MarktTicker 45. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 02. bis 06. November 2020

    Diese Woche: Kopf-an-Kopf-Rennen bei US-Wahl, Märkte freundlich

Aktuell ist bezüglich der US-Präsidentschaftswahl noch nichts endgültig entschieden, auch am dritten Tag nach Schließung der Wahllokale steht der Sieger noch nicht fest. Nach aktuellem Stand verfügt der demokratische Herausforderer Joe Biden über 254 Stimmen im Wahlleutegremium, dem „electoral college“. Amtsinhaber Donald Trump von den Republikanern kommt auf 213 Stimmen. Insgesamt muss ein Kandidat 270 Stimmen auf sich vereinen, um neuer US-Präsident zu werden.

An den Kapitalmärkten werden die Ergebnisse als Anzeichnen für einen „Biden Split“ interpretiert. Das bedeutet, im US-Kongress haben die Demokraten nicht in beiden Kammern die Mehrheit. In einer ersten Reaktion verzeichneten US-Staatsanleihen rückläufige Renditen. Das Kalkül dahinter: Sollte Biden Präsident werden, sähe er sich nach dieser Lesart vermutlich einem republikanischen Senat gegenüber. Seine Ausgabenprogramme hätten wenig Aussicht auf Erfolg. Auf der Aktienseite reagierten vor allem Tech-, Pharma- und Gesundheitswerte mit Erleichterung, da eine strengere Regulierung in diesem Szenario ausbliebe.

Ob diese Entwicklungen tatsächlich eintreten, steht derzeit noch nicht final fest. Dazu müsste zunächst bei den Auszählungen der Bundesstaaten zur Präsidentschaftswahl mehr Klarheit herrschen. Außerdem ist mittlerweile sicher, dass in Georgia am 5. Januar um beide Senatssitze des Staates Stichwahlen stattfinden. Damit bleibt bis Anfang 2021 unklar, wie die Mehrheitsverhältnisse in dieser wichtigen Kammer des Kongresses aussehen werden. Hier herrscht somit ebenfalls Unsicherheit. Neben dem „Biden Split“ bleibt auch ein „Biden Sweep“ immer noch möglich. Dabei hätten die Demokraten dann die Mehrheit in beiden Kammern.

Sitzung der US-Notenbank Fed

Die US-Notenbank hat auf ihrer Sitzung am Donnerstag wie erwartet keine Änderungen an ihrem geldpolitischen Kurs vorgenommen. Die FOMC-Mitglieder betrachten es nach wie vor als angemessen, die Leitzinsen auf dem aktuell niedrigen Niveau so lange zu belassen, bis das Vollbeschäftigungsziel erreicht ist und die Inflationsrate nicht nur wieder bei zwei Prozent liegt, sondern auch auf dem Weg ist, für eine gewisse Zeit diese Marke moderat zu überschreiten. Die Untergrenze für das monatliche Ankaufvolumen bleibt zudem unverändert bei etwa 80 Milliarden US-Dollar bei Staatsanleihen und etwa 40 Milliarden US-Dollar bei Hypothekenpapieren. 

Auf der Pressekonferenz hob Powell die Belebung von Wirtschaftsaktivität und Beschäftigung in den vergangenen Monaten hervor. Allerdings habe die Erholungsdynamik zuletzt nachgelassen. Explizit wies er dabei auf den nachlassenden Beschäftigungsaufbau hin. Von den rund 22 Millionen verlorenen Arbeitsplätzen seien bis einschließlich September nur etwa die Hälfte wieder geschaffen worden. Die künftige wirtschaftliche Entwicklung hänge maßgeblich vom weiteren Pandemieverlauf ab. Die damit verbundenen Risiken für den mittelfristigen Wirtschaftsausblick seien nach wie vor erheblich.

Auch betonte Powell, dass angesichts des historischen Ausmaßes der Krise anhaltende Unterstützung sowohl von der Geld- als auch von der Fiskalpolitik erforderlich sei. Dies ist eine recht deutliche Aufforderung an die Fiskalpolitik, zu handeln. Ob die Fed im Dezember ein klassisches Ankaufprogramm (QE) aufsetzen wird, dürfte nicht zuletzt auch davon abhängen, wie sich die politischen Machtverhältnisse in Washington darstellen werden, sobald die endgültigen Wahlergebnisse vorliegen. Denn dies dürfte einen maßgeblichen Einfluss darauf haben, wann und in welcher Höhe ein neuer Fiskalstimulus zu erwarten sein wird. Bis dahin hat die Fed auch mit dem bestehenden Anleihekaufprogramm alle nötige Flexibilität.

