Marktrückblick und -ausblick 27. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 05. bis 09. Juli 2021

    Diese Woche: Neue EZB-Strategie

Die Aktienmärkte lagen nach der deutlichen Korrektur am Donnerstag auf Wochensicht im Minus. US-Indizes wie der S&P 500- und der Nasdaq-Index konnten zuvor noch Rekordstände erreichen. Die Ausbreitung der Corona-Delta-Variante verunsichert die Anleger. Staatsanleihen aus den USA und Deutschland verbuchten hingegen weitere Zugewinne, deren Renditen fielen im Wochenverlauf entsprechend. Aus dem Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Fed gab es keine neuen Erkenntnisse. Die Europäische Zentralbank hat hingegen am Donnerstag ihre neue Strategie bekanntgegeben.

EZB mit klarem Inflationsziel

Erstmals seit 18 Jahren hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Strategie überarbeitet. Am Donnerstag erfolgte deren Präsentation: Die EZB hat mit der neuen Strategie die Realität anerkannt und sich so viel Flexibilität wie möglich erarbeitet. Mit der Einigung auf ein symmetrisches Inflationsziel von zwei Prozent kann die EZB ihr Ziel einfacher kommunizieren. Gleichzeitig behält sie die Option, ruhig zu bleiben, wenn die Teuerungsrate mal über dem Ziel von zwei Prozent liegen sollte – oder eben auch darunter. Erwünscht ist beides nicht. Zudem werden uns die bisher als unkonventionell bezeichneten Maßnahmen wie QE (Anleiheankäufe) und TLTRO (langfristige Tendergeschäfte) wohl auch in Zukunft begleiten, denn die EZB hat diese nun offiziell ihrem Instrumentenkasten hinzugefügt.

Maßgeblich für den Umgang mit der Inflation ist ein kleiner Zusatz: Wenn die Leitzinsen sehr niedrig sind, wolle man eine zu hohe Teuerungsrate eher tolerieren, als zu schnell zu handeln. Nichts anderes sehen wir derzeit: Die Zinsen sind niedrig, die Inflationsrate über zwei Prozent, die EZB verhält sich ruhig. Entsprechend handelten auch die Kapitalmärkte zunächst auf die neue, alte Strategie, denn sie reagierten kaum.

Fed Protokoll bestätigt Ausrichtung

Das Fed-Protokoll der Juni-Sitzung brachte den Marktteilnehmern keine über dem aktuellen Kenntnisstand hinausgehenden Aufschlüsse. Vielmehr wurde noch einmal bestätigt, dass mehrere Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) eine schnellere Reduzierung der Anleiheankäufe durch die Zentralbank anstreben. Keine gravierenden Neuigkeiten, damit wurde letztlich die jüngst zu beobachtende Vielstimmigkeit innerhalb des FOMC-Gremiums bestätigt. Die aktuell erhöhte Inflation wird als vorübergehend angesehen, die Inflationserwartungen können allerdings durchaus noch zunehmen. Am Arbeitsmarkt, auf den die Fed besonders achtet, werden Fortschritte gesehen. Diese sind derzeit jedoch nicht so substanziell, als dass diese eine Änderung der Geldpolitik rechtfertigen würde. Das Thema Tapering, also die Rückführung der Anleiheankäufe, steht im Blickpunkt. Unklar ist, in welchem Assetbereich eine erste Drosselung erfolgen könnte. Hypothekenanleihen, Staatspapiere und auch Unternehmensanleihen stehen dabei zur Debatte.

Konjunkturdaten

Die deutsche Industrieproduktion war im Mai in erster Linie wegen einer schwachen Auslandsnachfrage deutlich gesunken. Mit minus 0,3 Prozent gegenüber dem April entwickelte sich der Konjunkturindikator konträr zu den Erwartungen der Analysten, die mit plus 0,5 Prozent eine positive Einschätzung vertraten. Negativ machten sich hierbei auch die zumeist anhaltenden Lieferengpässe bemerkbar. Aber es gilt weiterhin eher zuversichtlich zu bleiben, denn der ZEW-Index relativiert ein wenig. Zwar ging dort die Erwartungskomponente deutlich um 16,5 auf 63,3 Punkte zurück, blieb aber auf hohem Niveau. Zudem bewegte sich die aktuelle Lagebeurteilung mit 21,9 (plus 31) Zählern erstmals seit 2019 wieder über der Nulllinie. Als Resümee kann laut ZEW-Präsident Wambach gefolgert werden, dass sich die Normalisierung der Wirtschaftsentwicklung fortsetzt.

