Marktrückblick und -ausblick 16. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 19. bis 22. April 2022

    - Diese Woche: Gesenkte Wachstumsprognosen durch konjunkturelle Risiken

    - Aktien: Defensive Werte top, Technologiewerte flop

    - Renten: Steilere Zinskurve durch robuste Konsumdaten und steigende Zinserwartungen

    - Ausblick: Konjunkturdaten aus den USA und dem Euroraum im Fokus

    Diese Woche: Gesenkte Wachstumsprognosen durch konjunkturelle Risiken

Auch in dieser kurzen Handelswoche wurden die massiven ökonomischen Folgen des Krieges in der Ukraine einmal mehr bestätigt. So senkte der Internationale Währungsfonds (IWF) unter anderem deswegen seine Prognosen für das Wachstum der Weltwirtschaft deutlich. Diese wird laut dem Institut in diesem Jahr um 3,6 Prozent zulegen. Im Jahr 2021 war ein Zuwachs von 6,1 Prozent zu verzeichnen. Mit dieser neuen Wachstumsprognose hat der IWF seine Schätzungen für das Jahr 2022 deutlich, um 0,8 Punkte, gesenkt.

Die Auswirkungen des Krieges werden nach den Einschätzungen des IWFs in den Staaten unterschiedlich stark zu spüren sein. Im Fokus stehen besonders geringere Wachstumsraten in Europa und schwere Rezessionen in Russland und der Ukraine. Für letztere prognostiziert der IWF einen Einbruch des Bruttoinlandprodukts um 35 Prozent in diesem Jahr. Mit Blick auf Russland wird ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 8,5 Prozent erwartet. Für die Eurozone rechnen die IWF-Ökonomen mit einem Plus von 2,8 Prozent. Damit fällt die Prognose 1,1 Prozentpunkte geringer als im Januar aus. Gleichzeitig sei mit höheren Teuerungsraten zu rechnen. In den Industriestaaten wird in diesem Jahr eine Inflationsrate von 5,7 Prozent, in der Eurozone ein Anstieg auf 5,3 Prozent und in den Entwicklungs- und Schwellenländern eine Erhöhung der Verbraucherpreise um 8,7 Prozent erwartet.

Konjunkturdaten aus China übertreffen die Erwartungen

Zu den konjunkturellen Risiken gehören neben dem Krieg in der Ukraine auch die strengen Corona-Lockdowns in China. Aktuell behindert der Lockdown in Shanghai die Arbeit im größten Hafen der Welt und wirkt sich damit auch auf den Rest der Welt aus. Trotzdem überraschen die in dieser Woche veröffentlichten Konjunkturdaten aus China positiv. Die chinesische Wirtschaft ist im ersten Quartal 2022 um 4,8 Prozent gewachsen, trotz Pandemie und Ukraine-Konflikt. Während die teilweise sehr harten Lockdowns der chinesischen Regierung besonders im Einzelhandel zu einem deutlichen Rückgang führen, brummt die Industrieproduktion. Laut dem Pekinger Statistikamt schwächt sich der konjunkturelle Schwung aber ab. Durch die anhaltend hohen Zahlen an Corona-Neuinfektionen haben die Probleme in der Produktion, dem Transport, der Logistik und dem Betrieb von chinesischen Unternehmen zugenommen. Vor diesem Hintergrund rechnen Experten damit, dass die Corona-Beschränkungen die Konjunktur im zweiten Quartal weiter abschwächen und das Regierungsziel von 5,5 Prozent Wachstum für 2022 nur schwer erreichbar sein dürfte. Die These wird durch den überraschend starken Rückgang der Einzelhandelsumsätze im März um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat untermauert. Im Vergleich dazu entwickelte sich die Industrieproduktion aber mit einem Plus von 5,0 Prozent noch etwas besser als erwartet.

Industrieproduktion in der Eurozone steigt wie prognostiziert

In der Eurozone konnte die Industrie ihre Produktion im Februar moderat steigern. Laut den von der Statistikbehörde Eurostat in dieser Woche veröffentlichten Zahlen legte die Produktion (ohne Bauwirtschaft) gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 0,7 Prozent zu. Volkswirte hatten mit diesem Anstieg gerechnet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg die Industrieproduktion im Februar um 2,0 Prozent. Mit Blick auf die Mitgliedsländer der Eurozone fiel die Entwicklung sehr unterschiedlich aus: Während die Gesamtherstellung in Italien und Irland deutlich anstieg, ging sie in Slowenien, Litauen und Malta deutlich zurück. In Deutschland legte die Produktion lediglich um 0,4 Prozent zu. Allerdings dürften sich die Auswirkungen des Ukrainekriegs erst ab den Zahlen für den März widerspiegeln.