Die Bank of England hat in der Berichtswoche wenig spektakulär und wie erwartet ihr Anleihekaufprogramm um 150 Milliarden Britische Pfund aufgestockt und setzt ihre unterstützende Geldpolitik unvermindert fort.

Positive Wirtschaftsdaten

Bei den Wirtschaftsdaten zeigten sich in den USA die Einkaufsmanagerindizes (ISM) von ihrer freundlichen Seite. Im Oktober stieg der Index im verarbeitenden Gewerbe mit 59,3 Punkten überraschend deutlich an. Bei den Dienstleistungen war ein leichter Rückgang auf 56,6 Punkte zu verzeichnen. Dennoch zeigt sich, dass die US-Wirtschaft nach guten Q3-Daten mit weiterer Dynamik in das letzte Quartal des laufenden Jahres gestartet ist. Die deutsche Industrieproduktion legte im September gegenüber dem Vormonat um 1,6 Prozent zu. Der Zuwachs war angesichts der Erwartungen (plus 2,5 Prozent) der Analysten leicht enttäuschend. Die in China veröffentlichten Caixin-Einkaufsmanagerindizes bestätigten mit ebenfalls verbesserten Daten die dortige wirtschaftliche Erholungsbewegung.

    Aktien: Durchweg deutliche Zugewinne

An den Aktienmärkten prägten teils deutliche Zugewinne das Handelsgeschehen in der Berichtswoche. Sämtliche Börsen weltweit lagen im Plus. Der MSCI World-Index legte per Freitagvormittag 7,6 Prozent zu. An der Spitze lagen die Aktienmärkte der Schwellenländer aus Lateinamerika, der MSCI EM LatAm gewann 9,7 Prozent hinzu. In den USA stiegen Dow Jones Industrial Average, S&P 500- sowie der Nasdaq-Index bis Donnerstagabend um jeweils rund 6,5 Prozent an. Heute Nachmittag werden dort die Arbeitsmarktdaten für den Oktober erwartet. Diese dürften in dieser Woche jedoch aufgrund der Wahlauszählungen von eher untergeordneter Bedeutung sein.

Versicherer und Automobilbau vorne

Im Euroraum gewannen EURO STOXX 50-Index und der DAX 30-Index jeweils 7,5 Prozent hinzu. Der marktbreite STOXX Europe 600 Index für europäische Aktien legte 6,5 Prozent zu. Alle dort zusammengefassten Branchen konnten zulegen. Dabei ragten mit 8,6 Prozent und 7,9 Prozent an Zugewinn die Versicherer sowie die Automobilbranche heraus. Finanzservices, Gesundheitswerte, Bau- sowie Chemikalien lagen jeweils mit etwas mehr als sieben Prozent knapp dahinter.

Im DAX 30-Index waren durchweg positive Vorzeichen zu beobachten. Bei den Einzelaktien war Delivery Hero mit plus 14,3 Prozent am Freitagvormittag klarer Spitzenreiter im deutschen Leitindex. Linde, MTU Aero Engines und die Allianz Versicherung folgten mit prozentual zweistelligen Zugewinnen von jeweils rund 10,5 Prozent.

Mit sehr positiven Zahlen zeigen sich die veröffentlichten Unternehmensergebnisse mehrheitlich weiterhin sehr gut und bestätigen die kürzlich für das dritte Quartal präsentierten Daten auf gesamtwirtschaftlicher Ebene (Bruttoinlandsprodukt).

Börsengang von Ant verschoben

Das Interesse der Anleger galt in der Berichtswoche auch dem geplanten Börsengang des chinesischen Fintech-Unternehmens Ant Financial. Der Börsengang, der in Shanghai und Hongkong einen Rekorderlös von 37 Milliarden US-Dollar einbringen und damit die Platzierung des saudi-arabischen Ölkonzerns Aramco in den Schatten stellen sollte, wurde seitens des chinesischen Regulators ausgesetzt. Presseberichten zufolge wurden zur Begründung neue Kapitalanforderungen, die erst erfüllt werden müssten, angeführt.

