Marktberichte November 2020

Aktien: Erhebliche Zugewinne

Renten: Staatsanleihen aus den Euro-Südländern weiter gefragt

Aktienmärkte: Die Aussicht auf einen baldigen Corona-Impfstoff, solide Wirtschaftsdaten und ein Ende der Unsicherheit hinsichtlich des US-Wahlausgangs beflügelten die Aktienbörsen. Es kam im November zu deutlichen Zugewinnen. Der Euroraum beziehungsweise Europa schnitten dabei etwas besser ab als die US-Börsen.

Rentenmärkte: Von der erhöhten Risikoneigung der Anleger profitierten am Rentenmarkt die südeuropäischen Staatsanleihen. Die Nachfrage war auch im November hoch. Zudem waren Unternehmenspapiere und EM-Anleihen gesucht. Sichere Bundesanleihen und US-Schatzanweisungen waren hingegen weniger präferiert und zeigten vergleichsweise geringe Renditeveränderungen.

Europa

Kursfeuerwerk an Europas Börsen im November

Die europäischen Aktienmärkte legten im November eine geschichtsträchtige Entwicklung hin: Der Euro STOXX 50-Index schloss mit einem Plus von 18,1 Prozent, der marktbreite STOXX Europe 600-Index beendete den Monat mit einem Plus von 13,7 Prozent. Viele Faktoren sorgten trotz der weiterhin angespannten Corona-Lage und der umfangreichen Eindämmungsmaßnahmen vieler Regierungen für diese Kursrally.

Ein kompletter Lockdown aufgrund der steigenden Corona-Fallzahlen wie im März war die Ausnahme. Obwohl die Fallzahlen höher als im Frühjahr sind, scheinen die aktuellen Maßnahmen die Wirtschaft geringer zu belasten. Das zeigen Wirtschaftsdaten wie die jüngsten Umfrageergebnisse der Einkaufsmanagerindizes in der Eurozone. Während sich das Verarbeitende Gewerbe in guter Verfassung befindet, tauchte der Dienstleistungssektor aber aufgrund der vielen geschlossenen Geschäfte ab.

Sorgte Anfang des Monats die Hängepartie in der US-Wahl noch für vorsichtiges Abwarten, gingen die Marktteilnehmer mit dem sich abzeichnenden Sieg von Joe Biden mehr ins Risiko. Mitte des Monats verkündeten Pfizer und BioNTech dann den Durchbruch bei ihren Impfstoffstudien. Als Reaktion kam es zu einer Sektorrotation – Anleger investierten wieder mehr in Zykliker, die bisherigen Corona-Gewinner hingegen gaben nach. Gegen Ende des Monats einigten sich die EU-Finanzminister auf eine Reform des ESM-Rettungsschirms, die sich positiv auf die Eurozone und den Euro auswirken dürfte. Zudem fielen die Berichte vieler Unternehmen für das dritte Quartal, unter anderem des Bankensektors, positiver aus als erwartet.

Da die Zinsen weiterhin niedrig bleiben dürften und die globale Liquiditätsflut nicht abebben sollte, werden Risikoanlagen weiterhin unterstützt. Die Aussichten an der Börse dürften von der weiteren Entwicklung in der Corona-Impfstoffforschung sowie vom Tempo der konjunkturellen Erholung abhängen.

Deutschland

Deutsche Aktien mit Kursfeuerwerk

Die deutschen Aktienmärkte verzeichneten im November historische Gewinne. Der DAX 30-Index, der die größten börsennotierten deutschen Unternehmen umfasst, schloss rund 15 Prozent im Plus. Firmen mit einer mittleren Marktkapitalisierung stiegen gemessen am MDAX-Index knapp 14 Prozent, Nebenwerte im SDAX-Index gewannen sogar 18,6 Prozent dazu. Hintergrund waren die Nachrichten mehrerer Pharmakonzerne über die hohe Wirksamkeit ihrer Impfstoffe gegen das Corona-Virus und die bevorstehenden Anträge auf Zulassung in der Europäischen Union und in den USA. Die Aussicht auf eine neue Normalität befeuerte die Börsen.