In den USA wurde der ISM-Index für die Dienstleistungen veröffentlicht. Wie schon im Verarbeitenden Gewerbe war auch hier im Juni ein Rückgang (64 auf 60,1 Punkte) zu beobachten. Die Dynamik der US-Konjunkturerholung scheint damit weiter rückläufig. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lag zuletzt mit 373.000 sowohl über der Vorwoche als auch den Erwartungen (364.000/350.000 lt. Bloomberg).

Uneinigkeit bei OPEC, der Ölpreis korrigiert

Der Ölpreis stand aufgrund von Querelen innerhalb der OPEC jüngst unter Druck. Beim Treffen Anfang Juli konnten sich die Mitglieder nicht auf eine Produktionserhöhung einigen. Damit bleibt es de facto bei dem vorherigen Beschluss, die Fördermengen konstant zu halten, was die Knappheit am Markt verschärfen dürfte. Entscheidend ist dabei die Position der Vereinigten Arabischen Emirate. Das Land hat viel in den Ausbau der Förderkapazitäten investiert. Schätzungsweise liegen aktuell 30 Prozent davon brach. Dementsprechend fordern die Emirate höhere Förderquoten und haben eine Festschreibung der aktuellen Quoten bis Ende 2022 abgelehnt – und sich auf diese Weise mit Saudi-Arabien angelegt. Hinzu kommen politische Spannungen zwischen den beiden Ländern. Deshalb kam jüngst keine Einigung zustande. Trotz der physischen Knappheit des Marktes gab der Ölpreis in der Folge nach – bedingt durch Unsicherheit über die künftige Handlungsfähigkeit der OPEC. Viele Finanzinvestoren haben Gewinne auf ihre Positionen mitgenommen. Die Sorte Brent fiel von in der Spitze etwas mehr als 77 US-Dollar auf zunächst 73,5 US-Dollar zurück. Am heutigen Freitagmittag ging es aber schon wieder in Richtung 75 US-Dollar. Auch beim US-WTI kam es parallel zu einer entsprechenden Reaktion.

    Aktien: Deutliche Korrektur am Donnerstag

In den USA bewegten sich der S&P 500- sowie der Nasdaq-Index in der Berichtswoche zunächst weiter auf der Rekordwelle und erreichten neue Höchststände. Der Dow Jones Industrial Average konnte hier nicht mehr folgen, ebenso wenig die europäischen Pendants. Am Donnerstag setzte dann an den Börsen eine kräftige Korrekturbewegung ein. In erster Linie wurde zur Begründung am Markt die weltweite Ausbreitung der Corona-Deltavariante angeführt, die zur Beeinträchtigung der starken Erholung der Wirtschaft führen könnte. Nach der jüngsten Aufwärtsbewegung scheinen die mit Risiko behafteten Anlageklassen nunmehr etwas anfälliger für Korrekturen. Dennoch sind die Märkte von technischer Seite her (Stimmungsindikatoren) derzeit alles andere als euphorisch zu betrachten. Denn von Rekordwerten sind diese weiterhin noch deutlich entfernt. Dies wird auch von Mittelzuflüssen in Aktienfonds, die seit Monaten kontinuierlich vermeldet werden, unterstützt.

Letztlich drehten die Börsen gegenüber dem Vorwochenschluss ins Minus. Per Freitagvormittag wiesen sämtliche großen Indizes Verluste auf, lediglich der Nasdaq-Index befand sich mit 1,1 Prozent im Plus, der S&P 500-Index war immerhin unverändert. Schwach tendierte vor allem Asien, der chinesische Hang Seng-Index verlor in der Berichtswoche weitere fünf Prozent. Chinesische Markt – und Internetregulatoren, die gegen Tech-Firmen vorgehen, machen diesen dort derzeit das Leben schwer. In Japan gab der Nikkei 225-Index 2,9 Prozent ab. Der MSCI-World-Index verlor bis Freitagvormittag 0,8 Prozent.

Branchen nahezu komplett im Minus

Die negativen Vorzeichen setzten sich auch in der europäischen Branchenentwicklung fort. Der Autosektor, Öl- und Gaswerte sowie die Banken waren im STOXX Europe 600-Index mit minus 3,9 bis 3,1 Prozent die größten Verlierer. Fast alle Branchen wiesen rote Vorzeichen auf. Lediglich Gesundheitsaktien (plus 1,2 Prozent) sowie Immobilienwerte (plus 2,9 Prozent) wiesen Zugewinne auf.

