MarktTicker 5. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 27. bis 31. Januar 2020

    Was diese Woche wichtig war: Corona-Virus dominiert Marktentwicklung

Wirtschaftliche Folgen schwer abzuschätzen

Die Ausbreitung des Corona-Virus in China und weiteren Ländern bestimmte in der Berichtswoche die Entwicklung an den Finanzmärkten. Selbstverständlich steht dabei die medizinische beziehungsweise gesundheitliche Seite an erster Stelle. Aber finanzmarktseitig stellt sich auch die Frage nach den mit der Lage einhergehenden wirtschaftlichen Folgen. Die Abriegelung chinesischer Millionenstädte, die Einstellung des Reiseverkehrs von und nach China durch Luftfahrtunternehmen sowie Einschränkungen in der Geschäftstätigkeit durch internationale Unternehmen sind die bislang zu beobachtenden Folgen. Das Problem ist ein globales, zumal die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mittlerweile den internationalen Notstand ausrief. Niemand vermag derzeit genauer abzuschätzen, wie stark die Auswirkungen des Virus auf die weltwirtschaftlichen Handelsströme sein werden.

Die Verunsicherung unter den Anlegern hat sich in der Berichtswoche in rückläufigen Aktienmärkten, vor allem in Asien, niedergeschlagen. Als sicher geltende Staatsanleihen wie US-Treasuries oder deutsche Bundespapiere waren hingegen weiter gesucht und setzten ihren Höhenflug fort. Entsprechend gaben die Renditen an den Staatsanleihemärkten nach.

Konjunktur: Industriesektor mit Lichtblick

Mit Blick auf die in der Berichtswoche veröffentlichten Konjunkturdaten hat der Ifo-Index eher für Enttäuschung gesorgt. Im Januar ging das Barometer für das Geschäftsklima in der deutschen Wirtschaft um 0,4 auf 95,9 Punkte leicht zurück. Einen Lichtblick bot dabei aber der gebeutelte Industriebereich, da sich die Lagekomponente zuletzt verbessert hat. Der bislang starke Dienstleistungssektor war hingegen etwas rückläufig. Das Bruttoinlandsprodukt im Euroraum im vierten Quartal lag mit einem minimalen Zuwachs von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal unter den Erwartungen (0,2 Prozent).

In den USA zeigte sich das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal mit einem auf das Gesamtjahr hochgerechneten Zuwachs in Höhe von 2,1 Prozent solide. Vor allem stützten der private Konsum und der Immobilienmarkt. Für gesamt 2019 lag die Wachstumsrate bei 2,3 Prozent. Das US-Verbrauchervertrauen zeigte sich auch mit den Januar-Daten auf einem sehr soliden Pfad.

US-Notenbank Fed und Bank of England halten an ihrer Geldpolitik fest

Die US-Notenbank Fed hält an ihrer derzeitigen geldpolitischen Linie fest und damit die Zinsen unverändert (1,50 bis 1,75 Prozent) bei. Auf der ersten Sitzung im neuen Jahr am Mittwoch war das Inflationsziel eines der Hauptthemen innerhalb der Fed.

Ebenfalls unverändert blieb der britische Leitzins (0,75 Prozent). Einige Marktteilnehmer hatten angesichts einer geringen Inflationsrate und einer zuletzt stagnierenden Wirtschaft mit einer Leitzinssenkung der Bank of England (BoE) gerechnet. Die BoE steht aber bereit, unterstützend einzugreifen. Das Britische Pfund wertete daraufhin leicht auf.

    Aktien: Alle Märkte im roten Bereich

Vor allem Asien unter Druck

Die mit der Ausbreitung des Coronavirus einhergehende Verunsicherung führte in der Berichtswoche zu Verlusten an den Aktienbörsen. Hiervon waren vor allen die asiatischen Märkte beziehungsweise Schwellenländer betroffen. Der MSCI EM- und der MSCI EM Asia-Index verloren bis Freitagvormittag 4,2 beziehungsweise 4,5 Prozent. Mit minus 6,7 Prozent gab der Hang Seng China Enterprises-Index am deutlichsten ab. Die großen US-Indizes lagen mit im Schnitt einem Prozent vergleichsweise moderat im Minus. Im Euroraum verloren DAX 30- und EURO STOXX 50-Index per Freitagvormittag 2,7 und 2,0 Prozent. Der breite STOXX Europe 600-Index verlor 1,6 Prozent. Die Sektoren Technologie sowie Öl und Gas hatten mit jeweils 4,5 Prozent die höchsten Abschläge hinzunehmen.

Apple-Marktkapitalisierung höher als der gesamte DAX

Nach guten und über der Erwartung liegenden Quartalsdaten im Rahmen der Berichtssaison setzte die Apple-Aktie ihren Höhenflug fort. Der Höchstkurs lag am Mittwoch bei knapp 328 US-Dollar je Anteilsschein. Damit ist der Börsenwert des iPhone-Produzenten, der ein sehr gutes Weihnachtsgeschäft verbuchen konnte, auf nunmehr 1,4 Billionen US-Dollar angestiegen. Die Marktkapitalisierung von Apple übertrifft damit jener aller DAX 30-Werte zusammengenommen.

