Marktrückblick und -ausblick 44. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 01. bis 05. November 2021

    Diese Woche: US-Notenbank reduziert Anleiheankäufe

Wie bereits im Vorfeld erwartet hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am Mittwoch die Reduzierung ihres Anleihekaufprogramms beschlossen. Der Startschuss zur „Tapering“ genannten Rückführung wird noch im November fallen. Die Bank of England überraschte hingegen durch Stillhalten. Entgegen der Erwartungen wurde der Leitzins nicht erhöht. An den Aktienmärkten standen die Ampeln in der Berichtswoche auf „Grün“. Dort bestimmten ein großer Optimismus und der Zufluss von Anlagegeldern das Geschehen. Zahleiche Indizes, unter anderem der DAX 40, erzielten wieder Rekordstände. Die Entspannung zeigte sich auch am Rentenmarkt. Nach den jüngsten Verlusten und dem damit einhergehenden Renditeanstieg kam es zuletzt bei US-Staatsanleihen und deutschen Bundespapieren wieder zu Zugewinnen. Die großen südlichen Peripherieländer wie Spanien und vor allem Italien verzeichneten zudem einen merklichen Rückgang bei den Risikoaufschlägen gegenüber Bundesanleihen.

Fed startet bereits im November mit Reduzierung

Noch in diesem Monat wird die US-Notenbank mit der Reduzierung ihrer Anleiheankäufe beginnen. Pro Monat wird die Ankaufssumme von derzeit 120 Milliarden US-Dollar für US-Staats- sowie Hypothekenanleihen um jeweils 15 Milliarden US-Dollar gekürzt. Gleichzeitig ließ die Fed aber die Bereitschaft erkennen, die Reduzierung jederzeit der Entwicklung des Marktumfelds anzupassen. Im Prinzip hat sich die Fed mit einer gewissen Unverbindlichkeit Handlungsspielraum geschaffen und kann über einen Anpassungspfad je nach Datenlage frei agieren. Die Vorgehensweise der Fed dürfte damit künftig stärker von den aktuellen Daten geprägt sein. Zinsseitig blieb die Fed unverändert. Mit dem voraussichtlichen Ende des Tapering - einen kontinuierlichen Reduzierungspfad vorausgesetzt – im Juni 2022 hätte die Fed dann die Möglichkeit, in der zweiten Jahreshälfte 2022 die Zinsen erstmals anzuheben. Letztlich hat sich die Fed mit dem Plan, die Anleihekäufe bis Mitte kommenden Jahres zurückzuführen, nun auch acht Monate Zeit verschafft, um den zugrundeliegenden Makrodaten bezüglich der Inflationsentwicklung die Möglichkeit zu geben, sich auch wirklich als vorübergehend zu erweisen. Allerdings scheint die Überzeugung der Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) hinsichtlich des vorübergehenden Charakters der Preissteigerung mittlerweile etwas an Stärke zu verlieren. Wir gehen derzeit davon aus, dass die Fed bis ins dritte Quartal 2022 hinein abwartet, wie sich die der Zinsentscheidung zugrundeliegenden Wirtschaftsdaten entwickeln werden.

Bank von England: Leitzins bleibt erst einmal unverändert

Die Bank von England (BoE) hat am Donnerstag mit Passivität überrascht. Der Markt hatte fest mit einer Leitzinserhöhung gerechnet. Die Hürde für Zinserhöhungen scheint jedoch recht hoch zu liegen, wie die jüngsten Zentralbankentscheidungen von Fed, EZB und nun auch der Bank von England nahelegen. Die BoE steht jedoch bereit, in Abhängigkeit von der Arbeitsmarktentwicklung die Zinsen in den kommenden Monaten zu erhöhen. Insgesamt ist die globale Zinswende aber unübersehbar. In den vergangenen Wochen haben zahlreiche Zentralbanken, neben Australien, Kanada und Neuseeland vor allem Institute aus Osteuropa und Lateinamerika, eine restriktivere Geldpolitik eingeleitet und vor dem Hintergrund der Preissteigerungen die Leitzinsen erhöht. So überraschte beispielsweise gestern die Tschechische Zentralbank mit einer deutlichen Leitzinserhöhung um 1,25 auf 2,75 Prozent den Markt.