Die Wirtschaftsdaten aus Deutschland spiegelten jedoch noch die Verunsicherung durch die steigenden Infektionszahlen wider. Der ifo-Geschäftsklimaindex sank im November um knapp zwei auf 90,7 Punkte. Es ist der zweite Rückgang in Folge, nachdem er zuvor fünf Monate lang angestiegen war. Das war vor allem auf die deutlich eingetrübte Erwartungskomponente zurückzuführen. Doch auch die aktuelle Lage wurde von den Unternehmen etwas pessimistischer beurteilt. Das galt erneut in erster Linie für den Dienstleistungssektor. Die Service-Unternehmen sind von den Eindämmungsmaßnahmen stärker betroffen als das verarbeitende Gewerbe. Auch der GfK-Konsumklima-Index lag mit minus 6,7 Punkten nochmal deutlich unter dem Vormonat und bestätigte damit die derzeit eher vorsichtige Einschätzung der Verbraucher.

Das führende deutsche Aktienbarometer, der DAX 30-Index, steht vor einem größeren Umbau. Die Anzahl der Mitglieder wird ab September 2021 von 30 auf 40 erhöht. Zudem soll das Regelwerk zur Aufnahme beziehungsweise zum Verbleib im Leitindex geschärft werden. Die Unternehmen müssen Quartalsmitteilungen und geprüfte Jahresabschlüsse vorlegen, ansonsten droht ein schneller Ausschluss aus dem Index. Für neue Index-Mitglieder gilt die Voraussetzung, schon zwei Jahre profitabel sein zu müssen.

Die globale Liquiditätsflut und die niedrigen Zinsen unterstützen weiterhin Risikoanlagen. Die Aussichten an den Börsen dürften jedoch von der Entwicklung der Corona-Pandemie sowie vom Tempo der konjunkturellen Erholung abhängen.

Osteuropa

Kräftige Rally an osteuropäischen Aktienmärkten

Trotz hoher oder weiter steigender Corona-Neuinfektionszahlen in vielen osteuropäischen Ländern haben sich die Aktienmärkte in der Region im November sehr gut entwickelt. Der MSCI EM Eastern Europe-Index kletterte auf Lokalwährungsbasis um 17,7 Prozent.

Für die außergewöhnlichen Kursgewinne waren die Erfolge in der Corona-Impfstoffentwicklung ursächlich. So gaben verschiedene Impfstoffhersteller bekannt, dass ihre Vakzine in klinischen Studien wirksam waren und sie einen beschleunigten Zulassungsantrag stellen werden. Mit einer Impfung verbunden ist die Hoffnung auf baldige Normalisierung der Wirtschaftsaktivitäten. Voraussetzung ist dafür die breite Verteilung und Nutzung der Impfstoffe. Für Erleichterung sorgte auch der Ausgang der US-Präsidentschaftswahl, die vom demokratischen Herausforderer Joe Biden gewonnen wurde. Damit dürfte in der Außen- und Handelspolitik eine gemäßigtere Rhetorik Einzug halten. Dies verlieh Risikoanlagen wie Aktien Schub.

Der Moskauer Aktienmarkt legte auf Lokalwährungsbasis um 15,5 Prozent zu. Keine große Kursrelevanz hatten neue US-Sanktionen gegen russische Unternehmen, die mit Iran handeln. Unterstützung kam vom Ölpreis, der von Impfstoffhoffnungen und der Wahl Bidens profitierte. Die weitere Entwicklung dürfte davon geprägt sein, ob sich das Ölkartell OPEC und Förderstaaten wie Russland (OPEC+) auf verlängerte Förderkürzungen einigen können.

In Warschau stieg der WIG 20-Index um 19,4 Prozent. Die polnische Regierung stockte die Corona-Konjunkturhilfen erneut auf. Die Marktstimmung wurde nicht vom Konflikt zwischen Polen und Ungarn einerseits und 25 anderen EU-Mitgliedsländern belastete. In dem Konflikt geht es über die Verabschiedung der Mittel für den europäischen Wiederaufbaufonds und den mittelfristigen Finanzrahmen der Europäischen Union (EU) in Verbindung mit der Durchsetzung bestimmter Rechtsnormen, gegen die sich die Regierungen von Polen und Ungarn sträuben.

