Marktrückblick und -ausblick 45. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 08. bis 12. November 2021

    Diese Woche: US-Inflation steigt im Oktober unerwartet deutlich an

Der Preisanstieg in den Vereinigten Statten erreicht ungeahnte Höhen. Mit 6,2 Prozent im Oktober wurden die schon hochgesteckten Erwartungen der Analysten noch einmal übertroffen. Dies vermochte die gute Stimmung an den Aktienmärkten jedoch kaum einzutrüben. Auch die jüngste Corona-Entwicklung mit dem starken Anstieg der Erkrankungen fand bei den Anlegern wenig Beachtung. Die Indizes verharrten auf ihren hohen Niveaus oder gaben nur leicht nach, nachdem zu Wochenbeginn teils sogar noch neue Rekordmarken erreicht wurden. So stieg etwa der DAX 40 am heutigen Freitag auf einen neuen Höchststand von 16.117 Punkten an. An den Staatsanleihemärkten kamen vor allem Bundesanleihen und US-Schatzanweisungen mit kürzeren und mittleren Laufzeiten unter Druck. Die Befürchtung einer schnellen geldpolitischen Wende durch die Zentralbanken ließ die Renditen wieder ansteigen. Der Euro wertete zum US-Dollar in der Berichtswoche spürbar ab.

US-Teuerung im Oktober bei 6,2 Prozent

Mit plus 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat stieg die US-Inflation im Oktober deutlich an. Dass die Sechs-Prozentmarke überschritten wurde, hatten die meisten Analysten in Schätzungen nicht einkalkuliert. Anhaltende Lieferengpässe und erhöhte Energiepreise ließen die Verbraucherpreise so kräftig wie seit 1990 nicht mehr ansteigen. Auch die um die schwankungsanfälligen Nahrungsmittel- und Energiepreise bereinigte Kernrate zog mit 4,6 Prozent ebenfalls deutlich an. Komponenten wie Mietpreise und der Automobilsektor, sowohl was Neu- als auch Gebrauchtwagen betrifft, hatten maßgeblichen Anteil an der Entwicklung. Im Vergleich zum Vormonat September 2021 betrug der Preisanstieg 0,9 Prozent.

Auf der US-Notenbank Fed wird bezüglich der geldpolitischen Ausrichtung weiter Druck lasten, wenngleich diese die aktuelle Preisentwicklung nach wie vor als temporär bezeichnet. Die Fed hat sich zuletzt eine flexible Handhabung bei der Rückführung ihrer Anleiheankäufe (Tapering) vorbehalten. Bei anhaltendem Inflationsdruck könnte einer schnelleren Rückführung der Anleiheankäufe ein früherer Zinsschritt als erwartet folgen, wovon wir derzeit aber nicht ausgehen. US-Präsident Biden hat die Inflation kürzlich als gesellschaftliches Problem bezeichnet, was es der Fed unter dem Vorsitzenden Powell, auch vor dem Hintergrund der Neubesetzung der Fed-Führung, nicht gerade leichter macht.

Deutschland: ZEW-Index mit optimistischen Erwartungen

Der über die Befragung von Finanzanalysten ermittelte ZEW-Index für die deutsche Wirtschaft zeigte sich für November uneinheitlich. Einer schlechteren Lageeinschätzung (12,5 nach 21,6 Punkte) stand eine verbesserte Erwartungskomponente (31,7 nach 22,3 Punkte) gegenüber. Die zuletzt rückläufigen September-Daten zur deutschen Industrieproduktion dürften auf die Lagebeurteilung gedrückt haben. Die positive Erwartungshaltung der Finanzmarktexperten wird auf die gute aktuelle Entwicklung am Kapitalmarkt zurückgeführt. Diese spiegelt sich im Rahmen zahlreicher Rekordstände an den Aktienmärkten entsprechend in den Angaben der Umfrageteilnehmer wider.

    Aktien: DAX 40 am Freitag auf Rekordstand

Die Aktienmärkte präsentierten sich in der Berichtswoche uneinheitlich. Die freundliche Grundstimmung hielt jedoch unvermindert an. Sowohl Zuflüsse in Aktienfonds, die Markttechnik sowie positive Stimmungsindikatoren sorgten zum Wochenauftakt teils für neue Rekordstände, die aber im weiteren Verlauf nicht gehalten werden konnten. Letztlich pausieren die Märkte in der Nähe ihrer Höchstmarken. Dem DAX 40 gelang es immerhin, am Freitagvormittag mit 16.117 Punkten einen neuen Höchststand zu erzielen. Im Wochenvergleich ging es um 0,3 Prozent aufwärts. Die US-Börsen lagen vor dem Start in den letzten Handelstag leicht im Minus. In Asien zeigte sich der Nikkei 225 unverändert, während der chinesische Hang Seng Enterprises-Index 3,3 Prozent zulegen konnte. Der MSCI-World-Index verlor in der Berichtswoche 0,9 Prozent.

Branchen mehrheitlich im Plus

Mit Blick auf die europäische Branchenentwicklung, der STOXX Europe 600-Index gewann mit 0,3 Prozent leicht hinzu, verbuchten Grundstoffaktien (plus 3,2 Prozent) und Medientitel (plus 2,1 Prozent) die höchsten Zuwächse. Der Reise- und Freizeitsektor gab Corona-bedingt mit 3,1 Prozent am deutlichsten ab. Ansonsten überwogen rein zahlenmäßig geringe Pluszeichen die Branchenentwicklung.

