MarktTicker 19. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 04. bis 08. Mai 2020

    Diese Woche: Ohne klare Richtung

Uneinheitliche Entwicklung

In der Berichtswoche zeigte sich an den Finanzmärkten eine eher uneinheitliche Entwicklung. Die Aktienbörsen wiesen regional sehr unterschiedliche Entwicklungen auf, lagen gemessen am MSCI World letztlich leicht im Plus. An den Rentenmärkten war die Renditeentwicklung mehr oder weniger seitwärtsgerichtet. Mit Blick auf die Konjunkturdaten hat sich der durch das Corona-Virus induzierte Abschwung in den großen Wirtschaftsräumen wie erwartet fortgesetzt. Die in der Berichtswoche veröffentlichten Daten bestätigten wenig überraschend die aktuell sehr unerfreuliche Lage. Diese wurde zum Wochenschluss einmal mehr mit dem US-Arbeitsmarktbericht bestätigt. Die dortige Arbeitslosenrate stieg im April auf 14,7 Prozent und befindet sich damit auf dem höchsten Stand seit den 1940-ern. Die Beschäftigung außerhalb des Agrarsektors (non farm payrolls) fiel um 20,5 Millionen Stellen. Die Daten blieben leicht unterhalb der Schätzungen der über Bloomberg befragten Analysten.

Aktienmärkte im Spannungsfeld

Zwischen den Optimisten und den Pessimisten konnte sich in der abgelaufenen Woche keine der beiden Seiten so richtig durchsetzen. Rückläufige Neuansteckungsraten bei Corona, die damit verbundenen Lockerungen und das sukzessive Hochfahren der Wirtschaft geben nunmehr Anlass zu einem positiven Ausblick. Andererseits bestätigen die aktuell veröffentlichten Konjunkturdaten, wie schwer die Volkswirtschaften rund um den Globus von der Pandemie betroffen sind. Auf jeden Fall muss selbst bei einer günstigen Entwicklung von Covid-19 mit einer längeren Phase der Erholung gerechnet werden. Teils wird von volkswirtschaftlicher Seite mit einer Dauer von bis zu zwei Jahren gerechnet, bis wir im Euroraum wieder das Niveau von der dem Ausbruch der Pandemie erreicht haben werden.

Bundesverfassungsgericht: Urteil zu Anleiheankäufen

Mit Spannung wurde in der Berichtswoche das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Anleiheankäufen der EZB erwartet. Das Gericht hat dabei sowohl der Europäischen Zentralbank (EZB) als auch den EuGH vorgeworfen, in den Entscheidungsbegründungen zum PSPP, also dem „alten“ Anleiheankaufprogramm, das Gebot der Verhältnismäßigkeit nicht angemessen berücksichtigt zu haben. Die Anleiheankäufe per se sind dabei nicht als verfassungswidrig eingestuft worden. Es wurde eine Übergangsfrist von drei Monaten eingeräumt, um die Dinge gerade zu rücken. Die Lage dürfte sich durch entsprechende Kommunikation (Schriftstücke oder Gespräche) recht schnell klären lassen. Allerdings stellen sich Fragen nach den Zuständigkeiten: Was dürfen BVerfG und EuGH? Wem muss die EZB Rechenschaft ablegen? Ist dadurch die Unabhängigkeit der EZB gefährdet? Dies sind letztlich langfristige Punkte, der Markt ist nach einer kurzen Reaktion recht schnell zur Tagesordnung übergegangen.

    Aktien: Regional differenziert

Im Euroraum waren die Aktienbörsen nach dem Feiertag etwas schwächer in die Woche gestartet, die moderaten Verluste konnten im Wochenverlauf teils wieder mehr oder weniger aufgeholt werden. DAX 30- und EUROSTOXX 50-Index lagen Freitagmittag mit 0,2 bzw. 1,1 Prozent noch leicht im Minus. Deutliche schwächer tendierten die Aktienmärkte aus den Schwellenländern, der MSCI Lateinamerika etwa verlor 4,6 Prozent. Freundlich zeigte sich die Entwicklung in Japan, der Nikkei 225-Index gewann 2,9 Prozent hinzu. Dow Jones und S&P 500-Index lagen – vor den wichtigen US-Arbeitsmarktdaten am Freitagmittag – mit zwei bzw. einem Prozent im Minus. Der technologielastige Nasdaq war hingegen mit einem Prozent im Plus. Per saldo überwog der Optimismus in der Berichtswoche leicht, der MSCI World-Index gewann 1,1 Prozent hinzu.