Für die weitere Kursentwicklung an den osteuropäischen Börsen dürften das Tempo der Konjunkturerholung, die Entwicklung der Corona-Pandemie sowie geopolitische Spannungen im Vordergrund stehen.

USA

US-Börsen beenden Verlustserie

Die US-amerikanischen Aktienmärkte haben im November ihre Durststrecke beendet und erhebliche Zugewinne verzeichnet. Der Dow Jones Industrial Average-Index stieg um 11,8 Prozent, der marktbreite S&P 500-Index verbesserte sich um 10,8 Prozent. Der Technologie-Index Nasdaq Composite schloss 11,8 Prozent fester. Vor allem Energie-, Finanz- und Luftfahrttitel verzeichneten kräftige Gewinne. Versorger und Gesundheitsaktien blieben dagegen hinter dem Gesamtmarkt zurück.

Für Bewegung haben vor allem die Fortschritte bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen das Corona-Virus geführt. Ein erstes Produkt, das das Mainzer Unternehmen BioNTech gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer entwickelt hat, zeigt in Studien eine Wirksamkeit von 90 Prozent, bislang ohne schwere Nebenwirkungen. Die Zulassung wurde beantragt. Das gleiche gilt für den US-Konkurrenten Moderna, der wenige Tage nach BioNTech einen eigenen Impfstoff präsentierte. Die Börse reagierte mit deutlichen Aufschlägen. Vor allem Unternehmen aus Branchen wie der Luftfahrt und dem Tourismus, die zu den Corona-Verlieren gehört hatten, konnten kräftig zulegen. Im Umkehrschluss entwickelten sich Aktien wie Amazon und Microsoft vergleichsweise schwach.

Im Blickpunkt stand zudem einmal mehr die Aktie des Elektroauto-Pioniers Tesla. Der Konzern soll ab 21. Dezember 2020 in den S&P 500-Index aufgenommen werden. Die Papiere reagierte mit einem Kurssprung um 22 Prozent auf knapp 500 US-Dollar je Anteilsschein. Unter dem Strich verbesserte sich der Titel im November um rund 46 Prozent.

Das Corona-Virus wird den Beginn der 2020er Jahre an den Kapitalmärkten entscheidend prägen, die Entwicklung der Infektionszahlen und die Sorge vor neuerlichen Lockdowns belasten das Sentiment der Investoren. Nach dem scharfen Konjunktureinbruch sollte ab Mitte 2021 allerdings eine nachhaltige Erholung einsetzen. Die globale Liquiditätsflut und die niedrigen Zinsen unterstützen weiterhin Risikoanlagen wie etwa Aktien. Aktives Management und eine gute Selektion bleiben in diesem Umfeld Trumpf.

Fernost

Freundliche Tendenz an Asiens Börsen

Im Einklang mit weltweit steigenden Aktienmärkten legten die Kurse an den Börsen in Fernost im November zu. Der MSCI Far East Ex Japan-Index gewann auf Lokalwährungsbasis 12,2 Prozent. Dazu trugen erfreuliche Konjunkturdaten in der Region sowie ein vergleichsweise moderates Pandemiegeschehen und deutliche Erfolge in der Impfstoffentwicklung bei. Auftrieb verlieh auch die Tatsache, dass in der US-Präsidentschaftswahl der demokratische Herausforderer Joe Biden gewonnen hatte. Damit dürfte sich die Rhetorik im Handelskonflikt mit China und in der Außenpolitik etwas entspannen, da Biden zurück zum Multilateralismus will. Begrüßt wurde auch die Unterzeichnung der umfassenden Wirtschaftspartnerschaft von China und vierzehn weiteren asiatisch-pazifischen Ländern (RCEP).

