Marktrückblick und -ausblick 23. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 07. bis 11. Juni 2021

    Diese Woche: EZB behält umfangreiche Anleihekäufe bei

Wenig Überraschendes präsentierte die Europäische Zentralbank am Donnerstag. Die Geldschleusen der EZB bleiben vorerst weit geöffnet. Die kurzfristigen Wachstumsprognosen wurden deutlich erhöht, während der mittelfristige Preisdruck verhalten scheint. Letzteres war in den USA weniger der Fall, die Konsumentenpreise stiegen im Mai mit fünf Prozent deutlich an. Die Rentenmärkte gingen angesichts der hohen Inflationsdaten jedoch nicht in die Knie. Ganz im Gegenteil, vor allem die US-Renditen fielen im Rahmen steigender Anleihenotierungen teils deutlich. Dies alles ließ auch die Aktienbörsen kalt, die in der Mehrheit bis Freitagvormittag leicht im Plus lagen. In den USA markierte der S&P 500-Index mit knapp 4.250 Punkten ein Rekordhoch.

EZB wird Erwartungen gerecht und bleibt vorsichtig

Die EZB hielt am Donnerstag ihre Zinspolitik unverändert bei, beschloss aber auch in den kommenden Monaten im Rahmen ihres Pandemieprogrammes (PEPP) Anleihen in signifikant höherem Maße als in den ersten Monaten des Jahres anzukaufen. Die Zentralbank will weiterhin verhindern, dass sich im Zuge steigender Zinsen die Finanzierungsbedingungen der Wirtschaft im Euroraum zu sehr, zu früh und/oder aus den (teilweise) falschen Gründen verschlechtern könnten. Hintergrund ist, dass die EZB ihren Ausblick für den mittelfristigen Preisdruck im Jahr 2023 beibehielt, der mit 1,4 Prozent deutlich unter ihrer Zielrate von „unter, aber nahe, 2 Prozent“ liegt. Ob die EZB das Tempo der Anleihekäufe der letzten Monate beibehalten wird, ließ sie allerdings offen. Offenkundig besteht hinsichtlich des Tempos auch Uneinigkeit im EZB-Rat, was in den nächsten Monaten auch noch für einige Diskussionen sorgen kann.

Darüber hinaus hat die EZB die Wirtschaftsprognosen auf kurze Sicht deutlich verbessert, während die Einschätzung für den mittelfristigen Preisdruck verhalten bleibt. Für 2021/2022 wurden die Wachstumsraten deutlich hochgeschraubt (jeweils um 0,6 auf 4,6 und 4,7 Prozent). Für 2023 bleibt die Wachstumserwartung mit 2,1 Prozent unverändert. Dies gilt auch für die Inflationsrate, die 2023 wie bereits oben aufgeführt mit 1,4 unverändert blieb. Der Preisanstieg für 2021 wurde um 0,4 auf 1,9, für 2022 um 0,3 auf 1,5 Prozent erhöht. Die nächsten Prognosen bzw. Anpassungen erwarten wir im kommenden September sowie im Dezember.

Konjunkturdaten

Als Nachtrag zu den am Freitagnachmittag der Vorwoche veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten: Die Anzahl der im Mai neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (non farm payrolls) lag mit 559.000 um einiges unter den über Bloomberg abgegebenen Erwartungen (675.000). Die Beschäftigungsquote ist dabei minimal angestiegen. Wir sehen das Glas bezüglich der Entwicklung als halbvoll an. Der Zuwachs ist als solide einzuschätzen, wir rechnen mit einer weiteren Zunahme der Erwerbsquote, vor allem vor dem Hintergrund der sukzessive ansteigenden Schulöffnungen. Dies wird es künftig vielen Personen erlauben, wieder eine Beschäftigung aufzunehmen. Zumal das wirtschaftliche Angebot der allgemeinen Nachfrage derzeit hinterläuft und weiteres Potenzial birgt. Mit den Erstanträgen in Höhe von 376.000 in der Vorwoche setzte sich auch die Verbesserung am Arbeitsmarkt fort. In der vorhergehenden Woche waren es noch 385.000 Neuanträge gewesen.

