Kapitalmarktausblick2_2400p

Wie Airlines sich mit Vielfliegerprogrammen viele Milliarden Dollar besorgen

Alternative zu Staatshilfen

Die Corona Krise hat die meisten Fluggesellschaften dieser Welt hart getroffen. Aufgrund von Reiserestriktionen und Lockdowns stand die Welt und damit auch der Reiseverkehr über Monate still. Langsam startet der Flugverkehr wieder auf ausgewählten Routen. Doch auch ein ruhender Flugverkehr verbrennt Unmengen an Geld. Denn die Flugzeuge sind in vielen Fällen geleased und auch die Mitarbeiter müssen weiterbezahlt werden. Im Anblick von täglich schwindenden Cash-Reserven, stellt dies viele Airlines schnell vor existenzielle Probleme.

Geldsegen dank Vielfliegerprogrammen

Während die europäischen Fluggesellschaften zur Überwindung dieser Geldnot vor allem auf Staatshilfen setzten, erhielten die großen US-amerikanischen Airlines zusätzlich noch einen dringend benötigten Geldsegen aus anderer Quelle: ihren eigenen Vielfliegerprogrammen.

Denn die Vielfliegerprogramme verkaufen jährlich Millionen an Meilen an Banken wie JP Morgan oder American Express , welche diese Meilen als Belohnung für Kreditkartenumsätze an Kunden weiterreichen. Im Zuge der Coronakrise wurde nun mit diesen Banken ein Deal ausgehandelt, bei welchem umfangreiche Meilenkontingente für die nächsten Jahre schon im Voraus gekauft und bezahlt wurden, was wieder frisches Geld in die Airline Kassen spülte und somit das mittelfristige Überleben ermöglicht.

United Airlines ist sogar noch einen Schritt weitergegangen und hat das eigene Mileage Plus Vielfliegerprogramm für einen Kredit in Höhe von fünf Milliarden US-Dollar an ein Bankenkonsortium verpfändet. Mit dem so erhaltenen Geld sollte man laut Management auch eine hypothetische zweite Welle überstehen können.

Hier finden Sie alle Artikel aus der Königsklasse

Vielfliegerprogramme erhalten den Kontakt zum Kunden

Aber Vielfliegerprogramme sind in diesen turbulenten Zeiten nicht nur als Besicherung von Krediten relevant, sondern könnten auch ein wichtiger Treiber der Erholung der Branche werden. So sind diese durch die Pandemie hindurch ein wichtiger Kontaktpunkt zu den loyalsten und umsatzstärksten Kunden der Fluglinie auch abseits des Flughafens.

Viele Airlines zeigten sich hier generös und verlängerten die Vielfliegerstatuslevels um mehrere Monate oder sogar um gar ein volles Jahr. Manche Airlines wie Air Canada und Emirates führten zudem schnell Möglichkeiten ein, wie man Statusmeilen auch durch nicht-Flug Aktivitäten wie Shopping oder Kreditkartenumsätze erhalten konnte.

Promotions sollen Kunden anlocken

Da nun der Flugbetrieb aber in vielen Ländern wieder anläuft, möchte man diese wichtigen Kunden zurück in die Flugzeuge holen. Zu diesem Zweck haben sich manche Airlines sehr attraktive Promotions einfallen lassen. Bei Iberia gibt es etwa für bestehende Kunden vierfache Statuspunkte auf alle innereuropäischen Flüge bis Ende August, was das Erreichen eines höheren Statuslevels deutlich vereinfacht.

In einer ähnlichen Promotion können Kunden bei Air Canada bis zu dreifache Aeroplan Meilen sammeln. Die in Großbritannien beheimatete British Airways hat in ihrem Executive Club genannten Vielfliegerprogramm sogar pauschal für ein Jahr die Qualifikationshürden für einen Status um 25 Prozent gesenkt.

Andere Airlines wie etwa Qatar Airways gehen sogar noch einen Schritt weiter. Im Rahmen einer so genannten "Status Match" Promotion konnte man hier einen Vielfliegerstatus komplett geschenkt erhalten, sofern man über einen vergleichbaren Vielfliegerstatus bei einer Konkurrenzairline wie etwa Turkish Airlines verfügt hat.

Lufthansa bisher zögerlich

Die Lufthansa zeigt sich im Hinblick auf Promotions aktuell noch sehr zögerlich. Allerdings hatte man beim aktuellen Rettungspoker auch wichtigere Themen zu klären. Eine attraktive Promotion im hauseigenen Miles & More Programm würde trotzdem sicher dazu beitragen, Vielflieger dazu zu motivieren, diesen Sommer öfter ein Flugzeug zu besteigen.

Bisher wurde im Zuge der Pandemie nur der bestehende Vielfliegerstatus für bestimmte Kunden verlängert, ohne dabei die Statusqualifikationskriterien zu berühren. Für die meisten Kunden ist somit ohne eine besondere Promotion aufgrund der durch die Pandemie verlorenen Monate das Erreichen eines höheren Lufthansa Statuslevels in weite Ferne gerückt.

Fazit

Zwar sollte man im Rahmen der Corona-Pandemie auch weiterhin jede Reise abwägen, doch wer sich aktuell dafür entscheidet zu reisen, kann gerade als Mitglied in einem Vielfliegerprogramm von einer Vielzahl an attraktiven Promotions profitieren.

Alexander Koenig / manager-magazin.de

Copyright: manager magazin