Unterdurchschnittlich entwickelten sich die Kurse am Aktienmarkt in Schanghai. Der Composite-Index rückte nur 5,2 Prozent vor. Die People’s Bank of China (Notenbank) erklärte, so lange wie möglich eine normale Geldpolitik verfolgen zu wollen. Dies vor dem Hintergrund einer deutlichen Verbesserung der Wirtschaftslage. Auch der Konsum hatte zuletzt wieder deutlich angezogen, wie der Verkaufsrekord am Singles‘ Day (11. November) belegte. Darüber hinaus soll das Finanzsystem besser gegen mögliche Risiken abgesichert werden. Ein erster sichtbarer Schritt war der überraschende Stopp des geplanten 37 Milliarden US-Dollar schweren Börsengangs der Zahlungsdienstleisters Ant Anfang des Monats. Ant gehört zum chinesischen E-Commerce-Giganten Alibaba. Die chinesische Aufsicht verlangte plötzlich eine markant höhere Eigenkapitalunterlegung des Geschäfts. Aus Kreisen der Zentralbank hieß es, der Schutz der Nutzer von Finanzdienstleistungen und von Investoren sei hier ausschlaggebend gewesen. In der Folge brach der Alibaba-Aktienkurs in Hongkong ein, erholte sich im Monatsverlauf aber teilweise wieder.

Die weltweite Konjunktur bleibt auf einem moderaten Erholungspfad, das geldpolitische Umfeld stark unterstützend. Angesichts von Fortschritten in der Impfstoffentwicklung und solange die Corona-Pandemie beherrschbar bleibt, dürften die asiatischen Börsen Aufwärtspotenzial haben.

Japan

Japanischer Nikkei 225 steigt auf Dekaden-Hoch

Der japanische Aktienmarkt hat – getrieben von besseren Konjunkturdaten und Impfstoffhoffnungen – im November deutlich Fahrt aufgenommen. Zur guten Stimmung trug ebenfalls bei, dass der amtierende US-Präsident Donald Trump seinem Nachfolger Joe Biden den Weg frei machte, die Regierungsgeschäfte zu übernehmen. Allerdings versuchte Trump weiterhin, das Wahlergebnis mit juristischen Mitteln noch zu seinen Gunsten zu drehen. Die Erfolgsaussichten sind aber sehr gering. Biden setzt auf Multilateralismus in der Außenpolitik, weshalb Investoren mit einer Entspannung in handelspolitischen Fragen rechnen. Mitte November unterzeichneten zudem China und vierzehn weitere Staaten aus der Region Asien-Pazifik, darunter Japan, ein Abkommen für eine regionale umfassende Wirtschaftspartnerschaft (RCEP). Wenn alle Unterzeichnenden das Abkommen ratifizieren, entsteht damit die größte Freihandelszone der Welt noch vor Nordamerika und Europa.

Gemessen am Nikkei 225-Index stiegen japanische Aktien um 15,0 Prozent. Erstmals seit mehr als 29 Jahren übersprang das Börsenbarometer die Marke von 26.000 Punkten und erreichte den höchsten Stand seit April 1991. Der marktbreite Topix-Index legte um 11,1 Prozent zu, erreichte aber damit nur den höchsten Stand seit Herbst 2018. Zu den größten Gewinnern zählten Finanzwerte und Aktien aus zyklischen Branchen. Die Anleger zeigten sich unbeeindruckt von den wieder steigenden Corona-Neuinfektionszahlen im Großraum Tokio. Die Gouverneurin der Hauptstadt bat die Bürgerinnen und Bürger, möglichst wenig nach draußen zu gehen, und Gastronomiebetriebe, früher zu schließen.

Im Luftfahrtsektor regte ein Berater von Premierminister Yoshihide Suga einen Zusammenschluss der von der Corona-Krise schwer getroffenen Airlines ANA und Japan Airlines an, was den Aktien von Japan Airlines deutlichen Auftrieb verlieh. Die Bank of Japan erklärte zudem, wenn nötig bereit zu sein, die Corona-Notfallhilfen für Unternehmen zu verlängern.