Vorübergehend auf neuen Kurshöhen hat sich in der Berichtswoche die Aktie der Deutschen Post bewegt. Im zweiten Quartal konnte das Unternehmen Presseberichten zufolge besser abschneiden als erwartet. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Die Deutsche Post konnte vor allem von der Erholung des globalen Handels profitieren. Die Aktie stieg zunächst auf ein Hoch von 59,60 Euro, gab dann aber im Rahmen der allgemeinen Marktkorrektur wieder ab.

    Renten: Weitere Zugewinne an den Staatsanleihemärkten

Der freundliche Grundton an den Staatsanleihemärkten hielt auch in der Berichtswoche an. Mit Blick auf die US-Zinsstrukturkurve war eine Verflachung über die mittleren bis langen Laufzeiten zu beobachten. Der Renditerückgang betrug bis zu zehn Basispunkte. Parallel hierzu bewegte sich auch die bundesdeutsche Zinskurve. Der Renditerückgang war in den ganz langen Laufzeiten (15-30 Jahre) am ausgeprägtesten und betrug ebenfalls bis zu zehn Basispunkte. Staatsanleihen aus den Euro-Peripheriestaaten konnte hier nicht ganz mithalten. Die Risikoaufschläge (zu den Bundesanleihen) in Spanien, Italien und Portugal weiteten sich in erster Linie aufgrund der Renditebewegung bei den Bundesanleihen etwas aus.

    Ausblick auf die kommende Woche

In der neuen Berichtswoche stehen zahlreiche Konjunkturdaten auf der Agenda. Am Dienstag sind die Blicke der Anleger auf die Verbraucherpreise in den USA gerichtet. Der Inflationsschub im Rahmen der laufenden Normalisierung dürfte sich fortsetzen. Der Konsens erwartet hinsichtlich der Kernrate im Juni eine vier vor dem Komma. Aus China kommen am Donnerstag Daten zum Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal. Die Schätzungen liegen bei acht Prozent Zuwachs. Dies gilt auch für die chinesische Industrieproduktion, die im Juni ebenfalls um acht Prozent zugelegt haben soll. Am Freitag werden dann abschließend die Einzelhandelsumsätze und die Konsumentenstimmung in den USA für Juni beziehungsweise Juli bekanntgegeben.

Ihr Portfoliomanagement

Union Investment Privatkunden

Disclaimer

Die Inhalte in diesem Dokument wurden von der Union Investment Privatfonds GmbH nach bestem Urteilsvermögen erstellt und herausgegeben. Eigene Darstellungen und Erläuterungen beruhen auf der jeweiligen Einschätzung des Verfassers zum Zeitpunkt ihrer Erstellung, auch im Hinblick auf die gegenwärtige Rechts- und Steuerlage, die sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern kann.

Als Grundlage dienen Informationen aus eigenen oder öffentlich zugänglichen Quellen, die für zuverlässig gehalten werden. Für deren Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit steht der jeweilige Verfasser jedoch nicht ein. Alle Index- bzw. Produktbezeichnungen anderer Unternehmen als Union Investment werden lediglich beispielhaft genannt und können urheber- und markenrechtlich geschützte Produkte und Marken dieser Unternehmen sein.

Alle Inhalte dieses Dokuments dienen ausschließlich Informationszwecken. Sie dürfen daher weder ganz noch teilweise verändert oder zusammengefasst werden. Sie stellen keine individuelle Anlageempfehlung dar und ersetzen weder die individuelle Anlageberatung durch die Bank noch die individuelle, qualifizierte Steuerberatung. Für die Eignung von Empfehlungen zu Fondsanteilen oder Einzeltiteln für bestimmte Kunden oder Kundengruppen übernimmt Union Investment daher keine Haftung.

Dieses Dokument wurde mit Sorgfalt entworfen und hergestellt, dennoch übernimmt Union Investment keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit. Es wird keinerlei Haftung für Nachteile, die direkt oder indirekt aus der Verteilung, der Verwendung oder Veränderung und Zusammenfassung dieses Dokuments oder seinen Inhalt entstehen, übernommen.

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 9. Juli 2021, soweit nicht anders angegeben.

Ihre Kontaktmöglichkeiten

Union Investment Service Bank AG, Weißfrauenstraße 7, 60311 Frankfurt am Main

Telefon 069 58998-6060, Telefax 069 58998-9000, www.union-investment.de