Siemens im Blickpunkt

Im DAX 40 stand in der Berichtswoche die Aktie von Delivery Hero an der Spitze. Im Rahmen der Quartalszahlen haben die laut Presseberichten positiven Umsatzerwartungen des Unternehmens die Anleger erfreut. Die Aktie gewann 8,7 Prozent hinzu. Siemens Energy folgt mit einem Kursplus von 7,7 Prozent, nachdem die Aktie in der Vorwoche noch Verluste verbuchte. Die Aktie der Siemens AG erzielte in der Berichtswoche nach sehr guten Quartalszahlen mit etwas mehr als 151 Euro je Anteilsschein einen Rekordstand. Dieser konnte am Freitag nicht ganz gehalten werden, mit knapp 148 Euro lag die Aktie aber noch 1,5 Prozent im Plus. Mit der publik gewordenen Aufspaltung des US-Konkurrenten General Electric in mehrere Sparten rückte Siemens neben der Quartalsberichterstattung zusätzlich in den Blickpunkt. Wenig Freude bereitete den Aktionären der Kursverlauf von Adidas. Die Aktie gab 5,3 Prozent ab, nachdem sich das Unternehmen Meldungen zufolge bezüglich der Geschäftsentwicklung nur noch am unteren Ende der Spanne seiner abgegebenen Jahresprognose bewegen will.

    Renten: Inflationsentwicklung belastet

An den Euro-Staatsanleihemärkten waren nach der Erholung in der Vorwoche zuletzt wieder rückläufige Anleihenotierungen zu beobachten. Die Unsicherheit bezüglich des geldpolitischen Richtungswechsels der Zentralbanken spiegelte sich vor allem in den kurzen bis mittleren Laufzeiten wider, deren Renditen stiegen teils deutlich an. Bei den langen Laufzeiten tat sich wenig, sodass die Zinsstrukturkurven über das vordere Ende etwas flacher tendierten. Die richtungsweisende 10-jährige Bundesanleihe rentierte am Freitagvormittag mit minus 0,24 Prozent (Vorwoche 0,28 Prozent).

EZB-Mitglied Holzmann verunsichert

Mit Blick auf die Euro-Peripherie war der Renditetrend ebenfalls leicht aufwärtsgerichtet, auch dort gab es Kursverluste. Die Risikoaufschläge (Spreads) gegenüber Bundesanleihen zogen wieder etwas an, vor allem in Griechenland und mit Abstrichen auch in Italien. Das Rätselraten über die weitere Gestaltung der Ankaufprogramme der Europäischen Zentralbank (EZB) brachte zuletzt etwas Unsicherheit in den Markt. So hatte der österreichische Zentralbankchef und EZB-Ratsmitglied Holzmann zur Wochenmitte ein Auslaufen der Ankaufprogramme im September 2022 ins Spiel gebracht. Dass es sich hierbei um eine Mehrheitsmeinung innerhalb des EZB-Rats handelt wird aber am Markt sehr stark angezweifelt. Holzmann ist Fürsprecher einer eher restriktiveren Geldpolitik, die aber innerhalb des Gremiums derzeit nicht mehrheitsfähig ist.

US-Staatsanleihen mit Verlusten

Am US-Staatsanleihemarkt wurden in der Berichtswoche 30-jährige Papiere platziert. Die Auktion verlief vergleichsweise schlecht, was aber kaum Auswirkung auf die Rendite bereits gehandelter Papiere mit dieser Laufzeit hatte. Die Zinsbewegungen finden derzeit in den kurzen bis mittleren Laufzeiten statt. Zehnjährige US-Treasuries rentierten mit 1,57 Prozent zwölf Basispunkte über Vorwochenschluss. Gleichzeitig sind vor dem Hintergrund der jüngsten Preisdaten die Inflationserwartungen am US-Markt wieder deutlich angestiegen.

Weitere Zentralbanken erhöhen Zins

Der international zu beobachtende Zinserhöhungstrend durch die Zentralbanken setzte sich auch in der Berichtswoche fort. Mit Mexiko und Peru drehten zwei südamerikanische Vertreter an der Zinsschraube und erhöhten ihre jeweiligen Leitsätze. In Europa hob Rumänien zudem den Leitsatz an. Zuletzt waren es vor allem die osteuropäischen Zentralbanken, die mit höheren Leitzinsen der Preissteigerung entgegentreten. In der Vorwoche hatten bereits Polen sowie Tschechien erhöht. Vor allem geriet die tschechische Zentralbank mit einer deutlichen Anhebung von 1,25 auf 2,75 Prozent in den Blickpunkt der Anleger.

Euro: Abwertungstrend gegenüber dem US-Dollar intakt

Am Währungsmarkt gewann der bestehende Abwertungstrend des Euro zum US-Dollar an Fahrt. Die Gemeinschaftswährung gab bis Freitagvormittag 1,1 Prozent zum Greenback nach und notierte bei 1,144 US-Dollar je Euro. Auf diesem Niveau handelte der Euro zuletzt im Juli 2020. In Erwartung einer restriktiveren Geldpolitik der US-Notenbank und damit höherer US-Zinsen wird der US-Dollar derzeit gegenüber dem Euro am Markt als attraktiver angesehen.

    Ausblick auf die kommende Woche

In der neuen Handelswoche dürften die US-Einzelhandelsumsätze von übergeordnetem Interesse sein. Die zuletzt guten Daten vom US-Arbeitsmarkt sollten sich im Oktober positiv auf den privaten Konsum ausgewirkt haben. Der Konsens der Schätzungen liegt bei plus 1,1 Prozent. Darüber hinaus stehen einige Daten aus China auf der Agenda. Dort dürften neben der Industrieproduktion ebenfalls die Einzelhandelsumsätze (beide Oktober) im Fokus der Marktteilnehmer sein.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 12. November 2021, soweit nicht anders angegeben.

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