US-Arbeitsmarkt: Mehr neu geschaffene Stellen als erwartet

Nach den in der Vorwoche veröffentlichten Inflationsdaten, im Euroraum betrug der Preisanstieg im Oktober bei satten 4,1 Prozent, bewegten sich die Makrodaten zuletzt wieder in ruhigeren Gewässern.

In China zeigten sich die Caixin-Einkaufsmanagerindizes im Oktober leicht verbessert. Bei den US-Daten tendieren die ISM-Indizes für das Verarbeitende Gewerbe sowie für die Dienstleistungen im Oktober uneinheitlich. Erstere fielen leicht, letztere stiegen deutlich an. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lagen mit 269.000 leicht unter der durchschnittlichen Schätzung (Bloomberg). Der US-Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter war im September nochmals leicht rückläufig. Die Zahl der im Oktober neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (non farm payrolls) lag mit 531.000 um einiges höher als die zuletzt erwarteten 450.000. Die Arbeitslosenquote in den Staaten fiel von 4,8 auf 4,6 Prozent.

Deutsche Industrieproduktion im September rückläufig

Die deutsche Industrieproduktion fiel im September gegenüber dem Vormonat um 1,1 Prozent. Damit lag sie knapp zehn Prozent unter dem Vorkrisenniveau von Februar 2020.
Der Grund hierfür ist aber nicht die mangelnde Nachfrage. Im Gegenteil: Das Volumen der Aufträge der deutschen Unternehmen ist knapp zehn Prozent höher als vor der Krise. Es ist wie mit einem Seil, das sich nicht schieben lässt: Die Unternehmen möchten mehr produzieren, können ihre Aufträge wegen fehlender Vorprodukte aber nicht abarbeiten – als Folge sinkt die Produktion trotz guter Nachfrage. Extrem ist die Situation im Automobilsektor, auch wenn es dort erste vorsichtige Entspannungssignale gibt. Die Produktion könnte beginnen, sich bei den Autobauern auf sehr niedrigem Niveau zu stabilisieren. Bis zur Trendwende müssen wir uns noch gedulden. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir glauben, dass die dicken Auftragspolster der Unternehmen, die sich während der Wiedereröffnung angesammelt haben, größtenteils auch wirklich abgearbeitet werden können. Wenn erst einmal Weihnachten und das Chinesische Neujahrsfest hinter uns liegen, sollten sich die Lieferengpässe entspannen. Damit steigt auch die Chance, dass die Unternehmen mehr Aufträge aus ihrem Bestand abarbeiten können und die Produktion wieder zu einem Wachstumstreiber für die deutsche Wirtschaft wird.

    Aktien: Indizes weiter auf Rekordfahrt

Vor dem Hintergrund zurückhaltender Notenbanken herrschte eine sehr freundliche Stimmung an den Aktienbörsen. Im Rahmen kontinuierlicher Mittelzuflüsse und optimistischer Stimmungsindikatoren gab es überwiegend Zugewinne. Zumal auch die sich dem Ende zuneigende Berichtssaison weiter zur positiven Stimmungslage beitrug. In den USA kletterten Dow Jones Industrial Average, S&P 500- sowie der Nasdaq-Index auf neue Rekordhöhen. Die Zugewinne lagen per Donnerstagabend bei 1,1 (Dow Jones) und 3,6 Prozent (Nasdaq). Der DAX 40 schloss am Donnerstag erstmals über der Marke von 16.000 Punkten und lag am Freitagvormittag mit seinem Allzeithoch auf Wochensicht 2,1 Prozent im Plus. In Asien gewann der Nikkei 225-Index ebenfalls 2,5 Prozent hinzu, während der chinesische Hang Seng Enterprises-Index 1,6 Prozent tiefer notierte. Der MSCI World-Index lag per Freitagvormittag mit 1,6 Prozent erneut leicht im Plus.