Am Donnerstag zeigten sich dann die mit großer Spannung erwarteten US-Verbraucherpreise für den Mai etwas höher als erwartet. Lag der Konsensus schon bei beachtlichen 4,7 Prozent (gegen Vorjahr), stand dieses Mal mit 5,0 Prozent sogar eine fünf vor dem Komma. Die um Lebensmittel und Energie bereinigte Kernrate lag bei plus 3,8 Prozent und damit auf einem 30-Jahreshoch. Aber nach wie vor gilt, dass die US-Notenbank den Anstieg aufgrund der Corona-bedingten Ursachen sowie von Basiseffekten als vorübergehend ansieht. Wenngleich der Anteil der für den Preisanstieg nicht direkt von Corona verantwortlichen Komponenten zuletzt zunahm.

Mit Blick auf Deutschland waren sowohl die Industrieproduktion als auch die Auftragseingänge im April gegenüber dem Vormonat rückläufig und auch schlechter als erwartet. Die Nachfrage ist zwar stark, aber der Materialmangel und die Unterbrechungen in den Vorleistungsketten machen der Industrie derzeit das Leben schwer. Der ZEW-Index zeigte sich bei der Lageeinschätzung deutlich besser als erwartet. Die Erwartungskomponente gab hingegen leicht nach, aber erfolgte von hohem Niveau heraus und dürfte daher keinen Anlass zur Sorge geben.

Hohe Preissteigerungen verzeichneten im Mai auch Chinas Produzenten. Mit neun Prozent spiegelten sich die hohen Rohstoffpreise in der dortigen Entwicklung wider. Die Konsumentenpreise stiegen mit plus 1,3 Prozent hingegen moderat, der Preisdruck scheint sich dort (bislang) nicht überzuwälzen.

    Aktien: S&P 500-Index mit Rekordhoch

An den Aktienbörsen setzte sich in der Berichtswoche der positive Grundton fort. In den USA erzielte der marktbreite S&P 500-Index am Donnerstag ein Rekordhoch. Am heutigen Freitag folgte in Europa der STOXX Europe 600-Index mit einem Höchststand. Die meisten Aktienbörsen gingen mit leichten Zugewinnen in Richtung Wochenende. Der Technologieindex Nasdaq ragte mit plus 3,2 Prozent bis zur Freitagseröffnung deutlich heraus. Neben den Rentenmärkten zeigten sich somit auch die Aktien von den hohen US-Inflationsdaten kaum beeindruckt.

Gesundheitsbranche Favorit

Mit Blick auf die Branchenentwicklung im Europa lagen bis Freitagmittag Gesundheitswerte vorn. Der entsprechende Index gewann mit 4,2 Prozent deutlich hinzu. Es folgt der Reisesektor mit plus 2,3 Prozent. Banken- sowie Chemietitel und auch Versicherungswerte lagen hingegen mit 1,1 bis 1,3 Prozent im Minus. Im DAX 30 stachen Merck KGaA mit plus 6,6 Prozent Kursgewinn heraus. Im Gegenzug spiegelte sich mit minus 7,6 Prozent die Schwäche des Bankensektors in der Aktie der Deutschen Bank entsprechend wider.

    Renten: Renditen fallen trotz hoher Inflationsdaten

Man kann es eigentlich schon als Rendite-Rätsel bezeichnen. Stark steigende Inflationsraten in Verbindung mit einem kräftigen Wirtschaftswachstum stellen eigentlich ein kaum schmeichelhaftes Szenario für den Renteninvestor dar. Schließlich müssten in diesem Umfeld die Renditen von US-Staatsanleihen steigen und für umfangreiche Kursverluste sorgen. Doch weit gefehlt, denn gestern fiel die Verzinsung zehnjähriger US-Treasuries nach Veröffentlichung der hohen Inflationszahlen bis auf 1,43 Prozent zurück. Zum Freitag der Vorwoche lag die Rendite noch bei 1,55 Prozent. Und die Nachfrage blieb groß, wie die Ausgabe einer neuen zehnjährigen US-Schatzanweisung am Mittwoch zeigte. Denn diese war so stark nachgefragt wie seit fünf Jahren nicht mehr. Doch wie lässt sich diese rätselhafte Entwicklung erklären?