    Aktien: Defensive Werte top, Technologiewerte flop

Nachdem am Wochenanfang eine leichte Erholungstendenz an den globalen Aktienmärkten einsetzte, verhinderten die Äußerungen von US-Notenbankchef Powell und EZB-Präsidentin Lagarde zum Wochenende eine weitere Entspannung. Besonders die zinssensiblen Werte aus dem Technologiesektor verzeichneten weitere Kursverluste. Auf der anderen Seite konnten defensivere Einzeltitel und Indizes wie der Dow Jones Industrial Average eine positive Entwicklung verbuchen. Die erwarteten Leitzinserhöhungen der Fed und der EZB schürten die Angst vor einer baldigen Rezession, die die zyklischen Sektoren in den letzten Wochen belastete und defensive Werte unterstützte. Diese Woche setzte sich dieser Trend jedoch nicht fort. Dementsprechend notierten die Börsen in dieser Woche Stand Freitagmittag uneinheitlich.

Der EUROSTOXX 50-Index, der DAX und auch der CAC 40 konnten zwischen 0,5 und einem Prozent hinzugewinnen. Der FTSE 100 hingegen tendierte leicht negativ mit einem Minus von knapp 0,2 Prozent. In Asien notierte der Nikkei nahezu unverändert, jedoch büßte der von der Börse in Hongkong berechnete Hang Seng China Enterprises-Index bedingt durch eine Enttäuschung hinsichtlich ausbleibender geldpolitischer Stimulusmaßnahmen über fünf Prozent ein. Die US-Märkte notierten hingegen vor dem Handelsstart am Freitag uneinheitlich. Während der Dow Jones Industrial Average knapp ein Prozent zulegen konnte, war der S&P 500 weitgehend unverändert und der Technologieindex Nasdaq 100 verlor über ein Prozent.

Zykliker können wieder Gewinne verzeichnen

Im DAX führten die Papiere von Daimler Truck Holding die Gewinnerliste mit einem Wochenplus von knapp neun Prozent an. Die Analysten der Deutschen Bank und von RBC beließen ihre Kursziele nach einer Investorenveranstaltung auf jeweils 50 Euro, was vom aktuellen Kursniveau einem Verdopplungspotential entspricht. Das Schlusslicht bildete hingegen Delivery Hero mit einem Wochenminus von über zehn Prozent. Ein trüber Jahresausblick des Branchenkollegen Just Eat Takeaway führte auch bei dem im DAX notierten Essenslieferdienst zu Verkaufsdruck.

Im Hinblick auf die einzelnen Sektorenbewegungen entwickelten sich im STOXX Europe 600-Index der Bankensektor mit plus 2,1 Prozent und die Industriewerte mit einem Wochenzugewinn von 1,9 Prozent am besten. Außerordentliche Kursschwäche zeigten die Grundstoffwerte, da der große Rohstoffkonzern Rio Tinto eine geringere Produktionsmenge als bisher erwartet für das erste Quartal vermeldete. Auch der Gesundheitssektor verbuchte ein Minus von drei Prozent. Somit kam es diese Woche wieder zu einer leichten Gegenbewegung bei zyklischeren Werten und Gewinnmitnahmen bei defensiveren Aktien.

US-Berichtssaison verursacht Volatilität

In den vergangenen Tagen nahm die Berichtssaison in den USA weiter Fahrt auf und verursachte bei mehreren Einzeltiteln starke Kursausschläge. So überraschte Netflix die Anleger negativ, das für das erste Quartal einen Nettokundenabfluss von 200.000 Abonnenten vermeldete, nachdem die konzerneigene Prognose bei einem Nettokundenzufluss von 2,5 Millionen Neukunden gelegen hatte. Auch Umsatz und Gewinn lagen unter den Markterwartungen und die Prognose für das zweite Quartal deutet auf weitere Kundenverluste hin. Dies führte dazu, dass der Wert am Handelstag nach den veröffentlichten Quartalszahlen um über 35 Prozent einbrach, der stärkste Tagesverlust der Aktie seit 2004. IBM konnte hingegen mit seinen Quartalszahlen den Markt positiv überraschen, woraufhin die Aktie knapp 7 Prozent höher notierte. Gewinn und Umsatz lagenüber dem Analystenkonsens, was auf das Erlöswachstum der Hybrid-Cloud-Plattform zurückzuführen ist. Zusammenfassend verlief die Berichtssaison bis dato positiv, da die Mehrheit der Unternehmen die Marktschätzungen übertreffen konnten. Nächste Woche erreicht dann die US-Berichtssaison mit den Quartalszahlen der großen Technologieunternehmen Meta Platforms, Alphabet, Ebay, Amazon und Microsoft ihren Höhepunkt.