Die künftige Kursentwicklung am japanischen Aktienmarkt dürfte von der Entwicklung der Corona-Pandemie und der Impfstoffverteilung sowie dem Tempo der konjunkturellen Erholung geprägt sein.

Weltweit

Impfstoff-Hoffnungen beflügeln globale Aktienmärkte

Die globalen Aktienmärkte verzeichneten im November historische Höchststände. Der MSCI Welt-Index legte in Lokalwährung um 11,8 Prozent zu. In den USA stieg der Dow Jones Industrial Average um 11,8 Prozent, der marktbreite S&P 500-Index verbesserte sich um 10,8 Prozent. Verantwortlich für die erheblichen Zugewinne waren vor allem Fortschritte in der Entwicklung von Impfstoffen gegen das Corona-Virus. Ein erstes Produkt, das das Mainzer Unternehmen BioNTech gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer entwickelt hat, zeigt in Studien eine Wirksamkeit von 90 Prozent, bislang ohne schwere Nebenwirkungen. Die Zulassung wurde beantragt. Das gleiche gilt für den US-Konkurrenten Moderna, der wenige Tage nach BioNTech ebenso einen Impfstoff präsentierte.

Auch in Europa verbuchten die Börsen fulminante Kursgewinne. Der EURO STOXX 50-Index erzielte ein Plus von 18,1 Prozent, der marktbreite STOXX Europe 600-Index legte um 13,7 Prozent zu. Die Corona-Lage bleibt angespannt. Komplette Lockdowns aufgrund steigender Infektionszahlen sind jedoch die Ausnahme. So scheinen die aktuellen Eindämmungsmaßnahmen die Wirtschaft insgesamt geringer zu belasten als im Frühjahr. Das zeigen Wirtschaftsdaten wie die jüngsten Umfrageergebnisse der Einkaufsmanagerindizes in der Eurozone. Vor allem aber der Durchbruch bei den Impfstoffstudien ließ die Kurse zur Monatsmitte auf Rekordstände steigen. Gegen Ende des Monats einigten sich zudem die EU-Finanzminister auf eine Reform des ESM-Rettungsschirms, die sich positiv auf die Eurozone und den Euro-Kurs auswirken dürfte.

Getrieben von besseren Konjunkturdaten und Impfstoff-Hoffnungen hat der japanische Markt ebenso deutlich an Fahrt aufgenommen. Der Nikkei 225-Index stieg in Lokalwährung um 15,0 Prozent. Aktien aus den Schwellenländern, gemessen am MSCI Emerging Markets Index in lokaler Währung, konnte ebenso eine erfreuliche Entwicklung von +7,7 Prozent verzeichnen.

Mit den positiven Impfstoffnachrichten stehen die Chancen gut, dass ab Mitte 2021 eine nachhaltige Erholung einsetzen wird. Die globale Liquiditätsflut und die niedrigen Zinsen unterstützen weiterhin Risikoanlagen wie etwa Aktien.

Die Rentenmärkte

Eurozone

Peripherieanleihen sind weiterhin Trumpf

Der Markt für europäische Staatsanleihen stand zu Monatsbeginn unter dem Einfluss der US-Präsidentschaftswahl. Obgleich ein erdrutschartiger Sieg von Joe Biden ausblieb und der Wahlausgang zunächst auch gar nicht klar war, reagierten letztlich viele Anleger erleichtert, dass die mit diesem Ereignis verbundene Unsicherheit ein Ende fand. Zudem gab es ermutigende Impfstoffnachrichten. Risikobehaftete Papiere waren daraufhin stark gesucht, sodass es bei den als sicher geltenden Bundesanleihen zunächst zu Kursverlusten kam. Anhaltend hohe Infektionszahlen und die Aussicht auf eine Verlängerung der Eindämmungsmaßnahmen führten dann jedoch dazu, dass die Verluste im Rahmen aufkommender Unsicherheit wieder aufgeholt werden konnten. Papiere aus den Peripherieländern zeigten sich hingegen wesentlich stabiler und verbuchten nahezu durchweg Kursgewinne. Vielfach erreichten die Renditen Rekordtiefstände. Zum Monatsende etwa rentierten zehnjährige Schuldverschreibungen aus Portugal nur noch bei null Prozent. Auch in Italien setzte sich der Trend niedriger Renditen fort.