Branchen: Sehr differenzierte Wochenentwicklung

Aus Branchensicht zeigte sich die Wertentwicklung im STOXX Europe 600-Index, der bis Freitagmittag 0,8 Prozent hinzugewinnen konnte, überwiegend erfreulich. Die Sektoren Grundstoffe und Finanzdienstleistungen lagen mit 3,8 sowie 3,4 Prozent vorne. Ins Minus tendierten Versicherungen (minus 1,7 Prozent), die Reisebranche (minus 1,0 Prozent) und die als defensiv geltenden Versorgerwerte (minus 0,6 Prozent).

Die Berichtssaison zum ersten Quartal setzte sich fort. Der Markt handelte jedoch angesichts der aktuell vorherrschenden Wirtschaftslage und dem ungewissen Ausblick in vielen Unternehmen weitestgehend an den jeweils veröffentlichten Zahlen vorbei.

    Renten: Renditen bewegen sich in engen Bahnen

Bund mit neuer 15-jährigen Anleihe

An den Euro-Staatsanleihemärkten bewegten sich die Renditen in engen Bahnen. Auch in der Berichtswoche wurden zahlreiche Neuemissionen platziert. Hierunter war auch die neue Bundesanleihe, die mit 15 Jahren Laufzeit die bislang bestehende Fälligkeitsstruktur um diese Laufzeit ergänzt. Die Bundrendite (10 Jahre) stieg leicht um drei auf minus 56 Basispunkte an. Die deutsche Zinsstrukturkurve tendierte über die langen Laufzeiten etwas steiler. In der Peripherie (Italien, Spanien) weiteten sich die Risikoaufschläge zu Bundesanleihen ein wenig aus. Das Bundesverfassungsgericht hatte zwischenzeitlich mit seinem Urteil für etwas Verunsicherung und damit höhere Spreads gesorgt, die sich aber zum Wochenschluss wieder zurückbildeten.

Heute Abend steht bezüglich Italien die Rating-Entscheidung sowohl von Moody’s als auch der kanadischen DBRS an. Wir erwarten – zumindest Moody’s betreffend - keine Änderung der Investment Grade-Einstufung.

US-Zinskurve etwas steiler

Am US-Staatsanleihemarkt tendierten Zehnjahrespapiere unverändert. Die gesamte US-Zinskurve wurde etwas steiler. Zum einen stieg die Rendite 30-jähriger US-Treasuries um sechs Basispunkte an. Zum anderen fielen Zweijahrespapiere renditeseitig auf einen historischen Tiefstand (0,12 Prozent).

Der europäischen Unternehmensanleihemarkt gab leicht nach, in US-Dollar und Euro notierte Anleihen aus den Schwellenländern (Emerging Markets, EM) verbuchten leichte Zugewinne (jeweils bis Donnerstagabend). EM-Titel unterschritten bei den Risikoaufschlägen (Spreads) auf Indexebene (JP Morgan EMBI Global. Div.) dabei die Marke von 600 Basispunkten.

    Ausblick auf die kommende Woche

Viele wichtige Konjunkturdaten werden am kommenden Freitag veröffentlicht. Neben dem deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal sind in den USA sowohl Industrieproduktion als auch Verbrauchervertrauen von größerem Interesse. Die aktuell schlechte Datenlage sollte in den neuen Daten ihren Fortgang finden. Jedenfalls werden sich die Blicke auf das Hochfahren der Wirtschaft in vielen Ländern konzentrieren. Die Öffnung ist schon mal ein gutes Zeichen, wenngleich es für eine Entwarnung aber noch zu früh ist.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 8. Mai 2020, soweit nicht anders angegeben.

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