Insgesamt recht ordentlich zeigten sich die Zahlen großer US-Konzerne wie Microsoft oder Amazon. Der deutsche Softwareentwickler SAP hat sich nach dem Rückgang des operativen Gewinns im vergangenen Jahr für 2020 höhere Ziele gesteckt. Die Anleger wollen die Aussichten jedoch nicht teilen und sehen die Entwicklung im Cloud-Geschäft eher etwas skeptisch. Die SAP-Aktie zählt mit 6,3 Prozent Verlust zu den Wochenverlierern im DAX 30-Index. Nur Infineon und Volkswagen verloren mit jeweils rund 7,5 Prozent noch etwas mehr.

Deutsche Bank-Aktie gegen den Markttrend fest

Die Deutsche Bank schockte am Donnerstag zunächst mit einem Konzernverlust für 2019 in Höhe von 5,7 Milliarden Euro. Die Erwartungen der Analysten lagen mit im Schnitt minus fünf Milliarden Euro nicht allzu weit hiervon entfernt. Recht schnell setzte sich am Markt die Erkenntnis durch, dass das Finanzinstitut im laufenden Konzernumbau offenbar schneller vorankommt als erwartet. Die hierfür erforderlichen Kosten sollen nach Unternehmensangaben bereits zu 70 Prozent in die Ergebnisentwicklung des vergangenen Geschäftsjahres eingeflossen sein. Die Anleger nahmen trotz der derzeit allgemein eher ungünstigen Marktentwicklung die Nachrichten dankbar auf. Die Deutsche Bank-Aktie legte gegen den Trend in der Berichtswoche (bis Freitagmittag) knapp zehn Prozent auf 8,60 Euro zu und überschritt damit erstmals seit dem Frühjahr 2019 wieder die Kursmarke von acht Euro.

    Renten: Renditeabschwung bei Staatsanleihen setzt sich fort

Neben dem Bund auch Italien mit deutlichen Zugewinnen

Die hohe Nachfrage nach risikofreien Anlagen führte zu deutlich rückläufigen Renditen an den Staatsanleihemärkten. Die deutsche Zinsstrukturkurve tendierte etwas flacher, die Verzinsung fiel bei den langen Laufzeiten um bis zu zehn Basispunkte. Am US-Staatsanleihemarkt verschob sich die Kurve um bis zu zwölf Basispunkte nach unten.

Darüber hinaus tendierte der italienische Staatsanleihemarkt fester. Nach dem Sieg der PD bei den Regionalwahlen am vergangenen Wochenende waren italienische Staatspapiere gefragt. Die Zehnjahresrendite fiel dort wieder unter die Ein-Prozentmarke (0,93 Prozent per Freitagmittag). Der Renditeaufschlag (Spread) zu Bundesanleihen engte sich in der Berichtswoche um deutliche 22 Basispunkte ein.

Griechenlands neue Anleihe nach Ratingheraufstufung ein voller Erfolg

Ein weiteres Thema war Griechenland, dessen Rating um einen Notch auf BB heraufgestuft wurde. Die in der Berichtswoche anstehende Platzierung einer Anleihe mit 15 Jahren Laufzeit zeigte sich vor diesem Hintergrund als voller Erfolg. Neue Papieren im Gegenwert von 2,5 Milliarden Euro erzeugten im Orderbuch eine Nachfrage von 19 Milliarden Euro. Zwei Drittel der Emission gingen an Kapitalanlagegesellschaften. Rekordverdächtig war in der Berichtswoche auch ein neuer Bond aus Frankreich. Die 2052 fällige Anleihe im Volumen von fünf Milliarden Euro erzielte mit mehr als 38 Milliarden Euro eine nahezu achtfache Überzeichnung. Dies galt ebenso für Österreich: Zehnjahrespapiere im Umfang von drei Milliarden Euro riefen eine zehnfache Nachfrage im Orderbuch hervor - ein Rekord für Anleihen des Alpenstaates. Der europäische Gesamtmarkt (iBoxx € Sovereigns) legte, insbesondere durch Anleihen aus Deutschland und Italien, per Börsenschluss am Donnerstagabend mit einem Prozent deutlich zu.

Die Neuemissionstätigkeit bei Unternehmens- und EM-Anleihen war stark rückläufig. Beide Märkte konnten durch die abwärts gerichtete Zinsbewegung leicht hinzugewinnen. Die Spreads weiteten sich hingegen, vor allem an den EM-Rentenmärkten, aus. Mit 312 Basispunkten Renditeaufschlag am Donnerstagabend wurde wieder die 300-Marke nach oben durchbrochen.

    Ausblick auf die kommende Woche

Übergeordnetes Thema und damit marktbestimmender Faktor bleibt die Ausbreitung des Corona-Virus. Dennoch liegen auch in der neuen Woche wieder einige wichtige Konjunkturdaten an. Für Deutschland erwarten wir zum Schluss der Handelswoche die Industrieproduktion im Dezember. Die jüngsten Stimmungsindikatoren deuten eine Bodenbildung innerhalb des schwächelnden Industriesektors an. Nun stehen die „harten“ Dezemberdaten an. Hierzu ergänzend werden bereits am Donnerstag die deutschen Auftragseingänge veröffentlicht. Der Konsens erwartet hierbei wieder leicht positive Zahlen.

Aus den USA stehen weitere Daten aus dem neuen Jahr auf der Agenda. Der vielbeachtete ISM-Index und vor allem die neu geschaffen Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft (am Freitag) zeigen, wohin dort die konjunkturelle Reise geht. Die Analysten erwarten mit 150.000 neuen Arbeitsplätzen einen Stellenzuwachs in etwa auf dem Niveau des Vormonats.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 31. Januar 2020, soweit nicht anders angegeben.

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