Die erneut positive Entwicklung der Peripherie war umso erstaunlicher, als dass Polen und Ungarn von ihrem Vetorecht gegen den EU-Haushalt Gebraucht machten. Damit verzögert sich auch die Auszahlung des EU Wiederaufbaufonds - Geld, dass vor allem den Südländern zugutekommt und dort dringend benötigt wird. In den Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU konnte keine Einigung erzielt werden, obwohl die Zeit drängt, weil letztlich noch die jeweiligen nationalen Parlamente einem Handelsvertrag zustimmen müssen.

Von Seiten der Europäischen Zentralbank waren mehrere Kommentare zu vernehmen, die auf weitere Maßnahmen bei der kommenden Sitzung im Dezember hindeuten. Marktteilnehmer gehen von einer Verlängerung und Erhöhung der Ankaufprogramme und einer Anpassung der Langfristtender aus.

Gemessen am iBoxx Euro Sovereigns-Index erzielten europäische Staatsanleihen im November ein Plus von 0,1 Prozent. Anleihen aus den Kernländern verloren dabei leicht (-0,2 Prozent), während Papiere aus den Peripherieländern weiter hinzugewannen (+0,7 Prozent).

USA

US-Staatsanleihen traten letztlich auf der Stelle

US-Staatsanleihen standen zunächst unter dem Einfluss der US-Wahl. Der zuvor von den Demoskopen prognostizierte Erdrutschsieg von Joe Biden blieb überraschend aus. Aufgrund der fehlenden eindeutigen Mehrheit im US-Kongress wurde die Umsetzung eines größeren Konjunkturprogramms angezweifelt. US-Schatzanweisungen waren in diesem Umfeld gesucht und wiesen Kursgewinne auf. Auch deshalb, weil angenommen wurde, dass sich die Verschuldung weniger stark erhöhen dürfte. Die Freude der Anleger währte aber nur kurz. Im weiteren Monatsverlauf stellten gleich drei große Pharmakonzerne ermutigende Ergebnisse zu den Impfstoffen vor. Anleger begannen eine mögliche Erholung im Sommer nächsten Jahres einzupreisen. Papiere mit einem Risikoaufschlag waren daraufhin gefragt, während US-Schatzanweisungen Kursverluste verbuchten. Die Rendite von zehnjährigen Anleihen erhöhte sich von etwas mehr als 0,7 Prozent auf knapp ein Prozent. Weiter steigende Corona-Infektionszahlen und die Ankündigung erster Eindämmungsmaßnahmen erhöhten in der zweiten Monatshälfte dann wieder die Nachfrage nach US-Schatzanweisungen. Gemessen am JP Morgan Global Bond US-Index beendeten US-Staatsanleihen den November letztlich mit einem leichten Plus von 0,4 Prozent. Seit Jahresbeginn bedeutet dies ein Plus von 8,7 Prozent. Ausgehend von einem eher ruhigen Dezember würde sich damit ein sehr gutes Jahr für Anleger ergeben.

Auch wenn eine Stichwahl im Januar erst die Entscheidung bringt, so ist doch ein geteilter US-Kongress die weitaus wahrscheinlichere Variante. Der künftige US-Präsident Joe Biden wird es daher schwer haben, sein Wahlprogramm umzusetzen. Ein mögliches weiteres Konjunkturpaket könnte somit geringer ausfallen als erhofft. Dies ist auch für die US-Notenbank eine schwierige Situation, hatte sie doch zuletzt mehr Engagement von der Fiskalpolitik gefordert. Auf der kommenden Sitzung dürften die Währungshüter vermutlich noch weiter abwarten wollen. Viele Marktteilnehmer erhoffen sich jedoch mehr Klarheit über das Wertpapierankaufprogramm.