    Renten: Deutlicher Renditerückgang in den USA

An den Staatsanleihenmärkten waren in der Berichtswoche steigende Kurse und damit rückläufige Renditen zu beobachten. Vor allem in den USA, dort verflachte sich vor dem Hintergrund der US-Wahltendenz die Zinsstrukturkurve über den Renditerückgang in den langen Laufzeitbereichen. Zehnjährige US-Staatsanleihen gaben zehn Renditestellen auf nunmehr 0,77 Prozent ab. Am deutschen Rentenmarkt hat sich hingen wenig getan, die richtungsweisende Zehnjahresrendite fiel um zwei auf minus 64 Basispunkte. An den Peripheriemärkten bestimmen ebenfalls weitere Renditerückgänge das Geschehen. Die Renditedifferenz zwischen deutschen und italienischen Zehnjahrespapieren verringerte sich in der Berichtswoche um zehn auf 128 Basispunkte.

Peripherie- und Unternehmensanleihen gesucht

Im Rahmen des positiven Marktumfeldes waren Anleihen aus den Peripherieländern und Unternehmenspapiere gesucht. Bei letzteren schritt der synthetische Markt zunächst voran, ehe die Anleihen selbst zum Wochenschluss ebenfalls gesucht waren. Die Risikoprämien (Asset Swap Spreads) näherten sich der Marke von 80 Basispunkten (minus sechs Basispunkte gegenüber Vorwochenschluss).

Papiere aus den Schwellenländern unterschritten auf Gesamtmarktebene (JP Morgen EMBIG-Div. Index) bezüglich der Risikoprämien erstmals seit Anfang März die 400er Marke (Donnerstagabend 397 Basispunkte). Dort setzte sich im Rahmen der bisherigen US-Wahlentwicklung ein freundlicher Trend durch.

      Ausblick auf die kommende Woche

In der kommenden Woche stehen bei den Konjunkturdaten die US-Verbraucherpreise für Oktober im Blickpunkt. Hier dürfte sich dem Konsens zufolge zuletzt wenig getan haben, die Erwartungen liegen zum Vorjahreszeitraum nahezu unverändert. Am Freitag konnte die Konsumentenstimmung, ermittelt über die Universität Michigan, von weiterem Interesse sein. Darüber hinaus ergibt der ZEW am Mittwoch Auskunft über die Stimmungslage in Deutschland.

Ihr Portfoliomanagement

Union Investment Privatkunden

Disclaimer

Die Inhalte in diesem Dokument wurden von der Union Investment Privatfonds GmbH nach bestem Urteilsvermögen erstellt und herausgegeben. Eigene Darstellungen und Erläuterungen beruhen auf der jeweiligen Einschätzung des Verfassers zum Zeitpunkt ihrer Erstellung, auch im Hinblick auf die gegenwärtige Rechts- und Steuerlage, die sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern kann.

Als Grundlage dienen Informationen aus eigenen oder öffentlich zugänglichen Quellen, die für zuverlässig gehalten werden. Für deren Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit steht der jeweilige Verfasser jedoch nicht ein. Alle Index- bzw. Produktbezeichnungen anderer Unternehmen als Union Investment werden lediglich beispielhaft genannt und können urheber- und markenrechtlich geschützte Produkte und Marken dieser Unternehmen sein.

Alle Inhalte dieses Dokuments dienen ausschließlich Informationszwecken. Sie dürfen daher weder ganz noch teilweise verändert oder zusammengefasst werden. Sie stellen keine individuelle Anlageempfehlung dar und ersetzen weder die individuelle Anlageberatung durch die Bank noch die individuelle, qualifizierte Steuerberatung. Für die Eignung von Empfehlungen zu Fondsanteilen oder Einzeltiteln für bestimmte Kunden oder Kundengruppen übernimmt Union Investment daher keine Haftung.

Dieses Dokument wurde mit Sorgfalt entworfen und hergestellt, dennoch übernimmt Union Investment keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit. Es wird keinerlei Haftung für Nachteile, die direkt oder indirekt aus der Verteilung, der Verwendung oder Veränderung und Zusammenfassung dieses Dokuments oder seinen Inhalt entstehen, übernommen.

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 6. November 2020, soweit nicht anders angegeben.

Ihre Kontaktmöglichkeiten

Union Investment Service Bank AG, Weißfrauenstraße 7, 60311 Frankfurt am Main

Telefon 069 58998-6060, Telefax 069 58998-9000, www.union-investment.de