Wichtiger als der Preisdruck selbst scheint, was die US-Notenbank dazu zu sagen hat. In den letzten Wochen gelang es der US-Notenbank Fed, die Marktteilnehmer zu beruhigen. Diese trat dabei äußerst geschlossen auf und wiederholte dabei nahezu mantramäßig die immer gleiche Botschaft: Man befinde sich in einer Phase vorrübergehend höherer Inflationsraten, die aber nicht von langer Dauer sei. Schaut man sich den Inflationsbericht genauer an, fällt auf, dass der Preisdruck vor allem in jenen Sektoren entstanden sind, die besonders von der Wiedereröffnung der US-Wirtschaft profitieren. Hierzu zählen etwas Gebrauchtwagen, Unterkünfte oder Flugpreise. Deren Anteil an der Preissteigerung war zuletzt zwar rückläufig, lag aber weiter bei über 50 Prozent. Das hohe Preisniveau dürfte im Rahmen des „Reopening“ vorerst weiter anhalten, der Inflationspfad aber im kommenden Jahr allmählicher flacher werden.

Mit Blick auf die Zinskurven war sowohl in den USA als auch in Deutschland eine Verflachung über die langen Laufzeiten zu beobachten. Der Renditerückgang betrug bis zu 12 Basispunkte, bei den Bundesanleihen war der Rückgang etwas weniger stark ausgeprägt und lag in der Spitze bei sieben Basispunkten.

An den Primärmärkten tat sich ebenfalls einiges. Italien platzierte einen Zehnjahresbond, das Orderbuch war mit zuletzt mit einer Nachfrage nach Papieren im Gegenwert von 65 Milliarden Euro sehr stark überzeichnet. Der Titel ging mit einem Renditeaufschlag von sechs Basispunkten gegenüber bereits am Markt gehandelten Papieren an die Investoren. Darüber hinaus erfolgten Aufstockungen mit drei, sieben sowie 20 Jahren, der Gesamtumfang betrug rund 18 Milliarden Euro. Auch Griechenland war in der Berichtswoche mit von der Partie. Eine Aufstockung eines bereits bestehenden Zehnjahresbonds im Volumen von 2,5 Milliarden Euro rief eine zwölffache Überzeichnung hervor. Entsprechend verlief die Spreadentwicklung zwischen Peripherie und deutschen Bundesanleihen. Im Falle Italiens engten sich die Renditeaufschläge auf 104 Basispunkte im Zehnjahresbereich ein. Der Euro-Gesamtmarkt (iBoxx Euro Sovereigns-Index) legte bis Donnerstagabend 0,3 Prozent zu.

Die freundliche Tendenz herrschte in der Berichtswoche auch an den Euro-Unternehmensanleihemärkten und bei den in US-Dollar und Euro notierten Bonds aus den Schwellenländern vor.

    Ausblick auf die kommende Woche

In der neuen Handelswoche steht zweifellos die Sitzung der US-Notenbank Fed im Blickpunkt. Am Mittwoch tritt das Gremium zusammen. Wegen der zunehmenden Inflationsrisiken – siehe Preissteigerung im Mai – dürfte die Fed beginnen, über den Einstieg in den Ausstieg der sehr expansiven Geldpolitik zu diskutieren. Aber dies wurde schon längst erwartet, auch vor den jüngsten Preisdaten. Der Fokus der Fed zur Lageeinschätzung liegt derzeit auf der Entwicklung des US-Arbeitsmarktes. Die Diskussion dürfte eröffnet werden, wenngleich die Ankündigung konkreter Schritte nicht vor dem kommenden Herbst zu erwarten sein dürfte.

Zudem stehen zahlreiche Konjunkturdaten auf der Agenda. Zu den wichtigsten gehören am Dienstag die US-Einzelhandelsumsätze und am Mittwoch die chinesische Industrieproduktion (jeweils für Mai). Darüber hinaus stehen Daten zum US-Immobilienmarkt an und am Freitag tritt die Japanische Notenbank zu ihrer Sitzung zusammen.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 11. Juni 2021, soweit nicht anders angegeben.

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