Weltweit

Anleihen mit Risikoaufschlag gefragt

US-Staatsanleihen standen zunächst unter dem Einfluss der US-Wahl. Der zuvor von den Demoskopen prognostizierte Erdrutschsieg von Joe Biden blieb überraschend aus. Aufgrund der fehlenden eindeutigen Mehrheit im US-Kongress wurde die Umsetzung eines größeren Konjunkturprogramms angezweifelt. US-Schatzanweisungen waren in diesem Umfeld gesucht und wiesen Kursgewinne auf. Im weiteren Monatsverlauf stellten gleich drei große Pharmakonzerne ermutigende Ergebnisse zu den Impfstoffen vor. Anleger begannen eine mögliche Erholung im Sommer nächsten Jahres einzupreisen. Papiere mit einem Risikoaufschlag waren daraufhin gefragt, während US-Schatzanweisungen Kursverluste verbuchten. Weiter steigende Corona-Infektionszahlen und die Ankündigung erster Eindämmungsmaßnahmen erhöhten in der zweiten Monatshälfte dann wieder die Nachfrage nach US-Schatzanweisungen. Gemessen am JP Morgan Global Bond US-Index beendeten US-Staatsanleihen den November letztlich mit einem leichten Plus von 0,4 Prozent.

Auch der Markt für europäische Staatsanleihen reagierte auf die US-Wahl und die Impfstoffnachrichten. Risikobehaftete Papiere waren daraufhin stark gesucht, sodass es bei den als sicher geltenden Bundesanleihen zunächst zu Kursverlusten kam. Anhaltend hohe Infektionszahlen und die Aussicht auf eine Verlängerung der Eindämmungsmaßnahmen führten dann jedoch dazu, dass die Verluste im Rahmen aufkommender Unsicherheit wieder aufgeholt werden konnten. Papiere aus den Peripherieländern zeigten sich hingegen wesentlich stabiler und verbuchten nahezu durchweg Kursgewinne. Vielfach erreichten die Renditen Rekordtiefstände. Gemessen am iBoxx Euro Sovereigns-Index erzielten europäische Staatsanleihen im November ein Plus von 0,1 Prozent.

Europäische Unternehmensanleihen blieben von Käufen der EZB gestützt und profitierten zudem von der höheren Risikobereitschaft der Anleger und verzeichneten auf Indexebene (ICE BofA Euro-Corp.-Index, ER00) ein Plus von 1,0 Prozent. Ein steigender Ölpreis und ein schwacher US-Dollar ließen Anleihen aus den Schwellenländern (J.P. Morgan EMBI Global Div. Index) um 3,9 Prozent steigen.

Unternehmensanleihen

Risikoreiche Papiere deutlich im Plus

Euro-Unternehmensanleihen bewegten sich im November in einem für risikoreiche Assets freundlichen Marktumfeld. Die Aussicht auf den baldigen Einsatz eines Corona-Impfstoffes und die anhaltend hohe Liquidität am Markt unterstützten. Der risikolose Zins (Zehnjährige Deutsche Bundesanleihen) stieg in diesem risikoaffinen Umfeld zwar leicht an, der Gesamtmarkt für Euro-Unternehmensanleihen mit Rating Investment Grade (ICE Bofa Euro Corporate-Index, ER00) legte im November aber um ein Prozent zu. Die Risikoprämien (Asset Swap Spreads) engten sich dabei um 17 auf 70 Basispunkte ein. Damit haben sich die Spreads mittlerweile sehr nahe an des Vorkrisenniveau im Februar herangearbeitet (63 Basispunkte). Die Spreads der schlechteren Qualitäten haben sich dabei deutlicher als die der guten Ratings eingeengt. Das nach wie vor ungelöste Thema Brexit belastete entgegen mancher Befürchtung nicht. Am Primärmarkt war etwas mehr an Aktivität als in den Vormonaten zu beobachten. Die Neuemissionsprämien haben sich im Rahmen der unverändert hohen Nachfrage der Anleger deutlich reduziert. So verzeichneten auch im High Yield-Sektor einzelne Emissionen aus Branchen, die sehr unter dem Corona-bedingten Geschäftseinbruch leiden, eine hohe Nachfrage und konnten folgend sehr erfolgreich platziert werden. Mit einem abschließenden Blick auf die mittlerweile zum Ende kommende Berichtssaison verlief diese für die Unternehmen insgesamt besser als erwartet.

