskurve wird steiler

Die Misstöne aus der EZB hinsichtlich der Sinnhaftigkeit von weiteren Anleiheankäufen und die verbesserte Risikostimmung unter den Anlegern belastete die Staatsanleihemärkte. Nach dem starken Renditeverfall in den Vorwochen drehte der Markt in Richtung Wochenschluss.

Auf der deutschen Zinskurve bewegten sich Laufzeiten von vier und fünf Jahren zunächst noch auf Rekordtiefstände in Richtung minus 1,0 Prozent. Mit der Gegenbewegung tendierten dann aber vor allem die langen Laufzeiten aber deutlich schwächer. Die Renditen zogen dort entsprechend an, sodass die Zinskurve über die langen Laufzeitbereiche deutlich steiler tendierte. Dreißigjährige Bundesanleihen lagen am Donnerstagmittag sogar zeitweise wieder leicht im Plus. Per Freitag notierte die Kurve wieder komplett im Minus, der Renditeanstieg umfasste je nach Laufzeit sechs bis zwölf (30 Jahre) Basispunkte. Am US-Staatsanleihemarkt bot sich das gleiche Bild.

Italien weiter freundlich

Die Bewegung erfasste mit Ausnahme von Italien alle europäischen Staatsanleihemärkte. Italien zeigte sich vor dem Hintergrund der Regierungsbildung auch zuletzt sehr stabil. Die Renditen gaben dort per saldo weiter nach und führten im Zehnjahresbereich vorübergehend sogar bis auf 0,8 Prozent zurück

Wieder viele Neuemissionen

In der Berichtswoche wurden wieder zahlreiche Euro-Unternehmenspapiere platziert. Auch im Bereich der US-Dollar-Unternehmensanleihen, dort war am Donnerstag sogar ein Rekordtag zu verzeichnen. Angesichts der Masse an neuen Papieren wurden den Anlegern teils attraktive Neuemissionen geboten. Die Anleihen waren entsprechend gut nachgefragt. Auch in den Schwellenländern ist ein zunehmendes Angebot an neuen Schuldverschreibungen zu beobachten, in erster Linie von asiatischer Unternehmen.

    Ausblick auf die kommende Woche

Die Sitzung der Europäischen Zentralbank steht zweifellos im Blickpunkt der Anleger. Angesichts der jüngst kritischen Stimmen darf man gespannt sein, was die EZB beschließen wird. Darüber hinaus werden – ebenfalls am Donnerstag – die US-Verbraucherpreise von erhöhtem Interesse sein. Wie stark werden die Zölle im Handelsstreit mit China auf die US-Verbraucherpreise durchschlagen? Die Industrieproduktion im Euroraum für den Monat Juli wird ebenfalls am Donnerstag bekanntgegeben. Erwartet wird ein minimaler Anstieg.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 6. September 2019, soweit nicht anders angegeben.

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