Gesundheitswerte vorne, Ö- und Gasaktienaktien verlieren

Im STOXX Europe 600-Index (plus 1,8 Prozent) hatten in der Berichtswoche der Gesundheitssektor die Nase vorne und lag am Freitagvormittag mit vier Prozent im Plus. Technologiewerte folgten mit einem Zugewinn von 2,6 Prozent. Mit 3,1 Prozent deutlich im Minus notierten im Zuge rückläufiger Energienotierungen Öl- und Gaswerte. Zudem gab der Grundstoffsektor 2,9 Prozent ab.

Starkes Kursplus bei HelloFresh

Im DAX 40 war HelloFresh klarer Wochengewinner. Starke Quartalszahlen, die über den Erwartungen der Analysten lagen, bescherten der Aktie in der Berichtswoche ein sattes Plus in Höhe von 28 Prozent. Die mit immerhin plus 7,3 Prozent Kursgewinn dahinter liegende Siemens Healthineers macht sich damit im direkten Vergleich eher mager aus. Weniger erfreulich war der Kursverlauf bei Siemens Energy, die 8,1 Prozent nachgaben. Die Branche für erneuerbare Energien war zuletzt im Rahmen steigender Rohstoffpreise, Problemen in den Lieferketten sowie schwacher Daten beim dänischen Unternehmen Vestas etwas unter Druck geraten.

    Renten: Erholung an den Staatsanleihemärkten

An den Euro-Staatsanleihemärkten prägten steigende Anleihenotierungen respektive fallende Renditen das Geschehen. Die Aussicht auf ein anhaltendes Niedrigzinsumfeld, welches in den vergangenen Tagen von EZB-Seite kommunikativ nochmals bekräftigt wurde, führte zu einem Stimmungsumschwung. Die teils ambitionierten Zinserhöhungserwartungen der Marktteilnehmer wurden teils wieder an den Börsen ausgepreist. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel von minus 0,11 auf minus 0,24 Prozent. Mit Blick auf die deutsche Zinskurve war der Kurszuwachs und damit der Renditerückgang bei den Laufzeiten zwischen zwei und acht Jahren am ausgeprägtesten.

Bei den US-Staatsanleihen verlief die Bewegung parallel. Allerdings wiesen dort langlaufende US-Treasuries mit 30 Jahren Fälligkeit einen Verlust bzw. eine leicht steigende Rendite auf.

Peripherie-Anleihen deutlich erholt

In der Euro-Peripherie war ebenfalls ein Stimmungsumschwung zu beobachten. So fiel im Wochenverlauf etwa die Zehnjahresrendite italienischer Staatsanleihen von 1,2 auf 0,94 Prozent. Der Risikoaufschlag (Spread) italienischer Papiere zu Bundesanleihen engte sich im Zehnjahresbereich deutlich von 131 auf 117 Basispunkte ein. Freundlich tendierten auch der spanische und der portugiesischen Staatsanleihemarkt. In Portugal wird es nach einer nach Haushaltsfragen ausgelösten Regierungskrise am 30. Januar zu Neuwahlen kommen, was den Renditerückgang aber nicht ausbremste.

    Ausblick auf die kommende Woche

Nach den Notenbankwochen stehen wieder Konjunkturdaten verstärkt im Blickpunkt. Aus den USA kommen am Mittwoch die Verbraucherpreise für den Monat Oktober. Die Schätzungen liegen im Jahresvergleich bei knapp plus sechs Prozent, von einer Entspannung an der Preisfront ist also noch lange nichts zu erkennen. Am Dienstag steht für Deutschland der ZEW-Index für November mit der Lageeinschätzung und den Erwartungen auf der Agenda. Am Donnerstag folgt dann das britische Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 5. November 2021, soweit nicht anders angegeben.

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