Vor allem wiesen die mit erhöhten Risikoprämien versehenen Untersektoren deutliche Zugewinne auf. Der Index für Hybridanleihen aus dem Industriebereich (ICE BofA ENSU-Index) legte um 3,3, Prozent zu, dessen Spreads engten sich um 34 Basispunkte ein. Finanzpapiere (ICE BofA EBSU-Index) gewannen 2,2, Prozent hinzu, während deren Risikoprämien um 41 Basispunkte fielen. Den deutlichsten Zugewinn wiesen im risikoaffinen Marktumfeld High Yield-Papiere mit einem Plus von 4,1 Prozent und einer Spreadeinengung um 93 Basispunkte auf (ICE BofA HEAG-Index).

Am US-Unternehmensanleihemarkt war ein - auf US-Dollarbasis - Plus von 2,7 Prozent zu verzeichnen. Die Risikoprämien fielen dabei um 20 auf 121 Basispunkte.

Emerging Markets

Schwellenländeranleihen legen deutlich zu

An den Rentenmärkten der Schwellenländer (Emerging Markets) waren im November deutliche Kurszuwächse zu beobachten. Gemessen am JP Morgan EMBI Global Diversified-Index verbuchte der Gesamtmarkt ein Plus in Höhe von 3,9 Prozent. Für positive Impulse sorgten mitunter zuversichtlich stimmende Impfstoffmeldungen aus dem Hause BioNTech und Pfizer. Deren in Kooperation entwickelter Impfstoff zeigte in Studien eine Wirksamkeit von über 90 Prozent. Eine Zulassung ist sowohl in den USA als auch in Europa noch in diesem Jahr geplant. Auch der Biotechnologiekonzern Moderna konnte gute Studienergebnisse verkünden. Die Risikomärkte reagierten daraufhin entsprechend freundlich. Mit dazu beigetragen hat auch die forcierte Machtübergabe Donald Trumps. Nach wochenlangen Debatten kann in den USA der Übergang zwischen der aktuellen Regierung und dem neu gewählten Nachfolger Joe Biden eingeleitet werden, wenn auch ein geteilter US-Kongress die weitaus wahrscheinlichere Variante bleibt. Die Risikoaufschläge für EM-Hartwährungsanleihen entwickelten sich im November dem freundlichen Marktumfeld entsprechend rückläufig. Zum Monatsende notierte der Spread bei rund 380 Basispunkten und damit weit unterhalb der psychologisch wichtigen 400er-Marke. Die über den Monat hinweg abflachende Neuemissionstätigkeit nahm auch etwas Druck von den Sekundärmärkten.

In puncto Geldpolitik ist die Leitzinserhöhung in der Türkei hervorzuheben. Nach dem überraschenden Machtwechsel an der Spitze hat die türkische Zentralbank den Leitzins stark angehoben - von 10,25 auf 15 Prozent. Die Entscheidung fiel in der ersten vom neuen Notenbankchef Naci Agbal geleiteten Sitzung. Die Währung legte nach dem an den Finanzmärkten weitgehend erwarteten Zinsschritt zunächst zu, gab danach einen Teil ihrer Gewinne aber wieder ab. Unter dem Strich verblieb dennoch gegen den Euro ein Plus von 4,2 Prozent. Lediglich der Kolumbianische Peso und der Brasilianische Real konnten gegen den Euro noch stärker aufwerten. Die größten Verlierer am EM-Währungsmarkt waren hingegen die Indische Rupie (-2,3 Prozent), der Hongkong-Dollar (-2,3 Prozent) sowie der Argentinische Peso (-5,9 Prozent).

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 30. November 2020, soweit nicht anders angegeben.

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