    Renten: Steilere Zinskurve durch robuste Konsumdaten und steigende Zinserwartungen

In der vergangenen Woche fachten robuste Konsumdaten die Angst vor anhaltend hoher Inflation an und führten Stand Freitagmittag zu einem weiteren Renditeanstieg. Die konstante Flut falkenhafter Kommentare europäischer und US-amerikanischer Notenbänker sowie die damit einhergehend weiter ansteigenden Zinserwartungen, belasteten insbesondere kurzlaufende Bundesanleihen, sodass sich die Zinsstrukturkurve etwas verflachte. US-Treasuries mit fünf Jahren Laufzeit konnten in dieser Woche die 3 Prozent Renditemarke erstmalig seit Mitte 2018 nach oben überwinden und verursachten somit wieder eine inverse US-Zinsstrukturkurve im Laufzeitenbereich bis zehn Jahre. Insgesamt änderte sich an dem fundamentalen Umfeld am Anleihemarkt in dieser Woche nicht viel, die Notenbanken dominieren mit ihrer strafferen Zinspolitik weiterhin den Markt und wirken somit sinkenden Anleiherenditen entgegen.

Insbesondere die EZB überraschte in dieser Woche. Nach der Sitzung der Europäischen Zentralbank am Gründonnerstag, auf der EZB-Chefin Christine Lagarde eine eher abwartende Haltung einnahm, was die Normalisierung der Geldpolitik angeht, sprachen sich mehrere Mitglieder der Europäischen Zentralbank in der vergangenen Woche für ein schnelleres Handeln aus. So befürworten diese ein Ende der Wertpapierkäufe im zweiten Quartal, was einen ersten Zinsschritt im Juli möglich machen würde. Bedingt durch diese Aussagen hat der Markt mittlerweile in diesem Jahr drei Zinsschritte um jeweils 25 Basispunkte eingepreist. Ob dies so eintreten wird, dürfte von der weiteren Inflationsentwicklung abhängig sein, die im Euroraum zum Großteil durch die höheren Energie- und Lebensmittelpreise verursacht ist, während sie in den USA mehr durch den starken Konsum getrieben ist.

Anleihen aus den Emerging Markets verzeichneten diese Woche die stärksten Kursverluste (-0,9 Prozent bis Donnerstagabend), da die chinesische Notenbank den von den Marktteilnehmern erhofften Stimulus nicht lieferte. Auch Unternehmensanleihen guter Bonität (Investment Grade) gaben in diesem Umfeld 0,6 Prozent ab. Staatsanleihen aus Kerneuropa konnten sich mit einem Minus von 0,5 Prozent leicht besser halten als der Euro-Peripheriemarkt, welcher in der Woche mit einem Minus von 0,6 Prozent etwas mehr einbüßte.

Der Euro notierte mit einem Stand von 1,08 US-Dollar je Euro nahezu unverändert zur US-Valuta. Am Ölmarkt fiel der Preis der Sorte Brent pro Fass im Vergleich zur Vorwoche um gut vier Prozent, nachdem es sich in den Tagen vor Ostern deutlich verteuert hatte.

    Ausblick auf die kommende Woche: Konjunkturdaten aus den USA und dem Euroraum im Fokus

Der Ukrainekrieg mit seinen negativen Auswirkungen auf die Konjunktur dürfte auch in der letzten Aprilwoche ein marktbestimmender Faktor bleiben. Dazu werden erneut eine ganze Reihe an Konjunkturdaten erwartet. Den Anfang wird die Veröffentlichung des ifo-Index aus Deutschland machen. Danach folgen sowohl aus den USA als auch aus dem Euroraum und Deutschland jeweils die Bekanntmachungen der Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal. Dazu werden diesseits des Atlantiks unter anderem auch die Veröffentlichungen der Verbraucherpreisindizes erwartet. Die US-Inflationserwartungen beenden die kommende Woche.

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 22. April 2022, soweit nicht anders angegeben.

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